spätmagdalenienzeitlicher Siedlungsplatz Gönnersdorf

von Annegret Medack, Halle/Saale, 2009.

1. Einleitung

Gönnersdorf ist eine wichtige spätjungpaläolithische Freilandsiedlung am Nordrand des Neuwieder Beckens. Mit seinen Funden und Befunden gibt es nicht nur einen kleinen Einblick in das Siedlungswesen der damaligen Zeit, sondern unterrichtet uns, durch die vielen Knochen- und Faunenreste über die damaligen Umwelteinflüsse und ähnliches. Außerdem geben einige der gravierten Darstellungen Einblicke in die Gedanken- und Vorstellungswelt der Gönnersdorfer Menschen.

Diese Arbeit ist in mehrere Teile gegliedert. Als erstes wird kurz die Lage der Siedlung beschrieben, danach gibt es einen kurzen Einblick in die Forschungsgeschichte. Darauf werden die einzelnen Siedlungsbefunde näher erklärt, also die drei Hausgrundrisse und die Zeltgrundrisse. Danach wird kurz auf die Artefakte eingegangen.

Darauf folgen Erläuterungen zu den gravierten Schieferplatten, wobei zuerst die Tierdarstellungen näher erklärt werden, und dann die Frauendarstellungen. Dem folgen Erklärungen zu den Frauenstatuetten. Abgeschlossen wird die Arbeit durch ein Fazit.

2. Lage

Im Neuwiederbecken, eine Beckenlandschaft die eine Ausbreitung von 20×15km hat (Abb.1)., liegt kurz vor der Andernacher Pforte, die den Nordausgang dieses Beckens kennzeichnet, die Freilandsiedlung Gönnersdorf, unweit der 1889 ergrabenen Freilandsiedlung Andernach-Martinsberg (Abb. 2). Der Rhein war hier breiter als heute, nachdem er aus den schmalen Tal aus Richtung Bingen und Koblenz kam, konnte er sich hier ausbreiten und floss zwischen vielen kleinen Inseln in einem breiten Bett.

Der Siedlungsplatz liegt auf der rechtsrheinischen Mittelterasse oberhalb des Rheins und fällt hangartig zu diesem ab. Über diesem Hang liegt eine, leicht zum Rhein geneigte, Fläche, die westlich durch einen Bachlauf geteilt wird. Dieser Bach führt heute nur noch nach starken Regenfällen Wasser. Der Siedlungsplatz liegt auf dem Sporn zwischen dem Bach und dem Hang. Er befindet sich in einer so genannten Sessellage, da er zu keiner Seite einen offenen Zugang hat. Im Westen wird der Platz durch den kleinen Bach und dem Hang zur Hochterasse begrenzt. Im Norden schließt sich ein Berghang zu den Randlandschaften des Neuwieder Beckens an. Die Siedlung lag auf der geneigten Fläche, und hatte auf 32m eine Neigung von 3m, war also um 9,4% zum Rhein hin geneigt[1].

3. Forschungsgeschichte

Eine ausführliche Forschungsgeschichte wurde von Bosinski bereits in dem dritten Band der Gönnersdorfer Reihe dargelegt[2], deswegen wird hier nur kurz auf die einzelnen Grabungskampagnen eingegangen.

Erstmalig entdeckt wurde der Siedlungsplatz bei der Ausbaggerung der Baugrube des Hauses Middendorf März 1968, wo die Bauarbeiter auf Knochen und Steinplatten im Löß stießen. Der Bauleitende Architekt meldete die Beobachtung dem Kreismuseum Neuwied. Es wurde zunächst die Süd- und Westwand untersucht. Die Fundschicht zeichnete sich im Profil durch eine Lage von Knochen und Steinplatten im Löß ab[3]. Nachdem Gerhard Bosinski über Gönnersdorf informiert wurde, übernahm er die Leitung sämtlicher Arbeiten am Fundplatz.

Die Grabungen in Gönnersdorf fanden von 1968 bis 1976 statt. Dabei konnten die Fundkonzentrationen I-IV erschlossen werden (Abb. 3).

Die erste Grabungsfläche wurde vom 06.05. – 22.06. 1968 untersucht. Sie war in Nord-Südausrichtung 10m, und in Ost-Westausrichtung 3m groß. Bei der Präparation des Siedlungshorizontes traten Schieferplatten mit Linien auf. Zuerst wurden diese Linien als Arbeits- und Schnittspuren angesprochen, aber nach dem Waschen der Platten wurden Gravierungen von Menschen und Tieren deutlich[4]. Es ist bemerkenswert das alle charakteristischen Befunde bereits in dieser Grabungskampagne auftraten. So auch die kleine Frauenstatuette, die beim ausschlämmen gefunden wurde.

Vom 15.07. – 11.10. desselben Jahres fand eine weitere Grabungskampagne statt. Es wurde ein Schnitt von 66m² geöffnet. Diese Kampagne hatte die Ausmaße einer Notbergung.

1970 wurde bereits vom 04.05. – 02.10. gegraben. Es wurde eine 81m ² Fläche westlich des Grundstückes Middendorf untersucht. Hier konnten die Ausläufer der Konzentration I festgemacht werden, welche bei der ersten Grabungskampagne des Jahres 1968 entdeckt wurde. Weiterhin wurde eine weitere Fundkonzentration im Norden ausfindig gemacht. Außerdem mussten in einer Notbergung in der Baugrube für ein Schwimmbad mehrere Schieferplatten geborgen werden, dabei zeichnete sich eine weitere Konzentration unter dem Haus Pielsticker ab[5].

Im Jahr 1972 fanden Grabungen vom 02.05. – 13.10. statt. Diese Grabungskampagne war die längste überhaupt. Es wurde die westliche Fläche vom 1971 ergrabenen Flächenteil untersucht. In dieser Kampagne konnte das Nordende der Konzentration II erfasst werden[6].

Die Konzentration III, nordöstlich der Konzentration II, konnte bei den Grabungen 1973 vom 28.06. – 01.09. entdeckt werden. Um die Ausdehnung des Fundplatzes abzudecken wurde parallel zur Grabung auf dem Grundstück Dierdorf 3×3m lange Suchgräben und nördlich des Grundstückes Middendorf ein langer Graben von 20m in O-W-Richtung angelegt. Dabei ergab es sich das direkt an die 1973 ausgegrabene Fläche eine weitere Fundkonzentration anschloss. Die Grabungen vom 06.05. – 06.10.1974 wurden als Abschlussarbeit begonnen. Die Fundkonzentration die durch die Suchschnitte zum Vorschein kam sollte genauer untersucht werden. Es erwies sich als notwendig die Fläche nach Norden hin zu erweitern, was auf der Grabung von 1976 vom 27.06. – 24.09. geschehen sollte. Die 1974 angetroffene Fundkonzentration erweiterte sich zu einer rundlichen Anhäufung von Steinplatten. Die letzten Arbeiten in dieser Grabungskampagne und der kompletten Erforschung war die Anlage eines 2×2m großen Schachtes der 7m tief in den Boden reichte. Dieser sollte den Profilaufbau klären und Material für die Kleintier- und Molluskenfauna liefern.[7]

4. Die Siedlungsbefunde

Insgesamt wurde in den Jahren 1968-1976 eine Fläche von 687m² untersucht. Durch die heutige Bebauung konnte nicht die gesamte Siedlungsfläche ergraben werden, dennoch konnten 3 Hausgrundrisse und Zeltgrundrisse freigelegt werden (Abb. 4).

Im Süden der Grabungsfläche liegt die Konzentration I, nordwestlich dieser liegt die Konzentration IIa und die nur zum Teil ergrabenen Konzentration IIb. Nördlicher der Konzentration IIa liegt die Konzentration III und über dieser die Konzentration IV (Abb. 5).

4.1. Die Hausgrundrisse

Die Konzentrationen I-IV sind durch Steinanhäufungen gekennzeichnet. Diese Anhäufungen bestehen zu einem großen Teil aus Schiefer, Quarz und Quarzit. Sie hatten einen Durchmesser von 6-9m wobei die Konzentration III die kleinste Anhäufung aufwies.[8] Sämtliche Steinanhäufungen waren durch einen äußeren Steinring begrenzt. Der Innenraum war durch verschiedene Steinanhäufungen und freie Stellen gekennzeichnet. In der Konzentration I konnte unter dem Steinring ein Kranz von Gruben ausgemacht werden. Diese Gruben konnten auf Grund ihrer Form und ihres Inhaltes als Pfostenlöcher interpretiert werden. Ein weiteres Indiz dafür sind die regelmäßigen Abstände von 1,20m.[9] Interessant ist das der Innenraum der Bauten rot gefärbt war. Bei der Konzentration I handelte es sich um den gesamten Innenbereich, während Konzentration II und Konzentration III nur unter großen Steinen und in tieferen Siedlungsschichten eine Rotfärbung aufwiesen. Diese rote Farbe stammt von abgeriebenem Hämatit. Auf Grund der Knochenverteilung in den Konzentrationen lässt sich feststellen, dass im Innenraum die Erhaltungschancen besser waren als anderswo. Mithilfe der Eisfuchsreste konnten Erhaltungszonen festgemacht werden. Im Innenraum war die Erhaltung am besten, denn hier fanden sich die vollständigsten Unterkiefer mit Zähnen, während außerhalb der Behausungen nur die widerstandfähigen Zähne erhalten blieben. [10]

Wie bereits erwähnt, gliederte sich der Innenraum in Steinanhäufungen, stegartige Pflasterungen und freie Flächen[11]. Martina Sensburg hat das für die Konzentration IIa sehr gut herausstellen können. Hier gliedert sich die nördliche Hälfte des Innenraumes in drei kleinere abgegrenzt. Diese Stege wiederum sind mit zwei unterschiedlich großen Steinkreisen verbunden, die zusammen mit dem südlich anschließenden Steinkreis ein ovales, nordwest-südost gerstrecktes Zentrum bilden. Eine ähnliche Innengliederung findet sich auch in der Konzentration I.[12]

Einzig die Gliederung der kleineren Konzentration III war anders. Durch die Neubesiedlung des Platzes zu einem späteren Zeitpunkt ist die genaue Abgrenzung des Befundes in der ersten Besiedlungsphase unklar. Für uns wichtige Befunde stammen aus der ersten Besiedlungsphase, wie Thomas Terberger anhand der für die Steinartefakte verwendeten Gesteine herausstellen konnte.[13]

Wichtig ist das es auch in der ersten Besiedlungsphase eine zentrale Steinanhäufung gab, die sich zu beiden Seiten in breiteren Streifen bis zur Wand fortsetzten. Auch hier liegt oberhalb der Anhäufung und zwischen diesen Streifen eine steinfreie Zone. Neben der zentralen Zone liegen unter den Stegen u-förmige Aussparungen. Der Rest, also Eingangspartie und ähnliches entspricht dem Aussehen der Konzentration I und II.

Wie bereits erwähnt konnten in der Konzentration I im äußeren Steinkranz Pfostengruben lokalisiert werden, die Indizien für eine Wandstellung waren. Solche Pfostengruben konnten sowohl in der Konzentration IIa als auch der Konzentration III nicht herausgestellt werden. In beiden Konzentrationen gibt es zwar Gruben, aber diese werden auf Grund ihres Inhaltes und der Form als Kochgruben, Aufbewahrungsbehälter von Nahrungsmitteln oder Materialien zur Herstellung von Stein- und Geweihartefakten, oder normale Abfallgruben gedeutet. In der Konzentration I konnten 21 solcher gearteten Gruben untersucht werden, in der Konzentration IIa waren es 20 und in Konzentration III 17 solcher Gruben. Die Gruben gruppieren sich vor allem um die Steinanhäufung im Zentrum, sowohl in der Konzentration I als auch in der Konzentration II, obwohl es hier auch einige periphere Gruben gab. In Konzentration III hingegen lagen die Gruben im Wandbereich.[14]

Zu bemerken ist das sämtliche Gruben vom Siedlungshorizont aus eingetieft waren, und zum Teil schon im ersten Planum durch hochkant aufgestellte Platten gekennzeichnet waren.

Die besten Erhaltungsmöglichkeiten gab es in diesen Gruben. Die Funde, die sich in den Gruben erhalten haben, sind dennoch nicht absichtlich in den Gruben niedergelegt worden. In der Konzentration I konnte man anhand der in den Gruben gefundenen Steinartefakte davon ausgehen das es sich um den Inhalt um Siedlungsabfälle handelte.[15]

Ein weiterer wichtiger Bestandteil dieser Behausungen waren die Feuerstellen. Diese waren als rundliche Flächen innerhalb der zentralen Steinanhäufung charakterisiert[16]. Allerdings ließen sich in der Konzentration IIa die Feuerstellen nicht so einfach wie in Konzentration I interpretieren. In der Konzentration I war die Feuerstelle eingetieft und reichte 0,35m unter den Siedlungshorizont. Im Siedlungshorizont konnte die Feuerstellenfüllung, die vor allem Holzkohle, zersprungene Quarzstücke und einige Knochen von Eisfuchs und Hase sowie Artefakte enthielt, nicht ausgemacht werden. Im Siedlungshorizont waren nur die ausgesparte Fläche und die, in der näheren Umgebung liegenden Steine mit Hitzespuren Indizien für eine Feuerstelle.[17]

In der Konzentration IIa sowie der Konzentration III war die Sachlage etwas unklarer. Aufgrund des Fehlens der holzkohlehaltigen Feuerstellenfüllung konnten die Feuerstellen nur anhand der rundlichen Freiflächen, der Verteilung kleiner Holzkohlestückchen und der Lage von Steinen mit Hitzespuren rekonstruiert werden. Mit Hilfe dieser Hinweise rekonstruierte Martina Sensburg für die Konzentration IIa 4 Feuerstellen innerhalb der Behausung und zwei außerhalb, wobei eine nur vermutet wird. Die ersten drei Feuerstellen gruppieren sich alle um die zentrale Steinanhäufung, während die vierte dieser Feuerstellen innerhalb der Behausung etwas nördlich dieser zentralen Steinanhäufung liegt (Abb.6).

Auf gleiche Weise rekonstruierte Thomas Terberger für die Konzentration III 5 Feuerstellen. Auf Grund der Zweiphasigkeit dieser Konzentration gestaltete sich die Suche nach den Feuerstellen etwas schwieriger. Die erste Feuerstelle gehört in die erste Phase der Besiedlung und befand sich in der zentralen Anhäufung von Steinen, hier befand sich allerdings keine rundliche Freifläche. Diese Feuerstelle wurde in der zweiten Phase wieder benutzt. Die Feuerstelle 3, die unmittelbar südöstlich der Konzentration III liegt gehört in die zweite Besiedlungsphase. Feuerstelle 2, 4 und 5 sind unklar. Während Feuerstelle 2 keiner Besiedlungsphase zugerechnet werden kann, liegen Feuerstelle 4 und 5 außerhalb und können nur schwerlich in den Befund eingegliedert werden[18].

Wir können also festhalten, dass wir hier 3 Grundrisse von Behausungen erhalten haben, die wahrscheinlich aus einem hölzernen Gestell und Wänden aus Tierfellen bestand. Das Innere war mit großen Steinplatten ausgelegt in die man Gruben gegraben hat. Außerdem befanden sich in den Behausungen eine oder mehrere Feuerstellen, die sich größtenteils um die zentrale Steinanhäufung gruppierten. Der Eingang lag mit großer Wahrscheinlichkeit im Südosten.

4.2. Die Zeltgrundrisse

Im Jahr 1976 konnte in der letzten Grabungskampagne mit der Konzentration IV eine weitere und letzte Konzentration freigelegt werden. In dieser Konzentration traf man auf eine Menge Unterschiede zu den anderen Konzentrationen. Der größte Unterschied lag wohl in dem Grundriss eines Zeltes, das mit einem Durchmesser von 5m fast genauso groß war wie die Konzentration III. Auch hier bildeten größere Schieferblöcke, mit einem Abstand von immer 1m, die äußere Begrenzung. Dieses Zelt wurde sowohl ringförmig als auch trapezförmig rekonstruiert, dabei sollten die Schieferblöcke als Beschwerung für die Zeltwände dienen. Wie in den anderen Konzentrationen konnte die Feuerstelle im Zentrum der Behausung rekonstruiert werden, sie war durch die Einfassung von Quarzit und quarzitischem Schiefer gekennzeichnet und zudem noch mit einer Basaltplatte abgedeckt. Erstaunlich ist, dass keine einzige Grube in dieser Konzentration angetroffen werden konnte. Der Ein- beziehungsweise Ausgang dieser Behausung lag im Südwesten. [19]

Anhand der Siedlungsreste, die im Verhältnis zu den anderen drei Konzentrationen recht spärlich sind, es gibt nur etwa 130 retuschierte Steinwerkzeuge, wenige Tierknochen und keine Geräte aus Elfenbein, Geweih oder Knochen, lassen vermuten, das diese Behausung nur sehr kurze Zeit genutzt wurde.[20]

Zwei weitere Zeltgrundrisse konnten in der Nähe der Konzentration I gefunden werden. Diese beiden Zeltgrundrisse wurden wahrscheinlich gleichzeitig mit Konzentration I genutzt. Dafür spricht bei einem Zeltring der Eingangsbereich, dessen Pflasterung mit dem Eingangsbereich der Konzentration I verbunden ist. Für den zweiten Zeltring sind es die sechs Schieferplatten mit Mammutdarstellungen, auf Grund dessen dieser Zeltring Mammutring genannt wird. [21]

4.3. Die Konzentration IIb

Nordwestlich der Konzentration IIa konnte in den Grabungskampagnen der Jahre 1970 – 1972 eine kleinere fundreichere Konzentration angetroffen werden. Diese Konzentration IIb wurde auf Grund der Gruben im ersten Augenblick als ein weiterer Hausgrundriss gehalten, da das genaue Ausmaß der Konzentration durch die neuzeitliche Bebauung unklar blieb. Martina Sensburg konnte jetzt herausstellen das die Konzentration IIb fast vollständig erfasst wurde, es handelt sich in ihrem Fall wahrscheinlich um ein Kochgrubenareal.[22]

Charakterisiert wird die Konzentration durch zwei ringförmige Schieferstrukturen, die zusammen mit den südöstlichen Schieferkreisen zwei Zonen bilden. Unter den großen Schieferstrukturen befinden sich insgesamt 9 Gruben, keine dieser Gruben enthielt Hinweise auf eine Pfostenstellung, weswegen Martina Sensburg darauf vermutet, das es hier keine Wandstellung gab und das Areal unter freiem Himmel lag. Die Gruben konnten als Kochgruben und Gruben zur Nahrungszubereitung beziehungsweise -Aufbewahrung identifiziert werden.[23]

Trotz der räumlichen Nähe zu Konzentration IIa stören sich die Befunde nicht gegenseitig, was eine gewisse Gleichzeitigkeit bedeuten könnte. Auch die Zusammensetzungen von Quarzit und Schiefer könnten ein Hinweis darauf sein, da sie sich trotz der Nähe nicht überschneiden sondern die jeweiligen Befundgrenzen akzeptieren.[24]

5. Die gravierten Schieferplatten

Die Schieferplatten, auf denen die Gravierungen angebracht waren, wurden als Pflasterung des Siedlungshorizontes benutzt. Als der Siedlungshorizont 1968 entdeckt wurde, fielen dem Ausgräber G. Bosinski und J. Hahn feine Linien auf den Schieferplatten auf. Sie wurden als Arbeitsspuren angesprochen und erst nach dem Waschen als Gravierungen interpretiert. Heute sind insgesamt 675 Gravierungen bekannt, davon sind 400 Frauendarstellungen und 275 Tierdarstellungen[25].

Im Siedlungshorizont fanden sich sowohl große Schieferplatten als auch kleine Bruchstücke mit Gravierungen. Das rührt daher, das die Platten in der Zeit der Besiedlung zerbrochen sind, und so sowohl kleine als auch große Stücke graviert wurden. Wichtig dabei ist, dass die Platten jeweils vor und nach dem Zerbrechen graviert wurden. So kommt es das auf einer zusammengesetzten großen Platte eine Gravierung vorhanden ist, und auch die Bruchstücke neu graviert wurden. Diese Gravierungen stehen in keinem Sinnzusammenhang zueinander, auch wenn man das durchaus glauben könnte. Ein Beispiel dafür ist die Platte 171 (Abb. 7) und die Platte 113 (Abb. 8.). Die erstere konnte aus 46 Einzelstücken zusammengesetzt werden und trägt eine Pferdedarstellung. Dieses Pferd nimmt den ganzen Platz der Platte ein und ist an ihrer Form orientiert. Die Platte 113 zeigt ein Nashorn, ein Mammut und einige Pferdeköpfe. Diese Platte ist insoweit interessant, da das Nashorn vor dem Bruch, und das Mammut auf einem der Stücke nach dem Bruch, graviert wurden. Die Pferdeköpfe unter dem Körper des Nashorns sollen sogar noch vor dessen Gravierung entstanden sein. [26]

Es ist nicht schwer Linien oder ähnliches auf Schieferplatten zu hinterlassen. Es wird nicht mehr als ein spitzer Gegenstand gebraucht, z.B. die Spitze eines Abschlages. Das Problem beim Gravieren ist, das feine Linien nicht die gleiche Bildwirkung haben wie stärker und tiefer gravierte Linien, da sie nicht lange deutlich zu sehen sind. Allerdings entstehen tiefere Linien nur durch mehrmaliges Nachfahren, was die Linie sehr viel plumper wirken lässt. Die meisten Gravierungen sind normal graviert, weder zu fein noch zu stark. Da aber, wie bereits erwähnt, die Linien nur für eine gewisse Zeit sichtbar waren, stellt sich die Frage wie wichtig die Gravierungen für die Menschen von Gönnersdorf waren. Auf Grund einiger Platten, wie z.B. die Platte 139, (Abb. 9) die oftmals übergraviert wurden, muss ihre Bedeutung eine geringere gewesen sein, als vielleicht die, in einem anderen Kapitel zu beschreibenden, Frauenstatuetten. Ein weiteres Merkmal dafür wären die vielen Arbeitsspuren auf einigen Platten, die auch Gravierungen überdecken können. Allerdings gibt es auch Gravierungen die sehr tief in die Schieferplatte graviert sind, und somit lang anhaltend sichtbar waren. Interessant ist, dass dies überwiegend, oder fast nur bei den Frauengravierungen der Fall ist. Diese Gravierungen waren für die Gönnersdorfer-Menschen wichtiger. [27]

5.1. Tierdarstellungen

Als nächstes sollen die Tiergravierungen ein wenig genauer untersucht werden. Hierbei sind vor allem die Merkmale der einzelnen dargestellten Tierarten wichtig, sowie die Verteilung auf der Grabungsfläche und Parallelen in der Kunst des Magdalénien. Aber zuerst etwas Allgemeines zu den Darstellungen. Es gibt, wie bereits erwähnt 275 Tierdarstellungen, davon sind zwei Köpfe auf einem „Baguette demi-ronde” graviert, ansonsten handelt es sich ausschließlich um Gravierungen auf Schieferplatten.

Die Gravierungen geben genaue anatomische Kennzeichen der dargestellten Tiere wieder, dies bedeutet das der Zeichner nicht nur Talent sondern ein gutes photographisches Gedächtnis hatte, da die Tiere bei dem Entstehen der Darstellung selten anwesend waren. Ihr Aussehen wurde also bis ins kleinste Detail verinnerlicht. Leider sind kaum vollständige Tiere gezeichnet, wobei ihr die Vermutung besteht, dass einige Tiere durchaus vollständig waren, sich aber nicht alle Teile erhalten haben. Es herrschen Kopfdarstellungen der Tiere vor, zum Teil gibt es auch erheblich oft Beindarstellungen. Wichtig ist auch das die Tiere in unterschiedlichen Haltungen und Bewegungen dargestellt sind. Dominierend sind Einzeldarstellungen, szenische Darstellungen kommen nur vereinzelt vor.

5.1.1. Häufig dargestellte Tiere

5.1.1.1. Pferd

Das Pferd ist unter den Gönnersdorfer Tierdarstellungen, mit insgesamt 79 Exemplaren, dominierend. Die Tiere sind sämtlich unterschiedlich, darin ähneln sie sämtlichen Gönnersdorfer Tierdarstellungen, da die Zeichner unmittelbare Naturbeobachtungen wiedergegeben haben. Die Tiere sind, wenn es vollständige Darstellungen gibt, in unterschiedlichen Gangarten, vom Trab bis zum Galopp, oder stehend, dargestellt, allerdings überwiegen Darstellungen von Pferdeköpfen. Bei der Mähne, der Unterseite des Kopfes mit Ganasche, sowie der Rückfront der Beine und der Bauchlinie ist Fell durch Haarschraffen wiedergegeben, dem entgegen sind Gesichtslinie und Rücken mit geraden Linien dargestellt. Meinungen des Ausgräbers zu Folge handelt es sich bei den dargestellten Pferden um so genannte Przewalski-Pferde. Diese haben im Winter ein dichtes Winterfell, welches bei den Darstellungen durch die Haarschraffen wiedergegeben sein könnte. Es würde sich also um Przewalski-Pferde im Winter handeln.[28]

Wie bereits erwähnt sind auch häufig nur Kopfpartien der Pferde erhalten. Das kann durchaus daran liegen, dass das Pferd Hauptjagdtier in Gönnersdorf war, was sich auch in den Jagdbeuteresten widerspiegelt, so das es, bedingt durch die mehrfache Anschauung, genügte das Pferd so reduziert darzustellen, ohne das etwas von der Aussagekraft verloren gegangen wäre. Eine besonders auffallende Darstellung ist der Pferdekopf auf der Platte 396, wo das Oberflächenrelief in das Bild mit einbezogen wurde. Hier wird die Gesichtslinie durch die obere Plattenkante gebildet. Solche Einbeziehung der Oberfläche ist in Gönnersdorf recht selten. Ein weiteres Beispiel ist der Pferdekopf auf der Platte 160, dessen Augenregion von der Oberfläche gebildet wird. Die Köpfe der Pferde sind anatomisch stets korrekt abgebildet, sowohl das Auge, welches asymmetrisch-spitzoval zwischen Ohr und Nüstern sitzt, als auch die Nüstern oder die Unterlippe, die von der Unterseite des Kopfes abgesetzt ist. Auch die spitzen Ohren haben die charakteristische winklige Ausbuchtung an der Vorderseite. [29]

Was noch anzumerken wäre, ist die Tatsache, dass es sich fast ausschließlich um Einzeldarstellungen handelt, wie oben bereits erwähnt wurde, zu nennen wäre in diesem Kontext die Platte 398, auf der zwei Pferde hintereinander angeordnet sind (Abb. 10). Hier könnte es sich durchaus um eine Szene handeln, da man allerdings nur den Oberkörper sehen kann ist unklar was hier dargestellt wurde. Es hat allerdings den Anschein als würden sich die beiden Pferde in einem schnellen Galopp befinden, aber das bleibt Spekulation.[30]

Schaut man sich die Verteilung der Platten mit Pferdedarstellungen an, fällt auf das sie überwiegend, insgesamt 36 Bilder, in der Konzentration IIa gefunden wurden (Abb. 11). Aus der Konzentration I konnten 27 Darstellungen gefunden werden, es muss allerdings beachtet werden, das die Konzentration nur zu zwei Dritteln erschlossen werden konnte, was bedeutet, dass ein beachtlicher Teil von Funden fehlt. Aus Konzentration IIb und Konzentration III konnten jeweils nur vier bzw. fünf Darstellungen erkannt werden. Man kann durch die Verteilung allerdings nicht darauf schließen ob sich die Bewohner der einzelnen Konzentrationen auf Pferdedarstellungen spezialisiert haben. Denn sowohl aus Konzentration I als auch aus Konzentration IIa stammen ein paar hervorragende Pferdedarstellungen. So z.B. die Platte 126 mit der Darstellung eines scheuenden Pferdes, welche aus Konzentration IIa stammt, oder die Pferde auf den Platten 20 oder 327 aus Konzentration I. Demnach wurden in allen Konzentrationen Pferde mit Sorgfalt und künstlerischer Begabung dargestellt. Einige Platten konnten keiner Konzentration zugewiesen werden, da sie entweder zwischen den einzelnen Konzentrationen lagen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, wie bei der Platte 396, dass die einzelnen Bruchstücke quer über die gesamte Grabungsfläche verteilt waren. Diese Tatsache ist ein Hinweis auf die mehrfache Verwendung der Schieferplatten. [31]

Das Pferd ist nicht nur in Gönnersdorf am häufigsten dargestellt worden, es zählt auch zu den beliebtesten Tieren in der Kunst des Magdalénien Mitteleuropas. Einige Beispiele sind z.B. die verzierten Widerhakenenden von Speerschleudern aus dem Kesslerloch bei Schaffhausen, die Pferdeköpfe tragen. Hierbei ist der Widerhaken an der Stelle des Pferdeponys skulptiert. Weiterhin aus dem Kesslerloch stammt ein Lochstab auf dessen Schaft ein Pferdekopf graviert ist. Unverkennbare Ähnlichkeiten zu den Gönnersdorfer Pferden haben die Darstellungen aus Andernach. Sie haben die gleichen Merkmale, zeigen Pferde in unterschiedlicher Bewegung und geben das unmittelbare Vorbild wieder. Aus dem Hohlenstein im Nördlinger Ries stammt eine Kalksteinplatte mit gravierten Pferdekopf und Pferdebeinen, auf Grund ihrer Individualität könnten sie sich ohne Probleme in die Gönnersdorfer Zeichnungen einreihen. Aus der Pekarna-Höhle ist eine Rippe mit vier Pferden bekannt. Es handelt sich hierbei um einen Fries, dessen obere und untere Begrenzung durch stehende Winkel, die in einer Reihe aufgestellt sind, gebildet[32] .

5.1.1.2. Mammut

Das Mammut ist das zweithäufigste Tier in Gönnersdorf und mit 76 Darstellungen vertreten, zumindest bei den Gravierungen. Auch die Darstellungen der Mammute sind detailreich und geben die typischen Merkmale, wie die stark abfallende Rückenlinie, oder die Einsattlung zwischen Kopf und Schultern, gekonnt wieder. Auch die unterschiedlich langen Vorder- und Hinterbeine sind stets dargestellt, sofern es sich um eine vollständige Zeichnung handelt. Der Rüssel, als Fortsetzung der Stirn-Gesichts-Linie, ist am Ende meist eingerollt, und auf der Innenseite durch Haarschraffen verziert. Auf einer Platte ist eine Darstellung einer doppelten Rüsselspirale, hierbei könnte das Auf- und Abrollen des Rüsselendes gemeint sein. Ebenfalls dargestellt, wenn auch nur auf einer Darstellung, sind die Details des Rüsselendes, also Rüsselfinger und Unterlippe (Abb. 12). Interessant, vor allem für die Zoologie ist die Darstellung der Stoßzähne. Im Allgemeinen sind Mammute in Verbindung mit großen und mächtigen Stoßzähnen bekannt, die Gönnersdorfer Mammute sind aber nur mit kleinen, mit unter sogar komplett ohne Stoßzähne dargestellt. Es könnte also durchaus sein, das in der Zeit von Gönnersdorf nur Mammute mit kleinen Stoßzähnen bekannt waren. Es wäre verwunderlich wenn die Stoßzähne nicht dem Naturell entsprechend dargestellt worden wären, wenn doch ansonsten alles so detailnah dargestellt ist. Einen weiteren Hinweis darauf gibt der gefundene Oberschenkelknochen, der nur 0,90m lang war, und damit zu den recht kleinen Exemplaren zählt. [33]

Auch der, für das Mammut, charakteristische kappenartige Haarschopf ist oft wiedergegeben, die Darstellungsarten hierfür variieren. Das Ohr ist oft als Haarbüschel dargestellt, nur einmal ist der Teil der Ohrmuschel wiedergegeben. Die Maulpartie ist meist durch die Wiedergabe der dichten Kehlbehaarung weitestgehend verdeckt, nur manchmal ist der kurze Unterkiefer mit dem im Rüssel auslaufenden Oberkiefer dargestellt. Der Schwanz, der bekanntlich recht kurz ist, endet bei fast allen Zeichnungen in einem pinselartigen Haarbüschel.[34]

Am häufigsten sind die Tiere im Stand wiedergegeben, daneben gibt es noch die Darstellung im Passgang, also je nach dem rechtes Vorder- und Hinterbein nach vorn, wichtig ist bei der Darstellung das Vorder- und Hinterbein immer gleich orientiert sind.

Interessant ist bei den Mammutdarstellungen, dass sie vereinzelt zuerst vorgezeichnet wurden, und später, nachdem das Bild fertig war, kaum abweichend von der Vorzeichnung, die Skizze nachzeichnete. Dieses Verfahren ist auch bei den anderen Tierdarstellungen zu beobachten. Des Weiteren ist es auch aus der Höhlenkunst bekannt, wo die Bilder mitunter eine recht wichtige Bedeutung hatten. Wenn diese Vorgehensweise aus der Höhlenkunst auf die Schieferplatten projiziert, könnte es bedeuten, dass jene Darstellungen mit Vorzeichnung eine andere, vielleicht stärkere, Bedeutung hatten und deswegen sorgfältiger angefertigt wurden.[35]

Einzigartig sind die Darstellungen von Jungtieren. Hierbei ist zu beachten, dass die Tiere eine bogenförmigere Rückenlinie haben als die ausgewachsenen Mammuts. Sie sind auch weniger detailreich, denn ihr Körper ist als ein einziges Haarbüschel dargestellt. [36]

Auch bei den Mammutdarstellungen handelt es sich meist um Einzeldarstellungen. Allerdings gibt es auch hierbei Ausnahmen, wie die Platte 88, auf der die Darstellung von vier Jungtieren eine Gruppe bildet (Abb.13). Die, auf der Platte 13B, dargestellten Mammute hingegen, bilden keine Gruppe. Hier handelt es sich eher um eine Mammutstudie, wo vereinzelt Tiere skizziert wurden.

Bei der Verteilung der Mammutdarstellungen (Abb.14) fällt auf, dass die meisten Bilder, insgesamt 66 von 76, aus der Konzentration I stammen, nur sieben Platten stammen aus der Konzentration IIa, im Südwestteil der Grabungsfläche wurden zwei Platten mit Mammutdarstellungen gefunden und in der Konzentration III konnte eine Platte mit dem Rüsselende eines Mammuts sichergestellt werden. Es ist bei dieser Verteilung nicht verwunderlich das aus der Konzentration IIb und aus dem nördlichen Flächenteil keine Mammutdarstellungen stammen. Auch hier muss man davon ausgehen, dass in der Konzentration I durchaus noch einige Mammutdarstellungen zum Vorschein hätten kommen können, wäre der komplette Komplex erfasst worden. Man kann hier durchaus schon davon ausgehen, dass in der Konzentration I mehr Mammute gezeichnet wurden als in den anderen Konzentrationen. [37]

Aus dem Magdalénien in Mitteleuropa sind Mammutdarstellungen aus Andernach, gegenüber von Gönnersdorf, bekannt. Hier gibt es insgesamt zwei Schieferplatten mit Mammutdarstellungen. Die Mammutdarstellung auf der Platte 3 besteht nur aus Kopfpartie des Tieres. Interessant ist, dass auch diese Darstellung erst skizziert und danach nachgezeichnet wurde. Die zweite Darstellung befindet sich auf dem Plättchen 11, und besteht aus Rüssel, Kopf und Rückenlinie, sowie den Vorderbeinen und Schraffen in der Kehl- Mundpartie. In der Oberen Klause im Altmühltal wurden mehrere Mammutdarstellungen auf einem Elfenbeinstück gefunden. Die Mammute sind mit feinen Linien graviert. Ansonsten sind Mammutdarstellungen nur noch von der „Teufelsbrücke” in Saalfeld bei Thüringen und aus der Pekarna-Höhle in Mähren bekannt. Es ist jedoch fraglich ob es sich bei den Stücken wirklich um Mammute handelt[38].

5.1.1.3. Vögel

Nach Pferd und Mammut sind Vögel ebenfalls, mit 22 Darstellungen auf 17 Platten, recht häufig vertreten. Nirgendwo sonst gibt es so viele Vogeldarstellungen. Es sind insgesamt der Schwan, Gans, Ralle, Teichhuhn, Schnepfe, Kranich, Schneehuhn und Rabe abgebildet. [39] Der Schwan, der seinen langen Hals nach unten biegt, hält den Kopf wahrscheinlich unter Wasser [40] (Abb. 15). Unterstützt wird diese Annahme von der Tatsache dass er ohne Kopf dargestellt ist. Bei der Gans handelt es sich wahrscheinlich um eine Graugans. Das Teichhuhn und die Schnepfenvögel sind mit einem kräftigen, langen Schnabel dargestellt.

Kraniche, die auf drei Platten dargestellt wurden, sind durch ihre kräftigen Beine und dem buschigen Schwanz charakterisiert. Das Schneehuhn ist mit einer Darstellung, Platte 270A, abgebildet. Auf der Platte is ein siechender Hahn dargestellt, charakterisiert durch den geschwollenen Hals und die breiter Brust[41] . Erstaunlich ist die Zeichnung auf der Platte 275, die einen aufgeregten Raben zeigt. Die Darstellung ist sehr detailliert, selbst die Krallen sind als halbbogenförmige Linien angedeutet. Das sind die Vögel, die erkannt worden sind, insgesamt sind es 11 der 22 Darstellungen, die anderen Vögel konnten keinen bestimmten Arten zugeordnet werden. Es ist ziemlich sicher, dass die erkannten Vögel auch in der Umgebung von Gönnersdorf lebten, als dieses Gebiet im Magdalénien besiedelt war. Die Knochenfunde, in denen außer dem Raben alle genannten Vogelarten vertreten sind, geben einen Hinweis darauf.

Die meisten Vogeldarstellungen, insgesamt 16, kamen aus der Konzentration IIa, während aus der Konzentration I nur vier, und der Konzentration III nur zwei Darstellungen stammen. Es hat also den Anschein, dass für die Konzentration IIa Vögel eine besondere Rolle gespielt haben (Abb. 16).

Als Parallelen der Vogeldarstellungen des Magdalénien ist zuallererst die bemerkenswerte Vogelskulptur aus Andernach anzufügen (Abb. 17). Sie wurde aus Rengeweih geschnitzt und orientiert sich stark an dessen Form. Aus der „Teufelsbrücke” ist eine Vogeldarstellung auf einem Schiefergeröll bekannt, die einen nach hinten blickenden Vogel zeigt. Im franko-kantabrischen Raum sind Vögel sowohl in der Kleinkunst als auch in der Höhlenkunst bekannt[42].

5.1.2. oft dargestellte Tiere

5.1.2.1. Nashorn

Eine weitere, unter den Gönnersdorfer Gravierungen oft dargestellte Tierart ist das Nashorn, genauer gesagt das wollhaarige Nashorn. Es ist mit 17 Darstellungen vertreten Insgesamt sind sechs Darstellungen annähernd vollständig, so befinden sich auf Platte 89 (Abb.18) und 113 (Abb. 8) zwei große, teilweise mit Haarschraffen ausgefüllte Tiere. Die Tiere sind sämtlich mit einem massigen Körper und horizontaler, leicht ansteigender Rückenlinie im Schulterbereich, dargestellt. Sie haben meist einen tief gesenkten Kopf, fast so als würden sie grasen, und kurze säulenförmige Beine[43]. Das Auge konnte nur an zwei Darstellungen ausgemacht werden, auch die Maulpartie ist nur bei zwei Darstellungen detailliert angegeben.

Bei den weniger vollständigen Darstellungen handelt es sich überwiegend um die Wiedergabe des Kopfes, wo die Hörnerpartie besonders gut zu erkennen ist. Interessant ist das die Hörner meist überproportioniert dargestellt sind, ein weiterer Hinweis darauf, das die Mammuts zu der Zeit nur noch kleine Stoßzähne hatten, da sie ansonsten mit großer Wahrscheinlichkeit, auf Grund ihrer imposanten Erscheinung, auch überproportioniert dargestellt worden wären [44].

Bei den dargestellten Köpfen handelt es sich meist um Bruchstücke früher vollständigerer Zeichnungen. Die Größe der dargestellten Tiere variiert von klein mit 4,5cm bis groß mit 22,5cm[45]. Interessant ist auch das die meisten Tiere nach links gerichtet sind, was den Ausgräber G. Bosinski darauf schließen lässt, das die Zeichner meistens Rechtshänder waren für die das Zeichnen eines Nashornes, das nach links blickt, einfacher wäre.

Wie schon bei den Mammutbildern kommen auch bei den Nashorndarstellungen die meisten, insgesamt 13 von 17 Bildern, aus der Konzentration I, nur 4 fanden sich in der Konzentration IIa. Die Konzentration IIb und III wurden komplett ausgespart (Abb. 19). Es könnte also bedeuten, dass gerade für die Konzentration I, wo ja schon die Mammuts so überproportional oft abgebildet waren, auch das Nashorn eine besondere Bedeutung gespielt hat. Wenn davon ausgegangen wird, das Mammut und Nashorn in der eiszeitlichen Fauna stets zusammen vorgekommen sind, und die Verbreitung im Fundmaterial anschaut, kann davon ausgegangen werden, dass die Konzentration I im Winter bewohnt wurde.[46]

Nashorndarstellungen sind, neben denen aus Gönnersdorf, heute nur aus der Kniegrotte, von der „Teufelsbrücke” und von der Deravá-Höhle bekannt. Aus der Kniegrotte existiert eine Nashorndarstellung auf einer längs durchlochten Geweihstange. Diese Darstellung erinnert an die Nashörner aus Rouffignac und datiert wahrscheinlich in das mittlere Magdalénien. Aus der Deravá-Höhle (Abb. 20) sind Reste von zwei Nashorndarstellungen bekannt und die Darstellung von der Teufelsbrücke befindet sich auf einem Tonschiefergeröll. Es handelt sich bei beiden Zeichnungen wahrscheinlich um Darstellungen des Spätmagdalénien.[47]

5.1.2.2. Cerviden

Die Cerviden bilden mit 16 Darstellungen die nächste Tiergattung die recht häufig in Gönnersdorf dargestellt wurden. Zu diesen gesellt sich noch eine Kopfdarstellung eines Rens auf einem „Bagutte demi-ronde”.

Von den 16 Darstellungen sind nur zwei annähernd vollständig, bei zwei weiteren Darstellungen handelt es sich um den vorderen Teil eines Cerviden, bei vier anderen Darstellungen um den hinteren Teil. Die restlichen Bilder stellen nur Beine oder Beinpartien dar. Wichtig ist, dass die Tiere anfangs alle vollständig waren, und das diese Teildarstellungen erst nach dem Bruch der Schieferplatten entstanden sind. Einzig der Kopf auf dem „Bagutte demi-ronde” war als Kopfzeichnung gedacht.[48]

Die Füße bzw. Hufen der Rentiere sind bei einigen Darstellungen naturgemäß als tellerartig wiedergegeben, dagegen ist das Geweih nur flüchtig und leicht schematisiert angegeben (Abb. 21)[49] .

Auch die Cerviden sind in verschiedenen Bewegungen abgebildet. Hierbei ist von Interesse das bei einigen Tieren eine Dopplung der Beinpaare vorkommt, dabei soll ein Bewegungsablauf angedeutet werden. Ein Beispiel dafür ist das Tier auf der Platte 260A, das sowohl im Stand als auch im Sprung dargestellt ist. Auch auf der Platte 303 ist ein Ren in zweierlei Bewegung dargestellt.

Die Verteilung der Cervidendarstellungen auf die Grabungsfläche (Abb. 22) ist recht ausgewogen, sieht man davon ab das aus der Konzentration IIb nur eine Darstellung stammt und in der Konzentration III keine einzige gefunden wurde. Dafür konnten in Konzentration I acht Darstellungen sichergestellt werden, aus der Konzentration IIa stammen 6 Darstellungen. Betrachtet man das in dem Kontext, das aus der Konzentration IIa weniger Darstellungen stammen, ist die doch recht hohe Anzahl gegenüber der Darstellungen aus Konzentration I recht beachtlich. [50]

Für Cervidendarstellungen im Magdalénien in Mitteleuropa sind acht Fundplätze bekannt. Eines davon ist das Grab von Oberkassel, wo aus einem Rengeweih in der Art des „Contour découpés” ein Cervidenkörper (Abb.23) geschnitzt wurde. Es könnte sich hierbei um das Widerhakenende einer Speerschleuder handeln. Aus dem Kesslerloch ist das „Weidende Ren” auf dem Schaft eines Lochstabes (Abb. 24) bekannt. Dieses Stück datiert in das mittlere Magdalénien und ist eine der bemerkenswertesten Rentierdarstellungen der paläolithischen Kunst. Aus dem Petersfels stammt eine endmagdalénienzeitliche Rentierdarstellung (Abb.25) auf einem Lochstab. Hier sind zwei nacheinander angeordnete Tiere dargestellt. Da Szenendarstellungen im Endmagdalénien häufig sind, ist anzunehmen, dass auch diese beiden Tiere aufeinander bezogen sind.[51]

5.1.2.3. Rinder

Insgesamt sind 14 Rinderdarstellungen erhalten. Diese sind allerdings sehr uneinheitlich, und es ist sowohl der Ur als auch der Wisent dargestellt[52]. Der Ur ist durch ein vollständiges Tier auf Platte 69 belegt (Abb. 26). Er ist durch einen spitzen Kopf, mit zwei nach vorn weisenden Hörnern, die als Linien dargestellt sind, charakterisiert. Meiner Meinung nach könnten diese Linien aber auch als Pfeile gedeutet werden.

Der Wisent ist durch, im Brustbereich stärker behaarte, Köpfe charakterisiert. Auch ein nach vorn gerichtetes Hörnerpaar auf der Platte 221 gehört zum Wisent. Es scheint so, als sei der Wisent wesentlich häufiger gezeichnet worden als der Ur.[53]

Auch hier sieht die Verteilung in der Grabungsfläche (Abb. 27) sehr gleichmäßig aus. Acht Darstellungen stammen aus der Konzentration I, die restlichen fünf wurden in der Konzentration II gefunden.[54]

Auch für die Rinderdarstellungen gibt es im Kesslerloch Parallelen. So ist ein Moschusochsenkopf in der Art des „Contour découpé” dargestellt. Es handelt sich hierbei um die Verzierung eines Widerhakenendes einer Speerschleuder. Des Weiteren gibt es noch einen gravierten Kopf auf einem Geweihstück. Aus der Pekarna-Höhle ist ein Wisentkopf auf einem „Knochendolch” recht bekannt, sowie der „Wisentkampf” (Abb. 28), bestehend aus drei sich anfeindenden Wisents, auf einer Rippe. Die Verzierung dieser Rippe stammt aus dem Endmagdalénien und ist eines der wichtigsten Kunstwerke dieser Zeit. [55]

5.1.2.4. Robben

Auch Robben sind unter den Gönnersdorfer Tiergravierungen mit 13 Darstellungen verhältnismäßig oft dargestellt. Bei den Darstellungen der Robben besteht das Problem, das, auf Grund des Fehlens der Fellfarbe oder eines Zahnmusters, keine artgerechte Zuweisung möglich ist.[56]

Es kann nur anhand des Aussehens des Körpers und des Kopfes eine Zuweisung getroffen werden. So gehören Robben auf der Platte 59B; 163,2; 287,2; und 256 zu den Kegelrobben.

Es konnte außerdem eine zweite Robbenart anhand des Absatzes der Maulpartie und der Schädelform identifiziert werden. Es könnte sich hierbei um den gemeinen Seehund, Ringel-, Sattel- oder Bartrobbe handeln. G. Bosinski tendiert eher zum gemeinen Seehund. Es handelt sich hierbei um die Darstellungen auf den Platten 96,2; 283 und 270B. Die sonstigen Darstellungen sind zu schematisch und zu unvollständig um sie einer bestimmten Robbenart zuzuweisen.[57]

Die zwei vollständigen Tiere auf den Platten 163 (Abb. 29) und 256 (Abb. 30) zeigen die typischen Merkmale sehr detailliert. Der stromlinienförmige Körper kommt gut zum Ausdruck. Auch das große Auge, das dicht unter der Gesichtslinie sitzt ist oft wiedergegeben. Auch die Behaarung der Maulpartie ist ein Charakteristikum der Gönnersdorfer Darstellungen.[58]

Die meisten der Darstellungen wurden in Konzentration I gefunden (Abb. 31), hier kamen sieben Zeichnungen zum Vorschein. Darunter die bemerkenswerte Platte 163 mit der vollständigen Robbe. Drei Platten stammen aus der Konzentration IIa, und zwei Platten mit vollständiger Robbendarstellung stammen aus der Konzentration III. Eine weitere Platte wurde zwischen dem Zeltring von Konzentration IV und der Feuerstelle gefunden. Hier liegt die Annahme nahe, das diese Platte aus einer anderen Konzentration hier her geschafft wurde, da in der Konzentration IV nur sehr wenige Gravierungen ans Licht gekommen sind.[59]

Für Robbendarstellungen sind 16 Fundplätze des Magdalénien bekannt. Für Mitteleuropa sind Robben, neben Gönnersdorf auch in Andernach belegt. Hier gibt es eine Darstellung auf einer Schieferplatte. Für Westeuropa sind Robbendarstellungen in Montgaudier bekannt. Hier sind, auf einem Lochstab, Robben zusammen mit Lachs, Aales und weiteren schwer interpretierbaren Figuren angeordnet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine szenische Darstellung, allerdings ist die Bedeutung dieser Szene sehr unklar. Im französischen Pyrenäenvorland gibt es in Mas d’ Azil Darstellungen von Robben auf einem Knochenstück. Aus La Vache stammen ein Rippenstück mit einer Robbenverzierung im vorderen Bereich und ein Vogelknochen mit Robbendarstellung.[60]

5.1.2.5. Steinbock

Das nächste abgebildete Tier ist der Steinbock (Abb. 32). Er ist mit 8 Darstellungen vertreten. Die Darstellungen die mit großen Hörnern und dicht behaarten Bauch wiedergegeben sind, lassen männliche Tiere vermuten. Verdeutlicht wird dies durch die Angabe des Geschlechts. Angegeben sind auch die ovalen Ohren mit Mittellinie und die Bartbehaarung. Bei den Steinböcken auf den Platten 114 und 115 ist der kurze Stummelschwanz angedeutet. Auch sind auf beiden Platten die Vorderbeine in Schrittstellung angegeben.[61]

Bei der Verteilung in der Grabungsfläche (Abb. 33) lässt sich keine Unregelmäßigkeit erkennen. Sowohl in der Konzentration I als auch in der Konzentration IIa sind jeweils vier Darstellungen auf drei Platten gefunden worden. Dabei sind keine Unterschiede in der Ausführung zu erkennen, denn aus beiden Konzentrationen stammen gute Bilder.[62]

Im Magdalénien Mitteleuropas kann man drei weitere Steinbockdarstellungen anführen. So stammen die Darstellungen aus der Deravá-Höhle (Abb. 34) aus der gleichen Zeit wie Gönnersdorf. Aus der Býcí skála-Höhle ist eine Wandzeichnung mit einem schwarz skizzierten Steinbock bekannt. Auf einem Knochenplättchen aus der Rislisberghöhle im Balstal sind ein Kopf und die Maulpartie eines Steinbockes, mit bogenförmigen Hörnern, erhalten.[63]

5.1.2.6. Bär

Kommen wir als nächstes zum Bären. Dieser ist mit 6 Darstellungen eines der Tierarten die seltener dargestellt sind. Sie sind alle unterschiedlich ausgeführt. Es gibt zudem auch eine Darstellung eines Bärenkopfes auf dem, bereits erwähnten, „Bagutte demi-ronde”

Das „Bagutte demi-ronde” stammt aus der Konzentration I. Das Plättchen mit dem Ohr und dem Kopf eines Bären wurde in Konzentration IIa gefunden. Es sind Bärendarstellungen für beide Konzentrationen belegt (Abb. 35).[64]

Auch Bärendarstellungen gibt es im Magdalénien in Mitteleuropa. In der Urdhöhle zum Beispiel fand sich ein Scheitelbein eines Rentieres das wie ein Bärenkopf zugerichtet war. Aus der Pekarna-Höhle stammt eine Bärengravierung auf dem Schaft eines Lochstabes.[65]

5.1.3. selten dargestellte Tiere

5.1.3.1 Saiga-Antilope

Die Saiga-Antilope ist mit nur vier Darstellungen vertreten. Sie gehört zu den Tierarten die in der Magdalénienkunst ausgesprochen selten abgebildet wurden. Die vier Darstellungen sind allerdings sehr detailreich und geben das Aussehen treffen wieder. Auf Platte 306 ist der Kopf einer Saiga-Antilope dargestellt (Abb. 36). Sie wurde aufgrund der leicht gewölbten Gesichtslinie und der Nasenregion, mit als Bogenlinien angegebenen Hautfalten, als Saiga-Antilope erkannt. Auf der Platte 70B sind zwei aufeinander folgende Tiere, die Köpfe sind nach vorn gestreckt, die Tiere im Stand dargestellt. Es wurde vermutlich später noch ein Beinpaar im Galopp ergänzt was aber wohl von einem anderen Zeichner stammt.[66]

Die Platte 70B mit den vollständigen Darstellungen wurde in der Konzentration I gefunden, die anderen zwei Platten 287 und 306 stammen aus der Konzentration IIa (Abb. 33). [67]

Darstellungen von Saiga-Antilopen sind im Magdalénien Mitteleuropas von 15 Fundplätzen bekannt. In Rouffignac zum Beispiel existiert im hinteren Teil der Höhle eine Darstellung einer Saiga-Antilope, dessen Kopf nach rechts orientiert ist. eine Feuersteinknolle in der Höhlenwand dient als Auge. In der Grotte Enlène gibt es ein Widerhakenende einer Speerschleuder die als Saiga-Antilope skulptiert (Abb. 37) ist. In der Höhle von Gourdan existiert ein Rippenstück mit der Darstellung einer Saiga-Antilope. In La Vache gibt es das „Lissoir aux Saigas”. Hier sind die Köpfe zwei einander zugewandte männliche Tiere dargestellt. In Laugerie Basse gibt es die vollständigste Antilopendarstellung auf dem Stück eines Rengeweihs. Die Darstellungen der Saiga-Antilope in der Kunst des Magdalénien datieren von der zweiten Hälfte des mittleren Magdalénien bis ins Endmagdalénien.[68]

5.1.3.2. Fisch

In Gönnersdorf gibt es insgesamt 4 Darstellungen. Sie sind nicht sehr bemerkenswert. Auf der Platte 213 sind eine Schwanzflosse und der hintere Teil eines großen Fisches dargestellt. Der große Fisch könnte durchaus ein Wal sein. Auf den Platten 280 und 281 sind jeweils die Kopfpartien von Fischen abgebildet. Da sie ein recht langes Maul haben, könnte es sich um einen Stör oder einen Hecht handeln. Auf der Platte 282 ist ein vollständiger kleiner Fisch erhalten. Die Fische sind sämtlich recht einfach wiedergegeben. Es gibt kaum charakteristische Merkmale um sie einer speziellen Fischart zuzuordnen.[69]

Die Fischdarstellungen sind in der Grabungsfläche gleichmäßig verteilt (Abb.99). Die Platten 281 und 281 wurden in Konzentration I, und die Platten 213 und 280 in Konzentration IIa gefunden.[70]

Auch im Magdalénien sind Fischdarstellungen weniger häufig dargestellt. Es gibt auf dem Schaft eines Lochstabes vom Petersfels Gravierungen von Fischen auf beiden Seiten. In Meiendorf wurde eine Rengeweihschaufel mit der Form eines Fisches gefunden. Auf einem Lochstab aus Gourdan ist ein Bildfeld mit Fischen graviert.[71]

5.1.3.3. Wolf

Vom Wolf gibt es in Gönnersdorf drei Darstellungen, wobei eine unsicher ist, da es sich bei dieser auch um die Darstellung eines domestizierten Hundes handeln kann. Auf der Platte 14 (Abb. 38) ist eine vollständige Darstellung erhalten. In dieser Darstellung ist der Kopf spitz zulaufend, die Gesichtslinie und die Rückenlinie sind durch eine durchgezogene Linie gebildet, während unterer Kopflinie, Bauch und Brust in Schraffen aufgelöst ist. Ein weiteres dargestelltes Charakteristikum des Wolfes sind die aufgestellten Ohren, sowie die breite, buschige Rute.[72]

Die Platte 14 mit dem vollständigen Wolf wurde im Bereich der Konzentration I gefunden, während die anderen beiden Darstellungen aus der Konzentration III stammen, aus der ansonsten kaum Tierdarstellungen bekannt sind (Abb. 35).[73]

Auch der Wolf ist in der Kunst des Magdalénien eher selten abgebildet worden. In Mitteleuropa sind keine weiteren Darstellungen bekannt. Aber es gibt zwei Wolfdarstellungen aus La Vache, die zu den berühmtesten Darstellungen des Magdaléniens im franko-kantabrischen Raum gehören. In Font-de-Gaume wurde ein Wolf an eine Höhlenwand gemalt, dieser ist allerdings nur sehr schwer zu erkennen.[74]

5.1.3.4. Schildkröten

Schildkröten sind äußerst selten Dargestellt worden. Es gibt nur 2 Darstellungen. Eine vollständige, schwimmend dargestellte Schildkröte auf Platte 288, hat einen gewölbten Panzer, das Charakteristikum einer Meeresschildkröte. Die Schildkröte der Platte 400A hat Vorderbein die in Schraffen ausgeführt sind, was das Planschen im Wasser wiedergeben soll.

Die Platte 400A wurde im sogenannten Mammutring westlich der Konzentration I gefunden, und Platte 288 im zentralen Teil der Konzentration IIa (Abb. 39).

Parallelen für die Darstellung von Schildkröten können in der Sandsteinskulptur einer Schildkröte vom Roc-Saint-Cirque bei Les Eyzies. Sie ist die einzige Parallel in der Kunst des Magdalénien.[75]

5.1.3.5. Löwe

Vom Löwen gibt es nur eine Darstellung, diese ist allerdings eindeutig als Löwe zuerkennen. Es handelt sich um die Platte 231 auf der ein Tier mit kräftiger Schulterpartie und schmalem Hinterteil mit einem, in einer Quaste endenden, Schwanz abgebildet ist.

Diese Platte wurde in Konzentration I gefunden (Abb. 35).

Die Gönnersdorfer Löwendarstellung ist im Magdalénien Mitteleuropas die einzig bekannte Darstellung. Es gibt aber einige wenige Exemplare aus der Kleinkunst Südwesteuropas, wie zum Beispiel die Löwendarstellungen aus La Marche und La Vache. Auch in den Höhlen von Les Trois-Frères, Gabillou, Les Combarelles gibt es eindrucksvolle Löwendarstellungen.[76]

5.1.3.6. Frosch

Auch vom Frosch gibt es nur eine einzige Darstellung (Abb. 40). Auf der Platte 236 ist ein Moor- oder ein Grasfrosch abgebildet. Auf Grund des runden Mauls handelt es sich hier wahrscheinlich um einen Grasfrosch. Der Frosch der Platte 236 befindet sich um Sprung.

Diese Platte wurde im Eingangsbereich im Südosten der Konzentration IIa (Abb. 39).

Eine solche Darstellung eines Frosches ist in der Kunst des Magdalénien einzigartig. Aber es kommen vereinzelt Darstellungen ausgefallener Tiere vor. So reiht sich dieser Frosch in die Reihe neben einer Heuschrecke aus der Grotte Enlène oder der Larve einer Rentierdasselfliege aus dem Kleinen Scheurer ein.[77]

5.1.4. unbestimmte Tiere und komposite Wesen

Die dargestellten Figuren auf den Platten 112B, 138B, 155, 302A und 368 konnten keinem bestimmten Tier zugewiesen werden. Diese waren entweder nur schlecht gezeichnet oder aus anderen Gründen nicht zu bestimmen. Auf den Platten 316, 260B und 168A sind Tiere mit ungewöhnlichen Attributen wiedergegeben, es handelt sich hierbei um so genannte Kompositwesen, die absichtlich so gezeichnet wurden, da sie in der Vorstellungswelt ihrer Schöpfer nur so existierten.

Ein Beispiel für ein solches komposites Wesen ist auf der Platte 168A gegeben. Hier wurde auf der linken Seite der Platte ein rundes Gesicht mit großen Augen über dem Cervidenwedel wiedergegeben. Es handelt sich hier um den „großen Jäger” der so mächtig war, dass man ihn nicht detailliert darstellen durfte.

Die Platten mit den unbestimmbaren Tieren und den Kompositwesen wurden in allen dreien Konzentrationen gefunden. Wichtig ist die Lage der Platten 168A, 260B und 316. Interessant ist das keine dieser Platten aus der Konzentration I stammt, aus der sonst so viele Gravierungen stammten. Die Platte 260B und 168A wurden in der Konzentration IIa gefunden. Die Platte 316 mit dem „Centaur” wurde in Konzentration III gefunden, genauso wie die Platte 138B, die vielmehr die Wiedergabe eines mythologischen Wesens trägt als die ungeschickte Darstellung eines Tieres.

5.1.5. Tierdarstellungen und Jagdbeutereste

Es ist interessant, dass sich Tierdarstellungen mit den Jagdbeuteresten nicht immer decken. Das vielgravierte Pferd ist auch in den Jagdbeuteresten sehr gut vertreten, laut Knochenmaterial war es das wichtigste Jagdtier. Anders sieht das schon bei dem Mammut aus, das zwar auch oft dargestellt wurde aber im Knochenmaterial lediglich durch fossile Elfenbeinreste, einem Elfenbeinknochen, der wahrscheinlich auch nur aufgesammelt wurde sowie drei Rippenstückchen vertreten ist. Auch die 22 Vogeldarstellungen finden im Knochenmaterial ihre Entsprechung. Es haben sich Reste von Schwan, Gans, Ente, Schneehuhn, Schneeeule, Möwe und Kolkrabe erhalten. Bei dem wollhaarigen Nashorn verhält es sich wie bei dem Mammut, ob wohl es mit 17 Darstellungen recht häufig vertreten ist, haben sich keine Knochen gefunden, außer ein paar fossiler Zähne und Kieferknochen. Das gleiche gilt für die Rinder, die zwar etwas öfter dargestellt wurden aber lediglich durch eine Rippe vertreten sind. Anders verhält es sich bei den Cerviden, die sowohl im Knochenmaterial als auch in den Gravierungen häufiger auftreten. Gänzlich fehlen Knochen des Steinbocks, der Robben und des Bären. Die Fischdarstellungen finden ihre Entsprechungen in den Überresten von Lachs, Forelle und Quappe. Der Wolf ist mit Zahnfragmenten von zwei Wölfen im Knochenmaterial vertreten. Auch die Saiga-Antilope, die recht häufig gezeichnet wurde schlägt sich im Knochenmaterial nicht nieder.

Andersrum betrachtet wurden noch Knochen vom Eisfuchs und Schneehasen gefunden, die in den Gravierungen nicht vorkommen.[78]

5.2. Frauendarstellungen

Insgesamt sind 404 Frauengravierungen bekannt. Sie sind zum Teil stark schematisiert und meist im Profil ohne Kopf und Füße wiedergegeben. Es gibt allerdings eine Darstellung auf der Platte 73, wo eine Figur mit in Rhomben endenden Füßen dargestellt ist (Abb. 42). 270 der Figuren sind rechtsorientiert und 131 sind linksorientiert. G. Bosinski versuchte an dieser Tatsache festzumachen das es wesentlich mehr Rechtshänder unter den Gravierern gab.[79]

Die Figuren sind zum Teil durch sehr tiefe Linien charakterisiert, was bei den Tierdarstellungen nicht der Fall ist. Das würde heißen, dass diese Darstellungen eine besondere Bedeutung für die Menschen aus Gönnersdorf hatten, da sie lang anhaltend sichtbar waren.

Durch Analysen von Francesco d’Errico konnte die Linienführung festgestellt werden. Es hat sich herausgestellt, das die Figuren grundsätzlich mit der Rückenlinie von oben nach unten begonnen wurden und dann zum Gesäß überging. Die Vorderfront konnte auf verschiedene Weise ergänzt werden. Entweder wurde mit der Oberschenkellinie begonnen oder mit den Armen.

Wie bereits erwähnt waren diese Frauenfiguren nur schematisiert dargestellt, allerdings gibt es verschiedene Abkürzungsgrade. Diese Abkürzungsgrade sind unterteilt in Ober- und Unterkörpertypen. Allerdings ist zu beachten, das, die einzelnen Ober- und Unterkörpertypen kontinuierlich ineinander übergehen.

Insgesamt konnten 267 Oberkörper in 5 Typen eingeteilt werden.

Die Oberkörperform ist bei allen 5 Typen immer dieselbe. Es sind Frauen mit angehobenen Armen und nach vorn gerichtetem Oberkörper dargestellt.

Der erste Oberkörpertyp a ist der Detaillierteste.

Die Arme sind angehoben, im Ellenbogengelenk schräg aufwärts gerichtet, unter den Armen ist die Brust dargestellt. Für diesen Oberkörpertyp gibt es 3 Beispiele, die die angehobenen und angewinkelten Arme gut erkennen lassen. Bei einer Figur auf der Platte 59 sind sogar Hände wiedergegeben.[80]

Der nächste Typ, ist der Oberkörpertyp b.

Dieser ist durch stakt verkürzte Arme charakterisiert, die meistens noch über dem Ellenbogen enden. Sie können in zwei offenen Linien oder in einer Spitze enden. Die Brust befindet sich stets unter den Armen. Dieser Oberkörpertyp ist mit 40 Beispielen vertreten.[81]

Ein weiterer Oberkörpertyp wäre der Typ c.

Dieser Oberkörper hat einen Vorsprung, bei dem es sich bei den einzelnen Darstellungen sowohl um die Arme als auch um die Brust handeln könnte. Auch hier kann dieser Vorsprung verschieden enden, sowohl in zwei Linien, als auch spitz zulaufend. Dieser Oberkörper ist mit 75 Beispielen dargestellt.[82]

Noch abgekürzter ist Oberkörpertyp d.

Hier besteht der Oberkörper nur noch aus zwei Linien, der Rücken- und der Brustlinie. Es sind keine Arme und keine Brust wiedergegeben. Dabei kann es sein das die vordere Oberkörperlinie leicht gewölbt ist. Die beiden Oberkörperlinien können auch trichterförmig auseinander gehen, oder sie sind parallel zueinander und bilden einen stabförmigen Oberkörper. Dieser Oberkörpertyp ist mit 30 Beispielen vertreten.[83]

Der letzte und damit am weitesten abgekürzte Oberkörper ist der Oberkörpertyp c.

Hier besteht der Oberkörper nur noch aus einer Linie. Hierbei kann diese Linie in die Gesäßlinie übergehen oder sie stellt die gesamte Vorderfront dar. Dieser Oberkörpertyp ist mit 119 Darstellungen der mit Abstand am häufigsten dargestellte Oberkörpertyp.[84]

Das gleiche gilt für die Beinregion der Figuren. Sie ist bei insgesamt 307 Figuren erhalten und lässt sich in 4 Typen einteilen. Auch hier gilt der erste Typ ist am detailreichsten, der letzte am meisten abgekürzt.

Der erste Typ ist der Beintyp a.

Dieser ist nur einmal bei der bereits erwähnten Figur mit der Fußdarstellung der Platte 73. Hier sind die Beine bis zu den Füßen wiedergegeben, die Knie sind deutlich gebeugt. Die Unterschenken durch zwei Linien dargestellt und die Füße enden in Rhomben. Das Gesäß ist automatisch nach hinten gestreckt, die Figur befindet sich in einer Halbhocke. Diese Halbhocke wird bei allen Figuren dargestellt.[85]

Der zweite Typ ist der Beintyp b.

Bei diesem Beintyp endet die Beinlinie über dem Knie. Das Ende ist offen. Für diesen Beintyp können 99 Beispiele genannt werden. Obwohl die Beinlinie über dem Knie endet ist bei vielen Figuren das gebeugte Knie, anhand des Knickes von der vorderen und hinteren Beinlinie, zu erkennen. Auch hier sind die Figuren in Halbhocke, mit gebeugten Knien und rückwärts gestreckten Gesäß dargestellt. Bei einigen Gestalten ist auch ein Gesäßabsatz zu erkennen.[86]

Der Beintyp c ist der vorletzte und somit einer der abgekürzteren Beintypen.

Dieser Beintyp endet in einer meist zurückschwingenden Spitze. Diese Beinregion ist sehr schematisch und gewährleistet eine schnelle Wiedergabe der Beinregion. In einigen Fällen ist das Knie durch einen Knick hinter der Beinlinie angedeutet. Dieser Beintyp ist mit 183 Beispielen am häufigsten vertreten. .[87]

Der letzte und am weitesten abgekürzte Beintyp ist der Typ c.

Dieser Typ wird charakterisiert durch die geschwungen auslaufende Gesäßlinie. Für diesen Typ konnten 24 Beispiele herausgestellt werden. [88]

Wichtig ist die Tatsache das sämtliche Oberkörper- und Beintypen miteinander kombinierbar sind. So kommt es zu den verschiedenen Variationen der Frauenfiguren. Man kann sie nicht als Entwicklungsreihen sortieren, sie sind eher individuelle Angewohnheiten für unterschiedliche Zeichnungen.

Im Gegensatz zu den Tierdarstellungen, die im Allgemeinen nur in Einzeldarstellungen gruppiert sind, gibt es für die Frauendarstellungen verschiedene Darstellungsarten. So sind die Frauendarstellungen in Einzeldarstellungen wiedergegeben. Die Gruppierung von hintereinander angeordnete Frauen kann man in zwei Gruppen unterteilen, in zwei Frauen hintereinander, oder in drei und mehrere Figuren hintereinander. Es kommt auch vor das sich zwei Frauen gegenüber stehen, manchmal gibt es in dieser Anordnung auch noch eine dritte Frau die hinter einer der anderen beiden angeordnet ist. Eine sehr wichtige Szene ist die Darstellung auf der Platte 87. [89]

Wichtig ist, dass bei den zwei oder mehreren Figuren hintereinander die Figuren unterschiedlich groß sind und eine unterschiedliche Standebene besitzen, was aussieht als wären sie in einem Halbrund angeordnet. Die einander zugewandten Figuren haben ein und dieselbe Größe, sie haben die gleiche Standebene und sind manchmal ineinander gezeichnet. Bei diesen beiden Darstellungen liegt es nahe anzunehmen, dass es sich hierbei um Tanzszenen handelt. [90]

Kommen wir zur Platte 87, die insoweit wichtig ist, da die auf ihr dargestellte Vierergruppe von Frauen als einige wenige Darstellungen eine Innenzeichnung tragen. Die Körper sind mit horizontalen und vertikalen Linien bedeckt. Bei jeder Figur sind die Linien etwas unterschiedlicher. Hier ist also eine Art Bekleidung angedeutet. Da die Figuren tief in die Oberfläche eingraviert waren, waren sie immer sichtbar und hatten damit auch eine weitaus wichtigere Rolle gespielt als andere Darstellungen. Interessant ist die andersherum orientierte Gestalt, die von der dritten Frau auf dem Rücken getragen wird. Diese Gestalt ist durch eine Art Gestell mit dem Rücken der Frau verbunden. Die Körperhaltung der Frau ist gebeugt, was bedeutet, dass sie eine Last auf dem Rücken trägt. Hierbei handelt es sich um ein Kleinkind. Diese Darstellung ist einzigartig in der eiszeitlichen Kunst.[91]

Ähnliche Darstellungen dieser Frauenfiguren vom Gönnersdorfer Typ reichem im Magdalénien von Austrieb bis Mähren sowohl in der Plaketten- und Kleinkunst als auch in der Höhlenkunst. [92]

Kommen wir zur Verteilung der Frauengravierungen. Die meisten Frauendarstellungen wurden in der ersten Konzentration gefunden. Insgesamt stammen 227 Frauendarstellungen von 79 Platten aus dieser Konzentration. Da aber der komplette nordöstliche Sektor durch die Baugrube für das Haus Middendorf zerstört wurde, ist es sicher dass es durchaus auch mehr Darstellungen gab. Die Platten wurden vor allem im Innenbereich der Konzentration I gefunden. Hier stechen vor allem der zentrale Bereich mit der Feuerstelle sowie der im südöstlichen Teil liegende Eingangsbereich. Aus dieser Konzentration stammen viele außergewöhnliche Darstellungen, darunter die Platte 87 mit den Tiefgravierten Frauenfiguren mit Innenzeichnung und dem Kleinkind. [93]

Aus der Konzentration II stammen immerhin 80 Darstellungen von 44 Platten. Davon stammen 30 Platten mit 51 Darstellungen aus der Konzentration IIa. Hier kamen sie gehäuft in der Mitte dieser Konzentration vor. Hier wiederum fanden sich kaum solch beeindruckende Darstellungen. F. d’Errico’s Analysen lassen annehmen, dass hier weniger Sorgfalt beim Gravieren dieser Figuren an den Tag gelegt wurde.[94]

Aus der Konzentration IIb konnten insgesamt 8 Platten mit 20 Darstellungen erhalten werden. Hier gibt es mit den Darstellungen auf den Platten 177 und 206,1-3 sehr qualitative und schöne Darstellung.

Aus der Konzentration III wurden 13 Platten mit 20 Frauenfiguren gefunden. Die Platten kamen im Nordwesten, im Südwestteil und im Südosten zum Vorschein. Besonders wichtige Darstellungen fanden sich hier mit den Frauenfiguren auf den Platten 173 und 176. Selbst aus Konzentration IV konnten zwei Schieferplatten mit 4 Frauendarstellungen gefunden werden. Da es sich bei den beiden Platten um recht massive, größere Platten handelt und diese in der Konzentration eher praktischer Natur sind, liegt es nahe anzunehmen, das diese Platten in einer anderen Konzentration graviert wurden und diese später als Baumaterial in die Konzentration IV geholt wurden.[95]

6. Frauenstatuetten

Ein weiterer interessanter Fundkomplex in Gönnersdorf sind die 18 gefunden Frauenstatuetten. Davon wurden 10 aus Elfenbein, 5 aus Schiefer und 3 aus Geweih angefertigt. Die Stücke aus Elfenbein und Geweih waren aus einem Span gefertigt, den man aus dem Elfenbein und Geweih heraustrennt.[96]

Auch hier variieren die Darstellungen, nur in geringerem Maße als bei den Frauenfiguren dargestellt. Bei vier der 18 Statuetten ist eine Brust herausgearbeitet, der Oberkörper ist meistens stabförmig. Dennoch ist das Darstellungsprinzip wenig differenziert und sehr einheitlich. Es sind weder Kopf noch Arme angegeben, weder als Gravierung oder plastisch.[97]

Oberkörper und Beinregion können genauso wie bei den Frauengravierungen in verschiedene Typen eingeordnet werden. Es gibt drei Oberkörpertypen, zwei Gesäßtypen und 2 Unterkörpertypen.

Typ A des Oberkörpers ist der detaillierteste Oberkörpertyp. Charakteristikum dafür ist die ausgearbeitete Brust. Der Oberkörper ist rückwärtig geneigt.

Typ B wird durch den stabförmigen Oberkörper gekennzeichnet, es ist keine Brustpartie ausgearbeitet.

Bei Typ C verläuft der Oberkörper auf der Vorder- und Rückseite gerade aus. Auch hier ist keine Brustpartie vorhanden. [98]

Der Typ A der Gesäßregion ist gekennzeichnet durch ein ungleichschenkliches, dreieckiges Gesäß. Die maximal ausladende Stelle bildet einen 90° Winkel.

Der Typ B des Gesäßes ist durch seine rundliche Form charakterisiert.[99]

Der Unterkörpertyp A hat einen fließenden, runden Übergang zum Gesäß. Er ist meistens sehr leicht zum Rücken hin geneigt. Das Ende ist leicht konisch oder gerade abschließen.

Unterkörpertyp B schließt auch rund an das Gesäß an, läuft aber gerade nach unten aus.[100]

7. Fazit

Gönnersdorf konnte, bei einer Größe von 12 Personen pro Behausung, 30-40 Menschen Platz bieten. Es wird auch angenommen das die Gruppe Menschen die in Gönnersdorf siedelten, von Andernach kamen, obwohl in der früheren Forschung Andernach jünger als Gönnersdorf eingestuft wurde. Wichtig ist das die Ähnlichkeit der Befunde ein Umsiedeln von Andernach nach Gönnersdorf nicht ausschließen.

Man kann auch einige Aussagen zu den chronologischen Gegebenheiten der einzelnen Konzentrationen zueinander treffen. So ist Thomas Terberger, auf Grund der Zweiphasigkeit und der Verwendung der gleichen Gesteine, der Meinung das Konzentration III und IV in ihrer ersten Besiedlungsphase gleichzeitig waren. Diesen beiden Konzentrationen stellt er noch die Konzentration I hinzu, da sie, bedingt durch Knochenreste, die gleichen saisonalen Ausprägungen hatten. Einzig die Konzentration IIa, und somit die Konzentration IIb, sind älter, obwohl es Kontaktzonen zwischen Konzentration IIa und Konzentration III gibt. Das heißt es muss ein Aufeinandertreffen gegeben haben.

[1] Bosinski 2007, 14.

[2] Bosinski 1979, 14-29.

[3] Bosinski 1979, 16.

[4] Bosinski 1979, 17.

[5] Bosinski 1979, 19.

[6] Bosinski 1979, 23.

[7] Bosinski 1979, 23-29.

[8] Bosinski 2007, 44.

[9] Bosinski 2007, 44.

[10] Bosinski 2007, 44 – 47.

[11] Bosinski 2007, 44.

[12] Sensburg 2007, 13-27.

[13] Bosinski 2007, 50.

[14] Sensburg 2007, 28-39; Terberger 1997, 232.

[15] Bosinski 2007, 66f.

[16] Bosinski 2007, 50.

[17] Sensburg 2007, 39-57.

[18] Terberger 1997, 197.

[19] Bosinski 2007, 76-80.

[20] Bosinski 2007, 81.

[21] Bosinski 2007, 83-85.

[22] Sensburg 2008, 5-10.

[23] Sensburg 2008, 27.

[24] Sensburg 2008, 7-9.

[25] für die 275 Tierdarstellungen siehe Bosinski 2007, 202, für die 400 Frauendarstellungen siehe Bosinski u.a.2001, 240.

[26] Bosinski 2007, 205-206.

[27] Bosinski 2007, 206-212.

[28] Bosinski 2007, 218.

[29] Bosinski 2007, 218-219.

[30] Bosinski 2007, 219.

[31] Bosinski 2008, 22.

[32] Bosinski 2008, 22-38.

[33] Bosinski 2007, 226-229.

[34] Bosinski 2007, 234.

[35] Bosinski 2008, 9.

[36] Bosinski 2007, 235.

[37] Bosinski u.a. 1980, 9.

[38] Bosinski 2008, 6f.

[39] Bosinski 2008, 9-13.

[40] Bosinski 2008, 14f.

[41] Bosinski 2008, 118-125.

[42] Bosinski 2007, 269.

[43] Bosinski 2008, 118 – 125

[44] Bosinski 2007, 269.

[45] Bosinski 2008, 125.

[46] Bosinski 2008, 125-128.

[47] Bosinski 2007, 243.

[48] Bosinski 2008, 43-46.

[49] Bosinski 2008, 46-48.

[50] Bosinski 2008, 48.

[51] Bosinski 2008, 53f.

[52] Bosinski 2007, 246.

[53] Bosinski 2008, 55.

[54] Bosinski 2008, 55.

[55] Bosinski 2008, 55-62.

[56] Bosinski 2007, 251.

[57] Bosinski 2007, 251.

[58] Bosinski 2008, 67.

[59] Bosinski 2008, 67-69.

[60] Bosinski 2008, 90.

[61] Bosinski 2008, 90-92.

[62] Bosinski 2007, 258.

[63] Bosinski 2008, 92-95.

[64] Bosinski 2008, 96-103.

[65] Bosinski 2007, 253.

[66] Bosinski 2008, 75.

[67] Bosinski 2008, 75.

[68] Bosinski 2008, 105.

[69] Bosinski 2008, 108.

[70] Bosinski 2007, 253.

[71] Bosinski 2008, 79.

[72] Bosinski 2008, 79-85.

[73] Bosinski 2007, 269-274.

[74] Bosinski 2008, 129f.

[75] Bosinski 2008, 131-133.

[76] Bosinski 2007, 268.

[77] Bosinski 2008, 110.

[78] Bosinski 2008, 110-112.

[79] Bosinski 2008, 135f.

[80] Bosinski 2008, 113.

[81] Bosinski 2008, 137.

[82] Bosinski 2008, 142.

[83] Bosinski 2008, 142-146.

[84] Bosinski 2008, 153-154.

[85] Bosinski 2001, 240.

[86] Bosinski u.a. 2001, 219f.

[87] Bosinski 2001, 243.

[88] Bosinski 2001, 243-245.

[89] Bosinski 2001, 245-247.

[90] Bosinski 2001, 247.

[91] Bosinski 2001, 247-255.

[92] Bosinski 2001, 256.

[93] Bosinski 2001, 256.

[94] Bosinski 2001, 256.

[95] Bosinski 2001, 256.

[96] Bosinski 2007, 307.

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[98] Bosinski 2001, 265-290.

[99] Bosinski 2007, 318.

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Abb. 1: Lage der Neuwieder Beckens, roter Kreis. ( Bosinski 2007, Abb.1)

Abb. 1: Lage der Neuwieder Beckens, roter Kreis. ( Bosinski 2007, Abb.1)

Abb. 2: Gönnersdorf (1) und Andernach (2). ( Bosinski 1979, Abb. 3)

Abb. 2: Gönnersdorf (1) und Andernach (2). ( Bosinski 1979, Abb. 3)

Abb. 3, Grabungsfläche und Grabungskampagnen  unterschiedlich gefärbt (Bosinski 1979, Abb. 6)

Abb. 3, Grabungsfläche und Grabungskampagnen unterschiedlich gefärbt (Bosinski 1979, Abb. 6)

Abb. 4: Lage der Konzentrationen (Sensburg 2007, Abb. 2a)

Abb. 4: Lage der Konzentrationen (Sensburg 2007, Abb. 2a)

Abb.5: Die aus mehreren Bruchstücken zusammengesetzte Platte 171 mit Pferdedarstellung (Bosinski 2007, Abb. 168)

Abb.5: Die aus mehreren Bruchstücken zusammengesetzte Platte 171 mit Pferdedarstellung (Bosinski 2007, Abb. 168)

Abb.8: Platte 113, rote Umrisslinie – Nashorn; grüne Umrisslinie – Mammut;gelbe Linie – Bruchkante (Bosinski 2007, Abb. 169)

Abb.6: Platte 113, rote Umrisslinie – Nashorn; grüne Umrisslinie – Mammut;gelbe Linie – Bruchkante (Bosinski 2007, Abb. 169)

Abb. 7: Platte 398, zwei hintereinander angeordnete Pferde (Bosinski 2007, Abb. 181)

Abb. 7: Platte 398, zwei hintereinander angeordnete Pferde (Bosinski 2007, Abb. 181)

Abb. 8: Platte 88 mit Mammutjungtieren (Bosinski 2007, Abb. 206)

Abb. 8: Platte 88 mit Mammutjungtieren (Bosinski 2007, Abb. 206)

Abb. 18: Umzeichnung der Platte 89. (Bosinski 2007, Abb., 212)

Abb. 9: Umzeichnung der Platte 89. (Bosinski 2007, Abb., 212)

Abb. 26: Platte 69, Darstellung Ur (Bosinski 2007, Abb. 220)

Abb. 10: Platte 69, Darstellung Ur (Bosinski 2007, Abb. 220)

Abb. 32: Steinbockdarstellung auf Platte 397,  Kopfpartie (Bosinski 2007, Abb. 222)

Abb. 11: Steinbockdarstellung auf Platte 397, Kopfpartie (Bosinski 2007, Abb. 222)

Abb. 41: Froschdarstellung auf Platte 236 (Bosinski 2007, Abb. 249)

Abb.12: Froschdarstellung auf Platte 236 (Bosinski 2007, Abb. 249)

Abb. 42. Frauenfigur mit Füßen, Platte 73 (Bosinski 2007,  Abb.290)

Abb. 13. Frauenfigur mit Füßen, Platte 73 (Bosinski 2007, Abb.290)

Abb. 43: Platte 87 (Bosinski 2007, Abb. 297)

Abb. 14: Platte 87 (Bosinski 2007, Abb. 297)