Die Mittelbronzezeit in Thessalien und Makedonien

Mit dem Fallbeispiel der Pevkakia Magula

von Michael Rechta

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung.

2. Makedonien.

3. Thessalien.

3.1 Forschungsgeschichte.

3.2 Topographie

4. Fallbeispiel Pevkakia-Magula

4.1 Forschungsgeschichte

4.2 Besiedlung und Architektur

4.2.1 Siedlungsweise

4.2.2 Bauweise

4.2.3 Raumaufteilung

4.2.4 Bedachung

4.2.5 Resümee: Besiedlung und Architektur

4.3 Totenritual

4.4 Keramik

4.4.1 Feinkeramik

4.4.1.1 grauminysche Ware

4.4.1.1a feiner Machart

4.4.1.1b grober Machart

4.4.2 Gebrauchskeramik.

4.4.2.1 graue bis schwarze Gebrauchskeramik

4.4.2.2 hellrote bis gelbe Gebrauchskeramik

4.4.3 Grobkeramik

4.4.3.1 braune bis graue Grobkeramik

4.4.4 bemalte Keramik (mattbemalte)

4.4.4.1 grobe mattbemalte Ware mit dunkler Bemalung auf roter bis brauner Oberfläche

4.4.4.2 mattbemalte Ware mit dunkler Bemalung auf brauner bis rotgelber Oberfläche

4.4.4.3 mattbemalte Ware mit monochromer oder polychromer Bemalung auf hellroter bis gelber Oberfläche

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

7. Anhang


1. Einleitung

Unter der Definition für den Raum, den wir als Ägäis ansprechen, ist das griechische Festland, die Inselwelt der Ägäis, Kreta und der der Ägäis zugewandte Küstenstreifen Anatoliens von Milet bis Troja zu nennen. Nach Norden ist dieser Lebensraum durch Gebirge mit wenigen Durchlässen zu den Balkanländern hin abgeriegelt. Innerhalb dieser Region lassen sich zahlreiche Fundorte der Bronzezeit mit einer ausgeprägten Charakteristika zu ordnen, so dass man in der Literatur im allgemein von der ägäischen Bronzezeit spricht.

Den Schwerpunkt dieser Hausarbeit wird die Mittelbronzezeit in Thessalien und Makedonien bilden, wobei aufgrund der Literatur- und Forschungssituation den Hauptteil der Arbeit die Region Thessaliens einnehmen wird. Neben den allgemeinen Forschungsgeschichten für Thessalien und Makedonien soll ferner für Thessalien ein Fallbeispiel (die Pevkakia – Magula) herangezogen werden, an dem die einzelnen Gesichtspunkte, wie die Besiedlung und Architektur, das Totenritual und das keramische Inventar, veranschaulicht werden.

2. Makedonien

Wie in der Einleitung angesprochen, soll die Mittelbronzezeit nur in Kürze und relativ kompakt behandelt werden, nicht zuletzt aufgrund des unzureichenden Forschungs- und Publikationsstandes.

Für die bronzezeitliche Kulturentwicklung in Makedonien sind noch zahlreiche Fragen offen, allen voran für die Mittelbronzezeit. Diese lässt sich kaum von der frühen und späten Bronzezeit abgrenzen und so bleibt die Mittelbronzezeit ein schlecht formulierter Abschnitt „irgendwo dazwischen“.

In den 1920er und 1930er Jahren gelangen W.A. Heurtley erste Einblicke, die Kultursequenzen vom Neolithikum bis hin zur Eisenzeit vorstellten und die er zusammenfassend in der Prehistoric Macedonia (1939) publizierte.

Ein von dieser Größenordnung vergleichbares Forschungsunternehmen fand nach dem Zweiten Weltkrieg für Makedonien nicht mehr statt, so dass Heurtleys Ergebnisse bis heute im Wesentlichen immer noch die Forschungsgrundlage bilden.

So wie für Thessalien arbeitete auch hier Eva Hanschmann das frühbronzezeitliche Fundgut Makedoniens auf und stellte wie Heurtley für die Frühbronzezeit klare Linien heraus.[1] Ferner setzte Hanschmann die frühbronzezeitliche Keramik Makedoniens mit der Thessaliens in Beziehung und kam zu den Ergebnissen, dass es klare Verbindungen in der Entwicklung der Hauptmerkmale gab.

Für die mittlere Bronzezeit trafen die klaren Linien leider nicht zu und wurden auch von Hanschmann nicht weiter bearbeitet. Dementsprechend müssen wir auf Heurtleys Ergebnisse und Auffassungen zurückgreifen.

Nach Heurtley müsste Makedonien in der mittleren Bronzezeit in drei voneinander getrennte bzw. unabhängige Kulturprovinzen, das westliche Makedonien, die Halbinsel Chalkidike und Zentralmakedonien, zerfallen sein.[2]

Die erkennbaren Unterschiede und die Unterteilung in die drei Kulturprovinzen macht Heurtley an der Keramik fest. Für das westliche Makedonien sieht er ein langes Andauern von später frühbronzezeitlicher Keramik. Für die Halbinsel Chalkidike setzt er den großen Anteil von minyscher Keramik als Kennzeichen fest und für Zentralmakedonien das Auftreten von ritzverzierter und inkrustierter Ware. Man stellte jedoch fest, dass die von Heurtley beschriebene Keramik der Mittelbronzezeit vor allem in Zentralmakedonien kaum in Verbindung zu bringen war mit den anderen Regionen und eher an die spätbronzezeitliche Keramik beispielsweise von Kastanas erinnert.

Darüber hinaus warnte Wardle vor einer Aufteilung in eine Mittel- und Spätbronzezeit, zumal man kaum bis auf die Datierungen auf der Halbinsel Chalkidike die Mittelbronzezeit fassen konnte.[3]

Um weitere Aufschlüsse über Verbindungen zwischen der makedonischen und thessalischen Bronzezeit zu gewinnen, parallelisierte Eva Hanschmann anhand von prägnanter Keramik die beiden Gebiete[4] Erschwert wurden die Parallelisierungsversuche durch die kaum vorhandenen Importe, die es aus dem „helladischen“ also Mittel- und Südgriechenland gegeben hat, die für eine Ausarbeitung einer relativen Chronologie äußert wertvoll gewesen wären.

Neue Ergebnisse brachten die Grabungen von I. Aslanis in den 1980er Jahren vom Siedlungshügel von Kastanas.[5] Anhand der früh- und mittelbronzezeitlichen Keramik konnten Beziehungen innerhalb Makedoniens zwischen Zentralmakedonien und der Chalkidike und darüber hinaus nach Thessalien festgestellt und auf diese Weise die Parallelisierung von Hanschmann in großen Teilen bestätigt werden. Jedoch blieb und bleibt die Erkenntnis bestehen, dass für Zentralmakedonien die Mittelbronzezeit kaum fassbar ist.

Als letztes sind noch Heurtleys Ausgrabungen auf Chalkidike in Molyvopyrga zu erwähnen. Dort fand sich eine große Anzahl von echter scheibengedrehter graumynischer Ware sowie auch gute Imitationen.[6] Diese bilden ein gutes Indiz für den südlichen Einfluss, der dann für die Spätbronzezeit auch sicher für Zentralmakedonien nachzuweisen ist.

Ein prägnanter Aspekt, dem noch weiter nachgegangen werden muss, ist die Seltenheit der mittelbronzezeitlichen Siedlungen in Makedonien. Als Standarderklärung wird das Phänomen einer raschen Abwanderung allzu gerne genommen, wahrscheinlich auch nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass diese These damals von Heurtley formuliert und somit nicht angetastet wurde. Hätte Heurtley diese These, die seine feste Meinung war, nicht formuliert, wäre sie vielleicht schon früher kritisch hinterfragt worden. Betrachtet und berücksichtigt man nämlich die Ergebnisse aus Kastanas, zeigt sich zumindest in diesem Fallbeispiel eine gleichmäßige keramische Beziehung von Frühbronzezeit zur Mittelbronzezeit in Makedonien und zu Thessalien. Doch auch diese Gegenargumentation liefert Fragen und Probleme, da ohne diesen Ansatz der nachgewiesene Bruch in der thessalischen Bronzezeit die Grundlage genommen wird.

Abschließend kann man sagen, wenn das Ziel der Erforschung der kulturgeschichtlichen Entwicklung in der Bronzezeit Makedoniens erreicht werden soll, muss man über „nur“ relative Chronologie Daten und Großmodelle hinweggehen. Ziel sollten mehr regionale Untersuchungen sein, mit denen man Forschungslücken schließen und durch diese Gesichtspunkte der sozialen Organisation und der Handels- und Kulturbeziehungen gewinnen kann. Nur dadurch kann die Bronzezeit und vor allem der Wandel zur Mittelbronzezeit charakterisiert werden.

3. Thessalien

3.1 Forschungsgeschichte

Den Anfangspunkt in der systematischen Erforschung der thessalischen Bronzezeit bilden die Ausgrabungen in Sesklo(1901/02), Dimini(1903) und einigen anderen Orten, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Tsountas ergraben und ausgewertet worden sind.[7] Anhand der Ergebnisse unterteilte Tsountas die Vorgeschichte Thessaliens in drei Perioden. Er bezeichnete sie mit den Buchstaben A, B, und Γ, wobei die Γ- Periode[8] die Bronzezeit repräsentieren sollte.

Tsountas wollte daraufhin seine Einteilung der Perioden und damit den Beginn der Bronzezeit in Thessalien mit den anderen Regionen parallelisieren und stellte den Anfang von seiner Bronzezeitstufe mit Troja I (etwa 3000 v. Chr.) gleich.[9] Ferner gelangte er zu der Erkenntnis und der Überzeugung, dass es durch vielfache Formentsprechungen zwischen dem thessalischen und dem mittel- und südgriechischen Fundstoff es eine gleichphasige Entfaltung und Entwicklung der vormykenischen Kulturen in diesen Regionen gegeben haben muss.

Einen neuen Impuls erlangte die thessalische Vorzeit durch die Grabungen und Geländebegehungen im Jahre 1907 von Wace und Thompson. Die beiden der britischen Schule angehörigen Archäologen gliederten die von Tsountas herausgearbeiteten Kultursequenzen neu. Dabei behielten sie die ersten beiden Perioden bei, tauschten jedoch die Buchstaben A und B in die lateinischen Zahlen I und II. Die dritte Periode wurde noch einmal aufgeteilt in eine Stufe III und IV.[10]

Erst vier Jahrzehnte nach der Publikation von Wace und Thompson (1912) konnte das von ihnen vorgegebene Chronologiesystem durch die Grabungen von Milojčić in großen Anteilen berichtigt werden. Das Fundament der neuen Erkenntnisse für die Bronzezeit Thessaliens bildeten dabei die Grabungen auf der Otzaki–Magula (1953) und schließlich die Argissa–Magula (1955/56) im inneren Thessaliens. Auf der Argissa–Magula konnten erstmals stratigraphische Untersuchungen und Unterteilungen für die Früh- und Mittelbronzezeit durchgeführt werden. Basierend auf den stratigraphischen Ergebnissen schlug Milojčić eine Dreiteilung der thessalischen Frühbronzezeit (in FTh I, FTh II, FTh III) vor, wobei für die mittlere Bronzezeit leider keine Stufen ausgearbeitet wurden. Zudem konnte er durch die importierte Urfirniskeramik und klare Form- und Gattungsverbindungen zum Fundgut Süd- und Mittelgriechenlands einen Nachweis über eine Parallelentwicklung von der Frühbronzezeit Thessaliens und dem Frühhelladikum erbringen.[11]

Ebenfalls auf den Grabungen auf der Argissa–Magula basierend stellte Eva Hanschmann in ihrer Dissertation neue Ergebnisse für die Frühbronzezeitstufen fest und erkannte innerhalb der dritten Stufe (FTh III) eine Zweiteilung in eine ältere und jüngere Phase. Ferner förderte sie durch ihre Erkenntnisse die relative Chronologie zwischen der Frühbronzezeit Thessaliens und der von Süd- und Mittelgriechenland, sowie auch der von Makedonien. In diesen Chronologiearbeiten ließ sie schließlich, aufgrund von keramischen Parallelen, das Ende vom Frühhelladikum (FH III) mit dem Beginn der Mittelbronzezeit in Thessalien zusammenfallen.[12]

Beruhend auf den ausführlichen Resultaten der Argissa–Magula, die für die Frühbronzezeit gewonnen werden konnten, wurde eine ebenso eingehende und detaillierte Studie für die Mittelbronzezeit in Planung genommen, jedoch sollten gesundheitliche Gründe dem Vorhaben entgegenstehen und somit wurde die Studie nur bedingt verwirklicht. Zumindest konnte sie anhand der Bearbeitung und der Ergebnisse auf der Argissa–Magula die Eigenständigkeit einer mittelbronzezeitlichen Kultur in Thessalien nachzeichnen.[13]

Nach den Ergebnissen von Eva Hanschmann stellt sich die Kulturstufe der mittleren Bronzezeit als ein neuer Abschnitt in der Region Thessaliens dar, der einen klaren Einschnitt oder gar Bruch mit den „Traditionen“ der Frühbronzezeit darstellt. Wahrscheinlich sind Einwanderungen von neuen Bevölkerungsgruppen dafür verantwortlich, dass es so gut wie kein verbindendes Moment zwischen den beiden „Kulturen“ gibt.[14]

Zur Erweiterung des Gesamtbildes der frühthessalischen Kultur und Erfassung weiterer Merkmale der einzelnen Stufen trugen vor allem noch die Ausgrabungen von D.R. Theocharis bei. Zu erwähnen wären Iolkos (1956), Pyrasos (1956/58), Pevkakia (1957)[15] und Koutsocheiro (1958). Diese Grabungen brachten über das bereits gesagte auch eine Aussage über regionale Komponenten.

Spätestens nach den Grabungen von Eutresis und Lerna wurde jetzt die Dreiteilung der Stufen (FH I, FH II, FH III) von der Wissenschaft anerkannt.[16] Für das Mittelhelladikum waren es die Grabungen von Lefkandi, die erstmals eine Gliederung möglich machten. Anhand dieser Grabungsergebnisse versuchte zu nächst Howell[17] und dann Dickinson eine Gliederung des Mittelhelladikums, die vor allem auch für überregionale Entwicklungsmuster förderlich war, wobei die Arbeit von Dickinson die bislang differenzierteste Studie ist.[18] Beide wendeten sich in ihrer Ausarbeitung ausschließlich der Keramik zu und gebrauchten diese zur Gliederung. So wird in den nächsten Jahren mit weiteren Grabungen und den damit verbundenen neuen Daten und Ergebnissen die vorgeschlagene Stufenfolge mit Garantie verfeinert werden. Dickinsons Arbeit ist eine mehr als brauchbare Richtlinie und großer Anstoß für die Herausarbeitung der mittleren Bronzezeit in der Ägäis gewesen, auch wenn sie „nur“ auf der Keramik basierte.

3.2 Topographie

Die Landschaft Thessaliens liegt auf dem Grund eines pleistozänen Sees und damit in einem tiefer gelegenen Becken, das über außerordentlich fruchtbaren Boden verfügt. Das Becken selbst ist von allen Seiten mit Gebirgen umschlossen, die einen natürlichen Schutz bieten. Diese Gegebenheiten haben zur Folge, dass Inner–Thessalien fast gänzlich vom Meer abgetrennt ist. Den einzig nennenswerten Zugang zum Meer stellt der Golf von Volos dar mit seinen Küsten- und Hafenstädten. Gegenüber der Stadt Volos liegt auf einer vorspringenden Halbinsel die Pevkakia–Magula, die uns für diese Hausarbeit im Folgenden als Fallbeispiel dienen wird.

Die Landschaft Thessaliens muss einen Steppencharakter aufgewiesen haben, in etwa vergleichbar mit der heutigen Region und Umgebung von Volos.[19] Die Nachweise über die Zwergtrappe und auch Großtrappe sind ebenfalls Indikatoren für eine offene und nahe zu baumlose Landschaft.

4. Fallbeispiel Pevkakia-Magula

4.1 Forschungsgeschichte

Die Pevkakia–Magula erhielt im Jahre 1889 zum ersten Mal Einzug in die Forschung. Der deutsche Archäologe P. Wolters lieferte damals die ersten Nachweise für eine vorgeschichtliche Zeit bzw. Leben auf der Pevkakia, indem er mykenische Gefäße, aus geplünderten Gräbern stammend, publizierte.[20]

Bis jedoch die ersten planmäßigen archäologischen Ausgrabungen, unter der Führung von D.R. Theocharis durchgeführt wurden konnten, vergingen mehr als 60 Jahre. Die Resultate brachten zwar nicht die absolute Klarheit über die mächtige Struktur der Siedlung, nichtsdestoweniger konnte eine erste Schichtenfolge von der Frühbronzezeit bis hin zur Spätbronzezeit mit insgesamt 24 Straten aufgezeigt und herausgearbeitet werden.[21]

Erst im Jahre 1967, also zehn Jahre nach Theocharis, wurde unter der Gesamtleitung von V. Milojčić und in den folgenden 10 Jahren, d.h. in sieben weiteren Kampagnen, wobei die letzte am 11. Oktober 1977 endete, kamen Milojčić und die zahlreichen Grabungsleiter (K. Kilian 1967 – 1973; B. Kaschau 1967 – 1969; J. Pavuk 1969; H.-J. Weißhaar 1969 – 1971; P. Marzolff 1971; P. Roman 1971; G. Lazarovici 1972; H.-G. Hüttel 1976 – 1977; K. Schmidt 1977; M. Hoppe 1977)[22] zu einer angemessenen Übersicht über die Stratigraphie und Bebauung des Siedlungshügels.

Eine der letzten Umfassenden Arbeiten zur Mittelbronzezeit auf der Pevkakia–Magula publizierte Joseph Maran 1992, aufbauend auf den hervorgegangen Publikationen in der Reihe „Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes“.

4.2 Besiedlung und Architektur

4.2.1 Siedlungsweise

Wie die Begrifflichkeit „Magula“ bereits impliziert, ist die Pevkakia ein großer Wohnhügel. Nach den heutigen Grabungsergebnissen ist nicht klar zu sagen, wie hoch der prozentuale Anteil der genutzten Fläche war, jedoch deuten die aufgedeckten Flächen mit ihrer dichten und den Raum optimal nutzenden Bebauung auf eine große Auslastung der Wohnfläche bzw. Siedlungsfläche hin.[23]

Über die Struktur der Siedlung sind wir für die Übergangsphase zwischen früher und mittlerer Bronzezeit sowie für die ersten Phasen nur unzulänglich informiert, jedoch zeigt sich bei den vorhandenen Befunden, wie auch in den anderen Bereichen, ein unverkennbarer Einschnitt in der Bebauung.[24] Anhand der Ergebnisse auf der H – I V Fläche, die der Phase 2 zugeordnet wurden, konnte zum ersten Mal die Struktur und damit ein Bebauungsschema für die Magula konstruiert werden, in dem man erkannte, dass die Häuser am Hang der Magula nach Geländestufen gestaffelt errichtet wurden.

Für die 3 bis späte 6 Phase wurden auf der E – F VIII Fläche größtenteils lange und rechteckige Häuser, die in etwa West – Ost orientiert waren und auf verschiedenen Geländestufen standen. Diese waren durch schmale Zwischenräume zum nächsten Haus auf einer höheren Geländestufe getrennt. Von der E VII Fläche wissen wir, dass den Gebäuden, die am Hang nach Geländestufen gestaffelt waren, die Gebäude auf der Kuppe entgegenstanden.

Schließlich kam man aufgrund der Ergebnisse aller bearbeiteten Flächen, obwohl diese im Verhältnis zur Gesamtfläche relativ wenig aufdeckten, zu der Vermutung, dass die Gebäude am Magulenhang in konzentrischen Kreisen angelegt waren.[25] Diese Struktur der Siedlung lässt sich akkurat mit der mittelbronzezeitlichen Siedlung auf der Apsis von Argos vergleichen.[26] Ferner ist anzumerken, dass die Hügelmorphologie in jedem Falle beim Anlegen der Siedlung berücksichtigt wurde und der Bau der Häuser und die Struktur der Siedlung somit so effektiv wie möglich an die gegebenen Spezifika angepasst wurden.

4.2.2 Bauweise

Die Häuser der Mittelbronzezeit in Thessalien, sowie auf der Pevkakia–Magula sind in der Regel alle mit einem Steinfundament ausgestattet. Als Baumaterial wurden plattig brechende Steine verwendet, die aus der Umgebung der Siedlung stammten und dort reichlich vorhanden waren.[27] Auffallend auf der Pevkakia ist der enorme Stellenwert der dem Steinfundament beziehungsweise dem Rohstoff Stein zugeschrieben wurde. Vergleicht man die Steinfundamente der Pevkakia[28] zum Beispiel mit denen der Argissa–Magula wird ein beträchtlicher Höhenunterschied deutlich. Dieser Unterschied des Ausbaus der Häuser, d.h. die Relation zwischen verbauten Stein und Lehmziegel, lässt sich wohl durch die simple Tatsache der Rohstoffvorkommen und den Zugang zu ihnen erklären.

Auf den Steinfundamenten ruhten vermutlich Lehmziegelaufbauten, allerdings ist von diesen Lehmziegelmauerwerken nur sehr wenig erhalten.[29] Dies resultiert aus der Tatsache, dass bei Neubauten in der Siedlung das alte Lehmziegelwerk fast immer vollständig beseitigt wurde und das alte Steinfundament dann als Auflage für die Wände des Neubaus genutzt wurden.

Neben den Lehmziegelaufbauten auf dem Steinfundament gab es auf der Pevkakia auch noch eine weitere Wandform. Anhand ihres charakteristischen Aussehens wird die Bauweise dieser Wand als Fischgrätentechnik bezeichnet. Diese konnte man noch an den Mauern des Hauses 316 B begutachten.[30]

4.2.3 Raumaufteilung

Nachdem die Bauweise der Häuser geklärt wurde, muss im folgenden Abschnitt auf

die Raumaufteilung in den Häusern der Pevkakia–Magula eingegangen werden. Gleich zu Beginn wird man bei der Darstellung der Hausgrundrisse mit einem Problem konfrontiert. Bei allen bisherigen Grabungen auf der Pevkakia wurde kein Haus oder eine Häusergruppe vollständig untersucht. Aufgrund der bereits angesprochenen Wiederverwertung des Baumaterials und der flächennutzenden Bebauungsweise ist die Abgrenzung zwischen den einzelnen Häusern äußert kompliziert und in manchen Fällen nicht möglich.

Es gibt jedoch ein paar Häuser, die über mehrere Phasen hinweg, eine bestimmte Struktur in ihrer Raumaufteilung aufweisen. Es sind bedauerlicherweise die einzigen mittelbronzezeitlichen Häuser auf der Pevkakia, die eine so klare und gleiche Struktur in der Raumaufteilung und Funktionalität zeigen. Die Häuser um die es sich handelt sind Haus 314[31], 310 A1[32] und 310 A2, die von Phase 4 bis hin zur Phase 6 Mitte in dieser Form nachgewiesen werden konnten. Die übereinstimmenden Gemeinsamkeiten sind ein Eingang im Westen mit trichterförmigem Vorraum, ein großer Hauptraum mit Herd, Speichereinbauten und Arbeitsstellen sowie ein wahrscheinlich als Vorratsraum dienender kleinerer Raum.

Zusammenfassend für diesen Häusertyp ist ein rechteckiger Langhausgrundriss auf einem Steinfundament anzunehmen. Der Eingang liegt immer auf der kurzen Seite. Die Wände sind von relativ robuster Bauweise. Insgesamt ist das Haus in zwei bis drei Räume aufgeteilt. Die Speicherbauten treten zum Ende der Mittelbronzezeit zum Übergang zur Spätbronzezeit immer häufiger auf.

Die anderen Häuser auf der Pevkakia weisen andere Strukturen auf. Neben den sogenannten rechteckigen Langhäusern mit einer zentralen Herdstelle (von mir als Typ1 angesprochen) im größten Raum des Hauses, finden sich auch parallel Langhausgrundrisse mit einer Aneinanderreihung von kammerartigen Räumen (Typ2), wobei es auch hier einen etwas größeren Raum gegeben hat. Ferner gibt es auch trapezförmige Hausgrundrisse[33] auf der Magula, jedoch sind diese wohl nicht als ein dritter Typ von Häusern anzuerkennen, sondern eher auf die Notwendigkeit der Gebäudeeinpassung in das flächenmäßig begrenzte Bebauungsschema anzunehmen.

Entsprechend der Parallelität der Häusertypen 1 und 2, die bis zur 6. Phase hin klar erkennbar nachzuvollziehen sind, muss der Grund für die unterschiedliche Bauweise bei den Funktionsbereichen gesucht werden. Dementsprechend zeigen sich im Typ 2 neben beispielsweise der Herdstelle, die auch Typ 1 vorzuweisen hat, Einbauten wie Gusstiegel[34] oder Öfen[35]. Wobei diese auch nicht viele Entsprechungen in anderen Häusern ihres Typs finden. Am wahrscheinlichsten sind die kammerartigen Räume des Typs 2 damit wohl als Speicher- und Vorratsräume anzusprechen.

4.2.4 Bedachung

Als letzten Aspekt des Abschnittes über Architektur und Besiedlung muss man sich noch mit der Art der Bedachung auf der Pevkakia–Magula beschäftigen. Stellt man die dichte Bebauung und die damit verbundene Regenwasserabflussproblematik, die mit großer Wahrscheinlichkeit ein reales Problem dargestellt hat, in den Vordergrund, dann sprechen einige Argumente für die Konstruktion eines Satteldaches.

Hinzu kommt noch der schmale und rechteckige Grundriss der Häuser, der sich ebenfalls für diese Dachform am Besten eignet.[36] Letztes gewichtiges Argument sind die rezenten Dachformen im heutigen Thessalien, die auch diesen Dachtyp favorisieren.[37] Nimmt man nun das Satteldach als Rekonstruktion der mittelbronzezeitlichen Häuser für die Pevkakia–Magula an, so wird auch den engen Zwischenräumen[38] eine gewichtigere Aufgabe zugeordnet als auf den ersten Blick angenommen. Sie fangen das ablaufende Wasser der Dächer auf und funktionieren als Abwasserkanäle. Gegen das Auswaschen der Fundamente wurden in die engen Zwischenräume Lehmlagen aufgetragen, um die Standfestigkeit der Fundamente zu gewährleisten, die aufgrund ihrer Hanglage sonst einem großen Risiko des Abrutschens ausgesetzt worden wären.

4.2.5 Resümee: Besiedlung und Architektur

Durch die Aufteilung in die Unterpunkte Siedlungsweise, Bauweise, Raumaufteilung und Bedachung konnten einige Fragen zur Besiedlung und Architektur in der Mittelbronzezeit auf der Pevkakia-Magula beantwortet werden. Andererseits bleiben auch noch genügend Fragen offen. Für diesen Themenkomplex gilt es sich der wichtigsten Frage: „Warum sich das bewährte Bebauungsschema, dass während fast der gesamten Mittelbronzezeit beibehalten wurde nach der späten 6 Phase keine Fortsetzung fand“ zu widmen. Darüber lassen sich basierend auf dem Forschungsstand nur Mutmaßungen und Erklärungsansätze bilden. Zum einen könnten die überregionalen Veränderungen auf dem griechischem Festland und die damit einhergehenden ökonomischen und sozialen Veränderungen einen ausreichend starken Impuls gegeben haben.[39] Zum anderen könnten aber auch, was die erste These nicht ausschließen soll, die Ansprüche der Menschen einen neuen Standard erreicht haben, so dass die Hausstrukturen und die Siedlungsweise die Vorstellungen ihrer Nutzer nicht mehr erfüllten.

Ergänzend sollte aber noch darauf hingewiesen werden, dass aufgrund mangelnder Siedlungs- und Gebäudereste der Phase 7 der Siedlungsschwerpunkt der letzten mittelbronzezeitlichen Phase auch nicht genau festgelegt und somit auch eine Verlagerung in die Nähe nicht ausgeschlossen werden kann. Hier können nur weitere Untersuchungen und Grabungen zunächst in der Mikroregion neue Ergebnisse liefern und Klarheit schaffen.

4.3 Totenritual

Im Folgenden sollen einige Gräber, exemplarisch und lediglich mit den wichtigsten Stichpunkten versehn, für die Pevkakia–Magula vorgestellt werden. Ein wenig problematisch zeigt sich die genaue zeitliche Einordnung der Gräber der Fläche E – F VIII[40], da die Grabgruben sich nicht deutlich in der Grabungsfläche abzeichneten. Dessen ungeachtet ist die folgende Gräberauswahl in die zweite Hälfte der Mittelbronzezeit anzugliedern.

Typisch für die Pevkakia sowie für Thessalien sind Bestattungen in Hockerstellung eingebracht in eine Steinkiste, die sowohl aus Steinplatten als auch Bruchsteinen bestand. Ferner gibt es auch weitere Formen wie Kisten mit Lehmziegelwänden, Bestattungen in Gefäßen, überlagerte Gräber und kultisch zu deutende Niederlegungen in Gruben.

Grab 373[41]

  • Die Steinkiste war mit einer Platte abgedeckt
  • An der nördlichen und östlichen Wandplatte waren von Außen größere Bruchsteine in die Grabgrube gesetzt worden
  • Innenfläche der Steinkiste betrug 0,70 x 0,44 m
  • Darin befand sich ein West – Ost orientiertes Kinderskelett mit dem Kopf im Westen
  • Der Oberkörper war in Rückenlage und die Unterarme angewinkelt zum Kopf geführt; Beine stark angewinkelt
  • Als Ausstattung bzw. Mitgabe stand in der Nordost – Ecke ein Amphoriskos[42]

Grab 401 und 409[43] (389)

  • Hier ließ sich eine dreifache Überlagerung von Gräbern feststellen
  • 409 quadratische Kiste aus vier Lehmziegeln; Maße: 0,46 x 0,36 m
  • 409 enthielt spärliche Reste von vermutlich zwei Kinderbestattungen
  • Über die Ausrichtung ließen sich keine Angaben mehr machen
  • Als Ausstattung bzw. Mitgabe lag in der Nord-Ecke eine Tasse[44]
  • 409 von jüngerem Grab 401 (gleich ausgerichtet Lehmziegelkiste) gestört
  • 401 hatte eine Innenfläche von 0,50 x 0,42 m, hier traten Reste von drei schlecht erhaltenen Kinderskeletten auf
  • Beide Gräber wurden von Grab 389 überdeckt
  • 389 Grab West – Ost orientiert; Kombination aus Steinplatten (Schmalseiten) und Lehmziegeln (Längsseiten)
  • 389 Innenfläche von 0,44 x 0,28 m, Ost – West orientiertes Kinderskelett
  • Der Kopf im Osten und das Kind als linksseitiger Hocker niedergelegt

Grab 464[45]

  • Ein Steinkistengrab mit einer zerbrochenen Deckplatte; West – Ost orientiert
  • Die Platten der Steinkiste waren mit Bruchsteinen hinterfüllt
  • Steinkiste hatte eine Innenfläche von 1,24 x 0,80 m
  • Überreste von mehreren Skeletten, deren Lage und Ausrichtung nicht mehr zu klären war
  • Ausstattung: In der Südost – Ecke
    • umgekippter, auf dem Henkel liegender, großer mattbemalter Krug[46]
    • zwei ineinander gestellte Tassen mit Bandhenkel[47]
    • mattbemaltes Korbhenkelgefäß[48]
    • Fragment eines bronzenen Gerätes[49]

Grab 474[50]

  • Befand sich im Haus 317
  • eine Nordwest – Südost ausgerichtete Kinderbestattung
  • Kinderbestattung in rechtsseitiger Hockerstellung
  • das Kind wurde in eine Amphore oder ein Amphorenbruchstück[51] hineingelegt

Grube 228[52]

  • Grube mit einem länglich-ovalem Grundriss ; 3,30 x 1,40m
  • angefüllt mit Lehmziegeln und aschigem, schwarzen Erdmaterial
  • eingebettet darin befand sich quer in der Grube das Skelett eines Erwachsenen
  • Skelett hatte eine Schlagverletzung am Kopf
  • Ausstattung:
    • Keramikfragmente die im Feuer gelegen hatten, sowie Anhäufung von verbrannten Knochen
    • Durch Feuereinwirkung in mehrere Teile zersprungene Steinaxt, sowie eine in zwei Teile gebrochene Axt[53]
    • Eine einzigartige Schale mit Innenverzierung[54]
  • untypische Bestattung ist der Phase 7 zuzuordnen und kann wohl im weitesten Sinne als kultisch gedeutet werden

4.4 Keramik

Wenn man sich mit der Keramik in Thessalien und auf der Pevkakia–Magula beschäftigt, wird einem schnell die unglaubliche keramische Vielfalt bewusst.

In diesem Abschnitt sollen lediglich die wichtigsten bzw. am häufigsten vorkommenden Keramikwaren auf der Pevkakia–Magula vorgestellt werden, da eine komplett ausgearbeitete Vorstellung den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Einen gesamten Überblick bietet Joseph Maran in der Reihe „Die deutschen Ausgrabungen auf der Pevkakia-Magula in Thessalien III, Die mittlere Bronzezeit“ auf den Seiten 71 bis 215.

Die Einteilung der Keramik erfolgte nach dem Schema von Eva Hanschmann in drei Hauptkategorien. Zu benennen wären diese als Fein-, Gebrauchs- und Grobkeramik. Außerdem wird zu den genannten drei Hauptkategorien zusätzlich eine weitere eigene Gruppe hinzugerechnet. Die Keramik die eine Bemalung aufweist und als „bemalte Keramik“ angesprochen wird. Ferner sei noch erwähnt, dass die Keramik auf der Pevkakia-Magula in 7 Phasen, basierend auf der stratigraphischen Auswertung der Mittelbronzezeit, eingeteilt wurde. Wobei die so genannte Übergangsphase weniger aus stratigraphischen Ergebnissen resultiert, als aus der Zusammensetzung der keramischen Gattungen und Formen innerhalb der Befunde auf der Pevkakia-Magula.

4.4.1 Feinkeramik

4.4.1.1 grauminysche Ware

Mit der grauminyschen Ware bezeichnet man die Leitgattung der Mittelbronzezeit auf dem griechischen Festland. Bereits Schliemann hatte diese Keramikgattung so bezeichnet. Ihr charakteristisches Gepräge, sowie ihr häufiges Auftreten in zahlreichen Fundkomplexen, macht sie für die Mittelbronzezeit so bedeutungsvoll. Im Folgenden soll stichpunktartig die wichtigsten Charakteristika für die grauminysche Ware feiner und grober Machart aufgezählt werden.

4.4.1.1a feiner Machart[55]

  • verschiedene Qualitätsstufen erkennbar
    • eventuell Hinweis auf unterschiedliche Töpfereien
  • Regel ist ein fein geschlemmter Ton
  • wenn Magerung, dann schwache Sand- oder Kalkbeimengung
  • unterschiedliche Grautöne auf den Gefäßen
    • Farbwerte: hellgrau, grau, dunkelgrau, rosagrau, hellbräunlichgrau, rötlichgrau
  • seifige Oberflächentextur
  • innen und außen oder nur außen geglättet
  • Bruch in der Regel gleichmäßig grau(dunkel)
  • Gefäße sind hart klingend gebrannt
  • mehrheitlich auf der Töpferscheibe hergestellt aber auch aus handgemachter Produktion; gute Qualität belegt
  • von Übergangsphase bis zur 7 Phase belegt (1 Phase fehlt, ab 4 Phase dominierend)[56]
  • Qualitätsverfall in Richtung der letzten Phase
  • Formen: Schalen, Tassen, Näpfe, Töpfe, Amphoriskoi und einige Sonderformen

4.4.1.1b grober Machart

  • feine bis mittelfeine, schwache Magerung -> vor allem Sand
  • Farbwerte: hellgrau, grau, dunkelgrau; erster Linie: rosagrau, hellbräunlichgrau, rötlichgrau
  • Farbtöne auf Gefäßen variieren mehr als bei der grauminyschen Ware feiner Machart (2 Grautöne, oder Grau zu Gelb)
  • ungleichmäßiger Brand: -> grauer Kern, rosagraue Randzonen
  • Oberfläche keinen Überzug, gut geglättet, manchmal glatt glänzend poliert (außen sorgfältiger als Innen)
  • nicht auf der Töpferscheibe gearbeitet
  • Von Übergangsphase bis 7 Phase belegt; (bis 3 Phase Anteil ungefähr gleich mit feiner Machart; 7 Phase nur noch sporadisch)[57]
  • Formen: Schalen, Tassen, Näpfe, Töpfe, Krüge, Gefäße mit hohem Hals, einige Sonderformen

4.4.2 Gebrauchskeramik[58]

Für die mittelbronzezeitlichen Phasen der Pevkakia-Magula nimmt die Gebrauchskeramik einen wesentlichen Teil der gesamten Keramik ein. Bis hin zum Ende der 3 Phase stellt diese Gruppe das Hauptgewicht der Keramikgruppen dar. Ab der 4 Phase, mit der Zunahme der feinen grauminyschen Keramik, stellt sich ein Gleichgewicht zwischen beiden Gruppen ein. Im Allgemeinen ist die Gebrauchskeramik durch monochrome, tongrundig belassene Gefäße gekennzeichnet und eine Verwendung einer Töpferscheibe ließ sich nicht nachweisen

4.4.2.1 graue bis schwarze Gebrauchskeramik

  • Magerung mit feinem oder mittelfeinem Sand (auch Kalkstücke)
  • hart und mittelhart gebrannt (oft spröde)
  • Farbwerte: Grauschattierungen von grau, rötlichgrau, rosagrau, hellbräunlichgrau, bis dunkelgrau und schwarz
  • Oberflächenbehandlung: Innenseite einfach glatt gestrichen und Außenseite geglättet
    • außen manchmal auch nur glatt gestrichen oder verstrichen
  • in der Übergangsphase und 1 Phase dominierende Keramikgattung auf der Pevkakia-Magula
  • ab der 5 Phase spielt diese Gattung keine Rolle mehr

4.4.2.2 hellrote bis gelbe Gebrauchskeramik

  • bezogen auf die ganze Mittelbronzezeit die Hauptgattung der Gebrauchskeramik
  • feine bis mittelfeine Sandmagerung (Kalkpartikel)
  • Ton ist dicht und fein geschlämmt
  • Brand in der Regel hart; ab 5 Phase sehr hart
  • Oberfläche zum Teil innen und außen glatt gestrichen oder geglättet; selten gut geglättet
  • ab der 3 Phase setzt sie sich mengenmäßig von anderer Gebrauchskeramiken ab
  • 3 Phase bis 6 Phase dominierende Gebrauchskeramikware[59]
  • bildet mit dem feinen grauminyschen Geschirr den Hauptanteil der Keramik

4.4.3 Grobkeramik

4.4.3.1 braune bis graue Grobkeramik

  • mittelfeine, meist aber grobe bis sehr grobe und dichte Sandmagerung
  • in der Regel nur mittelharter oder mäßig harter Brand; aber auch harter Brand
  • Teil der Gefäße zeigt eine fleckige Oberfläche
    • ungleichmäßige Luftzufuhr beim Brennen; sekundärer Brand
  • Oberfläche verstrichen oder glatt gestrichen
  • stellt während aller mittelbronzezeitlichen Phasen einen beträchtlichen Teil des gesamten grobkeramischen Geschirrs dar

4.4.4 bemalte Keramik (mattbemalte)[60]

Neben der bereits beschriebenen grauminyschen Ware ist die mattbemalte Keramik die bedeutendste keramische Gruppe der Mittelbronzezeit auf dem griechischen Festland.[61]

Seit der Publikation von Furtwängler und Loeschke im Jahre 1879 spricht man in der archäologischen Literatur von mattbemalter Keramik. Basierend auf den Grabungsergebnissen von Korakou nahmen Wace und Blegen 1917 eine feinere Differenzierung der mattbemalten Keramik vor, die Blegen 1921 in seiner Publikation mit den Namen: „Coarse Ware“, „Fine Ware“ und „Polychrome Mattpainted Ware“ bezeichnete.[62] Zehn Jahre darauf versuchte Goldman aufgrund ihrer Grabungen in Eutresis eine neue modifizierte Einteilung.[63] Letztendlich versuchte im Jahre 1956 Buck in der bisher einzigen monographischen Darstellung der mittelhelladischen mattbemalten Keramik die bisher ausgearbeiteten Ansätze in Einklang zu bringen.[64] Ziel war es die bisherigen Ergebnisse miteinander zu einem klassifikatorischen System zusammenzufügen, dass für gesamte griechische Festland Gültigkeit besaß.

Für die Pevkakia-Magula kann man die mattbemalte Keramik der Mittelbronzezeit in zwei Hauptkategorien unterteilen: in die der groben und der feinen Machart.

4.4.4.1 grobe mattbemalte Ware mit dunkler Bemalung auf roter bis brauner Oberfläche

  • als einzige in allen Phasen der MBZ auf der Pevkakia nachweisbar[65]
  • feine, seltener mittelfeine, zumeist schwache Sandmagerung
  • Brand in der Regel hart und leicht spröde
  • Farbwerte: rot, hellrot, rötlichgelb (gelblichrot, hellrötlichbraun, rosa, blassbraun eher seltener)
  • Außenseite geglättet und Innenseite glatt gestrichen oder verstrichen
  • Malfarbe der Ornamente: matt schwarz, dunkelgrau, rötlichbraun, dunkelrötlichbraun, dunkelrötlichgrau

4.4.4.2 mattbemalte Ware mit dunkler Bemalung auf brauner bis rotgelber Oberfläche

  • handgemachte Gefäße
  • aus fein geschlämmten, dichten Ton hergestellt -> wenige Kalkpartikel
  • Brand sehr hart bis klingend hart
  • Farbwerte: hellrötlichbraun, rötlichgelb, hellbraun
  • sorgfältige Glättung oder Politur
  • matte Bemalung in dunkelgrau, grau oder dunkelrötlichgrau
  • nur aus der Übergangsphase bekannt[66]

4.4.4.3 mattbemalte Ware mit monochromer oder polychromer Bemalung auf hellroter bis gelber Oberfläche

  • Formenspektrum mit Präferenz zu Gefäßen mit großem Fassungsvermögen
  • fein geschlämmt mit sehr feinem oder feinem Sand und Kalk gemagertem Ton
  • Brand zumeist sehr hart
  • Farbwerte: zwischen hellrot und rötlichgelb oder rötlichgelb und rosa
  • Außenseite sorgfältig geglättet; Innenseite glatt gestrichen oder verstrichen
  • Farbwerte der Bemalung: rotbraun, dunkelgrau, dunkelrötlichgrau und schwarz (auch grau, schwachrot, blassrot, leuchtendrot)
    • durch überlappen der Farben di- und trichrome Farbeffekte
  • 5 Phase bis 7 Phase belegt[67]

5. Zusammenfassung

Unter den ersten beiden Punkten wurden die Forschungsgeschichten für Makedonien und Thessalien abgehandelt. Ziel war es den Verlauf und die Persönlichkeiten vorzustellen, die mit verschiedenen Thesen und Modellen den Kenntnisstand voran brachten. Für Thessalien stand die Pevkakia-Magula als Fallbeispiel zur Verfügung und zeigte ein Bild zumindest für die küstenthessalische Entwicklung auf.

In dem Abschnitt „Besiedlung und Architektur“ wurde ein Überblick über die Entwicklung der Siedlungsgeschichte, sowie die Konzepte der Bebauung gegeben. Die Problematik der optimalen Nutzung als auch die Anpassung an die Hügelmorphologie wurden behandelt. Ferner war die Raumaufteilung und die Dachform gewichtiges Thema, dass den Aufbau zumindest für die Flache E – F VIII verdeutlichen sollte.

Im Abschnitt über das Totenritual wurden exemplarisch einige Gräber und eine Grube stichpunktartig vorgestellt, um einen Eindruck über die Bestattungsarten auf der Pevkakia-Magula während der Mittelbronzezeit zu erhalten.

In der thessalischen Kulturentwicklung bildet die mittlere Bronzezeit, zumindest was die Keramik angeht, eine kontinuierliche Entwicklung. Diese ist auf der einen Seite eindeutig von Traditionen gekennzeichnet und auf der anderen Seite lässt sie sich klar gegenüber der Frühbronzezeit und der Spätbronzezeit abgrenzen.

Die in Auszügen dargestellte Gebrauchskeramik bildet für die thessalische Mittelbronzezeit die Leitgattung und zu gleich das Bindeglied zwischen den weit entfernten Fundorten. Wenngleich es unterschiede in der Machart gibt, so überwiegen Form und Herstellungstechnik beträchtlich.

Zur zweiten wichtigen Keramikgattung auf der Pevkakia-Magula, der grauminyschen Ware, lässt sich feststellen, dass sie in den Küstenregionen, beispielsweise an der Bucht von Volos, viel stärker dominiert als im Landesinneren (d.h. die Häufigkeit nimmt ab je weiter man nach Norden geht).

Schließlich wurden noch die Grob-, Gebrauchs- und Mattbemalte Keramik in Auszügen vorgestellt, um das Bild des keramischen Inventars zu vervollständigen.

Als Fazit lässt sich für die Mittelbronzezeit im Ägäischen Raum mit den beiden vorgestellten Gebieten Thessalien und Makedonien festhalten, dass in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Grundlagen für weitere Forschungs- und Ausgrabungskampagnen geschaffen wurden. Jedoch bleiben für die Zukunft auch noch große Felder offen, die geklärt werden müssen.

Auch im Ägäischen Raum kämpft die Mittelbronzezeit damit eine „Zwischenzeit“ zu sein. Umschlossen von der Frühen und Späten Bronzezeit ist sie schwerer deutlich abzugrenzen und zu definieren. Somit wird ihr, wie fast allen „Zwischenzeiten“ in der Archäologie, in der Forschung teilweise ein wenig weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Für die Zukunft wird es wichtig sein sich den auftretenden Problemfeldern zu stellen. Beispielsweise der geringen Gräberzahl in Bezug auf die Siedlungsfunde in der Ägäis, die im Gegensatz zu Mitteleuropa, wo eher die Grabfunde überwiegen und die Siedlungsfunde seltener auftreten, ein umgekehrtes Bild zeigen. Aber auch Wirtschaftsweise, Überregionale Verbindungen und Kommunikation in und zwischen den einzelnen Regionen müssen verstanden werden, um neue verbesserte Aussagen über das Leben in der Mittelbronzezeit treffen zu können.


6. Bibliographie

  • I. Aslanis, Kastanas. Ausgrabungen in einem Siedlungshügel der Bronze- und Eisenzeit Makedoniens. 1975 – 1979. Die frühbronzezeitlichen Funde und Befunde. Prähist. Arch. in Südosteuropa 4 (1985).
  • C. W. Blegen, Korakou. A Prehistoric Settlement near Corinth (1921)
  • R. J. Buck, Middle Helladic Mattpainted Pottery. Diss. Cincinnati (1956).
  • J. L. Caskey, Greece and the Aegean Islands in the Middle Bronze Age. CAH II (rev. ed.) Ch. IVa (1966).
  • O. Dickinson, The Origins of Mycenaean Civilisation. SIMA 49 (1977).
  • R. J. Elia, A Study of the Neolithic Architecture of Thessaly, Greece. Diss. Boston (1982).
  • H. Goldman, Excavations at Eutresis in Boeotia (1931).
  • E. Hanschmann und V. Milojčić, Die deutschen Ausgrabungen auf der Argissa – Magula in Thessalien III. Die frühe und beginnende mittlere Bronzezeit. BAM 13-14 (1976).
  • E. Hanschmann, Die deutschen Ausgrabungen auf der Argissa – Magula in Thessalien IV. Die mittlere Bronzezeit. BAM 23 – 24 (1981).
  • W. A. Heurtley, Prehistoric Macedonia (1939).
  • J. Maran, Die Deutschen Ausgrabungen auf der Pevkakia – Magula in Thessalien III. Die mittlere Bronzezeit. 1992.
  • V. Milojčić, Ergebnisse der Deutschen Ausgrabungen und Arbeiten in Thessalien (1953 – 1958). Jahrb. RGZM. 6, 1959, 1ff.
  • D. R. Theocharis, Aνασχαφαί έν `Іωλχω (1956-1957). Adelt 16, 1960 (Chron.).
  • D.R. Theocharis, ´Εχ τής ποοχεοαμειχής Θεσσαλίας. Thessalika 1, 1958.
  • Chr. Tsountas, Aί ποοϊστοοιχαί άχοπόλεις Διμηνίου χαί Σέσχλον (1908)
  • W. Vollgraf, Fouilles d´Argos.BCH 31, 1907, 139ff.
  • A. J. B. Wace und M. S. Thompson, Prehistoric Thessaly (1912).
  • A. J. B. Wace, The History of Greece in the Third and Second Millenium B.C. Historia 2, 1953, S. 83f.
  • K. A. Wardle, Excavations at Assiros 1975 – 1979. BSA 75, 1980, 229ff.
  • H.-J. Weißhaar, Die deutschen Ausgrabungen auf der Pevkakia – Magula in Thessalien I. Das späte Neolithikum und das Chalkolithikum. BAM 28 (1989).
  • P. Wolters, Mykenische Vasen aus dem nördlichen Griechenland. AM 14, 1889.

7. Anhang

Pevkakia Grabungsfächenplan


[1] Hanschmann und Milojčić, Argissa III (1976), 195ff..

[2] Vgl. Heurtley (1939), 89.

[3] Vgl. Wardle, BSA 75, (1980), 229, bes. 262.

[4] Vgl. Hanschmann und Milojčić, Argissa III (1976), 214f, 220.

[5] Vgl. Aslanis 1985.

[6] Schale 1D und 1E mit Wulsthenkeln, sowie flache Tassen die stark den mittelbronzezeitlichen Formen der Pevkakia und Argissa – Magula ähneln.

[7] Veröffentlicht wurden die Ergebnisse 1908.

[8] Nach heutigem Wissensstand, sind darunter die kupferzeitliche Rachmani-Kultur, sowie die gesamte Früh- und Mittelbronzezeit zusammengefasst.

[9] Dies versuchte Tsountas durch Vergleiche in der Keramik aufzuzeigen.

[10] Vgl. Wace und Thompson, 22.

[11] Vgl. Milojčić, Jahrb. RGZM 6, (1959), 26ff.

[12] Vgl. Hanschmann und Milojčić, Argissa III (1976), 141f..

[13] Hanschmann, Argissa IV (1981).

[14] Hanschmann und Milojčić, Argissa III (1976), 105f.

[15] Vgl. Theocharis Thessalika 1, 11.

[16] Vgl. Caskey, CAH II (1966), 21.; Dickinson (1977), 17.

[17] Einteilung in „Early Minyan“, „Classical Minyan“, „Late Minyan“.

[18] Vgl. Dickinson (1977), 17ff.

[19] wahrscheinlich sogar seit dem Neolithikum relativ Baumlos.

[20] Vgl. Wolters, AM 14, (1889), 262ff., 264 Taf. 9 – 10.

[21] Vgl. Theocharis, Adelt 16, (1960), 169.

[22] weitere Mitwirkende der Kampagnen: vgl. Weißhaar, Pevkakia I, (1989), VII ff.

[23] Diese These unterstützt auch der ehemalige Halbinsel – Charakter der Pevkakia – Magula

[24] So steht das Haus 328 aus Phase 1 der MBZ als einziges in NW –SO Ausrichtung ohne Bezug zu anderen Häusern. So scheint es sogar innerhalb der ersten Phase noch Einschnitte gegeben zu haben.

[25] Die Gebäude auf den Geländestufen legten sich um die auf der Kuppe herum.

[26] Vgl. Vollgraff, BCH 31, (1907), Taf. 5.

[27] Siehe Maran (1992), Taf. V,1 u. 2.

[28] Hier erreichten die Steinfundamente Höhen von bis zu 1,40m.

[29] Einen erhaltenen Lehmziegel gibt es z.B. im Haus 312 A. Siehe Maran (1992), Tafel IV,3.

[30] Siehe Maran (1992), Taf. V,1-2.

[31] ders. Tafel III,2.

[32] ders. Tafel VI,1 – 3.

[33] z.B. das Haus 311 A; Siehe Maran (1992), Plan VI B.

[34] Zwei Gusstiegel finden sich im W-Raum des Hauses 316 B. Siehe Maran 1992, Taf. 156,6 und 157,1.

[35] Der Ofen 471 im Haus 315 könnte als Back- oder Töpferofen interpretiert werden. Siehe Maran (1992), Taf. IX,1.; Vgl. Maran (1992), S. 27f.

[36] Auf der H – I V-Fläche sind sogar teilweise mittlere Pfostenreihen festgestellt worden.

[37] Vgl. Elia (Diss. Boston 1982), 262.

[38] Vgl. Maran (1992), Taf. VI,1. und Plan VII A u. VII B.; siehe Anhang.

[39] Vgl. Elia (Diss. Boston 1982), 262 mit Anm. 95.

[40] Siehe Maran (1992), Plan VIII B.

[41] ders. Taf. X,2 und Taf. XXVIII,4.; siehe Anhang.

[42] ders. Taf. 123,7.

[43] ders. Taf. XXX,3.; siehe Anhang.

[44] Siehe Maran (1992), Taf. 124,1.

[45] ders. Taf. XXX,1.; siehe Anhang.

[46] ders. Taf. 125,1.

[47] ders. Taf. 124,6-7.

[48] ders. Taf. 124,8.

[49] ders. Taf. 124,9.

[50] ders. Taf. IV,4.; siehe Anhang.

[51] Siehe Maran (1992), Taf. 32,7.

[52] ders. Taf. XI,3 und Plan XI.

[53] ders. Taf. 168,1-2.

[54] ders. Taf. 137,4.

[55] Siehe Maran (1992), Taf. XIII, XIV, XV.

[56] Siehe Maran (1992), 83 Abb.2.

[57] ders. 94 Abb.4.

[58] ders. Taf. XVIII.

[59] Siehe Maran (1992), 120 Abb. 8.

[60] Siehe Maran (1992), Taf. XX – XXIV.

[61] Vgl. Wace, Historia 2, (1953), 83f.; Caskey, CAH II (1966), 4f.

[62] Vgl. Blegen (1921), 19ff.

[63] Vgl. Goldmann (1931), 144ff.

[64] Vgl. Buck (Diss. Cincinnati 1956), 12.

[65] Siehe Maran (1992), 152 Abb.10.

[66] ders. 160 Abb.12.

[67] Siehe Maran (1992), 163 Abb.13.

  1. #1 von Michael Rechta am 13. Juli 2009 - 18:46

    artikel wird noch fertig gestellt…bilder folgen

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