Lokalisierung der ersten Hügel

Grundlegende Diskussionen zu dem Thema der Grabhügel im 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. in Europa beherrschen seit Jahrzehnten die Forschung. Scheint eine Frage beantwortet, so werfen sich in einem anderem Zusammen neue auf. Demzufolge ist eine Auseinandersetzung mit einem kompletten Fragenkatalog erforderlich. So ist es nicht effizient, die Ausbreitung dieser Bestattungssitte unabhängig, von der Datierung der ersten Hügel, etwaigen Bevölkerungswanderungen oder der Lokalisierung von Kontaktzonen zwischen verschiedenen Kulturen zu beleuchten. In diesem Zusammenhang muss ebenfalls die Entstehung und Verbreitung weiterer Innovationen und Ideen berücksichtigt werden, da die Geschichte zeigt, dass meist eine Neuerung nicht ohne Begleiterscheinungen verbreitet wird. Als Beispiel sei kurz die Kausalität zwischen der Erfindung des Rades, des Wagens und des Pfluges erwähnt. In diesem Kapitel wird die Lokalisierung, Datierung und die Zusammensetzung der ersten bisher bekannten und nachweisbaren Grabhügel in unterschiedlichen Gegenden Europas vordergründig behandelt. Auf den bestatteten Personenkreis und die Funktion der Monumente wird in einem weiterem Passus eingegangen.

1. Nordpontische Steppe

I: Karpatenbecken, II: Nordwest- und Westpontische Zone, III: Nordpontische- azovsche Zone, IV: Volga- kaspische Zone, V: Nordkaukasus

I: Karpatenbecken, II: Nordwest- und Westpontische Zone, III: Nordpontische- azovsche Zone, IV: Volga- kaspische Zone, V: Nordkaukasus

Eine Zone der ältesten Grabhügel ist in der nordpontischen Steppe zu lokalisieren, einer Gegend, in der sich die Landschaft nicht durch großartige Reliefunterschiede auszeichnet. So prägen die künstlichen Erdanhäufungen allein durch ihr Äußeres die Gegend. Durch Wanderbewegungen unterschiedlicher Kulturen in das Odessagebiet1 zwischen Dniestr und Prut2 kommt es im 5. Jahrtausend zu einem Aufeinanderteffen von vielen verschiedenen Lebens- und Wirtschaftsweisen. Zusammen mit dem Klimaoptimum ist im 5. Jahrtausend v. Chr. ein erheblicher Bevölkerungsanstieg von Gumelnita A1- Präcucuteni III zu Gumelnita A2- Varna- Kugelamphorenkultur IV- Cucuteni A nachweislich.(Govedarica, 2009.) Das Produkt dieser Entwicklungen bildet die Basis für die weitreichenden Veränderungen. Über Generationen entstehen durch Austausch neue Kulturen, die jedoch auf einheimische Substarte fußen. Somit ist die Grundlage für die Bildung eines mächtigen und weiträumigen Kulturkreises mit großem Einfluss auf die Nachbargebiete geschaffen worden. Für die Entstehung der Grabhügel bedeutet dies, dass sie mit einem Prozess innerhalb der Entwicklung und Expansion der karpaten- balkanischen Kulturen im Zusammenhang zu scheinen steht (Govedarica, 2004.). Auch Elke Kaiser (2003.) spricht von einem großräumigen Austausch zwischen den Steppen und dem Kaukasus, der jedoch mit der beginnenden Kugelamphorenkultur ein Ende nimmt. In diesem soeben beschriebenen Areal der nordpontischen Steppe lassen sich die bereits sporadisch auftretende Hügelgräber nachweisen, die in Verbindung mit der Usatovo- Gruppen3 stehen. Doch sind dies längst nicht die ältesten.(Primas, 1996.) Zwar lassen sich im Zeitraum von Cucuteni A noch keine Grabhügel nachweisen, doch ist ein Anstieg der Hügelgräber gegenüber den Flachgräbern schon in Cernavoda I nicht von der Hand zu weisen. Laut Blagoje Govedarica basieren die Grabhügel auf Traditionen vorheriger Kulturen.(Govedarica, 2009.)

Suvorovo

Suvorovo

Als veranschaulichendes Beispiel eines solchen frühen Hügels, sind die Kurgane der Grabhügelnekropole Suvorovo in der Ukraine zu nennen. In unmittelbarer Nähe des Dorfes Suvorovo am nördliches Ufer des Katlabug- Sees befinden sich zwei Grabhügel. Von näherem Interesse ist der Hügel 1 der zweiten Nekropole. Mit einem Durchmesser von 75 m und einer Höhe von 4,5 m befinden sich im Inneren mehrere Gräber mit verschiedenen Steinkonstruktionen. Es handelt sich insgesamt um acht Bestattungen, die wie folgt drei Bestattungsphasen zugeordnet werden. Die erste Phase bildet die Primärbestattung mit dem Grab 7, der zweiten Phase zugehörig sind die Gräber 1, 5 und 10. Grab 2, 3, 4 und 6 werden der dritten Etappe zugeordnet und befinden sich in der Hügelaufschüttung. Diese Bestattungen gehen wahrscheinlich auf die Träger der Grubengrabkultur zurück.

Suvorovo, Nekropole II, Hügel I (Govedarica, 2004, 101.)

Suvorovo, Nekropole II, Hügel I (Govedarica, 2004, 101.)

Grab 7, Primärbestattung (Govedarica, 2004, 102.)

Grab 7, Primärbestattung (Govedarica, 2004, 102.)

Bei der Primärbestattung handelt es sich um zwei bestattete Individuen im Erwachsenenalter, gebettet in einer trapezförmigen Grabgrube, von einem Steinkranz umschlossen und mit einem kleinem Hügel bedeckt. Beide Personen lagen mit dem Kopf im Osten und waren sowohl mit Kreidekörnchen als auch mit Ocker bedeckt. Es handelt sich bei dem ersten Skelett um einen Mann, in Rückenhockerlage mit angezogenen Beinen. Als Beigaben sind ein Reibstein mit Ockerspuren, zwei Flintklingen, ein Drahtpfriem aus Kupfer, eine Flintdolchspitze zu nennen. Eine Besonderheit stellt das zoomorphe Pferdekopfzepter dar. Bei dem zweiten Individuum wird von einer weiblichen Person ausgegangen, die ebenfalls in der Rückenhockerposition, mit einer Neigung nach Rechts zum ersten Skelett und dem Kopf im Süden beigesetzt worden ist. Beigegeben wurden eine Flintklinge, ein Pfriem und eine Nadel aus Kupferdraht, Scheibenperlen aus „Unio- Muscheln“ und eine Kette aus solchen Perlen. Als weiteres Beispiel ist der Grabhügel von Cainari zu nennen. Dieser ist in der nortwest- westpontischen Zone, im heutigen Moldawien zu finden. Der genannte Ort befindet sich im Hinterland der Schwarzmeerküste, gelegen in einem ehemaligen Gras- und Waldsteppengebiet. In 1,5 km Entfernung von dem Dorf Cainari sind bei Baggerarbeiten zwei Grabhügel zerstört worden. Der Hügel a. befindet sich 200 m entfernt von dem Flussufer des Botn`i und bietet dem Grab einer erwachsenden Person Schutz. In der Bronzezeit ist der Primärhügel mit einer weiteren Erdaufschüttung vergrößert worden. Da das Grab nicht, wie bei Flachgräbern, in den Boden eingetieft wurde, wird dieses Grab als Hügelgrab angesprochen. Datiert wird dies 4451 BC.(Govedarica, 2004.)

Gonova Mogila

Gonova Mogila

Wie an Hand des Grabhügels von Gonovo Mogila deutlich wird unterscheiden sich auch die frühen Kurgane bereits in ihrem Aufbau, doch dies soll an anderer Stelle näher erläutert werden. Der Fundort ist in der steppenartigen Gebirgslandschaft in oberen Thrakien zu lokalisieren, knapp zwei Kilometer südlich von dem Dorf Targovište. Die Aufschüttung wurde aus einem Steinkern und Erde errichtet, so das der Hügel insgesamt eine Höhe von knapp zwei Metern über den gewachsenen Boden erreichte. Insgesamt wurden drei Bestattungen untersucht. Grab 1., dass sich südlich des steinernen Kerns befand, wies das Skelett es Erwachsenen in Rückenlage auf. Die nach oben gezogenen Knie sind zur linken Seite umgefallen und der Kopf befand sich Richtung Süden. Neben der Obsidianklinge, zylindrischen Kupferperlen und einem Anhänger aus Muschelschalen wurde der Leichnam mit einer Ockerstreuung versehen. Grundsätzlich wird dies als die Primärbestattung angesprochen, doch ist es meines Erachtens fraglich, da sie sich eindeutig außerhalb der Steinsetzung befindet. Es ist nicht auszuschließen, dass sich in dem vergangenen Teil des Hügels die ursprüngliche Primärbestattung befand.(Govedarica, 2004.) Richten wir unser Augenmerk nun auf Wolga- Kaspische -Zone, dem Gebiet zwischen der Wolga und dem nordkaukasischen Raum. Grundsätzlich gleicht dieses Areal einer Halbwüste beziehungsweise einer Trockensteppe. Geprägt wird die Gegend durch den Fluss Wolga und ihrer Nebenflüsse, die in ihrer Summe eine hervorragende Kommunikationslinie in den Norden und zusammen mit dem Fluss Don in Richtung Westen darstellen. Auffällig ist eine Konzentration der Hügelgräber mit Ockerstreuung an der Wolga.

Chutor Popova

Chutor Popova

Von Interesse ist hier der Grabhügel Chutor Popova im heutigen Russland. Untersucht wurde eine Gruppe von sechs Hügeln, wobei das Grab 4. des Hügels 31/7 eine Schlüsselfunktion einnimmt. Die Erdaufschüttung weist einen Durchmesser von 42 bis 46 Metern und eine Höhe von einem Meter auf. Insgesamt konnten vier Bestattungen ausgemacht werden. Bei dem vierten Grab ist die älteste Bestattung und befindet sich im nordöstlichen Segment. Das Skelett ist mit Ocker bedeckt worden, ebenfalls sind Kohlestücke und Reste einer Grasmatte zu finden. Geschätzt wird ein Alter zwischen 3 bis 4 Jahren. Dem Kind ist ein kleines bauchiges Gefäß mit Spitzboden, ein amorphes Kupferstück, drei Messerklingen aus Flint, fünf Knochenperlen, Muschelperlen und einige Ockerstücke. Da noch in einem der folgenden Kapiteln auf den Personenkreis, dem solche Hügelbestattungen zuteil gekommen sind, eingegangen wird, sei an dieser Stelle nur kurz darauf hingewiesen, dass es sich bei diesem Grab und eine der wenigen derzeit bekannten, Kinderbestattungen in einem Grabhügel handelt, die sich weder in der Konstruktion des Hügels noch in der Ausstattung quantitativ noch qualitativ von anderen gängigen Hügelbestattungen dieser Zeit unterscheiden.(Govedarica, 2004.) Der Vollständigkeit halber sei das Gebiet Nordkaukasien noch kurz beleuchtet. Gelegen in der osteuropäischen Tiefebene wird diese Region begrenzt durch das Azovsche Meer und dem Kaspischen Meer, dem unterem Don und dem Hochkaukasus.(Govedarica, 2004.) Erste Hügelgräber, angeordnet in Gruppen, lassen sich zu Beginn der Maikopkultur nachweisen. Die, in Dimensionen und Ausstattung stark unterschiedlichen Hügel, fassen in der Regel mehrere Einzelbestattungen mit einer deutlichen Ockerstreuung.(Primas, 1996.) Margarita Primas führt in diesem Zusammenhang den Begriff „Hyperhügel“ ein. Hierbei handelt es sich um Großkurgane, meist reich an Metallbeigaben, die auch in einer Gruppe von „Normalhügeln“ angetroffen werden können. Letztere haben im Durchschnitt einen Durchmesser von knapp 15 bis 50 Metern und eine Höhe von 0,7 bis 13 Metern. Hingegen sind die „Hyperhügel“, mit einem Durchmesser von 60 bis 100 Metern und einer Höhe von 4,5 bis 11 Metern, um eine vielfaches größer. Allgemein lässt sich feststellen, dass die frühen Kurgane mit Steinkisten begrenzt wurden.(Primas, 1996.) Von an nährend monumentalem Ausmaß ist der Hügel von Stanica Storonižnestablivskaja.

Stanica Staroniznestablievskaja

Stanica Staroniznestablievskaja

Der Durchmesser beträgt 47 Meter und die Höhe 5,9 Meter. Insgesamt wurden bei den Untersuchungen 31 Gräber unterschiedlicher Kulturen angetroffen. Zu nennen sind fünf äneolithische Bestattungen, 15 von Trägern der Grubengrabkultur, vier weitere aus der Katakombengrabkultur und letztlich eine sarmatische sowie sechs mittelalterliche Nachbestattungen. Die fünf ältesten Gräber sind den früher Ockergräbern zugesprochen worden Allesamt lagen sie als kleine, knapp acht Meter voneinander entfernte Gruppe im zentralen und nördlichen Segment des Hügels. Anzunehmen ist, dass sie Bestattungen ursprünglich von zwei kleineren Erdhügeln bedeckt waren. Näher betrachtet werden die ältesten Gräber mit der Bezeichnung 13., 13a., 14., 29. und 30..

Grab 13, 13 a zusammen und 13 a einzeln

Grab 13 mit 13 a zusammen und 13 a einzeln (Govedarica, 2004, 154.)

Das erstgenannte liegt knapp 12 m nordwestlich von dem Hügelzentrum entfernt und 6, 04 m unter dem Hügelgipfel. Mit Maßen von 1 x 0,75 m ist die ovale Grabgrube 26 cm in die ehemalige Oberfläche eingetieft worden. Im Inneren befand sich das Skelett einer erwachsenden Person in der Rückenhockerlage, deren Knochen dicht mit Ocker bestreut wurden. Als Beigaben sind eine Messerklinge aus Flint, Applikationen aus Eberhauern mit Einkerbungen sowie Hirschgrandelanhänger und Muschelperlen. Den Beigaben zu urteilen handelt es sich, meines Erachtens, der Wahrscheinlichkeit nach um die Bestattung eines Mannes. 13 a. ist eine quadratische Grabgrube mit einer Größe von 0,85 x 0,75 m. In diesem Falle ist ein Kind beigesetzt worden, dessen Knochen ebenfalls Spuren einer Ockerstreuung aufweisen. Vier Plättchen aus Eberhauern, Knochenperlen und Teile einer Geweihaxt wurden dem Kind für das Jenseits mitgegeben. Nur 80 cm in östlicher Richtung ist das Grab 14. zu lokalisieren. Bestattet wurde ein Erwachsener, ebenfalls als Rückenhocker, in einer ovalen Grabgrube. Grabboden und Knochen sind mit rotem Ocker bedeckt worden. Auch hier wurden Gerätschaften aus Flint, wie zum Beispiel ein Dolch und ein Kratzer, und Muschelperlen niedergelegt. Außer Acht gelassen wird die Bestattung mit der Bezeichnung 29., da sie sich nicht sehr von den anderen Bestattungen unterscheidet. Hingegen hat das Grab 30. eine Sonderstellung inne, da es sich um eine Mehrfachbestattung handelt. Vier Meter östlich des Grabes 29., 6,2 m unter der Hügelkuppe ist eine rechteckige Grabgrube, mit Maßen von 1,76 x 1,3 m, angetroffen worden. Im Innenraum lagen eine erwachsende Person und zwei Kinder, jeweils in der üblichen Position des Rückenhockers. Die Beigaben, bis auf eine Ausnahme, befanden sich allein bei der erwachsenden Person. Zu nennen sind Knochen- und Geweihperlen, Hirschgrandelanhänger, Klingen aus Feuerstein und eine Knochenahle.(Govedarica, 2004.) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die, in den Grabhügeln, bestatteten Personen im Allgemeinen als Rückenhocker niedergelegt und mit Ocker bestreut worden sind. Ebenso ist auffallend, dass es sich bei den meisten Gräbern um Einzelbestattungen, seltener um Mehrfachbestattung handelt, auch ist die Anzahl, deren mit ein und demselben Kulturhintergrund relativ klein. Vermutlich ist dies auf eine mobilere Lebensweise, mit einer regelmäßigeren Änderung des Standortes zurück zuführen.

Grab 14 (Govedarica, 2004, 157.)

Grab 14 (Govedarica, 2004, 157.)

Grab 30, Mehrfachbestattung (Govedarica, 2004, 155.)

Grab 30, Mehrfachbestattung (Govedarica, 2004, 155.)

1. Ein Gebiet am Schwarzen Meer, gelegen in der heutigen Ukraine.
2. Dniestr und Prut bilden das wichtigste Flusssystem in diesem Gebiet.
3. Cal. 3500 – 2900 BC

2. Mitteldeutschland

Wenden wir uns nun den ersten Grabhügeln in Mitteldeutschland zu. Ähnlich wie in der nordpontischen Steppe prägen ebenfalls in diesem Gebiet die monumentalen Hügel die Landschaft, jedoch zeichnet sie sich auch durch die natürlichen Reliefunterschiede aus. Das naturräumliche Spektrum reicht von den Flussniederungen der Elbe, den glaziär geprägten Gebieten der Altmark, des Flämings und der Düben- Dahler Heide im Norden über die Lößlandschaften bis zu den Mittelgebirgen im Süden und Westen. Enorm beeinflusst wurde das Landschaftsbild im Zuge der letzten Eiszeit.(Ostritz, 2006.) Mit der ersten vollausgebildeten Mittelneolithischen Kultur, der sogenannten Baalbergerkultur, sind die ersten Grabhügel in Mitteldeutschland nachgewiesen. Diese Kultur gilt als eine der ältesten Stufen der mitteleuropäischen Trichterbecherkultur, die zugleich die wohl am weitesten verbreitete und fundreichste Erscheinung dieses Kulturkomplexes darstellt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist das Mittel- Saale- Elbe- Gebiet mit Ausläufern bis nach Mecklenburg- Vorpommern und Brandenburg. (Kubenz, 2006.) Auch in dieser Kultur ist die Hockerposition maßgebend, doch am Gegensatz zu den Bestattungen der nordpontischen Steppe handelt es sich hier um Seitenhocker, meist rechte, seltener linke Seitenhocker. Auf eine Geschlechtsdifferenzierung lässt weder der Grabbau, noch die generell dürftige Ausstattung schließen. Unterschiede fehlen ebenso bei der Beigabenausstattung der Kinder- und Erwachsenengräbern.( Preuß, 1966.) Wie bereits erwähnt treten mit dieser Kultur die ersten Grabhügel auf, doch ist die Beisetzung in einem solchen Hügel nicht die alleinige Bestattungsweise. Im Gegenteil, es sind deutlich mehr flache Erdgräber bekannt, als Hügelgräber. Von Interesse sind jedoch im Zusammenhang mit dieser Arbeit lediglich die Hügelbestattungen, so das die Flachgräber nur im Bezug auf ihre Grabform Erwähnung finden. Generell lässt sich sagen, dass es kaum Unterschiede zwischen den Flach- und Hügelgräbern, bis auf den Hügel, gibt. Die meisten Hügel haben eine rundliche Form, ähnlich der den frühen Kurganen. Enthalten sind Erd- und Steinkistengräber als Primärbestattungen, die vereinzelt von einem lockeren Steinkranz umgeben sein konnten. Nachbestattungen sind, wie auch in der nordpontischen Steppe, sowohl aus der eigenen Kultur, als auch späteren Kulturen bekannt.(Kubenz, 2006.) Als Beispiele werden die Hügel „Pohlsberg“ und „Spitzes Hoch“, gelegen in der Mikroregion Latdorf, bei der Stadt Bernburg. „Spitzes Hoch“ ist vermutlich durch Mitglieder der Baalberger Kultur in einem Zeitraum von 4100 bis 3600 v. Chr. Errichtet worden. In der darauf folgenden Zeit wurden Nachbestattungen in der Bernburger Kultur, der Schnurkeramik und der Völkerwanderungszeit angelegt. Auch „Pohlsberg“ wurde zum gleichen Zeitpunkt von Leuten mit gleicher Kulturzugehörigkeit erbaut.(Gall, 2002.) Es handelt sich eine eingesenkte Steinkiste, die von einem trapezförmigen Hünenbett, mit einer Länge von 25 m, umgeben war.(Kubenz, 2006.) Auch in diesem Hügel wurden in der Folgezeit Nachbestattungen vorgenommen. Zu nennen sind die der Walternienburger Kultur, der Kugelamphorenkultur4, der Schnurkeramik und der Jungbronzezeit um ca. 1000 v. Chr., als letzte Bestattung.(Gall, 2002.)

An dieser Stelle sein kurz darauf hingewiesen, dass die Hügel sogar von Kulturen genutzt worden sind, die selbst keine eigenen Grabhügel errichteten. Für die Kugelamphorenkultur sind zwar Einzel- Flachgräber mit Körperbestattungen und Brandbestattungen bekannt, doch keine eigens errichteten Hügel. Nachbestattungen in Grabhügeln sind jedoch häufiger bekannt.(Montag, 2006.) Das Erdgrab ist am meisten und am gleichmäßigsten verbreitet, Steinkistengräber sind der zweit häufigste Typ. Da die Steinkistengräber sich wesentlich tiefer im Boden befinden ist eine Überhügelung aus reinen Schutzgründen überflüssig.(Beier, 1988.)

Lage der Grabhügel von Preußlitz und Crömijk, M. 1: 25000 (Preuß, 1958, 197.)

Lage der Grabhügel von Preußlitz und Crömijk, M. 1: 25000 (Preuß, 1958, 197.)

Aufsicht und Querschnitt des Grabhügels Preußlitz (Preuß, 1958, 198.)

Aufsicht und Querschnitt des Grabhügels Preußlitz (Preuß, 1958, 198.)

Ein weiteres Beispiel ist der Ilgensteinische Mühlberg von Preußlitz, Salzlandkreis zu nennen. Mit einem West- Ost Durchmesser von 29, 40 m, einem Nord- Süd Durchmesser von 28, 40 m und einer Höhe von 1,65 m hat der Erdhügel einen stattlichen Gesamtumfang von 89, 40 m. Die Hügelmitte weist eine kuppelartige Form auf. In der Summe konnten bei den Untersuchungen neun Bestattungen gezählt werden. Sechs davon waren in den gewachsenen Boden eingetieft, acht waren Kinderbestattungen beziehungsweise Skelette von heranwachsenden Personen und das letzte Grab war das eines Erwachsenen. Datiert werden die Gräber II bis VIII in die Baalberger Kultur, Grab I ist eine Nachbestattung der Schnurkeramiker, zum neunten Grab wurden im Bezug auf die Zeitstellung keine Angaben gemacht, doch ist die Zugehörigkeit zur Baalberger Kultur nicht unwahrscheinlich. Das in die Schnurkeramik datierte Grab I barg das Skelett einer jugendlichen Person in sich.

Flintklingen Grab I (Preuß, 1958, 199.)

Flintklingen Grab I (Preuß, 1958, 199.)

Es wurden zwei Flintklingen als Beigaben angesprochen, vermutlich handelt es sich um Bruchstücke zweier Flintmesser. Zu etwaigen Grabein- bezeichnungweise Umbauten sind keine näheren Informationen bekannt. Bestattet wurden in dem zweiten Grab ein Kind, dass sich in der Hockerstellung befand. Die trapezförmige Steinkiste hatte eine Deckenplatte und ist im inneren mit Bohlen ausgekleidet worden. Niedergelegt wurde der Leichnam auf einer Stroh- und Schilfunterlage. Wie typisch für die Baalberger Kultur fallen die Beigaben äußerst spärlich aus, in diesem Fallt ist lediglich eine gehenkelte Trichterschale beigegeben worden. Über der Sandschicht von Grab IV befand sich die dritte Bestattung. Auch hier handelt es sich um ein Kinderskelett in Hockerposition. Auf die Beigabe von einer zweihenkligen Amphore lassen einige Scherben schließen. Wie oben erwähnt, ist das nächste Grab unter dem dritten zu lokalisieren. Das Kindergrab wurde mit Bohlen ausgekleidet. Eine Deckenplatte oder Beigaben fehlen völlig. Eine Sonderstellung in dem Grabhügel nimmt das fünfte Grab ein, da es sich um die einzige Mehrfachbestattung in diesem kleinen Gräberfeld handelt. Die Grabsohle befand sich auf dem gewachsenen Boden, im Inneren befanden sich drei Hockerbestattungen, die eines kleines Kindes, eines größeren Kindes und die einer jugendlichen Person. Alle drei Körper wurden auf Stroh- beziehungsweise Schilfmatten abgelegt. Beigaben fehlten vollständig. Ein kompletter Holzsarg mit abgerundeten Ecken, mit einer Stroh- bzw. Schilfmatte als Unterlage für eine weitere Kinderleiche konnten im sechsten Grab nachgewiesen werden. Das Kind wurde auf die Linke Seite gedreht und in Hockerposition gebracht, es wurden ihm eine vierhenklige Amphore mitgegeben. Für die Beigabe eines, zum Untersuchungszeitpunkt bereits vergangenes, Holzgefäß spricht eine solche Holzspur. Auch im darauf folgenden Grab ist ein Holzsarg von vergleichbarer Konstruktion samt Schilf- oder Strohmatte belegt worden. Es befand sich im Innenraum eine rechtsseitiger Hocker. Daneben lagen eine Amphore mit vier Henkelösen, eine Gefäß mit Bandhenkeln und eine Kette aus Kupferröllchen, Kupferspiralröllchen sowie zwei breite und vier schmale, mit Ösen versehende, Kupferblechzungen.

Kupferkette (Preuß, 1958, 203.)

Kupferkette (Preuß, 1958, 203.)

Die eben genannten Kupferobjekte stellen die einzigen in diesem Hügel dar. Im achten Grab sind hingegen keine Holzreste gefunden worden. Beigegeben wurden dem Kind eine Kanne und, den Scherben nach zu urteilen, ein Gefäß mit Henkeln.

Plan Grab IX (Preuß, 1958, 204.)

Plan Grab IX (Preuß, 1958, 204.)

Wie schon weiter oben erwähnt ist die Bestattung Nummer neun, die einer erwachsenen Person. Der Körper wurde in den rechten Hocker gelegt und der abgetrennte Rumpf mit vier Steinplatten umstellt. Unter dem Skelett war ein Steinpflaster aus 5 Platten angelegt worden. Es ist anzunehmen, dass die räumliche Trennung der Knochen intentional, vielleicht im Rahmen einer Totenfeier, vorgenommen wurde. Für eine solche Totenfeier sprechen die drei Feuerstellen in der näheren Umgebung.(Preuß, 1958.) Die unterschiedlichen Bestattungen spiegeln relativ gut den Variantenreichtum im Bestattungsbrauchtum der Baalberger Kultur. Es kommen Bestattungen mit und ohne Steinschutz, sowohl in Holzkisten als auch Steinkisten, oder gar ohne irgendeine Art von Grabein- beziehungsweise umbauten vor. Mit dem letzten Grab können, unter anderem im Bezug auf Feuerstellen eindeutig Parallelen zu den Gräbern der nordpontischen Steppe gezogen werden. Auch dort wurden häufig Aschespuren dokumentiert, die in den Zusammenhang mit einer Totenfeier interpretiert wurden. Auch im Zuge einer Nachfolgekultur, der Salzmünder Kultur5, ebenfalls ein Komplex aus der mitteldeutschen Trichterbecherkultur, sind Grabhügel errichtet worden. Verbreitet ist die Salzmünder Kultur im mittleren sowie unteren Saalegebiet und in Einzelfällen in den Leipziger und Altenburger Raum. Die Grab- und Bestattungssitten sind nur wenig einheitlich. Es finden sich sowohl Bestattungen auf Gräberfeldern als auch in Siedlungen statt. Mehrheitlich treten Flachgräber auf, doch sind auch Hügelbestattungen erwiesen. Die einzelnen Gräber können mit Steinplatten6, mit Steinpackungen7, mit Scherben- oder Muschelpflaster8 sowie mit Scherbenpackungen über dem Leichnam9 versehen sein. Die Haltung der Toten ist dagegen relativ streng befolgt worden, es handelt sich in der Regel um die Seitenlage mit mittlerer bis starker Hockerlage. Im Bezug auf die Beigabensitte ist anzumerken, dass die Toten generell mit nur wenigen Beigaben ausgestattet worden sind. Meistens bestand diese nur aus einem Beigefäß, Gerätschaften sind sehr selten. Aus diesem Grund und den fehlenden anthropologischen Bearbeitungen sind Frauen- und Männerbestattungen nicht voneinander zu unterscheiden. Auffallend ist die erhöhte Anzahl der Kindergräber.(Schindler, 2006.)

Neolithisches Hügelgräberfeld in der Dölauer Heide bei Halle/Saale (Behrens, 1958, 214.)

Neolithisches Hügelgräberfeld in der Dölauer Heide bei Halle/Saale (Behrens, 1958, 214.)

Von Interesse ist der Grabhügel mit mehrschichtigen Aufbau in der Dölauer Heide nahe der Stadt Halle an der Saale. Der Hügel gehört zu einem Gräberfeld mit einer Stückzahl von mehr als 30 Hügeln. Bei diesem Beispiel handelt es sich um einen Langhügel, mit einer Gipfelhöhe von 2,40 m und einem Durchmesser von 25 bis 35 m. Im Inneren befinden sich 10 Gräber, von denen drei Stück zu der Salzmünder Kultur gezählt werden, vier der Schnurkeramik zugehörig sind, zwei konnten nicht näher datiert werden und zwei weiter wurden grob in die Bronzezeit gesetzt. Vordergründig werden an dieser Stelle die Gräber der Salzmünder Kultur behandelt. Das erste Grab stellt die Primärbestattung dar, datiert in die Salzmünder Kultur. Es handelt sich vermutlich um eine Hockerbestattung einer erwachsenden Person, die in einer Stein- Lehm- Holzkonstruktion beigesetzt worden ist.

Grundriss vom ersten Grab (Behrens, 1958, 215.)

Grundriss vom ersten Grab (Behrens, 1958, 215.)

Ein weiteres Grab, dass zu den ältesten zählt, ist das Grab II. Ein Kinderskelett, erhalten sind leider nur noch ein paar Wirbelknochen und der Schädel, wurde in einer Holzkonstruktion beerdigt. Einzige Beigabe ist ein atypischer Feuersteinschaber, der ebenso gut bei der Verfüllung des Grabes zum dem Kind gelangt sein könnte (Behrens, 1958.).

Grundriss vom zweiten Grab (Behrens, 1958, 217.)

Grundriss vom zweiten Grab (Behrens, 1958, 217.)

Die Bestattung eines erwachsenen Individuums in einem einfachen Grubengrab (Grab VI) ist die letzte eindeutig der Salzmünder Kultur zugehörige Bestattung. Chronologisch ist es nach dem Grab I, der Primärbestattung, und dem Grab VII angefertigt worden. Ein Ensemble aus Keramikscherben, Tierknochen und einem Dreiecksmikroliten wird als Beigabe angesprochen.(Behrens, 1958.) Von weiterem Interesse sind die Gräber, datiert in die Schnurkeramik. Mit Aufkommen der Schnurkeramik nimmt die Zahl der Hügelbestattungen exponentiell zu. Zwei maßgebende Theorien zur Entstehung beherrschen die Forschung seit Jahrzehnten. Zum einen wird eine autochtone Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen postuliert( Sherratt, 1977.). Hingegen A, Häuslers Auffassung hält der Großteil der europäischen Forscher eine Ausbreitung der Schnurkeramik in Europa durch Einwanderungen aus dem nordpontischen Gebiet für wahrscheinlicher.(Häusler, 1983.) Derzeit liegen die frühesten kalibrierten Datierungen mit dem 29. Jahrhundert aus Kleinpolen vor.(Furholt, 2003.) Zu den Grab- und Bestattungssitten ist zu sagen, dass es sich um Körperbestattungen handelt, die linken Hocker werden den Frauen und die rechten Hocker den Männer zugeschrieben. Als Grabanlagen sind Grabhügel, Gräber unter Steinplatten, Steinkisten, Holzkistengräber mit Tonverstrich, Egtvedbestattungen10 und Mauerkammergräber bekannt. Überwiegend konnten Einzelbestattungen, etwas seltener Doppel- und Mehrfachbestattung festgestellt werden. Äußerst selten sind Brandbestattungen nachgewiesen worden.(Bertram, 2006.) Bestattungen in Grabhügeln gelten bisweilen als typische Bestattungsform der Schnurkeramik. Die Flachgräber von heute könnten durchaus Hügelgräber von damals darstellen, deren Aufschüttung zum Beispiel der mittelalterlichen Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind. Neben kreisförmigen Steinsetzungen um den Hügel sind ebenfalls Kreisgräben bekannt. Durchschnittlich sind die Gräber 60 bis 80 cm in die anstehenden Boden eingetieft worden. Die Beigabensitte hat mittlerweile wieder an mehr Quantität und Qualität gewonnen, so werden Beigaben häufig im Kopf- und Rumpfbereich, sowie an den Füßen angetroffen werden. Becher befinden sich im Kopfbereich und Amphoren nahe der unteren Extremitäten. Nicht von der Hand zu weisen sind die Ähnlichkeiten im Bestattungsritual mit dem der Glockenbecherkultur. (Fischer, 1956.) Zurück zu dem Grabhügel in der Dölauer Heide bei Halle an der Saale und den Bestattungen der Schnurkeramiker. Grab III basiert auf einer Anlage aus Faust- bis Kopfgroßen Felssteinen. Es konnten zwar keine Holzbohlen mehr festgestellt werden, doch ließ sich deren ehemalige Existenz durch Abdrücke gut dokumentieren. Der Größe des Grabes zu urteilen handelt es sich um eine Kinderbestattung, doch spricht die Beigabe von zwei Pfeilspitzen aus Feuerstein dagegen. Am südlichen Hügelrand ist das fünfte Grab, in Form einer Grabgrube, zu lokalisieren. Bei näheren Untersuchungen konnte eine Steinreihe aus Sandstein festgestellt werden, die vermutlich auf eine Stein- Holz- Wandkonstruktion zurück geht. Aufgrund ungünstiger Erhaltungsbedingungen konnten zwar keine Knochenreste dokumentiert werden, doch wird hier eine Bestattung einer erwachsenen Person postuliert.

Grundriss Grab III (Behrens, 1958, 218.)

Grundriss Grab III (Behrens, 1958, 218.)

Flintpfeilspitzen aus Grab III (a,b) und dem Grabhügel 35 (c,d,e) (Behrens, 1958, 219.)

Flintpfeilspitzen aus Grab III (a,b) und dem Grabhügel 35 (c,d,e) (Behrens, 1958, 219.)

Grundriss des Hügels (Behrens, 1958, 221.)

Grundriss des Hügels (Behrens, 1958, 221.)

Das innenverzierte Steinkammergrab (Grab VII) ist für einen, vermutlich männlichen, Erwachsenen im maturen Alter, erbaut worden. Für die Beisetzung wurden von Außen gangartige Eingrabungen in Richtung der Hügelmitte vorgenommen. Im Zuge dieses Vorganges wurden die Gräber I und VI seitliche gestört. Hermann Behrens deutet den Bestattungsaufwand und die Verzierung der Innenseite des Grabs als Hinweis auf die Beisetzung eines Häuptlings oder Priesters. Das neunte Grab ist im Bezug auf die Datierung umstritten. Es handelt sich um ein Steinpackungsgrab, bei dem bis auf Schmelzreste von Rinderzähnen kein weiteres Knochenmaterial festgestellt werden konnte (Behrens, 1958.). Da es außerhalb des Kernhügels lag ist es frühstens zeitgleich mit Grab V, also schnurkeramisch, doch eine Kanne des opperschöner Typs weist auf die Salzmünderphase hin. Allein die Kanne ist jedoch als einziges Datierungsindiz unsicher, da sie auch in der Schnurkeramik als Beigabe in das Grab gelangt sein könnte. Zu der Hügelkonstruktion ist abschließend zu bemerken, dass der Hügel eine Trapezgrabenanlage aufwies. Er besteht aus einem Kernhügel und einem am Rand aufgesetzten zweiten Hügel. Insgesamt lassen sich drei Aufschüttungsphasen ausmachen.(Behrens, 1958.)

4. datiert ca. 3300 – 2700 BC
5. zwischen 3400 und 3000 cal BC
6. Beispiel: Brachwitz
7. Beispiel: Seeburg
8. Beispiel: Landsberg und Zauschwitz
9. Beispiel: Salzmünde- Schiepzig
10. Kindlicher Leichenbrand in Körpergräbern

3. Griechenland

Im folgenden Absatz werden die Grundzüge der Hügelbestattungen auf dem griechischen Festland an Hand von Beispielen dargestellt. Die südliche Balkan-Halbinsel ist geografisch stark durch schroffe Höhenzüge untergliedert. Ähnlich wie in Mitteldeutschland wirken auch hier die Gebirge wie Grenzen einer Siedlungskammer. So ist die Entwicklung einer Vielzahl eigenständiger Kulturen und später auch Kleinstaaten begünstigt worden. Als Verkehrswege und Kommunikationsnetzwerke sind die meist von Ost noch West gerichteten Flussläufe zu nennen. Die Ägäis samt ihrer Inselbrücken nach Kleinasien und Kreta begünstigte den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch nach Osten. Nach Westen hingegen ist das Land weitaus weniger geöffnet.(Barceló, 2008.) Befasst man sich mit den sogenannten Tumuli auf Griechenland, so stellt sich auch in diesem Zusammenhang die Frag nach der Herkunft. Sind die Tumuli im Zuge einer Einwanderungswelle aus dem Osten nach Griechenland gelangt, oder basieren sie auf einheimische Substrate? Der Einwanderungstheorie zu urteilen gehen die Tumuli auf die Kurgane aus den östlichen Steppengebieten zurück, deren Idee mit wandernden Bevölkerungsgruppen in das frühhelladische Griechenland gelangt ist.(Maran, 1998.) Die Ausbreitung der Grabhügel wird hiernach gleich mit der Ausbreitung der Indogermanen gesetzt.( Häusler, 1998.) Bisweilen ist das nicht mehr als ein theoretisches Konstrukt, da in der Realität kein Ballungsgebiet zum Beispiel an einem der Küstengebiete oder entlang der Flussläufe ausgemacht werden kann, allesamt liegen sie zu weit auseinander so das sie nicht binnen kurzer Zeit durch Wanderer in diesem Rahmen hätten verteilt werden können. Zwar ist eine solche Einschleppung abgelehnt, jedoch ist eine Beeinflussung aus dem Westbalkan längst nicht abwegig. Als Beispiel wird an späterer Stelle der Grabhügel von Steno auf Levkas angeführt. Generell werden die griechischen Tumuli in zwei Gruppen unterschieden. Zum einen handelt es sich um die, bereits aus Ost- und Mitteleuropa bekannten, Bestattungstumuli und zum anderen die Ritualtumuli, zum Beispiel Lerna. Der erste spätneolitische Tumuli mit einer Bestattung ist der primären Funktion nach noch ein reiner Ritualtumuli, erst durch eine Nachbestattung wurde er zu einem Bestattungstumuli. Möglich ist, dass wir hier eine Übergangsform, die auf Einflüsse aus den westbalkanischen Gebieten zurück geht haben. Vielleicht waren in Griechenland zwar schon Hügel bekannt und basieren auf einheimische Vorläufer, doch die Idee der Bestattung in solchen Hügeln könnte tatsächlich auf die frühen Kurgane zurück gehen. Beziehungen zwischen beiden Arealen lassen sich an anderer Stelle durch das Beigabeninventar deutlich machen. Wie bereits weiter oben kurz erwähnt ist die Grabhügelnekropole von Steno auf Levkas die älteste ihrer Art auf Griechenland, die sich besonders durch die Vielfalt und Qualität der Beigaben auszeichnet. Die sehr einheitlichen 33 Grabhügel haben einen durchschnittlichen Durchmesser 4,50 bis 6,75 m. Zwei Hügel, R1 und R26 fallen mit einem Durchmesser von 9,20 m und 9,60 m aus dem einheitlichen Rahmen. Ein, teils bis zu 60 cm hoher, Mauerring aus Kalksteinplatten diente als äußere Begrenzung für einen rundliche Kern aus Flußgeröllen, der mit einer Erdaufschüttung versehen worden ist. Es lassen sich drei Gräberhauptarten ausmachen. Zu nennen wären Pithosgräber, Steinkistengräber und Grabkammern. Eine unregelmäßig ovale, 2 x 1 m große Holzkohlekonzentration mit Beigaben- und Knochenresten wurden im Hügelinneren festgestellt. Die Skelette sind durch starke Brandeinwirkung gezeichnet, doch fand keine vollständige Totenverbrennung statt. Den Toten sind reichlich Gegenstände wie Schmuck, Werkzeug und Waffen beigegeben worden. Datiert werden die ältesten Gräber in den Übergangshorizont von FHI/FHII11 (Maran, 1998.).

frühhelladische R- Gräber von Steno (Maran, 1998, Tafel 21.)

frühhelladische R- Gräber von Steno (Maran, 1998, Tafel 21.)

Grabhügel I (Maran, 1998, Tafel 69.)

Grabhügel I (Maran, 1998, Tafel 69.)

Neben Keramikähnlichkeiten mit der Cetina- Kultur12, werden Beziehungen zwischen dem Westbalkan und Griechenland auch an der Beigabenausstattung der Grabhügel Velika Gruda, Mala Gruda13 und Steno. Gemeint sind in diesem Fall die Lockenringe vom Typ Levkas, der für eine chronologische Verbindung beider Fundorte spricht (Maran, 1998.). Dieser Schmuck ist auch in Osteuropa weit verbreitet, so wurde er im Tumulus 3, Grab 1 von Ampoita- Peret in Siebenbürgen und Tumulus 1 Grab 8 von Tarnava in Nordwestbulgarien. Das gleiche gilt ebenso für die silberne Schaftlochaxt und den Dolch. Die Metallfunde lassen sich mit post- Vucedol- Zeit auf dem Westbalkan und FHII. Auch in der Konstruktion der Hügel lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen. Der hohe Mauerring, die innere Steinpackung, die Steinkistengräber und der Verbrennungsplatz finden sich ebenfalls in den Hügeln der Protocenita- Fazies. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ab dem Frühhelladikum in Westgriechenland die Zahl der Grabtumuli stark zunehmen. Ab dem Frühhelladikum II treten verstärkt Metallartefakte in den Gräbern auf. Zwar sind die FH II Gräber reich an Beigaben, doch reicht das für die Annahme einer sozialen Differenzierung nicht aus. Mit dem Übergang von FH II und FH III lässt sich eine Einschnitt in der Hügelgrabsitte nachweisen.(Maran, 1998.) Hügel aus dem Mittelhelladikum I sind Voidokoilia, Ajios Ioannis Papoulion und Routsi.(Rambach, 2008.)

Beigaben aus dem Hügel Mala Gruda, 3 bis 7 Lockenringe Typ Levkas (Maran, 1998, Tafel 69.)

Beigaben aus dem Hügel Mala Gruda, 3 bis 7 Lockenringe Typ Levkas (Maran, 1998, Tafel 69.)

11. Frühhelladisch I/ Frühhelladisch II: 2700 – 2500
12. frühe Bronzezeit in Mitteldalmatien
13. Grabhügel nahe Montenegro

Alexandra Südekum, Halle, 2009.

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