Lage und Form

Diesem Kapitel liegt zum einen der Schwerpunkt der Hügellage zu Grunde. Wurden die Stellen für die Monumente wahllos gewählt? Lassen sich Naturgegebenheiten ausmachen, die bevorzugt worden sind? Im zweiten Teil ist der Fokus auf die äußere als auch innere Form der Begräbnisstätten gerichtet. Wie unterscheiden sich die Kurgane aus dem Osten zu den Megalithanlagen aus Frankreich, England und Deutschland? Liegt ihnen ein und die selbe Idee zugrunde? Betrachtet man die Lage der einzelnen Gräber, so fällt auf, dass die meisten Grabhügel an Flüssen, in unmittelbarer Nähe zu Flüssen, vereinzelt auch an See- und Meeresufer wie zum Beispiel Suvorovo gelegen sind. Ebenso wurden in der Regel besondere Naturgegebenheiten, wie Erhöhungen in flachen Gegenden, hohe Flussufer oder auch Mündungen von zwei Flüssen aufgesucht.(Govedarica, 2004) Wichtig für den Standort war ebenfalls, dass die Gräber nicht durch Überschwemmungen oder durch andere Natureinflüsse in Gefahr geraten. Deutlich wird dies bei der Untersuchung der Hügel Mala Gruda und Velika Gruda. Mala Gruda liegt östlich eines größeren Baches und Velika Gruda befindet sich 270 m weiter südlich an dem selben Bach. Beide liegen auf einem trockenen Standort zwischen den Überschemmungsauen des Baches.(Primas, 1996.) Es zeigt deutlich, dass die Erbauer solcher Gräber das Gebiet genau beobachtet haben müssen, vielleicht gar über Monate, um sicher gehen zu können, das der Hügel sicher steht. Das wiederum veranschaulicht, dass sich der Umgang mit den Toten geändert haben muss. Nun wird nicht mehr alleine durch die Beigaben dafür Sorge getragen, dass es dem Verstorbenen nach dem Tod an nichts fehlt. Es ist darauf geachtet worden, dass sich die Monumente ganzjährig von, der sie umgebenden Landschaft, unterscheiden. Auch für die Megalithgräber lässt sich eine gewisse Bevorzugung von bestimmten Standorten nachweisen, die sich jedoch nicht wesentlich von den der zeitgleichen Flachgräbern unterscheidet. Grundsätzlich ist die Standortenwahl abhängig von dem Vorkommen des Baumaterials.(Kossian, 2005.) Auf die unterschiedliche Form der Kurgane aus der Steppe und den Megalithanlagen ist bereits kurz hingewiesen worden. In diesem Abschnitt sind jedoch des weiteren die Differenzierungsmöglichkeiten innerhalb dieser beiden Gruppen von Interesse. Die Kurganaufschüttung ist meist ein Gemisch aus Schwarzerde und den anstehendem Boden. Nachgewiesen wurden unterschiedliche Stein- und Holzkonstruktionen wie Kromleche, Krepida und ringförmige Gräben um die Kurgane. Auch ist das Vorkommen einiger spezifischer Typen von Grabkonstruktionen wie Nischen, Katakomben sowie Stein- und Holzanlagen auf der alten Oberfläche.(Rassamakin, 2004.) Grundsätzlich wird bei den Megalithanlagen unterschieden in Rechteckdolmen, mit einem trapezförmigen Kammerinnenraum, der von bis zu drei Decksteinen bedeckt worden ist und Großdolmen, mit einer durchschnittlichen Länge von 3 bis 6 m und einer Breite von knapp 1 m. Letztere treten zumeist in Rundhügeln auf. Zu nennen sind des weiteren die polygonalen Ganggräber , hauptsächlich verbreitet in Dänemark mit einem Längsdurchmesser von ca. 2,3 x 1,9 m, und die ovalen Ganggräber mit einer Mindestlänge von 3 m und einer Breite von 1,9 m. Die Überhügelung ist zu unterscheiden in Rundhügel und Langhügel. Der Durchmesser variiert zwischen 7 und 33 m, auch Steinrahmen wie bei den Kurganen in Osteuropa konnten dokumentiert werden. Langhügel treten zumeist in Kombination mit Rechteckdolmen mit ein oder zwei Kammern auf. Im Durchschnitt haben die Hügel eine Länge zwischen 20 bis 35 m. Die Höhe der Hügel liegt oftmals unter einem Meter.(Hinrichsen, 2006.)

Kurgan mit Steinanlage und Kromlech (Rassamakin, 2004, Tafel 381.)

Kurgan mit Steinanlage und Kromlech (Rassamakin, 2004, Tafel 381.)

1. geschlossener Rechteckdolmen, 2. Rechteckdolmen mit Einstiegsöffnung (Hinrichsen, 2006, Tafel 9.)

1. geschlossener Rechteckdolmen, 2. Rechteckdolmen mit Einstiegsöffnung (Hinrichsen, 2006, Tafel 9.)

Großdolmen (Hinrichsen, 2006, Tafel 9.)

Großdolmen (Hinrichsen, 2006, Tafel 9.)

Polygonales Ganggrab (Hinrichsen, 2006, Tafel 14.)

Polygonales Ganggrab (Hinrichsen, 2006, Tafel 14.)

Gemein haben beide Bestattungsarten zum einen den Grabhügel, in Form von einer Erdaufschüttung, der als monumentales Gebilde in der Landschaft wirkt, ebenso den enormen Arbeitsaufwand, der einen gewissen sozialen Status der bestatteten Person erahnen lässt und letztlich die unterschiedlichen Stein- und Holzkonstruktionen, die als Grabraum dienten. Zwar sind in den Kurganen weniger Mehrfachbestattung16 im eigentliche Sinnen angewiesen, doch zeigt sich auch hier der Charakter der Kollektivgrabsitte in Anfängen in Form der Nachbestattung. Dies könnte mit einer mobileren Lebensweise zusammen hängen.

16. Gemeint sind hier Bestattungen, die nacheinander erfolgten, ohne das der Hügel komplett geschlossen worden ist.

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

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