Das Leben des Reformators

Das Leben der Reformators Martin Luther

Geboren am 10. November 1483 in Eisleben, verbrachte Martin Luther seine Kindheit, als Sohn von Hans und Margarete Luder, in Mansfeld. Hans Luder, der wohl wahrscheinlich aus Möhra stammte und einer gut situierten Bauernfamilie [1] entstammte, kam nach Martin Luthers Aussage selbst 1483 als Berg- und Hüttenmann in die Grafschaft Mansfeld. Martin Luther selbst stellte seine Familie bzw. seinen Vater in seinen Tischreden als „armer herw“ dar[2], die Forschung konnte aber mittlerweile aufzeigen das Hans Luder durchaus vermögend war, da er im Laufe der Zeit zum Hüttenmeister aufstieg[3].

Martin Luther selbst besuchte ab 1488 die Lateinschule in Mansfeld wo er in klösterlichem Latein, Schreiben, Singen und Rechnen unterrichtet wurde, hier erwarb er die Grundlagen eines soliden Wissens. Luther selbst ließ über diese Schulzeit kein einziges Gutes Wort verlauten. 1497 war er Schüler in Magdeburg, wohl an der Domschule, dort blieb er aber nur ein Jahr. Darauf besuchte er die Pfarrschule St. Georg in Eisenach. Hier traf er auch auf den ersten Kirchenmann in seinem Leben, Johannes Braun, dem Vikar am Marienstift in Eisenach, in dem Luther einen väterlichen Freund fand.[4]

Der nächste Schritt war die Universität. In diese trat er 1501 ein. Es war Hans Luders Bemühen das sein Sohn nach Erfurt an die Universität ging, welche den besten wissenschaftlichen Ruf hatte. Hier begann er das Grundstudium der freien Künste. Dieses Studium bildete die Vorraussetzung für das Studium an den drei höheren Fakultäten der Theologie, der Jurisprudenz und der Medizin. Januar 1505 schloss er dieses Grundstudium mit dem Magisterexamen ab. Darauf hin nahm er im Sommersemester 1505 ein Jurastudium auf und entsprach damit den Karrierevorstellungen seiner Eltern.[5]

Dem kam aber ein Ereignis in der Nähe von Erfurt in die Quere. In Stotternheim, wo er beinahe von einem Blitz getroffen wurde, gelobte er ein Mönch zu werden. Doch nicht nur dieses Ereignis, sondern auch die Vorstellungen seines Vaters, die höchstwahrscheinlich nicht seine eigenen waren, und auch die 1505 bin Erfurt wütende Pest konfrontierten den jungen Luther mit Sinn- und Heilsfragen. Da Luther an dem gegebenen Gelöbnis festhielt und sich selbst nicht im Stande sah es zu brechen trat er am 17. Juli 1505 in das Schwarze Kloster des Augustiner-Eremiten ein. Im April 1507 vollzog er die Priesterweihe und begann noch im selben Jahr mit dem Theologiestudium. Daneben unterrichtete er, aufgrund einer Berufung seines Ordens, im Winter 1508 bis 1509 in Wittenberg Moralphilosophie. Im März 1509 erlangte er das Bakkalaureat in Theologie.[6]

Ab 1510 hielt sich Luther für einige Monate wegen Ordensangelegenheiten  in Rom auf, die Reise nutzte er um Eindrücke zu sammeln, wobei es sich wohl mehr um negative Eindrücke handeln musste. Er suchte wohl viele der heiligen Stätten auf um um Vergebung und Ablass zu bitten. Aber vorallem missfiel im die Andachtslosigkeit mit der die italienischen Priester die Messe lasen.[7]

Nach seiner Rückkehr 1511 wird ihm von Johannes Staupitz sein theologischer Lehrstuhl in Wittenberg übergeben, da er in seinen Augen mit den herausragenden Bibelkenntnissen ein geeigneter Nachfolger war. Diesen hatte er 33 Jahre inne und nutze diesen für die Abhaltung biblischer Vorlesungen. Im Oktober des Jahres 1512 erwarb Luther den theologischen Doktorgrad und damit die in lectio, disputatio und praedicatio wahrzunehmende Berechtigung zur selbstständigen theologischen Lehre.[8]

Die Jahre seines Studiums verbrachte Luther durchweg mit Glaubenskämpfen, er sann über die Bedeutung des Begriffes Gottes Gerechtigkeit nach . Eine Antwort darauf bekam er im Wintersemester 1512/13, oder Frühjahr 1513, sie ereilte ihn im Turm des Schwarzen Klosters zu Wittenberg, weswegen es „Turmerlebnis“ genannt wird.[9] Die Erkenntnis, das “ die Gerechtigkeit die im Glauben mitgeteilte Wirkungskraft Gottes ist, durch die er den in sich ungerechten Menschen, den Sünder, gerecht macht“ [10]bildet den Kern Luthers Rechtfertigungslehre und ist Ausgangspunkt für die Kritik des bestehenden Kirchenwesens und der herrschenden scholastischen Theologie.

Im Jahre 1517, am 31. Oktober verfasste Luther seine 95 Thesen mit denen er den Ablass kritisiert, welcher in Luthers Zeiten käuflich war. Diese Thesen sandte er an einige ihm nahestehende Kollegen sowie dem Magdeburger Erzbischof Albrecht von Brandenburg und dem Brandenburger Erzbischof, der Kirchenobere für Wittenberg war. aber auch der akademischen Öffentlichkeit Wittenberg  tat er sie mit dem Anschlag an die Kirchentür der Schloßkirche kund. Seine Freunde waren für die Verbreitung der Thesen verantwortlich, um damit bei  einen „Sturm“ loszutreten. Die römische Kirche reagierte aber erst knapp ein Jahr später auf diese Geschehnisse .[11]

In den nächsten zwei Jahren wird Luther von Rom als Ketzer bezeichnet. Er wird am Rande des Augsburger Reichstages von 1518 von dem Kurienkardinal und Legaten Cajetan verhört und sollte Luther einem Widerruf  ermöglichen. Mit der Bannandrohungsbulle Exsuge Domine sollte es legitim werden Luthers Schriften zu verbrennen, im Zuge dessen werden in vielen Stätten Luthers Schriften verbrannt.[12]

Das Jahr 1550 wurde für Martin Luther, indem er die Grundfesten der römisch-katholischen Sakramentskirche zum einsturzen brachte und die Grundlagen eines deutschen evangelischen Kirchenmodells skizzierte, zum Höhepunkt seines gesamten Lebens. Am 10. Dezember 1520 „vollzog“ er die Exkommunikation der Papstkirche im Namen der christlichen Glaubensgewißheit und verbrannte das kanonische Recht und einige scholastische Buß- und Lehrbücher sowie die Bannandrohungsbulle.[13]

Wohl auch der Wormser Reichstag am 17. und 18. April im Jahre 1521 zählt zu einem der bedeutenderen Ereignisse in Martin Luthers Leben, denn nachdem Hieronymus Aleander, ein päpstlicher Gesandter, die Verurteilung Luthers vor dem Reichstag in Worms forderte, sollte er in Worms seine Schriften Widerrufen, Luther aber verweigerte diesen Widerruf vor Kaiser und Reich.[14]

Bei seiner Abreise aus Worms unter kaiserlichem Geleit wurde Luther von kursächsichen Reitern auf die Wartburg gebracht um den Zugriff feindlicher Gewalten zu entkommen. In dieser Zeit, sein Aufenthalt auf der Wartburg dauerte bis März 1522 an, er verbrachte die Zeit unter dem Namen Junker Jörg, übersetzt er das Neue Testament. Im September des Jahres 1522 beginnt Luther mit der Übersetzung des Alten Testamentes, welche er aber erst 1534 zum Abschluß bringen kann.[15]

Die folgenden Jahre verlaufen im Gegensatz zu den ereignisreichen Jahren 1520-1522 relativ ruhig. 1525, in dem Jahr des Bürgerkrieges, heiratet Martin Luther die ehemalige Zisterzienserin Katharina von Bora. Aus dieser Ehe gingen 6 Kinder hervor, vovon allerdings 2 in jungen Jahren starben. Sie formte das Vorbild für den christlichen Hausstandund band Luther als ehemaligen Mönch fest in Freuden und Leiden einer bürgerlich-weltlichen Existenz ein.[16]

Die letzten  Jahre seines Lebens waren gekennzeichnet von ersten Krankheitserscheinungen. So litt er neben Angina pectoris auch unter Ohrensausen, Harnsteinleiden und häufiger Kopfschmerzen. Noch 1539 erscheint der erste Band der Gesamtausgabe der Schriften Luthers.[17]

Am 23. Januar 1546 reist Martin Luther, trotz einer gesundheitlich instabilen Verfassung, zusammen mit seinen drei Söhnen nach Eisleben, nachdem er von den Mansfelder Grafen zur Schlichtung von Streitigkeiten gerufen wurde. Einen halben Monat später, in den frühen Stunden des 18. Februars verstarb Martin Luther, und wurde am 22. Februar beigesetzt.[18]

[1] M. Fessner, 2008, 325.

[2] A. Stahl, 2008, 89.

[3] D. Stievermann, 2000, 43.

[4] T. Kaufmann, 2006, 28f.

[5] T. Kaufmann, 2006, 30ff.

[6] T. Kaufmann, 2006, 32-35.

[7] H. Lilje, 1964, 57-63.

[8] T. Kaufmann, 2006, 36f.

[9] H. Lilje, 1964, 66-69.

[10] T. Kaufmann, 2006, 39.

[11] H. Lilje, 1964, 72-78.

[12] H. Lilje, 1964, 78, 126.

[13] T. Kaufmann, 2006, 53.

[14] T. Kaufmann, 2006, 54.

[15] H. Lilje, 1964, 86.

[16] T. Kaufmann, 2006, 57.

[17] H. Lilje, 1964, 127.

[18] H. Lilje, 1964, 118f.

Literatur:

  • M. Fessner, Die Familie Luder und das Berg- und Hüttenwesen. In: H. Meller, S. Rhein, H.-G. Stephan (Hrsg.), Luthers Lebenswelten, 2008, 235-243.
  • A. Stahl, Neue Erkenntnisse zur Biographie Martin Luthers. Möhra-Eisleben-Mansfeld-Wittenberg. In: H. Meller (Hrsg.), Fundsache Luther. Archäologen auf den Spuren des Reformators, 2008, 86-93.
  • H. Lilje, Martin Luther. (Reinbek 1964).
  • D. Stievermann, Sozialer Aufstieg um 1500: Hüttenmeister Hans Luther und sein Sohn Dr. Martin Luther. In: R. Knape (Hrsg.), Martin Luther und der Bergbau im Mansfelder Land, 2000, 43-62.
  • T. Kaufmann, Martin Luther. (München 2006).
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