Maritime Glockenbecher

1. Einleitung- das Glockenbecherphänomen (GBP)
Eines der interessantesten Phänomene des 3. vorchristlichen Jahrtausends ist sicherlich das des Glockenbecherphänomens (GBP)1. Es reiht sich ein in einen Wandel der prähistorischen Gesellschaften und führt den Trend vom Kollektivgedanken zur Individualisierung fort (Van der Linden 2004). Mit dem GBP breitet sich weiträumig über Europa die Kupfermetallurgie aus und legte damit eine der Grundlagen für die folgende Frühbronzezeit in Europa. Die großen Fragen des GBP drehen sich um Herkunft und Ausbreitung sowie seiner Ideologie2 und dessen Träger. Fakt ist nach neuestem Stand der Forschung, dass die ältesten Nachweise des GBP auf der Iberischen Halbinsel zu finden sind und sich von dort schnell, immerhin in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum von ca. 500 Jahren (2700 B.C. – 2200 B.C.), über einen Großteil des europäischen Festlands, der Britischen Inseln und teilweise auch über die Mittelmeerinseln ausgebreitet hat. Insgesamt können wir ein West- Ost-Ausbreitungsgebiet von Portugal bis in das Karpatenbecken und eine Nord- Süd- Ausbreitung von Dänemark bis Sizilien erfassen. Einige Funde können sogar in Marokko erfasst werden (Abb. 1). Es ist schon bemerkenswert, dass ein Phänomen oder auch eine Ideologie derart große Gebiete Europas zu verbinden vermag.
Seine verbindenden Elemente, die im gesamten Verbreitungsgebiet zu finden sind, zeugen von dieser Ideologie – das so genannte Glockenbecherinventar3. Sie weisen ein nahezu regelhaftes, „normiertes“ Vorkommen auf und sind in der Mehrheit in Grabkontexten zu finden.
DAS verbindende Element des GBP ist der namensgebende Glockenbecher (Vander Linden 2004). In ihm erkennt man scheinbar am deutlichsten den Zusammenhalt der „Glockenbecherideologen“. Er ist im gesamten Ausbreitungsgebiet zu finden und chronologisch vom Anfang bis zum Ende des GBP nachzuweisen. Er ist sozusagen ein „universelles“ Element, dem ein besonderes Augenmerk gebührt.
In der Arbeit soll dabei vorrangig der sogenannte maritime Glockenbecher betrachtet werden4, jedoch kann man diesen auch nicht isoliert betrachten, da er ein Symbolträger einer ganzen Ideologie, d.h. des GBP, ist und man meiner Meinung nach nicht nur den Aspekt der materiellen Kultur beleuchten kann/ sollte ohne die Idee, die dahinter steht, mit einzubeziehen. Dieses ist natürlich auch immer nur im Rahmen der materiellen Kultur und ihrer Interpretation möglich.
2. Definitionen
Im Rahmen dieser Hausarbeit müssen einige Begriffe meiner Meinung nach geklärt werden um Definitionsproblemen bzw. Missverständnissen vorzubeugen. Da folgende Begriffe des öfteren im Text auftauchen werden, werde ich sie jetzt erläutern um eine gemeinsame Basis des Verständnisses zu legen. Zentral sind dabei die Termini des Glockenbechers, des Glockenbecherphänomens, des Netzwerkes und
der Ideologie.
2.1. Glockenbecher (GB) 5 :
Der Glockenbecher ist das eponyme und das zentrale Element des GBP. Er lässt sich im gesamten Verbreitungsraum vorfinden und ist in diesem Sinne auch das einzige Element das sich chronologisch im kompletten Zeitraum des GBP nachweisen lässt. Merkmalsbestimmend für den GB ist seine typische Form einer umgestülpten Glocke. Er besitzt ein S- förmig geschwungenes Profil und ist dazu noch sehr dünnwandig. Hergestellt wurde er meist aus sehr feinem, oxidierend gebranntem Ton. Dies verleiht ihm eine meist orange bis rötliche Farbe. Der typische Glockenbecher ist auf der Oberfläche verziert mit Einritzungen, Schnurabdrücken und Kammstempelverzierungen etc. Diese Verzierungen besaßen im Regelfall eine weiße Inkrustation, sodass sich eine interessante Oberflächengestaltung von- meist horizontal alternierenden- roten und weißen Bändern ergab. Die Regelhaftigkeit in Form und Verzierung bestätigt die Sonderstellung des Glockenbechers im Rahmen
des GBP, denn in ihm bzw. seiner Gestaltung spiegelt sich die Ideologie wieder. Er scheint ein Erkennungsmerkmal zu sein, d.h. ein Symbolträger und ein überregional verbindendes Element. Wir können grob in drei große Gruppen der Glockenbecher unterteilen. Die All-Over-Ornamented (AOO)- Becher, die All-Over-Corded (AOC)- Becher und die maritimen Becher.
2.2. Glockenbecherphänomen (GBP) 6 :
Dieser Terminus soll hier anderen Termini wie z.B. Glockenbecherkultur oder Glockenbechervolk vorgezogen werden, da er die Erscheinung des Glockenbechers am besten erfasst. Wie später noch kurz darauf eingegangen wird, handelt es sich nicht, wie oft erwähnt, um DIE Glockenbecherkultur oder DAS Glockenbechervolk7. Würde man von einem Volk oder (modernerweise) von einer Ethnie sprechen so
impliziert dies die Ausbreitung des GBP quasi als eine Art „Völkerwanderung“ über den europäischen Kontinent angesichts des großen Verbreitungsgebietes und der verhältnismäßig kurzen Ausbreitungszeit. Dies konnte aber widerlegt worden. Wir können hier also nicht davon ausgehen, dass ein kulturtragendes Volk in ganzen Heerscharen aufgebrochen ist um Europa zu bevölkern. Eher kann man davon ausgehen, dass sich eine Art Ideologie8 ausgebreitet hat, die durch kleine Gruppen als Träger verbreitet worden sein kann, jedoch regional verschieden von anderen Gruppen adaptiert und angepasst worden ist. Anders würde sich auch kaum die schnelle Ausbreitung erklären lassen als durch diese kleinen mobilen Gruppen. Die Aus- und Verbreitung basiert also sehr wahrscheinlich auf der Übertragung einer
Ideologie, die innerhalb eines Netzwerkes9 überregionale Verbindungen schafft zwischen ihren Anhängern, die aber in völlig unterschiedlichen regionalen Kulturen verwurzelt sind. Darum kann man eher von einer europaweiten Erscheinung- eben
dem Glockenbecherphänomen sprechen, anstatt von einer Kultur bzw. einem Volk.
2.3. Netzwerk:
Der gesamteuropäische Zusammenhalt bzw. die überregionale Kommunikation des GBP zeigt, das es sich dabei um ein typisches Netzwerk handelt. In Netzwerken handeln Akteure über institutionelle und soziale Grenzen hinaus (Benz et al. 1998). Hier finden wir also wieder einen Beleg für den Terminus des GBP, denn offensichtlich wird kulturübergreifend (institutionell übergreifend) gehandelt bzw.
kommuniziert. Grundlage dessen bildet natürlich die schon angesprochene Ideologie.
2.4. Ideologie:
Was macht also eine Ideologie in ihrem Grundcharakter aus? Unter einer Ideologie verstehen wir ein institutionalisiertes Gedankensystem, dass [von den Akteuren des Netzwerkes] bewusst oder auch unbewusst angenommen wird (Benz et al. 1998). Die GBP- Ideologie wurde also aus einem Grund, der scheinbar einen gewissen Vorteil verschaffte, schnell adaptiert und in die regionale Kultur eingegliedert. Ob dieser
Vorteil wirtschaftlicher, politischer, sozialer oder auch religiöser Natur ist lässt sich nur spekulieren, jedoch werden sicherlich mehrere, untereinander verbundene, Faktoren eine Rolle gespielt haben, die es so attraktiv gemacht haben, die GBIdeologie zu übernehmen.
3. Der maritime Glockenbecher
3.1. Beschreibung und Varietäten
Was zeichnet einen maritimen Glockenbecher aus? Der typische maritime Glockenbecher ist in seiner Verzierung gekennzeichnet durch alternierende Horizontalbänder verzierter und unverzierter Zonen (Abb. 2, 3, 4, 7). Dabei sind verzierte und unverzierte Bänder ungefähr gleichbreit bzw. im regelmäßig gleichen Abstand voneinander aufgebracht. Die Verzierung besteht fast ausschließlich aus Schrägstrichmustern. Es gibt zwei Unterarten der Verzierung. Einerseits den „klassischen“ maritimen Becher mit einheitlich schräggestellten Mustern und andererseits den Verzierungsstil der „herringbone variety“ bei dem die verzierten Zonen abwechselnd mit entgegengesetzt schräggestellten Mustern gefüllt werden, ähnlich dem Fischgrätenmuster.

Ganz typisch wurde die Verzierung mithilfe von Kammstempeln (Abb. 5) aufgetragen. Weitere Techniken sind das Eindrücken mit Muscheln10 oder auch Fischgräten (genauer gesagt Fischwirbelsäulen), vereinzelt auch Einritzungen. Hinzu kommt natürlich wieder die Verwendung weißer Inkrustation, die das interessante farbliche Bild der alternierenden roten und weißen Zonen ergibt. Durch dieEinfachheit der Verzierung, d.h. das stetig benutzte Motiv alternierender Horizontalbänder, das keine Abwechslung der Motive aufweist, wird der maritime Becher in der Literatur teilweise auch als monoton verzierter Becher aufgeführt. Interessanterweise sind Glockenbecher in der älteren Literatur zum Teil eingeteilt
worden in küstengebundene und kontinentale Glockenbecher. Aus der Zuordnung zu den küstennahen Fundorten für die küstengebunden Glockenbecher ergab sich der Name maritimer Glockenbecher. Heute wissen wir, dass maritime Glockenbecher nicht nur küstengebunden sind, jedoch ist die Annahme aufgrund der Forschungslage der früheren Fundzentren an der atlantischen Küste Portugals (port. Estremadura) und Frankreichs (Bretagne) nicht so abwegig gewesen (Casal 2001). Zumal auch Muscheln und Fischgräten mariner Arten als Verzierungsgeräte
verwendet worden sind- Verzierungstechniken, die fast ausschließlich mit dem maritimen GB in Verbindung stehen.
Weitere verwendete Termini , die mehr oder weniger veraltet sind, jedoch die „Kernaussage“ des maritimen Glockenbechers sehr gut treffen, sind z.B. die des „pan-europäischen“ oder des „internationalen“ Bechers. In ihren Termini drückt sich das Wesen des maritimen Glockenbechers aus. Wir haben es zu tun mit einem Glockenbechertypus, die im gesamten Verbreitungsgebiet des GBP vorkommt und nicht nur wie in der älteren Literatur oft vermutet in den küstennahen atlantischen Bereichen der Iberischen Halbinsel und Frankreichs. Er ist eine überregionales
Element, das in dieser Form europaweite Parallelen findet und ohne größere Probleme ein Zusammenhang augenscheinlich zu erkennen ist.
Jedoch möchte ich hier nicht nur den reinen maritimen Glockenbecher erwähnen, sondern auch kurz auf weitere Varietäten eingehen, die sich aus dem maritimen Becher heraus entwickelten. Zum ersten wäre der epimaritime Becher oder auch Stil zu nennen. Dieser ist eine Art Erweiterung des maritimen Glockenbechers. Auffällig ist die Auflösung der strengen Abfolge der Zonierungen, d.h. die Abstände und Breiten der
einzelnen Horizontalbänder können variieren. Dabei werden im Regelfall auch Hals- und Bodenbereich der GB unverziert gelassen. Eine
weitere Neuerung in der Verzierung ist die Erweiterung der Horizontalbänder durch völlig neue Motive wie z.B. schraffierte Dreiecke, Zick-Zack-Muster, Rhomben, Gittermuster und tw. auch Schnurabdrücke (Abb. 6, 8). Der epimaritime Stil entwickelte sich aus dem maritimen Stil und weist Eigenheiten auf, die sich aus Adaption und folgender Eigengestaltung des maritimen Stils in den verschiedenen
Regionen des GBP ergeben. Ein weiterer Bechertypus ist der Corded-Zone-Maritime, kurz CZM-Becher, oder auch Schnurzonenbecher, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die verzierten und unverzierten Horizontalbänder durch Schnurabdrücke voneinander getrennt werden (Abb. 3)Dieser Bechertypus scheint eine Mischung aus dem AOC- Becher und dem maritimen Becher zu sein.

3.2. Der Ursprung des maritimen Glockenbechers
Schon frühe Untersuchungen des GBP legten Grund zur Vermutung nahe, dass das bzw. eines der Ursprungszentren auf der Iberischen Halbinsel liegen musste. Forscher wie A. Schliz, E.Cartailhac, A. Voss, P. Bosch Gimpera und A. del Castillo arbeiten schon frühzeitig sinnvolle Ansätze zur Klärung der Frage des Ursprungs heraus (Benz et al. 1998). Über die Jahrzehnte der Forschungsgeschichte hinweg wurden jedoch viele Theorien
entwickelt und verworfen, die hier nicht alle im einzelnen aufgeführt werden sollen, da sonst der Rahmen bei solch einem, lange Zeit, kontroversem Thema gesprengt werden würde. Wichtig sind die Arbeiten der schon erwähnten Forscher. Einen weiteren wichtigen Beitrag leistete auch E. Sangmeister mit seiner so genannten „Rückstromtheorie“ (Sangmeister 1963)12, die zwar die Entwicklung der jüngeren
Glockenbecherformen auf der Iberischen Halbinsel falsch interpretierte, jedoch stellte er auch schon richtig heraus, dass die Glockenbecher ihren Ursprung auf der Iberischen Halbinsel haben mussten und sich aus regionalen chalkolithischen Kulturen entwickelt haben und dann in seiner als erste postulierte Phase eine Ausbreitung über Europa aus dem Südwesten, d.h. der Iberischen Halbinsel in
Richtung Norden und Osten erfolgte.
Mit dem sogenannten „Dutch Model“ (Abb. 9) gut 20 Jahre später schien das Rätsel des Ursprungszentrums des Glockenbechers geklärt zu sein (Lanting/ van der Waals 1976). Basierend auf unkalibrierten 14C- Daten entwickelten J.N. Lanting und J.D. van der Waals ein in sich schlüssiges Chronologiesystem, das die Abfolge der Glockenbecherentwicklung erklären sollte. Danach entwickelte sich im Niederrheingebiet aus dem lokalen schnurkeramischen Becher- dem protruding foot beaker (PF beaker)- der sogenannte All over cord impressed beaker, kurz AOCBecher,
der sich durch horizontale Schnurverzierung über den kompletten Becher auszeichnet und der All-over-ornamented beaker, kurz AOO- Becher, der sich durch verschiedenste Formen der Verzierung über die gesamte Becheroberfläche auszeichnet. Schließlich soll sich als logische Konsequenz der (maritime) Glockenbecher aus diesen Typen entwickelt haben (Lanting/ van der Waals 1976). Für die Niederlande mag dieses Modell stratigraphisch bzw. chronologisch durchaus zutreffen. Jedoch wurde dieses Modell weitgehendst unkritisch übernommen und auf andere Regionen Europas übertragen, obwohl z.B. offensichtlich sehr wenige Funde von AOC- Bechern auf der Iberischen Halbinsel nachzuweisen sind (Case 2004) und dies schon stutzig machen muss in Bezug auf die zeitliche Abfolge des „Dutch-Model“ für die Iberische Halbinsel. Nur wenige äußerten sich kritisch, wurden aber kaum gehört (Salanova 1998). Erst mit verbesserten 14C-Daten konnte herausgestellt werden, dass die ältesten Glockenbecher wohl auf der Iberischen Halbinsel nachzuweisen sind (Müller/ van Willingen 2001). Besonders bei der Tagung in Riva del Garda wurden die neuesten Erkenntnisse zusammengetragen und ausgewertet, die den aktuellsten Stand der Forschung widerspiegeln. Demnach scheint die älteste Form der Glockenbecher , die der maritimen, in Portugal in der Tejo-Ebene entstanden zu sein um dann einen „Triumphzug“ in Europa anzutreten. Zweifellos gehören auch die AOC- und AOOBecher zu den frühesten Formen des GBP, jedoch sind ältesten Nachweise auf der Iberischen Halbinsel zu finden. Eventuell können wir hier von zwei eigenständigen Entwicklungen ausgehen- die der maritimen und die der AOC/ AOO-Becher.
3.2.1. VNSP II
Wie schön erwähnt kann nach aktuellem Forschungsstand der Ursprung der maritimen Becher auf der Iberischen Halbinsel ausfindig gemacht werden. Hier scheint er in den regionalen chalkolithischen Kulturen zu wurzeln. Zusammenhänge, die besonders von R. Harrison herausgearbeitet worden sind , deuten darauf hin, das der Ursprung in der Tejo-Ebene bzw. der portugiesischen Estremadura zu lokalisieren ist. Die dort ansässige Kultur der Vila Nova de São Pedro-Kultur, genauer gesagt die Stufe II (VNSP II), gilt als Ausgangspunkt für die maritimen
Becher. Schon in der VNSP II-Kultur finden wir verschiedene Gefäßformen und vor allem Verzierungsmotive (Abb. 10) bzw. eben beides in Kombination, die deutlich einen möglichen Zusammenhang zu den maritimen Bechern erkennen lassen. Man spricht deshalb auch von einer „pre-beaker“ Verzierungstradition. Außerdem kann man in VNSP II-Siedlungen einen kontinuierlichen Übergang zw. VNSP II-Kultur
und GBP fassen- hier könnte man aufgrund der lokalen Entwicklung ausnahmsweise auch von Glockenbecherkultur sprechen. In den stratigraphischen Abfolgen der Siedlungen lässt sich eine Gleichzeitigkeit beider Kulturen erkennen, wobei der Anteil an verzierter Glockenbecher-Keramik (Abb. 11) (chronologisch fortschreitend) kontinuierlich ansteigt. Ebenso ist eine Kontinuität der Belegung der Kuppelgräber von VNSP II bis zum GBP nachgewiesen. Weitere wichtige Aspekte für die Belegung des Übergangs sind die Benutzung der gleichen Rohstoffe bzw. Rohstoffquellen, wie z.B. Elfenbein, Gesteine/ Mineralien und vor allem derselben Tonlagerstätten, was für
den Übergang in der Keramikproduktion ein wichtiges Indiz darstellen kann. Auch war die Nutzung von Kupfer, für die das GBP so bekannt ist, bereits in der VNSP IIKultur bekannt.13 Als diese Hinweise lassen eine Entwicklung der maritimen Becher aus der VNSP II-Kultur als sehr wahrscheinlich einstufen (Harrison 1977). Zu einem sehr geringen Teil könnten auch andere chalkolithische Kulturen der Iberischen
Halbinsel einen Einfluss gehabt haben.

4. Die Ausbreitung des GBP
Nachdem sich der maritime Becher in der Tejo-Ebene herausgebildet hat breitete sich das GBP über die Iberische Halbinsel aus. Schätzungsweise entwickelte sich das GBP dort innerhalb von 200 Jahren weiter, bevor es sich in kurzer Zeit über den restlichen europäischen Kontinent verbreitete. Die Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel kann man sich wohl so vorstellen, dass kleine Gruppen aus der portugiesischen
Estremadura ostwärts (Meseta, Katalonien, Andalusien) und nordwärts (Galizien) gewandert sind und sich dort niedergelassen haben. Sie sind erste Träger der Ideologie des GBP und bringen andere Gruppen dazu diese zu übernehmen. So entsteht auf der Iberischen Halbinsel ein echtes Kerngebiet des GBP, dass sich in seiner frühen Form komplett ausbildet und dann die Pyrenäen überquert mit einer
Art „proto- beaker“ package14 (Abb. 12) (Harrison/ Heyd 2007), dass in diesem Sinne 14 das „proto-beaker“ package besteht aus: dekorierten Textilien, alkoholischen Getränken, Silexpfeilspitzen mit konkav eingezogener Basis, Tortuga-Knöpfen und natürlich dem Glockenbecher 15
nur durch materielle Kultur nachweisbar ist, deren Hersteller und Benutzer aber sicher die Träger der GB-Ideologie sind, denn diese Elemente des „proto-beakerpackage“ tauchen in der Folgezeit im gesamten Ausbreitungsgebiet des GBP auf und werden dann zum klassischen „bell beaker-package“15 erweitert, d.h. den typischen Fundgattungen dieses Phänomens, die sich vorrangig im Grabkontext nachweisen
lassen und einem gewissen und, regional abhängig, strengem Kanon unterliegen.
4.1. Was hat sich auf welche Weise ausgebreitet?
Lange Zeit stand die Frage offen, was genau sich ausgebreitet hat beim dem, was wir heute als GBP fassen. Vermutungen, nur der Glockenbecher an sich würde verhandelt worden sein, konnten durch tonmineralogische Untersuchungen ausgeschlossen werden, das es sich stets um Tone regionaler Lagerstätten handelte aus denen die Glockenbecher hergestellt worden sind. Zwar wurden ähnliche Tonarten bevorzugt, die den Gefäßen eine gelbliche bis rote Färbung gaben. Jedoch konnte widerlegt werden, dass die GB über extrem weite Entfernungen, z.B. von
Portugal bis Böhmen, gehandelt worden sind. Auch die Tatsache, dass überall ein gewisses Grundinventar, d.h. das „bell beaker-package“, vorhanden war, spricht meiner Meinung nach klar gegen eine solche Annahme, denn auch die anderen Komponenten wurden im gesamten Verbreitungsgebiet übertragen und über Großräume gehandelt bzw. die Herstellungstechnik weitergegeben, sodass die Idee
vom Becher als isoliertes Handelsgut höchst unwahrscheinlich ist. Auch die lange Zeit vertretene Meinung des sich ausbreitenden Glockenbechervolkes kann nicht bestätigt werden, denn der anthropologische Nachweis ist in diesem Sinne nicht erbracht. Zwar gibt es den oft angeführten Schädeltyp des „planoccopithalen Steilkopfes“ (Gerhardt 1976) oder des „brachyomorphen Schädels“
(Benz et al. 1998), der mit dem „Glockenbechervolk“ identifiziert wurde. Allerdings ist die Zahl der untersuchten Skelette zu gering, um wirklich aussagekräftige Ergebnisse vorlegen zu können und es kann kann auch sehr gut möglich sein, dass andere Umstände die Schädelform bedingen (Benz et al. 1998),sodass in diesem Sinne keine massive Landnahme nachzuweisen ist. Meiner Meinung nach kann eher davon ausgegangen werden, dass kleine Gruppen als Träger der Glockenbecherideologie in die verschiedenen Regionen des Verbreitungsgebietes gewandert sind und dort neue Anhänger der Ideologie „gewonnen haben“ bzw. lokale Gruppen aus Gründer bestimmter Vorteile die Ideologie von sich aus übernommen haben. Dabei müssen die Gruppen nicht zwangsweise aus dem Ursprungsgebiet kommen, sondern können auch bereits von
der Ideologie Überzeugte sein, die aus ihren Regionen wiederum auswandern und die Ideologie in Nachbarregionen weitertragen. Welcher Art die eben erwähnten Vorteile waren, ist natürlich sehr spekulativ. Auffällig ist, dass sich mit dem GBP auch die Kupfermetallurgie über Europa ausbreitete, sodass hier das Wissen um die Kupfergewinnung und -verarbeitung als Vorteil angesehen werden könnte. Damit
einhergehend sind natürlich auch soziale Komponenten wichtig, denn das Wissen verschafft bestimmt nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch ein damit verbundenes soziales Ansehen in der Gruppe. Vielleicht steckt hinter der Ideologie auch ein religiöser Aspekt. Schließlich können wir das GBP mit seinem typischen Glockenbecherinventar als Beigabenkanon hauptsächlich in den Gräbern fassen. Vorstellungen von Diesseits und Jenseits sind klassische Aspekte religiösen Denkens. Hat auch die Glockenbecherideologie direkt damit zu tun? Was im Endeffekt der
Hauptaspekt bzw. der Hauptvorteil ist, lässt sich schwer sagen, obwohl z.B. Gräber wie das des „Amesbury Archers“ mit seiner Überausstattung vom hohen Status des Kupferschmiedes zeugen. Andererseits können wir aber auch in „normalen“ Glockenbechergräbern weiträumig gleiche Beigaben vorfinden. Dies spricht nicht gerade für ein besondere Herausstellung des Einzelnen. Ein meiner Meinung nach interessanter Ansatz zur Ausbreitung des GBP ist der L. Salanovas, die im gesamten Verbreitungsgebiet die Keramik zwischen „standard“ und „regional facies“ (Abb. 13) unterscheidet (Salanova 2001). Der „standard“ ist dabei der typische Glockenbecher an sich. Dazu zählt sie die AOC-, AOO-, und maritimen
Becher. Sie bilden quasi die Grundlage der Ausbreitung bzw. sind die Keramiktypen, die am Anfang der regionalen Ausbreitung stehen. Die „regional facies“ ist das was sich dann aus dem „standard“ heraus entwickelt. Hier spielt genau dieser Aspekt der einwandernden kleinen Gruppen eine Rolle. Träger der Glockenbecherideologie wandern mit ihrer typischen Glockenbecherkeramik in Regionen ein, worauf durch
lokale Kulturen bzw. Bevölkerung reagiert wird, indem die Glockenbecherideologie mehr oder weniger je nach Bedarf übernommen wird- vollständig oder nur Einzelelemente. Aus dem typischen „standard“ werden die „regional facies“ entwickelt, d.h. aus Glockenbecher-„standard“ und lokalen Traditionen entsteht eine regional angepasste Form des GBP. Dies zeigt sich z.B. in regional unterschiedlichen Form- und Verzierungselementen, die meist regional spezifisch sind oder auch in der Beibehaltung der sogenannten „céramique d’accompangement“16 oder der „Begleitkeramik“17,18. Darum teilte L. Salanova, wie auch C. Strahm die Funde des GBP in mehrere Kategorien ein(Salanova 2001/ Strahm 2004).19
4.2. Das GBP- integrativ und exklusiv zugleich
Im Verlauf der Ausbreitung des GBP kommen viele integrative, aber auch exklusive, Eigenheiten zum Vorschein. Offensichtlich ist der interne Zusammenhalt. Wir haben es mit einem weit gespannten Netzwerk zu tun, dass Träger einer bestimmten Ideologie ist, auf der sich eine „Weltanschauung“ und eine normierte materielle Kultur aufbauen. So stark wie der interne Zusammenhalt des GBP ist, genauso stark
ist auch die Abgrenzung nach außen. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Abgrenzung gegenüber der Schnurkeramik, die sich vor allem in den Bestattungssitten zeigt. In der Schnurkeramik finden wir streng normierte Regeln der West-Ost-Ausrichtung mit Blick nach Süden. Die männlichen Individuen werden mit dem Kopf im Westen als rechtsseitige Hocker bestattet, während die weiblichen Individuen mit dem Kopf
im Osten als rechtsseitige Hocker bestattet werden. Das Bild der GB-Bestattungen wirkt hingegen völlig konträr. Hier können wir eine Nord-Süd-Ausrichtung feststellen mit Blickrichtung nach Osten. Die männlichen Individuen werden hier als linksseitige und die weiblichen Individuen als rechtsseitige Hocker bestattet. Scheinbar wird hier bewusst eine Antihaltung ausgedrückt. Hier zeigt sich ein bestimmender Wesenszug des GBP, der nicht unbedingt dem integrierendem Charakter widerspricht. Den wenn wir die Bestattungssitten der Westgruppe und der Ostgruppe betrachten so können wir etwas erstaunliches feststellen. Scheinbar sehen wir auf den ersten Blick verschiedene Bestattungssitten. Während wir im Bereich der Westgruppe des GBP Bestattungen in Kollektivgräber der Vorgängerkulturen vorfinden, die scheinbar einem wenig streng geregeltem Ritus folgen, finden wir in der Ostgruppe Einzelbestattungen, denen ein sehr streng genormter Ritus zugrunde liegt. Nun ist die Frage, wie dies im Kontext der als eigentlich einheitlich angesehenen GB-Ideologie zu deuten ist. Vermutungen, wir hätten es hier einfach mit einer chronologischen Abfolge im Zuge der West-Ost- Expansion zu tun, d.h. die Bestattungssitten hätten sich im Zuge derer gewandelt,
sind kaum haltbar. Demnach müssten wir in der Westgruppe eine chronologisch als älter einzustufende egalitäre Gesellschaft und in der Ostgruppe eine (leicht) hierarchisierte bzw. stratifizierte Gesellschaft vorliegen haben. Dies ist aber in Anbetracht der schnellen Ausbreitung des GBP sehr zweifelhaft bzw. würde keine plausible Begründung für den schnellen Wandel zugrunde liegen. Aufgrund modernerer Grabungen bzw. Grabungsmethoden konnte auch für die Bestattungen der Westgruppe nachgewiesen werden, dass es sich hierbei um Einzelbestattungen20
handelt. Wenn man sich nun den Zusammenhang zw. den Bestattungssitten der Ostund der Westgruppe überlegt kann man einfach feststellen, dass die Träger der Glockenbecherideologie einfach nur regional vorhandene Bestattungsorte und -sitten übernommen und auf ihre Weise überprägt haben. Während wir in der Westgruppe einfach nur eine Fortführung der Belegung von Kollektivgräbern haben, obwohl die 20
Glockenbecherbestattungen in diesem Sinne nur Einzelbestattungen sind, finden wir in der Ostgruppe genau dieselbe Sitte vorhandene Bestattungssitten zu übernehmen und nach eigenen Vorstellungen zu überprägen. Dies drückt sich natürlich in der Ostgruppe, durch die bewusste Abgrenzung gegenüber der Schnurkeramik, viel extremer aus als in der Westgruppe. Wir sehen also, dass das GBP, scheinbar auch
sehr bewusst, ein von sich aus sehr integrierendes und flexibles Eigenwesen hatte. Flexibel genug um Eigenheiten regionaler Kulturen aufnehmen zu können bzw. besser gesagt auch sich eingliedern zu können. Wie schon bei L. Salanovas Konzept des „standards“ und der „regional facies“ sehen wir eine Möglichkeit des „beakerpackages“ bzw. des „standards“ sich in regionale Kulturen ohne Probleme vollständig oder teilweise integrieren zu können oder auch fremde Elemente aufnehmen zu können21. Ich denke, dies macht auch den Erfolg des GBP aus. Auf der
anderen Seite scheint es sich bewusst anderen größeren Kulturen abzugrenzen. Das zeugt zwar auf den ersten Blick nicht von Flexibilität und Integrität, allerdings schafft diese bewusste Abgrenzung einen höheren Grad der Identifizierung jedes Einzelnen mit der Ideologie des GBP.
5. Die Rolle des Bechers
Offensichtlich kommt dem Becher eine besondere Rolle im GBP zu. In erster Linie ist er ein Symbolträger bzw. ein Erkennungsmerkmal. Allein schon die Verzierungsarten, die besonders beim maritimen Becher sehr normiert wirken, können darauf schließen lassen. Der Becher verbindet Regionen über den gesamten europäischen Kontinent hinaus und scheint eine Art Schlüssel im Netzwerk der Glockenbecherideologie zu sein. Seine Bedeutung wird im gesamten Verbreitungsgebiet erkannt. Und obwohl die Becher regional hergestellt werden, unterliegen sie in Form und Verzierung, ja sogar in der Materialauswahl, gewissen Richtlinien. Von einem Statusobjekt, wie früher in der Forschung oft angenommen wurde, kann man wohl nicht ausgehen. Der Becher ist eher ein integratives Element der Gemeinschaft der GB-Ideologie. Allein schon die Grundintention des Trinkgefäßes Becher an sich weist darauf hin. Hier liegt kein individualisiertes Trinkgefäß vor, wie etwa ein Henkelgefäß; der Becher ist mit seiner „ergonomischen“ Form dazu gedacht ihn weiterzugeben, etwa bei einem „Trinkgelage“. So etwas zeugt von einem Gemeinschaftsgedanken. Auch die Regelhaftigkeit als Grabbeigabe verbindet die Verstorbenen einer Gruppe sozusagen noch im Tod. Möglicherweise auch als
Mitgabe ins Jenseits für weitere Gelage? Jedenfalls konnten in einigen GB aus Gräbern auch alkoholische bzw. berauschende Getränke nachgewiesen werden- eine Tatsache, die die Annahme von Trinkgelagen stärkt (Sherratt 1987). Speziell dem maritimen Glockenbecher kommt eine besondere Stellung zu. Er gehört zu dem, was L. Salanova als „standard“ bezeichnet, d.h. er ist stets einer der ersten Anzeiger für die Ausbreitung des GBP im gesamten Verbreitungsgebiet. Allein seine Bezeichnungen als „pan-europäischer“ bzw. auch internationaler Becher
verdeutlichen dies. Egal in welchen Regionen man das Aufkommen des GBP nachvollziehen will; immer findet man in den frühesten Phasen den maritimen Becher vor. Auch seine Verzierung („monoton verziert“) scheint ein universelles Motiv zu sein, dass trotz seiner Einfachheit einen hohen Symbolcharakter und Erkennungswert hat und weiträumig Parallelen findet, sodass es nicht besonders schwer erscheint Verbindungen zw. den einzelnen regionalen Typen des GBP herzustellen, da überall ein deutlich erkennbarer Grundtyp zugrunde liegt. Seine weiträumige Verbreitung als Symbolträger bestätigt die beeindruckende Größe des Netzwerkes des GBP.

6. Zusammenfassung
Wir können also das GBP als gesamteuropäische Erscheinung fassen, die über große Räume hinweg neue Netzwerke schuf oder aber auch alte aufrecht erhielt, die auf einer verbindenden Ideologie fußten. Einheitliche materielle Grundinventare (Salanovas und Strahms Kategorie I+ II) und offensichtliche strenge Sitten und Gebräuche vor allem im Grabritus zeugen von dieser Einheitlichkeit des Phänomens.
Andererseits war es auch ein sehr vielseitiges Phänomen, das durchaus in der Lage war regionale Kulturen/ Gruppen in gewissem Maße flexibel zu integrieren ohne sein eigentliches Wesen wandeln zu müssen. Sowohl innere Geschlossenheit, aber auch innere Vielseitigkeit, als auch strenge Abgrenzung gegenüber anderen Ideologien, wie die der Schnurkeramik, sind somit wichtige Eigenschaften dieses Phänomens. Das wohl wichtigste Element des GBP stellt der Glockenbecher an sich dar, der im gesamten Verbreitungsraum ein wichtiger Symbolträger und
Erkennungsmerkmal der Gemeinschaft war. Seine Einheitlichkeit in Form und Verzierung ist ein beeindruckendes Indiz dafür. Der maritime Glockenbecher hat in diesem Kontext eine besondere Rolle, da er wohl die früheste Form der Glockenbecher darstellt und von der Entstehung auf der Iberischen Halbinsel bis ans Ende der West-Ost-gerichteten Expansion in nahezu alle Gebiete des Glockenbechergebietes „weiter getragen“ wird und somit immer einer frühesten und stetigsten Nachweise des GBP ist bzw. im Kontext gesehen ein „Überträger“ der
Glockenbecherideologie.

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11 – 16 May 1998, Trento, 2001, 387-409 Lanting/ van der Waals 1976 J.N. Lanting, J.D. van der Waals. Beaker Culture Relations in the Lower Rhine Basin. J.N. Lanting, J.D. van der Waals (Hrsg.), Glockenbechersymposion Oberried, 18 – 23 März 1974, Bussum, 1976, 1-80
Müller/ van Willingen 2001
J. Müller, S. van Willingen. New radiocarbon evidence for european Bell Beakers and the consequences for the diffusion of the Bell Beaker
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Salanova 2001
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Sangmeister 1963
E. Sangmeister. Die Kultur des Glockenbechers. In: Les Civilizations antlantiques du Néolithique a l’Age du Fer. Übersetzung von P. Körner,
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C. Strahm (Hrsg.). Das Glockenbecher- Phänomen- Ein Seminar. Freiburger Archäologische Studien 2, Freiburg, 1995
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C. Strahm. Das Glockenbecher- Phänomen aus der Sicht der Komplementär- Keramik. In: J. Czebreszuk (Hrsg.), Similar but Different- Bell Beakers in Europe. Poznan, 2004, 101-126
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M.M. Vander Linden. Polythetic networks, coherent people: A new historical hypothesis for the Bell Beaker Phenomenon. In: J. Czebreszuk (Hrsg.), Similar but Different- Bell Beakers in Europe. Poznan, 2004, 35-62

Fußnoten

1 der Begriff Glockenbecherphänomen soll der bevorzugte Terminus sein (siehe 2.2.)
2 Erklärung des Begriffes siehe 2.4.
3 dazu gehören Glockenbecher, Schalen, Palmelaspitzen, Kupferdolche, (i.d.R. steinerne) Armschutzplatten,
Silexpfeilspitzen (meist mit konkav eingezogener Basis oder geflügelte Pfeilspitzen), halbmondförmige
verzierte Elfenbein- oder Knochenanhänger, V-förmig durchbohrte Knochenknöpfe, Schmuckobjekte aus
Gold, Kupferahlen/ -pfrieme
4 Erklärung des Begriffes siehe 3.1.
5 in der englischsprachigen Literatur finden wir die Abkürzung BB für Bell Beaker, allerdings habe ich mich
für die deutsche Variante entschieden auch in Anlehnung an die von mir gewählte Abkürzung GBP
6 in Anlehnung an Strahm 1995
7 erstmals erwähnt von G. Childe 1925 in seinem Werk „The Dawn of European Civilization“
8 Definition des Begriffes Ideologie siehe 2.4.
9 Erklärung des Begriffes siehe 2.3.
10 verwendete Arten sind: Cerastoderma edule (Cardium), Donax Vitattus und eine unbestimmte Art (Salanova
1998)
11 in der französischen Literatur auch als „style mixte“ bezeichnet
12 in der genannten Literatur verwendet E. Sangmeister noch den Begriff Reflux
13 zusammenfassend sei auf die Abbildung nach Harrison verwiesen (Harrison 1977, Fig. 20)
14 das „proto-beaker“ package besteht aus: dekorierten Textilien, alkoholischen Getränken, Silexpfeilspitzen mit
konkav eingezogener Basis, Tortuga-Knöpfen und natürlich dem Glockenbecher
15 siehe auch Anmerkung 4 zum Glockenbecherinventar
16 Begriff in der Westgruppe des GBP
17 Begriff in der Ostgruppe des GBP
18 hier muss herausgestellt werden, dass beide Begriffe eine eigene Definition besitzen
19 Kategorie I umfasst den GB an sich / Kategorie II sind Objekte, die nur mit GB der Kategorie I oder
untereinander vergesellschaftet sind/ Kategorie III umfasst Objekte, die zusammen mit I vorkommen, aber
auch in räumlich und zeitlich benachbarten Gruppen; dazu gehören auch „Begleitkeramik“ und „cèramique
d’accompangement“
20 gemeint sind vor allem Einzelbestattungen in früher als Kollektivgräber genutzten Bestattungsplätzen
21 man beachte nur die Erweiterung des „proto-beaker“ packages zum „bell-beaker package“ an sich

Abbildungen:

Ronny Krähe, Halle/Saale, 2008.

  1. #1 von Hartmut am 9. August 2013 - 18:11

    Werter Herr
    Die vergangene Zeit hat es mir auch angetan. Sehr int. Beitrag um die GBP zu verstehen.
    Alle Achtung.
    Vielleicht könnte man über die aufgebrachten Muster auf den Bechern etwas über die Menschen von damals erfahren.
    Die aufgebrachten Striche-Balken haben doch eine
    Systematik.
    Über diese Rhytmik kann man den Verwendungszweck erahnen.
    Für ihre weitere Forschung viele gute ideen.

(wird nicht veröffentlicht)