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Hitler und die Deutschen…
…Volksgemeinschaft und Verbrechen.
Diese Ausstellung ist seit Oktober 2010 im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen und kann noch bis zum 27.Februar dieses Jahres besucht werden.
Sie versucht das Thema des Nationalsozialismus von einer anderen Seite aufzurollen. Hitler als Person soll entmystifiziert und die sozialen Bedingungen unter denen der Nationalsozialismus entstehen und wachsen konnte sollen diskutiert werden. Es soll gerade dieser Schnittpunkt von Hitlers Persönlichkeit mit den großen Sehnsüchten und Hoffnungen der Bevölkerung herausgestellt werden, der jene einschneidenden Ereignisse der 30er- und 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstehen lassen konnte.
Eine gelungene Ausstellung – ohne Frage – aber eben auch “nur“ eine weitere typische Zeitgeschichtsausstellung bestehend aus Bild-Textkollagen mit Filmsequenzen und Hands-on, gespickt mit Originalen. In Sachen Ausstellungsgestaltung ist nichts Neues und Herausragendes präsentiert wurden, was dem Normalbesucher allerdings kaum auffallen dürfte. Wer ohne großes Vorwissen in die Ausstellung geht, wird – sollte er nicht mit Scheuklappen durch die Ausstellungsräume gehen – etwas Neues lernen, zumal die Texte in der Tat sehr verständlich geschrieben sind. Wer das Thema bereits zu Genüge kennt und neue Informationen erwartet, muss sich mit der Einmaligkeit der Objekte zufrieden stellen. Die wiederum sind zum Teil äußerst bewegend und lassen einen still vor der Vitrine verharren und die vielen Hundert Menschen um einen herum vergessen.
Briefe von Kindern und Frauen an Hitler die eindringlich den Kult um dessen Person widerspiegeln, lassen einen sprachlos werden, da man auf diese Weise einen ganz unmittelbaren und persönlichen Einblick in die Vergangenheit bekommt.
Private Fotoalben die Bilder erhängter Menschen an Bäumen am Straßenrand zeigen, Kinderzeichnungen aus Theresienstadt oder Fotos von Todesmärschen rufen Gänsehaut und ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hervor.
Aber auch sehr skurrile Dinge wie „Mein Kampf“ in Blindenschrift oder Kitschobjekte um Hitler und die NSDAP sind Teil der Ausstellung.
Ist die Ausstellung den ganzen Trubel wert? Nun, das mag man sehen wie man will. Sie hat auf jeden Fall das Potential zum Nach-, Weiter- und Umdenken anzuregen.
Wenn man sich einfach auf die Objekte einlässt, diese sprechen lässt und ab und an den Kopf zu den Texten wendet wird man möglicherweise ganz von allein in den Bann der Geschichte gerissen, was man nur hoffen kann.
Wer an Platzangst leidet und eher menschenscheu ist, sollte noch ein paar Wochen warten und am besten an einem Montagmorgen die Ausstellung besuchen. Ansonsten gleicht der Museumsbesuch eher einem Samstag bei IKEA.
Weitere Informationen sind hier zu finden.
Marie Breinl
(Dipl. Museol., Leipzig 23.01.2011)