Der Römische Import in der Germania libera

Erörterungen am Beispiel von Studien zum Import von Metallgefäßen

von Michael Rechta

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Begriffsbestimmung: „Römischer Import“

4. Funktion des römischen Importgeschirrs

5. Ausgewählte Typen/Formen

5.1 Kasserollen

5.1.1 Schwanenkopfkasserollen

5.1.2 Kasserollen mit halbrundem Loch

5.1.3 Kasserollen mit rundem Loch

5.1.4. Exkurs: Die Thyrsosverzierung bei Kasserollen

5.2 Kelle und Sieb

5.3 Fußbecken mit Eierstabrand

5.4 Kannen

5.4.1 Trifoliarkannen

5.4.2 „Gallo–römische“ Kannen

6. Schlussbetrachtung

7. Bibliographie

8. Abbildungsnachweise


1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit soll es sein, den römischen Import in der Germania libera, basierend auf den Studien der Metallgefäße, in mehrfacher Hinsicht zu beleuchten. Dabei sind mehrere Aspekte zur Erschließung des Themenfeldes von Relevanz. Zu Beginn ist daher ein knapper historischer Überblick, sowie die Klärung der Begriffe „Römischer Import“ und „Germanen“ für das Verständnis durchaus sehr zieldienlich um eine weit gefasste Darstellung zu ermöglichen. Den Begriff der „Germanen“ möchte ich hingegen direkt an dieser Stelle klären, da dieser in zahlreicher Literatur missverstanden und ebenfalls in meiner Arbeit verwendet und gebraucht wird.

Wir sprechen heute im Hinblick auf die Stämme der Germania in der Römischen Kaiserzeit ganz selbstverständlich von den Germanen und wissen nicht einmal über ihre Herkunft in allen Einzelheiten Bescheid. Man könnte sogar behaupten, dass relativ selten ein Name in der Geschichte als auch in der Forschung so ungenau verwendet worden ist wie dieser. Dementsprechend möchte ich festlegen, wenn in dieser Hausarbeit von den „Germanen“ die Rede ist, ich diesen Terminus im Sinne einzelner Stämme, Sippen, Gruppen oder Interessensgemeinschaften und nicht als einen einheitlichen Ethnos verstehe und gebrauche.

Ferner sollen im Mittelpunkt dieser Hausarbeit Studien zu ausgewählten Metallgefäßformen stehen, die verdeutlichen sollen, wie müßig die Rekonstruktion des „richtigen“ Gebrauchs einer Form teilweise ist, wenn die nötigen Angaben fehlen.

2. Historischer Hintergrund

Bereits in der vorrömischen Eisenzeit haben sich in Mittel- und Nordeuropa die germanischen Stämme aus den verschiedenen Siedlungsgruppen herauskristallisiert, sich gefestigt und in diesem Gebiet niedergelassen. Als Julius Caesar[1] in den Jahren 59 bis 51 vor Christus im Gallischen Krieg Gallien eroberte, verschob sich damit auch die römische Reichsgrenze bis an den Rhein. Damit trat eine neue Konstellation und grundlegende Änderung im nordwestlichen Mitteleuropa ein: Von nun an waren die Römer und die germanischen Stammesverbände unmittelbare Nachbarn.

Von diesem Zeitpunkt an herrschen intensive wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen den Römern und den germanischen Stämmen. Diese wirkten besonders befruchtend und beeinflussend auf die gesellschaftliche Entwicklung der Germanen, so dass man historisch rückwirkend die nachchristlichen Jahrhunderte in Germanien als „Römische Kaiserzeit“ bezeichnet.

Nicht nur Julius Caesar und seinen Aufzeichnungen verdanken wir einen Großteil unseres Wissens über die Germanen, sondern auch und vor allem dem Geschichtsschreiber Tacitus[2], der in seinen Niederschriften die Lage und die Namen der Stämme im freien Germanien festhielt, sowie auch Kampfesweise, religiöse Vorstellungen, Kulte, politische Systeme, Siedlungsweisen, Bestattungssitten und andere soziale Gefüge.[3]

In den Jahrzehnten um Christi Geburt bestimmen kriegerische Auseinandersetzungen die Lage zwischen den beiden „neuen Nachbarn“ im nordwestdeutschen Raum. Unruhen in Germanien, wirtschaftliche Interessen und die Absicht, die ungünstige Lage des Limes am Rhein zu verkürzen, veranlassten Kaiser Augustus, das Gebiet zwischen Elbe und Rhein dem Imperium Romanum einzuverleiben. Vor allem aber die Einführung des römischen Rechts, sowie die Ausbeutung durch Steuern, die nach römischen Verständnis als völlig legitim erschienen, schürten den Willen nach Unabhängigkeit und Freiheit auf Seiten der Germanen.

So kommt es zu mehreren Disputen und Schlachten. Die wohl bekannteste von jenen ist die Varusschlacht[4] im Jahre 9 nach Christi Geburt, die auch unter dem Namen „Schlacht vom Teutoburger Wald“ in die Literatur eingegangen ist. Die römische Rheinarmee musste bei dieser Schlacht unter dem Kommandeur Quinctilius Varus eine vernichtende Niederlage gegen die germanischen Truppen unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius einstecken.[5]

Zwar versuchte in den folgenden Jahren, zur Zeit des Kaisers Tiberius (Kaiser 14 bis 37 nach Christus), sein Feldherr Germanicus durch mehrere Rachefeldzüge diese schwere Niederlage wieder auszugleichen und die Germanen zu verunsichern, aber die erneuten Niederlagen bzw. der Rückzug im Jahr 16 nach Christus bei Idistaviso und in der Gegend zwischen Steinhuder Meer und Lippe führten zum endgültigen Verzicht der Römer auf das rechtsrheinische Germanien.

Germanien (Germania libera) bleibt fortan frei von römischer Besetzung, da sich die Konzentration auf den Ausbau und die Absicherung der linksrheinischen Provinzen richtete. Rhein und Donau bilden für Jahrhunderte die „Grenzen“[6] zwischen Römischem Reich und „freiem“ Germanien, obwohl sich der Limes selbst, vor allem im Decumatland, häufig verschiebt.[7]

3. Begriffsbestimmung: „Römischer Import“

Wenn man eine knappe Definition zum „Römischen Import“ formulieren möchte, so kann man sagen, dass unter dieser Bezeichnung alle Gegenstände zusammengefasst werden können, die aus Italien oder den römischen Provinzen in das freie Germanien gelangt sind, somit also den Limes überschritten haben.

Unter diesen Gegenständen sind Münzen, Gefäße aus Glas und Ton (besonders Terra-sigillata), Schmuck (wie Fibeln, Nadeln, Arm- und Fingerringe), Bronzestatuetten und die Gefäße aus Metall, die wie bereits erwähnt, den Gegenstand dieser Hausarbeit bilden werden. Handelsobjekte von Seiten der Germanen , die den Limes in westliche Richtung überschritten, waren wohl Vieh (lebend, aber auch als Tierhäute und Pelze) und andere landwirtschaftliche Produkte zur Versorgung.

Der „Import“ ist ein Sammelbegriff und bezeichnet in diesem Sinne nicht ausschließlich reines Handelsgut, wenngleich „echter“ Handel zwischen Römern und Germanen eine durchaus wichtige Rolle spielte und schriftlich überliefert ist. Nach den Aussagen und Meinungen von Hans-Jürgen Eggers und Jürgen Kunow kommt aber der „echte Handel“ für den Hauptteil des römischen Imports eher in Betracht, wobei andere Arten nicht ausgeschlossen werden[8]. Als Gründe hierfür kann man die relativ gleichmäßige Streuung der Funde[9] über große Teile Germaniens und das gleichbleibende Sortiment (z.B. eine ausgewählte Geschirrform) anführen, d.h. das nicht nur die Limes nahen Stämme eine Nutzung des Imports aufweisen, sondern auch die Limes fernen Stämme, die wohl kaum auf Geschenke oder Tribute von Seiten der Römer hoffen konnten.

Wie sich die Austauschverhältnisse zwischen Römern und Germanen vollzogen haben, ist Gegenstand vielfältiger Diskussionen und trotz des relativ umfangreichen und stetig wachsenden Fundstoffs weitgehend offen. Die schriftlichen Quellen tragen in dem Fall zur Klärung des Sachverhalts auch kaum bei.[10]

Man muss aber auch anerkennen, dass wohl auch vieles auf andere Weise ins Land gekommen ist als durch den „echten“ Handel. Beispielsweise durch Kriegsbeute bei den Kriegszügen gegen die reichen römischen Provinzen, durch Sold nach Beendigung des Dienstes der germanischen Söldner im römischen Heer, durch Gegenstände, die unter der Hand mit in die Heimat genommen wurden und nicht zu letzt auch durch Tribute und Geschenke (z.B. Münzen, Silberbecher und Goldmedaillons), die an germanischen Heerführer geleistet wurden und sich heute im archäologischen Material widerspiegeln[11]. Es sei aber zu beachten , dass von dieser „materiellen Kultur“ oder auch Sachkultur der Archäologie naturgemäß nur ein relativ schmaler Ausschnitt zur Verfügung steht, der aber durch Analogien, vergleichende Daten oder auch, sofern vorhanden, mit schriftlichen Quellen anzureichern ist. Dabei bleibt jedoch insbesondere eine klare Trennung zwischen den archäologischen Beobachtungen und den daraus abgeleiteten Deutungen unerlässlich, um das Fach auf wissenschaftlich objektive Weise voranzutreiben. Trotzdem vermitteln diese Funde nicht nur Informationen über Waffen, Schmuck, Geräte und Gefäße, sondern spiegeln gleichzeitig einen Teil der damaligen Gesellschaft wider.

4. Funktion des römischen Importgeschirrs

Aus der Tatsache, dass über die Nutzung der Gefäße im „Barbarikum“ in den seltensten Fällen gesicherte Quellen vorliegen, ist es ratsam, sich zunächst mit dem Verwendungszweck bei den Römern auseinander zu setzen und mit diesem Hintergrund Aussagen über barbarischen Gebrauch oder Missbrauch zu machen. Vor allem dann, wenn Gefäß- bzw. genauer noch gängige Geschirrkombinationen beibehalten wurden oder durch andere Formen, ob importierte oder eigene, ersetzt wurden.

Über die Funktion und die Verwendung der Bronzegeschirrformen im Imperium Romanum ist man durch die vielfältige Quellenüberlieferung relativ gut unterrichtet. Neben archäologisch geborgenen Schriftquellen und bildlichen Zeugnissen sind es nicht zu letzt Grab- und Siedlungsfunde[12], die uns einen Einblick in den römischen Alltag gestatten. So ist es der Verdienst der antiken Autoren, die teilweise neben dem Gebrauch eines Gefäßes auch dessen äußere Gestalt in ihren Schriften festgehalten haben, dass man heute die Möglichkeit hat, die Beschreibungen mit archäologischen Material zu vergleichen und gleichzusetzen. Ist darüber hinaus erst einmal die lateinische Gefäßbezeichnung für eine bestimmte Form bekannt, so kann man in der Regel auch die Verwendung dieser Form problemlos bestimmen.[13]

Ferner sind den Importgefäßen in der germanischen Gesellschaft neben ihrer materiellen Funktion, d.h. der alltägliche Gebrauch, sowie der Aspekt der Rohmaterialversorgung, auch eine soziale Funktion zu postulieren, die nach allgemeiner Ansicht schwerwiegender ist als die materielle Funktion. Die soziale Funktion beinhaltet vor allem den Aspekt der Prestige- und Repräsentationsobjekt für den germanischen Besitzer und diente folglich einer Statusmarkierung einer bestehenden Elite, die sich ihren Status wohl in kriegerischen Auseinandersetzungen verdiente. Zum anderen dienten die Importgefäße auch als Gaben zur Festigung der Verbindungen verschiedener Arten zwischen den hoch stehenden Familien bzw. Sippen oder einfach auch als begehrtes Handelsobjekt innerhalb eines lokalen Gebietes aber auch zu weiter entfernten, oft durch einen Ödlandstreifen getrennten, germanischen Stämmen.

5. Ausgewählte Typen/Formen

In dem nun folgenden Abschnitt sollen einige ausgewählte Typen (ein Schwerpunkt soll dabei bei den Kasserollen und dem Kellen- und Siebpaar liegen) des römischen Imports vorgestellt werden, da sonst der Rahmen dieser Hausarbeit überschritten werden würde.

Bei den ausgewählten Typen/Formen werden daraufhin die Fragen der Datierung, der Herkunft, des lateinischen Namens und der Funktion geklärt und zu gleich diskutiert, da es verständlicherweise mehrere Meinungen, Unstimmigkeiten in Ergebnissen der Forschung sowie Forschungslücken beispielsweise in der Frage der Herstellungsgebiete in diesen Bereichen gibt.

5.1 Kasserollen

Bei der Untersuchung von Kasserollen sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den Kasserollen grundsätzlich um eine Vielzweckform bzw. um ein Vielzweckgeschirr handelt, die vorwiegend beim Kochen, Essen und Trinken verwendet wird. Zumindest wird dies von antiken Autoren so bezeugt, die diese in ihren Schriften als trullae[14] bezeichnen. Daher werden im folgenden nur noch Fragen der Datierung und Herkunft geklärt, da man die aufgezählten Kasserollen als Gruppe bezeichnen kann. So tauchen beispielsweise Kasserollen in dem Silberschatz von Manching[15] auf, wobei zu hinterfragen wäre, ob nur silberne Kasserollen als Essgeschirr ihre Verwendung fanden. Ferner tauchen die Kasserollen, wohl wegen ihrer mannigfaltigen Gebrauchsmöglichkeiten, auch immer wieder im militärischen Zusammenhang auf und gehörten wahrscheinlich zur Standardmarschausrüstung eines römischen Soldaten. Zur Funktion als Trinkgeschirr, vor allem bei Kasserollen mit Thyrsosverziehrung, wird im folgenden ein eigener Abschnitt Aufschluss geben können.

5.1.1 Schwanenkopfkasserollen

Die Datierungsfrage der Schwanenkopfkasserollen[16] (E 131 – 133) kann relativ gut geklärt werden. Die ältesten Stücke dieser Kasserollenform stammen aus augusteischen Kastellen[17], also zwischen 7 vor und 9 nach Christus und die jüngsten Exemplare aus Funden aus Pompeji, demnach 79 nach Christus Festzuhalten ist aber, dass man annehmen kann, dass 79 nach Christus diese Kasserollenform durchaus noch zur lebenden Kultur hinzu gezählt werden konnte. Insgesamt wurden die Typen von Eggers in die Stufe B1 eingegliedert.

Über das Herkunfts- bzw. Herstellungsgebiet herrscht bei dieser Form an dieser Stelle eine absolute Einigkeit, da man annehmen kann das diese Kasserollenform als der capuanische „Exportschlager“ gegolten hat.[18]

5.1.2 Kasserollen mit halbrundem Loch

Die Entstehungszeit der Kasserollen mit halbrundem Loch[19] ( E 137 – 138) fällt in die augusteische Ära, wie beispielsweise der Fund von Haltern[20] beweist. Jedoch ist diese Form weitaus langlebiger als es die Form der Schwanenkopfkasserollen sind. Die Kasserollen mit halbrundem Loch kommen, zwar nur vereinzelt, immer noch im dritten Jahrhundert nach Christus vor, wie es der Bronzehort von Martigny in der Schweiz beweist.

Das ursprüngliche Herstellungsgebiet dieser Kasserollenform ist mit Capua zu benennen, obwohl bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert diese Form auch in das gallische Repertoire gehörte. Häufig dienen Verzierungsmotive, in sofern die Kasserollen nicht gestempelt sind, als Indikator für eine nähere Werkstattzuweisung. So deutet beispielsweise das so genannte Haspelmuster[21] auf kampanischen und auf der anderen Seite der barbarisierte Thyrsosstab[22] auf einen gallischen Ursprung hin.

5.1.3 Kasserollen mit rundem Loch

Die Kasserollen mit rundem Loch (Typ  E 139 – 144)[23] werden an dieser Stelle gemeinsam aufgeführt. Obgleich diese Kasserollen teilweise nur fragmentarisch vorliegen, hatte Eggers bereits diese Typen in einen älteren (E 139 – 141) und einen jüngeren[24] (E 142 – 144) aufgeteilt. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass eine solche chronologische Reihenfolge bzw. Aufteilung sich nicht im Fundmaterial widerspiegelt und auch nicht nachzuweisen ist.

Im claudisch–neronischem Kontext erscheint sowohl die „ältere“, als auch die „jüngere“ Variante dieses Kasserollentyps im römischen Reich erstmals als gesichert. Letztmalig treten sie im zweiten Jahrhundert auf, wobei auch das Produktionsende beider Varianten übereinstimmen müsste. Jedoch fehlen genauere Angaben, die näheren Aufschluss geben könnten, gänzlich. Hinzu kommt noch, dass jene Kasserollen alle vom gleichen Meister P. Cipius Polybius angefertigt wurden und dessen Produktionszeit im allgemeinen in die Zeit der Kaiser Claudius und Nero fällt. Deshalb erscheint H. J. Eggers Theorie zweier Kasserollentypen, die chronologisch aufeinander folgen wohl wahrscheinlich für überholt.

In den Werkstätten Capuas wurde erstmals diese Kasserollenform hergestellt, doch bereits im ersten Jahrhundert nach Christus erscheint diese Produktion auch schon in Gallien, allerdings kann man damit die Herkunft dieser Form auf die Werkstätten in den beiden Gebieten beschränken. Verständlicher Weise lassen sich gestempelte Stücke[25] und Stücke mit Thyrsos[26] besonders genau identifizieren. Aber auch einzelne Motive in der Dekoration erlauben gute Rückschlüsse auf die Herstellungsgebiete und damit auch auf die Werkstätten.

5.1.4. Exkurs: Die Thyrsosverzierung bei Kasserollen

Besondere Kasserollen sind jene, die auf dem Handgriff eine Verzierung eines Thyrsosstabes aufweisen. Die Thyrsosverzierung ist beispielsweise sehr häufig auf der Schwanenkopfkasserolle und der Blechkasserolle(E 131 – 136, 139)[27] vertreten. Dieses Ornament, dass sich aus Efeu- und Weinranken zusammen setzt, ist nicht nur eine Verzierung, sondern zudem ein Symbol mit einer fest definierten symbolischen Vorstellung. Ferner kann man den Thyrsosstab als Attribut des Gottes Dionysos (bzw. bei den Römern der Gott des Bacchus) und seiner Gefolgschaft zurechnen. Im weiteren Sinne wird dieser Gott als Gott der Vegetation verstanden aus dessen Wirkungskreis ebenfalls eine der gepriesensten Gaben der Welt stammte, der Wein. Zudem erscheint der Thyrsos auch auf zahlreichen Trinkgefäßen.

Somit kann man abschließend postulieren, dass der Bezug der Kasserollen mit Thyrsosstabverzierung als Bestandteil des Trinkservices, bereits aus der symbolischen Bedeutung, eher zu deuten ist als etwa der Handhabung als Kochgeschirr, wobei noch hinzu kommt, dass der lateinische Name für Kasserollen „trullae“ auch schriftlich als Trinkgeschirr überliefert ist. Trotzdem sei letztlich immer noch zu bedenken, selbst wenn viele Indizien für den Gebrauch als Trinkservice sprechen, dass die Kasserollen mit Thyrsos auf dem Griff in Gräbern, also dem uns heute vorliegenden Funden, nicht häufiger mit Trinkgeschirren vergesellschaftet sind als andere Kasserollen.

5.2 Kelle und Sieb

Als Beispiel für das Kellen- und Siebpaar soll uns der nach Eggers benannte Typ E 160[28] (Kellen mit Sieb, mit ruderförmigen Griff) dienen. Diese Kellen- und Siebform ist eine Weiterentwicklung des Typs E 159[29], der diesen zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs bereits verdrängt haben dürfte und ist in die Zeit ab ca. Mitte des ersten Jahrhunderts bis zum zweiten Jahrhundert nach Christi zu datieren. Ferner dürfte die gallische Herkunft relativ gesichert sein. Dafür sprechen die Funde aus den Vesuvstädten, die diese Geschirrform mit Stempeln aus gallischer Produktion gekennzeichnet haben.

Bei der lateinischen Bezeichnung für Kelle und Sieb tritt die Schwierigkeit auf, dass diese für sich benannt sind und nicht in ihrem dualen Vorkommen. Für das Sieb allein lässt sich die Bezeichnung colum[30] anführen, die aber wie angeführt nicht für die Bezeichnung mit Kelle steht. Am ehesten könnte man die Kelle noch mit dem cyathus[31] in Verbindung bringen, jedoch entsteht bei dieser Bezeichnung wiederum eine Problematik, da sich hinter dem Wort cyathus eine Maßeinheit verbirgt. Folglich müssten alle Kellen ein geeichtes System darstellen, jedoch konnte das System bei wissenschaftlichen Überprüfungen diese Anforderungen bekanntlich nicht erfüllen.

Die Klärung des Gebrauchs, also der Funktion, von Kelle und Sieb ist ein stark diskutiertes Themenfeld, in dem sich zwei Standpunkte gegenüberstehen. Zum einen die Deutung als Kochgeschirr und zum anderen die Deutung als Trinkgeschirr.

Zu nächst werden die Argumente der ersten Position aufgeführt und diskutiert. Man könnte annehmen, dass man das Sieb als Durchschlag für Flüssigkeiten, beispielsweise für gekochtes Wasser, das man nicht mehr benötigte, gebraucht. Eine andere Variante wäre das Kellen und Siebpaar mit Öl gefüllt über das Feuer zu halten und mit herausheben des Siebs einen Vorgang auszuführen, der unserer modernen Friteuse recht nahe kommen würde. Doch wirft diese Handhabung einige grundlegende Schwierigkeiten auf.

Ein halbrunder Gefäßboden, so wie man ihn bei diesem Typ vorfindet, verbietet das einfache Abstellen des Gefäßes, zu dem ist ein Dreifuß trotz zahlreicher Funde für diese Form in keiner Weise belegt ist. Ein weiterer Aspekt sind die Griffe. Die Griffe sind bei Kelle und Sieb keine Holzgriffe, sondern bestehen aus Metall. Daraus kann man schließen, dass selbst bei einem relativ langem Stiel, aufgrund der Wärmeleitung, der Nutzer keine Aussichten hat das Gefäß lange in seinen Händen zu behalten ohne sich zu verbrennen. So kommt aus meiner Sicht eine Funktion als Kochgeschirr wohl kaum in Betracht, doch kann man daraus resultierend sofort die Funktion als Trinkgeschirr in Erwägung ziehen?

Bevor man Kelle und Sieb dem Trinkservice zuordnet, sollten auch hier zu nächst die Gegenargumente aufgeführt werden, um die Objektivität zu wahren. Zunächst sei erwähnt, dass bildliche Darstellungen von Kelle und Sieb, die den Weinaufbereitungsvorgang charakteristisch darstellen, fast gänzlich fehlen. Störend wirkt im Gesamtbild vor allem der waagerechte Griff des Paares, der offensichtlich als völlig ungeeignet zum Schöpfen erscheint. Eine weitere Unstimmigkeit ist, wenn die Tatsache des waagerechten Griffs nicht Grund genug ist, das Verhältnis der Mündungen von Kellen zu Eimern, da oftmals die Kellen zum Schöpfen mit ihrem relativ großen Mündungsdurchmesser für die recht kleinen Eimer als ungeeignet erscheinen. Hierfür gibt es jedoch einen Lösungsansatz. Vermutlich dienten die Kellen gar nicht dem Zweck des Schöpfens, sondern vielmehr als ein Auffanggefäß für das vom Sieb gefilterte Getränk, so dass nach diesem Verfahren man das gereinigte Getränk einfach umfüllen konnte. Allenfalls ist es auch möglich die Kelle als „einfachen Tropfschutz“ anzusehen nach dem man das Sieb benutzt hatte.

Ein weiteres Indiz, dass man Kelle und Sieb dem Trinkservice zuordnen kann, zumindest bei den Germanen, sind die germanischen Körpergräber[32], die das Kellen- und Siebpaar beinhalten und mit anderen Trinkgefäßen vergesellschaftet ist.

Letztlich bleibt die eindeutige Funktion des Paares, vor allem aber der Kelle, vergleichsweise unklar, jedoch scheidet eine Nutzung als Kochgeschirr angesichts der aufgeführten Argumente eher aus und eine Zuweisung zum Trinkgeschirr erscheint zunehmend gerechtfertigt.

5.3 Fußbecken mit Eierstabrand

Die älteste Datierung derartiger Becken (Typ E 91 – 92)[33], basierend auf den Bodenfunden, fällt in die augusteische Zeit und reicht wahrscheinlich noch bis in das zweite Jahrhundert nach Christus hinein.

Einigkeit herrscht bei dieser Beckenform über den Entstehungs- bzw. Herstellungsraum. Die Ornamentik und die Qualität, die das Becken ausmachen, weisen fast unwiderruflich auf Capua hin[34]. Sie zeigen ferner in sich die hellenistische Tradition, die in Süditalien auf diese Weise einen Raum gefunden hat und sich in dieser Form widerspiegelt.

Der Verwendungszweck der Fußbecken mit Eierstabrand lässt sich nur über einen Exkurs klären, da genaue Indizien für den Gebrauch dieser Geschirrform fehlen. Aufgrund des Eierstab als Randabschluss lässt sich eine Verbindung zum Becken des Typs E 97[35] („Frühe“ Becken mit festem Griff) postulieren. Letztere sind durch zahlreiche Darstellungen und auf griechischen Vorbildern basierend eindeutig als Waschgefäße anzuführen, wie wohl eine der bekanntesten Darstellung, das Taubenmosaik[36], zeigt.

Den Einwand, die Becken wären eher dem Trinkservice zuzuordnen, da sie auch vergesellschaftet mit Trinkservicen aufgefunden werden, kann man relativ leicht klären. Die Tatsache, dass jene Becken des Typs E 91 – 92, oft mit Trinkservice aufgefunden werden, ist wohl auf die Sitte zurückzuführen, dass den Gästen vor den Mahlzeiten und Gelagen die Füße vom Staub und Dreck abgewaschen wurden.

So erscheint es völlig legitim, diesen Beckentyp ins Waschgeschirr einzugliedern. Bekräftigend kommt hinzu, dass die weiteren Fußbecken ( E 99 – 104)[37] ebenfalls unmissverständlich in die Kategorie des Waschgeschirrs einzuordnen sind.

5.4 Kannen

Aus den Kannenformen sollen uns nun im Folgenden zwei Typen, die Trifoliarkannen und die „gallo – römischen“ Kannen, exemplarisch dienen.

5.4.1 Trifoliarkannen

Chronologisch gesehen ist der Typ E 124[38] , die Trifoliarkanne oder auch Kleeblattkanne, etwa in die augusteische Zeit zu datieren und endet wohl in jenem Fall vor dem Jahr 79 nach Christus. Auch hier sind bei der Entwicklung dieser Kanne die griechischen Vorbilder zu erkennen, die sich in der Produktion der Kanne in ihrer Gestalt widerspiegeln.

Für die Herkunft dieser Kannenform lässt sich, zumindest für die in der Germania libera vorliegenden Funde, Italien (der kampanische Raum) aufgrund der minderen räumlichen Entfernung wohl als Importregion deklarieren. Jedoch sei auch darauf hingewiesen, dass das Service, bestehend aus Kanne und Griffschale, eher eine „östliche Erfindung“ sei und es unwahrscheinlich erscheint, dass die Nachfrage allein von kampanischen Werkstätten gedeckt wurde. Vielmehr muss man wohl auch mit östlichen Werkstätten, die diesen Kannentyp produzierten und exportierten, rechnen.

Für den Gebrauch der Trifoliarkannen gibt es in diesem Fall nicht den geringsten Zweifel. Bildliche Darstellungen und schriftliche Quellen weisen diesem Kannentyp seine Funktion zu. Sowohl im sakralen, als auch im profanen Bereich kann man den Gebrauch einer Art Handwaschgarnitur zuweisen. Dafür spricht auch die häufige Vergesellschaftung mit den Griffschalen E 154 – 155[39], die mit der Trifoliarkanne einen Geschirrsatz bilden[40]. Jedoch kann man sowohl bei den Römern als auch Germanen eine Nutzung als Trinkgeschirr nicht eindeutig ausschließen.

5.4.2 „Gallo–römische“ Kannen

Nach Vergleichsfunden aus Thrakien kann man annehmen, dass die Produktion dieses „Blechkannentyps“ am Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Christus anzusiedeln ist. Die Produktion endet ungefähr zwei Jahrhunderte später, im vierten Jahrhundert nach Christus.

Eine Übernahme der „gallo–römischen“ Kanne (E 128) [41] und zudem eine Weiterentwicklung ist zweifelsohne zu vernehmen, da sie in der Merowingerzeit noch immer existiert.

Wie schon die Eggers´sche Namensgebung vermuten lässt ( „gallo–römische“ Kanne), ist für diese verhältnismäßig einfache und gewöhnliche Kannenform Gallien sicherlich nicht das einzige Herstellungsgebiet. Es ist wohl anzunehmen, dass in mehreren provinziellen Werkstätten der Kannentyp E 128 gefertigt wurde. Boris A. Raev[42] schlägt sogar vor, die Kanne als „thrakisch–römische“ Kanne zu bezeichnen, da er diesen Typ eher in dieser Region beheimatet sieht.

Als gesichert, im Gegensatz zu der Funktion der Kannen, erscheint immerhin der lateinische Gefäßname urceus. Das Gebrauchsfeld selbst bzw. die Verwendungsmöglichkeiten sind sowohl im Küchengeschirr, als auch im Trinkgeschirr in Erwägung zu ziehen. Auf der einen Seite steht die Meinung, dass dieser Kannentyp als Weinbehälter genutzt wurde und auf der anderen Seite kommt eine Benutzung als Ölbehälter ebenfalls in Betracht. Aus den uns vorliegenden bildlichen und schriftlichen Quellen kann auf diese Weise leider keine Funktionszuweisung erschlossen werden.

Eine Nutzung dieses Kannentyps als Weinkanne erscheint nicht unbedingt plausibel, da der Klappdeckel ein Verdunsten des Weines nicht aufhalten würde, jedoch sei ebenfalls zu bedenken, dass die einfachen Weinkrüge des römischen Reiches in der Regel auch keinerlei Verschluss aufwiesen. So ist ein luftdichter Verschluss nicht zwingend ein Merkmal, das gegen die Nutzung der Kanne des Typs E 128 als Weinkanne angeführt werden kann.

Die zweite Möglichkeit ist die der Ölkanne. Ein luftdurchlässiger Klappverschluss, wie er gerade beschrieben worden ist, würde das Öl ausreichend vor ungewünschtem Staub schützen, der das Öl unbrauchbar machen würde. Anderseits ergibt sich an dieser Stelle ein ähnliches Problem wie für den Wein zuvor. Bei einer länger andauernden Aufbewahrung würde das „offene“ Öl im Hinblick auf seine Qualität relativ schnell ranzig werden und damit unbrauchbar.

Aus diesen Gründen ergibt sich für keine Darstellung ein Vorteil in ihrer Verwendung, sowohl Wein als auch Öl erscheinen bei einer längeren Unterbringung in dieser Kannenform nicht als die geeigneten Substanzen.

6. Schlussbetrachtung

Mit der eintretenden historischen Konstellation im nordwestlichen Mitteleuropa, die im zweiten Punkt erläutert wurde, ist für den Archäologen, als auch Historiker eine neue und bessere Wissensgrundlage in Bezug auf die „Germanen“ entstanden. Dieses Wissen, basierend auf vereinzelten germanischen Quellen und vor allem den schriftlichen und bildlichen Quellen der Römer, verdanken wir eine relativ weit gefassten Überblick. Man muss dabei jedoch bedenken, die durchaus subjektiv gefassten Texte auf kritische Weise in die Forschung einzubeziehen. Darüber hinaus zeigen aber auch Kartierungen archäologisch nachgewiesene Konzentrationen (z.B. Siedlungsgebiete und Bestattungsplätze). Jedoch sollte die Fundkartierung in diesem, wie in jedem Fall mit Vorsicht genossen werden, da sie nur ungefähre Angaben machen kann, wie in diesem Fall die Bestimmung der Sitze einzelner germanischer Stämme anhand von Fundgruppen die regional Merkmale aufweisen.

Wie bereits beschrieben reichte der Einfluss, der vom Römischen Reich ausging, weit über den Limes und das Limesvorland hinaus. Belege dafür sind die römischen Gegenstände (die wir heute als römischen Import bezeichnen; siehe dritter Punkt), die ihrem Besitzer als wertvolle Prestigeobjekte in das Grab mitgegeben wurden oder nach langer Nutzung als Bruchstücke unter den Abfall germanischer Siedlungen gerieten.

Doch wieso sind die Studien mit und über Metallgefäße überhaupt von Bedeutung und Interesse in der heutigen Wissenschaft?

Ein maßgeblicher Grund hierfür liegt wohl in der Frage der absoluten Datierung der römischen Kaiserzeit. Durch den verheerenden Vesuvausbruch und den Untergang von Pompeij, der unglaubliches Unglück und Leid den Menschen brachte, hat die Wissenschaft heute aus dem Schicksal heraus die Möglichkeit und das „Glück“ einen Fixpunkt in der absoluten Chronologie zu besitzen.

Ferner bringen die Studien auch diverse Aufschlüsse des täglichen Lebens, d.h. vor allem Sitten und Bräuche, aber auch soziale Stellungen können durch diverse Objekte abgelesen werden.

Ein besonderes Augenmerk liegt zu dem noch auf den Metallgefäßen, da diese bereits in der Lage sind, einen umfassenden Überblick über die römische Kaiserzeit zu liefern. Nicht zu letzt verdanken wir diesen Forschungsstandpunkt, den wir heute erreicht haben, Hans – Jürgen Eggers, der bereits sehr früh umfangreiche Studien zu den Metallgefäßen erarbeitet hat. Wünschenswert wäre es diese Arbeit weiterhin mit Daten, Fakten und neuen Gesichtspunkten fortzuführen und auszuweiten(wie z.B: Jürgen Kunow). Dabei wäre es von Bedeutsamkeit auch einen größeren Schwerpunkt auf die Erforschung von Produktionsstätten zu legen, da oftmals diese Komponente fehlt um Funde präziser in den Kontext einzugleidern.

7. Bibliographie

8. Anhang

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[1] Gaius Julius Caesar (100 – 44 v. Chr.), römischer Feldheer und Staatsmann, schrieb um 52 v. Chr. den „Commentarii de bello Gallico“ (zu den Germanen besonders: Kap 1, S. 31 – 54; Kap. 2; 4, S. 1 – 19; Kap. 6, S. 21 – 28.

[2] Publius Cornelius Tacitus (ca. 55 – 120 n. Chr.), römischer Staatsmann und Historiker. Wichtigste Werke: 98 n. Chr. „Agricola“ und „Germania“ (De origine et situ Germanorum); weitere Werke: „Annales“ in 16 Büchern, sowie „Historiae“ in 14 Büchern.

[3] vgl. B. Krüger, Die Germanen. Mythos – Geschichte – Kultur – Archäologie. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 29. (Langenweissbach 2003). S. 4 f.

[4] Die Varusschlacht wurde unter anderem von Velleius Paterculus in seiner Historia Romana (29/30 n. Chr.) beschrieben und verfasst.

[5] vgl. J. Herrman(Hrsg.), Die Germanen. Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Handb. Bd. 2 (Berlin 1988). S. 281 – 287.

[6] Dabei sind „Grenzen“ durchaus als überschreitbare Linien zu definieren und nicht im Sinne unüberwindbare Mauern zu verstehen.

[7] vgl. D. Baatz, Der römische Limes² (Berlin 1975).

[8] vgl. H. J. Eggers, Der Römische Import im freien Germanien. In: Atlas der Urgeschichte 1. (Hamburg 1951). S. 74 f.

[9] vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). siehe S. 192 Karte 22 (Beispiel: „Verbreitung des Trinkservices Eimer, Kelle/Sieb und Trinkgefäß(e)“).

[10] vgl. B. Krüger, Die Germanen. Mythos – Geschichte – Kultur – Archäologie. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 29. (Langenweissbach 2003). S. 91 f.

[11] An dieser Stelle wurden spezielle Funde aus Sachsen-Anhalt als Beispiele ausgewählt.

vgl. H. Meller (Hrsg.), Schönheit, Macht und Tod. 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Begleitband zur Sonderausstellung vom 11. Dezember 2001 bis 28. April 2002. (Halle(Saale) 2001). S. 112 f. (Nr. 35 Leuna); S. 222 f. (Nr. 89 Schkopau); S. 234 f. (Nr. 94 Quetzdolsdorf); S. 254 f. (Nr. 103 Gommern).

[12] z.B. in Stein gemeißelte Inschriften mit deren Deutung sich die Epigraphik beschäftigt und der Archäologie wertvolle Aufschlüsse liefert.

[13] Hierfür gibt Hilgers eine sehr übersichtliche Zusammenstellung zur Beziehung, Funktion und Form der Gefäßnamen.

[14] vgl. W. Hilgers, Lateinische Gefäßnamen. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher 31. (Düsseldorf 1969). S. 291 ff.

[15] vgl. W. Krämer, Neue Ausgrabungen in Deutschland ( Stuttgart 1958). S. 200 mit Abb. 22.

[16] siehe Abb. 131 – 133 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[17] zu nennen währen beispielsweise die Kastelle Augsburg-Oberhausen und Haltern.

[18] vgl. H.-J. Eggers, Eine römische Kasserolle aus der Weser bei Bremen und ihr Kreis. In: Bremer Arch. Bl. 4, 1965, S. 18 ff.

[19] siehe Abb. 137 und  138 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[20] vgl. H.-J. Eggers, Zur absoluten Chronologie der römischen Kaiserzeit im Freien Germanien. In: Jahrb. RGZM 2, 1955, S. 213.

[21] :vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). S. 63, Abb. 9.

[22]ders. S. 56 Abb. 7.

[23] siehe Abb. 139 bis 144 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[24]vgl. H. Willers, Neue Untersuchungen über die römische Bronzeindustrie von Capua und von Niedergermanien (Hannover/ Leipzig 1907). Abb. 44 ff.

[25] vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). S. 63, Abb. 10.

[26] ders. S. 56, Abb. 6 und 7.

[27] siehe Abb. 131 bis 136 und 139 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[28] siehe Abb. 160 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[29] siehe Abb. 159 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[30] vgl. W. Hilgers, Lateinische Gefäßnamen. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher 31. (Düsseldorf 1969). S. 105f.

[31] ders. S. 166ff.

[32] vgl. Skelettgrab von Uggelose, Seeland. Dieses datiert in die jüngere Kaiserzeit und stellt ein vollständiges Trinkgeschirr, aus einem Eimer mit Gesichtsattachen E25 – 26, Kelle mit Sieb E 161 und drei Glasgefäßen, sowie eine einheimische Tontasse, dar.

[33] siehe Abb. 91 und 92 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[34] vgl. J. Werner, Die Bronzekanne von Kehlheim. In: Bayer. Vorgeschichtsbl. 20, 1954, S. 58f.  und

I. Lindeberg, Die Einfuhr römischer Bronzegefäße nach Gotland. In: Saalburg-Jahrb. 30, 1973, S. 9f.

[35] siehe Abb. 97 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[36] vgl. H. Willers, Die römischen Bronzeeimer von Hemmor (Hannover/Leipzig 1901). S. 136 Abb. 58.

[37] siehe Abb. 99 bis 104 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[38] siehe Abb. 124 in den Abbildungsnachweisen S. 21.

[39] siehe Abb. 154 und 155 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[40] vgl. H. – U. Nuber, Kanne und Griffschale. Ihr Gebrauch im täglichen Leben und die Beigabe in Gräbern der römischen Kaiserzeit. In: Ber. RGK 53, 1972, S. 96 ff.

[41] siehe Abb. 128 in den Abbildungsnachweisen S. 21.

[42] vgl. B. Raev, Die Bronzegefäße der römischen Kaiserzeit in Thrakien und Mösien. In: Ber. RGK 58, 1977, S. 616 f.

Der Römische Import in der Germania libera

Erörterungen am Beispiel von Studien

zum Import von Metallgefäßen

von

Michael Rechta


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 2

2. Historischer Hintergrund. 2

3. Begriffsbestimmung: „Römischer Import“. 4

4. Funktion des römischen Importgeschirrs. 6

5. Ausgewählte Typen/Formen. 7

5.1 Kasserollen. 7

5.1.1 Schwanenkopfkasserollen. 8

5.1.2 Kasserollen mit halbrundem Loch. 8

5.1.3 Kasserollen mit rundem Loch. 9

5.1.4. Exkurs: Die Thyrsosverzierung bei Kasserollen. 10

5.2 Kelle und Sieb. 11

5.3 Fußbecken mit Eierstabrand. 13

5.4 Kannen. 14

5.4.1 Trifoliarkannen. 14

5.4.2 „Gallo–römische“ Kannen. 14

6. Schlussbetrachtung. 16

7. Bibliographie. 18

8. Abbildungsnachweise. 20


1. Einleitung

Gegenstand dieser Hausarbeit soll es sein, den römischen Import in der Germania libera, basierend auf den Studien der Metallgefäße, in mehrfacher Hinsicht zu beleuchten. Dabei sind mehrere Aspekte zur Erschließung des Themenfeldes von Relevanz. Zu Beginn ist daher ein knapper historischer Überblick, sowie die Klärung der Begriffe „Römischer Import“ und „Germanen“ für das Verständnis durchaus sehr zieldienlich um eine weit gefasste Darstellung zu ermöglichen. Den Begriff der „Germanen“ möchte ich hingegen direkt an dieser Stelle klären, da dieser in zahlreicher Literatur missverstanden und ebenfalls in meiner Arbeit verwendet und gebraucht wird.

Wir sprechen heute im Hinblick auf die Stämme der Germania in der Römischen Kaiserzeit ganz selbstverständlich von den Germanen und wissen nicht einmal über ihre Herkunft in allen Einzelheiten Bescheid. Man könnte sogar behaupten, dass relativ selten ein Name in der Geschichte als auch in der Forschung so ungenau verwendet worden ist wie dieser. Dementsprechend möchte ich festlegen, wenn in dieser Hausarbeit von den „Germanen“ die Rede ist, ich diesen Terminus im Sinne einzelner Stämme, Sippen, Gruppen oder Interessensgemeinschaften und nicht als einen einheitlichen Ethnos verstehe und gebrauche.

Ferner sollen im Mittelpunkt dieser Hausarbeit Studien zu ausgewählten Metallgefäßformen stehen, die verdeutlichen sollen, wie müßig die Rekonstruktion des „richtigen“ Gebrauchs einer Form teilweise ist, wenn die nötigen Angaben fehlen.

2. Historischer Hintergrund

Bereits in der vorrömischen Eisenzeit haben sich in Mittel- und Nordeuropa die germanischen Stämme aus den verschiedenen Siedlungsgruppen herauskristallisiert, sich gefestigt und in diesem Gebiet niedergelassen. Als Julius Caesar[1] in den Jahren 59 bis 51 vor Christus im Gallischen Krieg Gallien eroberte, verschob sich damit auch die römische Reichsgrenze bis an den Rhein. Damit trat eine neue Konstellation und grundlegende Änderung im nordwestlichen Mitteleuropa ein: Von nun an waren die Römer und die germanischen Stammesverbände unmittelbare Nachbarn.

Von diesem Zeitpunkt an herrschen intensive wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen den Römern und den germanischen Stämmen. Diese wirkten besonders befruchtend und beeinflussend auf die gesellschaftliche Entwicklung der Germanen, so dass man historisch rückwirkend die nachchristlichen Jahrhunderte in Germanien als „Römische Kaiserzeit“ bezeichnet.

Nicht nur Julius Caesar und seinen Aufzeichnungen verdanken wir einen Großteil unseres Wissens über die Germanen, sondern auch und vor allem dem Geschichtsschreiber Tacitus[2], der in seinen Niederschriften die Lage und die Namen der Stämme im freien Germanien festhielt, sowie auch Kampfesweise, religiöse Vorstellungen, Kulte, politische Systeme, Siedlungsweisen, Bestattungssitten und andere soziale Gefüge.[3]

In den Jahrzehnten um Christi Geburt bestimmen kriegerische Auseinandersetzungen die Lage zwischen den beiden „neuen Nachbarn“ im nordwestdeutschen Raum. Unruhen in Germanien, wirtschaftliche Interessen und die Absicht, die ungünstige Lage des Limes am Rhein zu verkürzen, veranlassten Kaiser Augustus, das Gebiet zwischen Elbe und Rhein dem Imperium Romanum einzuverleiben. Vor allem aber die Einführung des römischen Rechts, sowie die Ausbeutung durch Steuern, die nach römischen Verständnis als völlig legitim erschienen, schürten den Willen nach Unabhängigkeit und Freiheit auf Seiten der Germanen.

So kommt es zu mehreren Disputen und Schlachten. Die wohl bekannteste von jenen ist die Varusschlacht[4] im Jahre 9 nach Christi Geburt, die auch unter dem Namen „Schlacht vom Teutoburger Wald“ in die Literatur eingegangen ist. Die römische Rheinarmee musste bei dieser Schlacht unter dem Kommandeur Quinctilius Varus eine vernichtende Niederlage gegen die germanischen Truppen unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius einstecken.[5]

Zwar versuchte in den folgenden Jahren, zur Zeit des Kaisers Tiberius (Kaiser 14 bis 37 nach Christus), sein Feldherr Germanicus durch mehrere Rachefeldzüge diese schwere Niederlage wieder auszugleichen und die Germanen zu verunsichern, aber die erneuten Niederlagen bzw. der Rückzug im Jahr 16 nach Christus bei Idistaviso und in der Gegend zwischen Steinhuder Meer und Lippe führten zum endgültigen Verzicht der Römer auf das rechtsrheinische Germanien.

Germanien (Germania libera) bleibt fortan frei von römischer Besetzung, da sich die Konzentration auf den Ausbau und die Absicherung der linksrheinischen Provinzen richtete. Rhein und Donau bilden für Jahrhunderte die „Grenzen“[6] zwischen Römischem Reich und „freiem“ Germanien, obwohl sich der Limes selbst, vor allem im Decumatland, häufig verschiebt.[7]

3. Begriffsbestimmung: „Römischer Import“

Wenn man eine knappe Definition zum „Römischen Import“ formulieren möchte, so kann man sagen, dass unter dieser Bezeichnung alle Gegenstände zusammengefasst werden können, die aus Italien oder den römischen Provinzen in das freie Germanien gelangt sind, somit also den Limes überschritten haben.

Unter diesen Gegenständen sind Münzen, Gefäße aus Glas und Ton (besonders Terra-sigillata), Schmuck (wie Fibeln, Nadeln, Arm- und Fingerringe), Bronzestatuetten und die Gefäße aus Metall, die wie bereits erwähnt, den Gegenstand dieser Hausarbeit bilden werden. Handelsobjekte von Seiten der Germanen , die den Limes in westliche Richtung überschritten, waren wohl Vieh (lebend, aber auch als Tierhäute und Pelze) und andere landwirtschaftliche Produkte zur Versorgung.

Der „Import“ ist ein Sammelbegriff und bezeichnet in diesem Sinne nicht ausschließlich reines Handelsgut, wenngleich „echter“ Handel zwischen Römern und Germanen eine durchaus wichtige Rolle spielte und schriftlich überliefert ist. Nach den Aussagen und Meinungen von Hans-Jürgen Eggers und Jürgen Kunow kommt aber der „echte Handel“ für den Hauptteil des römischen Imports eher in Betracht, wobei andere Arten nicht ausgeschlossen werden[8]. Als Gründe hierfür kann man die relativ gleichmäßige Streuung der Funde[9] über große Teile Germaniens und das gleichbleibende Sortiment (z.B. eine ausgewählte Geschirrform) anführen, d.h. das nicht nur die Limes nahen Stämme eine Nutzung des Imports aufweisen, sondern auch die Limes fernen Stämme, die wohl kaum auf Geschenke oder Tribute von Seiten der Römer hoffen konnten.

Wie sich die Austauschverhältnisse zwischen Römern und Germanen vollzogen haben, ist Gegenstand vielfältiger Diskussionen und trotz des relativ umfangreichen und stetig wachsenden Fundstoffs weitgehend offen. Die schriftlichen Quellen tragen in dem Fall zur Klärung des Sachverhalts auch kaum bei.[10]

Man muss aber auch anerkennen, dass wohl auch vieles auf andere Weise ins Land gekommen ist als durch den „echten“ Handel. Beispielsweise durch Kriegsbeute bei den Kriegszügen gegen die reichen römischen Provinzen, durch Sold nach Beendigung des Dienstes der germanischen Söldner im römischen Heer, durch Gegenstände, die unter der Hand mit in die Heimat genommen wurden und nicht zu letzt auch durch Tribute und Geschenke (z.B. Münzen, Silberbecher und Goldmedaillons), die an germanischen Heerführer geleistet wurden und sich heute im archäologischen Material widerspiegeln[11]. Es sei aber zu beachten , dass von dieser „materiellen Kultur“ oder auch Sachkultur der Archäologie naturgemäß nur ein relativ schmaler Ausschnitt zur Verfügung steht, der aber durch Analogien, vergleichende Daten oder auch, sofern vorhanden, mit schriftlichen Quellen anzureichern ist. Dabei bleibt jedoch insbesondere eine klare Trennung zwischen den archäologischen Beobachtungen und den daraus abgeleiteten Deutungen unerlässlich, um das Fach auf wissenschaftlich objektive Weise voranzutreiben. Trotzdem vermitteln diese Funde nicht nur Informationen über Waffen, Schmuck, Geräte und Gefäße, sondern spiegeln gleichzeitig einen Teil der damaligen Gesellschaft wider.

4. Funktion des römischen Importgeschirrs

Aus der Tatsache, dass über die Nutzung der Gefäße im „Barbarikum“ in den seltensten Fällen gesicherte Quellen vorliegen, ist es ratsam, sich zunächst mit dem Verwendungszweck bei den Römern auseinander zu setzen und mit diesem Hintergrund Aussagen über barbarischen Gebrauch oder Missbrauch zu machen. Vor allem dann, wenn Gefäß- bzw. genauer noch gängige Geschirrkombinationen beibehalten wurden oder durch andere Formen, ob importierte oder eigene, ersetzt wurden.

Über die Funktion und die Verwendung der Bronzegeschirrformen im Imperium Romanum ist man durch die vielfältige Quellenüberlieferung relativ gut unterrichtet. Neben archäologisch geborgenen Schriftquellen und bildlichen Zeugnissen sind es nicht zu letzt Grab- und Siedlungsfunde[12], die uns einen Einblick in den römischen Alltag gestatten. So ist es der Verdienst der antiken Autoren, die teilweise neben dem Gebrauch eines Gefäßes auch dessen äußere Gestalt in ihren Schriften festgehalten haben, dass man heute die Möglichkeit hat, die Beschreibungen mit archäologischen Material zu vergleichen und gleichzusetzen. Ist darüber hinaus erst einmal die lateinische Gefäßbezeichnung für eine bestimmte Form bekannt, so kann man in der Regel auch die Verwendung dieser Form problemlos bestimmen.[13]

Ferner sind den Importgefäßen in der germanischen Gesellschaft neben ihrer materiellen Funktion, d.h. der alltägliche Gebrauch, sowie der Aspekt der Rohmaterialversorgung, auch eine soziale Funktion zu postulieren, die nach allgemeiner Ansicht schwerwiegender ist als die materielle Funktion. Die soziale Funktion beinhaltet vor allem den Aspekt der Prestige- und Repräsentationsobjekt für den germanischen Besitzer und diente folglich einer Statusmarkierung einer bestehenden Elite, die sich ihren Status wohl in kriegerischen Auseinandersetzungen verdiente. Zum anderen dienten die Importgefäße auch als Gaben zur Festigung der Verbindungen verschiedener Arten zwischen den hoch stehenden Familien bzw. Sippen oder einfach auch als begehrtes Handelsobjekt innerhalb eines lokalen Gebietes aber auch zu weiter entfernten, oft durch einen Ödlandstreifen getrennten, germanischen Stämmen.

5. Ausgewählte Typen/Formen

In dem nun folgenden Abschnitt sollen einige ausgewählte Typen (ein Schwerpunkt soll dabei bei den Kasserollen und dem Kellen- und Siebpaar liegen) des römischen Imports vorgestellt werden, da sonst der Rahmen dieser Hausarbeit überschritten werden würde.

Bei den ausgewählten Typen/Formen werden daraufhin die Fragen der Datierung, der Herkunft, des lateinischen Namens und der Funktion geklärt und zu gleich diskutiert, da es verständlicherweise mehrere Meinungen, Unstimmigkeiten in Ergebnissen der Forschung sowie Forschungslücken beispielsweise in der Frage der Herstellungsgebiete in diesen Bereichen gibt.

5.1 Kasserollen

Bei der Untersuchung von Kasserollen sei darauf hingewiesen, dass es sich bei den Kasserollen grundsätzlich um eine Vielzweckform bzw. um ein Vielzweckgeschirr handelt, die vorwiegend beim Kochen, Essen und Trinken verwendet wird. Zumindest wird dies von antiken Autoren so bezeugt, die diese in ihren Schriften als trullae[14] bezeichnen. Daher werden im folgenden nur noch Fragen der Datierung und Herkunft geklärt, da man die aufgezählten Kasserollen als Gruppe bezeichnen kann. So tauchen beispielsweise Kasserollen in dem Silberschatz von Manching[15] auf, wobei zu hinterfragen wäre, ob nur silberne Kasserollen als Essgeschirr ihre Verwendung fanden. Ferner tauchen die Kasserollen, wohl wegen ihrer mannigfaltigen Gebrauchsmöglichkeiten, auch immer wieder im militärischen Zusammenhang auf und gehörten wahrscheinlich zur Standardmarschausrüstung eines römischen Soldaten. Zur Funktion als Trinkgeschirr, vor allem bei Kasserollen mit Thyrsosverziehrung, wird im folgenden ein eigener Abschnitt Aufschluss geben können.

5.1.1 Schwanenkopfkasserollen

Die Datierungsfrage der Schwanenkopfkasserollen[16] (E 131 – 133) kann relativ gut geklärt werden. Die ältesten Stücke dieser Kasserollenform stammen aus augusteischen Kastellen[17], also zwischen 7 vor und 9 nach Christus und die jüngsten Exemplare aus Funden aus Pompeji, demnach 79 nach Christus Festzuhalten ist aber, dass man annehmen kann, dass 79 nach Christus diese Kasserollenform durchaus noch zur lebenden Kultur hinzu gezählt werden konnte. Insgesamt wurden die Typen von Eggers in die Stufe B1 eingegliedert.

Über das Herkunfts- bzw. Herstellungsgebiet herrscht bei dieser Form an dieser Stelle eine absolute Einigkeit, da man annehmen kann das diese Kasserollenform als der capuanische „Exportschlager“ gegolten hat.[18]

5.1.2 Kasserollen mit halbrundem Loch

Die Entstehungszeit der Kasserollen mit halbrundem Loch[19] ( E 137 – 138) fällt in die augusteische Ära, wie beispielsweise der Fund von Haltern[20] beweist. Jedoch ist diese Form weitaus langlebiger als es die Form der Schwanenkopfkasserollen sind. Die Kasserollen mit halbrundem Loch kommen, zwar nur vereinzelt, immer noch im dritten Jahrhundert nach Christus vor, wie es der Bronzehort von Martigny in der Schweiz beweist.

Das ursprüngliche Herstellungsgebiet dieser Kasserollenform ist mit Capua zu benennen, obwohl bereits im ersten nachchristlichen Jahrhundert diese Form auch in das gallische Repertoire gehörte. Häufig dienen Verzierungsmotive, in sofern die Kasserollen nicht gestempelt sind, als Indikator für eine nähere Werkstattzuweisung. So deutet beispielsweise das so genannte Haspelmuster[21] auf kampanischen und auf der anderen Seite der barbarisierte Thyrsosstab[22] auf einen gallischen Ursprung hin.

5.1.3 Kasserollen mit rundem Loch

Die Kasserollen mit rundem Loch (Typ E 139 – 144)[23] werden an dieser Stelle gemeinsam aufgeführt. Obgleich diese Kasserollen teilweise nur fragmentarisch vorliegen, hatte Eggers bereits diese Typen in einen älteren (E 139 – 141) und einen jüngeren[24] (E 142 – 144) aufgeteilt. Aus heutiger Sicht kann man sagen, dass eine solche chronologische Reihenfolge bzw. Aufteilung sich nicht im Fundmaterial widerspiegelt und auch nicht nachzuweisen ist.

Im claudisch–neronischem Kontext erscheint sowohl die „ältere“, als auch die „jüngere“ Variante dieses Kasserollentyps im römischen Reich erstmals als gesichert. Letztmalig treten sie im zweiten Jahrhundert auf, wobei auch das Produktionsende beider Varianten übereinstimmen müsste. Jedoch fehlen genauere Angaben, die näheren Aufschluss geben könnten, gänzlich. Hinzu kommt noch, dass jene Kasserollen alle vom gleichen Meister P. Cipius Polybius angefertigt wurden und dessen Produktionszeit im allgemeinen in die Zeit der Kaiser Claudius und Nero fällt. Deshalb erscheint H. J. Eggers Theorie zweier Kasserollentypen, die chronologisch aufeinander folgen wohl wahrscheinlich für überholt.

In den Werkstätten Capuas wurde erstmals diese Kasserollenform hergestellt, doch bereits im ersten Jahrhundert nach Christus erscheint diese Produktion auch schon in Gallien, allerdings kann man damit die Herkunft dieser Form auf die Werkstätten in den beiden Gebieten beschränken. Verständlicher Weise lassen sich gestempelte Stücke[25] und Stücke mit Thyrsos[26] besonders genau identifizieren. Aber auch einzelne Motive in der Dekoration erlauben gute Rückschlüsse auf die Herstellungsgebiete und damit auch auf die Werkstätten.

5.1.4. Exkurs: Die Thyrsosverzierung bei Kasserollen

Besondere Kasserollen sind jene, die auf dem Handgriff eine Verzierung eines Thyrsosstabes aufweisen. Die Thyrsosverzierung ist beispielsweise sehr häufig auf der Schwanenkopfkasserolle und der Blechkasserolle(E 131 – 136, 139)[27] vertreten. Dieses Ornament, dass sich aus Efeu- und Weinranken zusammen setzt, ist nicht nur eine Verzierung, sondern zudem ein Symbol mit einer fest definierten symbolischen Vorstellung. Ferner kann man den Thyrsosstab als Attribut des Gottes Dionysos (bzw. bei den Römern der Gott des Bacchus) und seiner Gefolgschaft zurechnen. Im weiteren Sinne wird dieser Gott als Gott der Vegetation verstanden aus dessen Wirkungskreis ebenfalls eine der gepriesensten Gaben der Welt stammte, der Wein. Zudem erscheint der Thyrsos auch auf zahlreichen Trinkgefäßen.

Somit kann man abschließend postulieren, dass der Bezug der Kasserollen mit Thyrsosstabverzierung als Bestandteil des Trinkservices, bereits aus der symbolischen Bedeutung, eher zu deuten ist als etwa der Handhabung als Kochgeschirr, wobei noch hinzu kommt, dass der lateinische Name für Kasserollen „trullae“ auch schriftlich als Trinkgeschirr überliefert ist. Trotzdem sei letztlich immer noch zu bedenken, selbst wenn viele Indizien für den Gebrauch als Trinkservice sprechen, dass die Kasserollen mit Thyrsos auf dem Griff in Gräbern, also dem uns heute vorliegenden Funden, nicht häufiger mit Trinkgeschirren vergesellschaftet sind als andere Kasserollen.

5.2 Kelle und Sieb

Als Beispiel für das Kellen- und Siebpaar soll uns der nach Eggers benannte Typ E 160[28] (Kellen mit Sieb, mit ruderförmigen Griff) dienen. Diese Kellen- und Siebform ist eine Weiterentwicklung des Typs E 159[29], der diesen zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs bereits verdrängt haben dürfte und ist in die Zeit ab ca. Mitte des ersten Jahrhunderts bis zum zweiten Jahrhundert nach Christi zu datieren. Ferner dürfte die gallische Herkunft relativ gesichert sein. Dafür sprechen die Funde aus den Vesuvstädten, die diese Geschirrform mit Stempeln aus gallischer Produktion gekennzeichnet haben.

Bei der lateinischen Bezeichnung für Kelle und Sieb tritt die Schwierigkeit auf, dass diese für sich benannt sind und nicht in ihrem dualen Vorkommen. Für das Sieb allein lässt sich die Bezeichnung colum[30] anführen, die aber wie angeführt nicht für die Bezeichnung mit Kelle steht. Am ehesten könnte man die Kelle noch mit dem cyathus[31] in Verbindung bringen, jedoch entsteht bei dieser Bezeichnung wiederum eine Problematik, da sich hinter dem Wort cyathus eine Maßeinheit verbirgt. Folglich müssten alle Kellen ein geeichtes System darstellen, jedoch konnte das System bei wissenschaftlichen Überprüfungen diese Anforderungen bekanntlich nicht erfüllen.

Die Klärung des Gebrauchs, also der Funktion, von Kelle und Sieb ist ein stark diskutiertes Themenfeld, in dem sich zwei Standpunkte gegenüberstehen. Zum einen die Deutung als Kochgeschirr und zum anderen die Deutung als Trinkgeschirr.

Zu nächst werden die Argumente der ersten Position aufgeführt und diskutiert. Man könnte annehmen, dass man das Sieb als Durchschlag für Flüssigkeiten, beispielsweise für gekochtes Wasser, das man nicht mehr benötigte, gebraucht. Eine andere Variante wäre das Kellen und Siebpaar mit Öl gefüllt über das Feuer zu halten und mit herausheben des Siebs einen Vorgang auszuführen, der unserer modernen Friteuse recht nahe kommen würde. Doch wirft diese Handhabung einige grundlegende Schwierigkeiten auf.

Ein halbrunder Gefäßboden, so wie man ihn bei diesem Typ vorfindet, verbietet das einfache Abstellen des Gefäßes, zu dem ist ein Dreifuß trotz zahlreicher Funde für diese Form in keiner Weise belegt ist. Ein weiterer Aspekt sind die Griffe. Die Griffe sind bei Kelle und Sieb keine Holzgriffe, sondern bestehen aus Metall. Daraus kann man schließen, dass selbst bei einem relativ langem Stiel, aufgrund der Wärmeleitung, der Nutzer keine Aussichten hat das Gefäß lange in seinen Händen zu behalten ohne sich zu verbrennen. So kommt aus meiner Sicht eine Funktion als Kochgeschirr wohl kaum in Betracht, doch kann man daraus resultierend sofort die Funktion als Trinkgeschirr in Erwägung ziehen?

Bevor man Kelle und Sieb dem Trinkservice zuordnet, sollten auch hier zu nächst die Gegenargumente aufgeführt werden, um die Objektivität zu wahren. Zunächst sei erwähnt, dass bildliche Darstellungen von Kelle und Sieb, die den Weinaufbereitungsvorgang charakteristisch darstellen, fast gänzlich fehlen. Störend wirkt im Gesamtbild vor allem der waagerechte Griff des Paares, der offensichtlich als völlig ungeeignet zum Schöpfen erscheint. Eine weitere Unstimmigkeit ist, wenn die Tatsache des waagerechten Griffs nicht Grund genug ist, das Verhältnis der Mündungen von Kellen zu Eimern, da oftmals die Kellen zum Schöpfen mit ihrem relativ großen Mündungsdurchmesser für die recht kleinen Eimer als ungeeignet erscheinen. Hierfür gibt es jedoch einen Lösungsansatz. Vermutlich dienten die Kellen gar nicht dem Zweck des Schöpfens, sondern vielmehr als ein Auffanggefäß für das vom Sieb gefilterte Getränk, so dass nach diesem Verfahren man das gereinigte Getränk einfach umfüllen konnte. Allenfalls ist es auch möglich die Kelle als „einfachen Tropfschutz“ anzusehen nach dem man das Sieb benutzt hatte.

Ein weiteres Indiz, dass man Kelle und Sieb dem Trinkservice zuordnen kann, zumindest bei den Germanen, sind die germanischen Körpergräber[32], die das Kellen- und Siebpaar beinhalten und mit anderen Trinkgefäßen vergesellschaftet ist.

Letztlich bleibt die eindeutige Funktion des Paares, vor allem aber der Kelle, vergleichsweise unklar, jedoch scheidet eine Nutzung als Kochgeschirr angesichts der aufgeführten Argumente eher aus und eine Zuweisung zum Trinkgeschirr erscheint zunehmend gerechtfertigt.

5.3 Fußbecken mit Eierstabrand

Die älteste Datierung derartiger Becken (Typ E 91 – 92)[33], basierend auf den Bodenfunden, fällt in die augusteische Zeit und reicht wahrscheinlich noch bis in das zweite Jahrhundert nach Christus hinein.

Einigkeit herrscht bei dieser Beckenform über den Entstehungs- bzw. Herstellungsraum. Die Ornamentik und die Qualität, die das Becken ausmachen, weisen fast unwiderruflich auf Capua hin[34]. Sie zeigen ferner in sich die hellenistische Tradition, die in Süditalien auf diese Weise einen Raum gefunden hat und sich in dieser Form widerspiegelt.

Der Verwendungszweck der Fußbecken mit Eierstabrand lässt sich nur über einen Exkurs klären, da genaue Indizien für den Gebrauch dieser Geschirrform fehlen. Aufgrund des Eierstab als Randabschluss lässt sich eine Verbindung zum Becken des Typs E 97[35] („Frühe“ Becken mit festem Griff) postulieren. Letztere sind durch zahlreiche Darstellungen und auf griechischen Vorbildern basierend eindeutig als Waschgefäße anzuführen, wie wohl eine der bekanntesten Darstellung, das Taubenmosaik[36], zeigt.

Den Einwand, die Becken wären eher dem Trinkservice zuzuordnen, da sie auch vergesellschaftet mit Trinkservicen aufgefunden werden, kann man relativ leicht klären. Die Tatsache, dass jene Becken des Typs E 91 – 92, oft mit Trinkservice aufgefunden werden, ist wohl auf die Sitte zurückzuführen, dass den Gästen vor den Mahlzeiten und Gelagen die Füße vom Staub und Dreck abgewaschen wurden.

So erscheint es völlig legitim, diesen Beckentyp ins Waschgeschirr einzugliedern. Bekräftigend kommt hinzu, dass die weiteren Fußbecken ( E 99 – 104)[37] ebenfalls unmissverständlich in die Kategorie des Waschgeschirrs einzuordnen sind.

5.4 Kannen

Aus den Kannenformen sollen uns nun im Folgenden zwei Typen, die Trifoliarkannen und die „gallo – römischen“ Kannen, exemplarisch dienen.

5.4.1 Trifoliarkannen

Chronologisch gesehen ist der Typ E 124[38] , die Trifoliarkanne oder auch Kleeblattkanne, etwa in die augusteische Zeit zu datieren und endet wohl in jenem Fall vor dem Jahr 79 nach Christus. Auch hier sind bei der Entwicklung dieser Kanne die griechischen Vorbilder zu erkennen, die sich in der Produktion der Kanne in ihrer Gestalt widerspiegeln.

Für die Herkunft dieser Kannenform lässt sich, zumindest für die in der Germania libera vorliegenden Funde, Italien (der kampanische Raum) aufgrund der minderen räumlichen Entfernung wohl als Importregion deklarieren. Jedoch sei auch darauf hingewiesen, dass das Service, bestehend aus Kanne und Griffschale, eher eine „östliche Erfindung“ sei und es unwahrscheinlich erscheint, dass die Nachfrage allein von kampanischen Werkstätten gedeckt wurde. Vielmehr muss man wohl auch mit östlichen Werkstätten, die diesen Kannentyp produzierten und exportierten, rechnen.

Für den Gebrauch der Trifoliarkannen gibt es in diesem Fall nicht den geringsten Zweifel. Bildliche Darstellungen und schriftliche Quellen weisen diesem Kannentyp seine Funktion zu. Sowohl im sakralen, als auch im profanen Bereich kann man den Gebrauch einer Art Handwaschgarnitur zuweisen. Dafür spricht auch die häufige Vergesellschaftung mit den Griffschalen E 154 – 155[39], die mit der Trifoliarkanne einen Geschirrsatz bilden[40]. Jedoch kann man sowohl bei den Römern als auch Germanen eine Nutzung als Trinkgeschirr nicht eindeutig ausschließen.

5.4.2 „Gallo–römische“ Kannen

Nach Vergleichsfunden aus Thrakien kann man annehmen, dass die Produktion dieses „Blechkannentyps“ am Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Christus anzusiedeln ist. Die Produktion endet ungefähr zwei Jahrhunderte später, im vierten Jahrhundert nach Christus.

Eine Übernahme der „gallo–römischen“ Kanne (E 128) [41] und zudem eine Weiterentwicklung ist zweifelsohne zu vernehmen, da sie in der Merowingerzeit noch immer existiert.

Wie schon die Eggers´sche Namensgebung vermuten lässt ( „gallo–römische“ Kanne), ist für diese verhältnismäßig einfache und gewöhnliche Kannenform Gallien sicherlich nicht das einzige Herstellungsgebiet. Es ist wohl anzunehmen, dass in mehreren provinziellen Werkstätten der Kannentyp E 128 gefertigt wurde. Boris A. Raev[42] schlägt sogar vor, die Kanne als „thrakisch–römische“ Kanne zu bezeichnen, da er diesen Typ eher in dieser Region beheimatet sieht.

Als gesichert, im Gegensatz zu der Funktion der Kannen, erscheint immerhin der lateinische Gefäßname urceus. Das Gebrauchsfeld selbst bzw. die Verwendungsmöglichkeiten sind sowohl im Küchengeschirr, als auch im Trinkgeschirr in Erwägung zu ziehen. Auf der einen Seite steht die Meinung, dass dieser Kannentyp als Weinbehälter genutzt wurde und auf der anderen Seite kommt eine Benutzung als Ölbehälter ebenfalls in Betracht. Aus den uns vorliegenden bildlichen und schriftlichen Quellen kann auf diese Weise leider keine Funktionszuweisung erschlossen werden.

Eine Nutzung dieses Kannentyps als Weinkanne erscheint nicht unbedingt plausibel, da der Klappdeckel ein Verdunsten des Weines nicht aufhalten würde, jedoch sei ebenfalls zu bedenken, dass die einfachen Weinkrüge des römischen Reiches in der Regel auch keinerlei Verschluss aufwiesen. So ist ein luftdichter Verschluss nicht zwingend ein Merkmal, das gegen die Nutzung der Kanne des Typs E 128 als Weinkanne angeführt werden kann.

Die zweite Möglichkeit ist die der Ölkanne. Ein luftdurchlässiger Klappverschluss, wie er gerade beschrieben worden ist, würde das Öl ausreichend vor ungewünschtem Staub schützen, der das Öl unbrauchbar machen würde. Anderseits ergibt sich an dieser Stelle ein ähnliches Problem wie für den Wein zuvor. Bei einer länger andauernden Aufbewahrung würde das „offene“ Öl im Hinblick auf seine Qualität relativ schnell ranzig werden und damit unbrauchbar.

Aus diesen Gründen ergibt sich für keine Darstellung ein Vorteil in ihrer Verwendung, sowohl Wein als auch Öl erscheinen bei einer längeren Unterbringung in dieser Kannenform nicht als die geeigneten Substanzen.

6. Schlussbetrachtung

Mit der eintretenden historischen Konstellation im nordwestlichen Mitteleuropa, die im zweiten Punkt erläutert wurde, ist für den Archäologen, als auch Historiker eine neue und bessere Wissensgrundlage in Bezug auf die „Germanen“ entstanden. Dieses Wissen, basierend auf vereinzelten germanischen Quellen und vor allem den schriftlichen und bildlichen Quellen der Römer, verdanken wir eine relativ weit gefassten Überblick. Man muss dabei jedoch bedenken, die durchaus subjektiv gefassten Texte auf kritische Weise in die Forschung einzubeziehen. Darüber hinaus zeigen aber auch Kartierungen archäologisch nachgewiesene Konzentrationen (z.B. Siedlungsgebiete und Bestattungsplätze). Jedoch sollte die Fundkartierung in diesem, wie in jedem Fall mit Vorsicht genossen werden, da sie nur ungefähre Angaben machen kann, wie in diesem Fall die Bestimmung der Sitze einzelner germanischer Stämme anhand von Fundgruppen die regional Merkmale aufweisen.

Wie bereits beschrieben reichte der Einfluss, der vom Römischen Reich ausging, weit über den Limes und das Limesvorland hinaus. Belege dafür sind die römischen Gegenstände (die wir heute als römischen Import bezeichnen; siehe dritter Punkt), die ihrem Besitzer als wertvolle Prestigeobjekte in das Grab mitgegeben wurden oder nach langer Nutzung als Bruchstücke unter den Abfall germanischer Siedlungen gerieten.

Doch wieso sind die Studien mit und über Metallgefäße überhaupt von Bedeutung und Interesse in der heutigen Wissenschaft?

Ein maßgeblicher Grund hierfür liegt wohl in der Frage der absoluten Datierung der römischen Kaiserzeit. Durch den verheerenden Vesuvausbruch und den Untergang von Pompeij, der unglaubliches Unglück und Leid den Menschen brachte, hat die Wissenschaft heute aus dem Schicksal heraus die Möglichkeit und das „Glück“ einen Fixpunkt in der absoluten Chronologie zu besitzen.

Ferner bringen die Studien auch diverse Aufschlüsse des täglichen Lebens, d.h. vor allem Sitten und Bräuche, aber auch soziale Stellungen können durch diverse Objekte abgelesen werden.

Ein besonderes Augenmerk liegt zu dem noch auf den Metallgefäßen, da diese bereits in der Lage sind, einen umfassenden Überblick über die römische Kaiserzeit zu liefern. Nicht zu letzt verdanken wir diesen Forschungsstandpunkt, den wir heute erreicht haben, Hans – Jürgen Eggers, der bereits sehr früh umfangreiche Studien zu den Metallgefäßen erarbeitet hat. Wünschenswert wäre es diese Arbeit weiterhin mit Daten, Fakten und neuen Gesichtspunkten fortzuführen und auszuweiten(wie z.B: Jürgen Kunow). Dabei wäre es von Bedeutsamkeit auch einen größeren Schwerpunkt auf die Erforschung von Produktionsstätten zu legen, da oftmals diese Komponente fehlt um Funde präziser in den Kontext einzugleidern.


[1] Gaius Julius Caesar (100 – 44 v. Chr.), römischer Feldheer und Staatsmann, schrieb um 52 v. Chr. den „Commentarii de bello Gallico“ (zu den Germanen besonders: Kap 1, S. 31 – 54; Kap. 2; 4, S. 1 – 19; Kap. 6, S. 21 – 28.

[2] Publius Cornelius Tacitus (ca. 55 – 120 n. Chr.), römischer Staatsmann und Historiker. Wichtigste Werke: 98 n. Chr. „Agricola“ und „Germania“ (De origine et situ Germanorum); weitere Werke: „Annales“ in 16 Büchern, sowie „Historiae“ in 14 Büchern.

[3] vgl. B. Krüger, Die Germanen. Mythos – Geschichte – Kultur – Archäologie. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 29. (Langenweissbach 2003). S. 4 f.

[4] Die Varusschlacht wurde unter anderem von Velleius Paterculus in seiner Historia Romana (29/30 n. Chr.) beschrieben und verfasst.

[5] vgl. J. Herrman(Hrsg.), Die Germanen. Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Handb. Bd. 2 (Berlin 1988). S. 281 – 287.

[6] Dabei sind „Grenzen“ durchaus als überschreitbare Linien zu definieren und nicht im Sinne unüberwindbare Mauern zu verstehen.

[7] vgl. D. Baatz, Der römische Limes² (Berlin 1975).

[8] vgl. H. J. Eggers, Der Römische Import im freien Germanien. In: Atlas der Urgeschichte 1. (Hamburg 1951). S. 74 f.

[9] vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). siehe S. 192 Karte 22 (Beispiel: „Verbreitung des Trinkservices Eimer, Kelle/Sieb und Trinkgefäß(e)“).

[10] vgl. B. Krüger, Die Germanen. Mythos – Geschichte – Kultur – Archäologie. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 29. (Langenweissbach 2003). S. 91 f.

[11] An dieser Stelle wurden spezielle Funde aus Sachsen-Anhalt als Beispiele ausgewählt.

vgl. H. Meller (Hrsg.), Schönheit, Macht und Tod. 120 Funde aus 120 Jahren Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Begleitband zur Sonderausstellung vom 11. Dezember 2001 bis 28. April 2002. (Halle(Saale) 2001). S. 112 f. (Nr. 35 Leuna); S. 222 f. (Nr. 89 Schkopau); S. 234 f. (Nr. 94 Quetzdolsdorf); S. 254 f. (Nr. 103 Gommern).

[12] z.B. in Stein gemeißelte Inschriften mit deren Deutung sich die Epigraphik beschäftigt und der Archäologie wertvolle Aufschlüsse liefert.

[13] Hierfür gibt Hilgers eine sehr übersichtliche Zusammenstellung zur Beziehung, Funktion und Form der Gefäßnamen.

[14] vgl. W. Hilgers, Lateinische Gefäßnamen. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher 31. (Düsseldorf 1969). S. 291 ff.

[15] vgl. W. Krämer, Neue Ausgrabungen in Deutschland ( Stuttgart 1958). S. 200 mit Abb. 22.

[16] siehe Abb. 131 – 133 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[17] zu nennen währen beispielsweise die Kastelle Augsburg-Oberhausen und Haltern.

[18] vgl. H.-J. Eggers, Eine römische Kasserolle aus der Weser bei Bremen und ihr Kreis. In: Bremer Arch. Bl. 4, 1965, S. 18 ff.

[19] siehe Abb. 137 und 138 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[20] vgl. H.-J. Eggers, Zur absoluten Chronologie der römischen Kaiserzeit im Freien Germanien. In: Jahrb. RGZM 2, 1955, S. 213.

[21] :vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). S. 63, Abb. 9.

[22]ders. S. 56 Abb. 7.

[23] siehe Abb. 139 bis 144 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[24]vgl. H. Willers, Neue Untersuchungen über die römische Bronzeindustrie von Capua und von Niedergermanien (Hannover/ Leipzig 1907). Abb. 44 ff.

[25] vgl. J. Kunow, Der römische Import in der Germania libera bis zu den Markomannenkriegen. Studien zu Bronze und Glasgefäßen (Münster 1983). S. 63, Abb. 10.

[26] ders. S. 56, Abb. 6 und 7.

[27] siehe Abb. 131 bis 136 und 139 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[28] siehe Abb. 160 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[29] siehe Abb. 159 in den Abbildungsnachweisen S. 20

[30] vgl. W. Hilgers, Lateinische Gefäßnamen. In: Beihefte der Bonner Jahrbücher 31. (Düsseldorf 1969). S. 105f.

[31] ders. S. 166ff.

[32] vgl. Skelettgrab von Uggelose, Seeland. Dieses datiert in die jüngere Kaiserzeit und stellt ein vollständiges Trinkgeschirr, aus einem Eimer mit Gesichtsattachen E25 – 26, Kelle mit Sieb E 161 und drei Glasgefäßen, sowie eine einheimische Tontasse, dar.

[33] siehe Abb. 91 und 92 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[34] vgl. J. Werner, Die Bronzekanne von Kehlheim. In: Bayer. Vorgeschichtsbl. 20, 1954, S. 58f. und

I. Lindeberg, Die Einfuhr römischer Bronzegefäße nach Gotland. In: Saalburg-Jahrb. 30, 1973, S. 9f.

[35] siehe Abb. 97 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[36] vgl. H. Willers, Die römischen Bronzeeimer von Hemmor (Hannover/Leipzig 1901). S. 136 Abb. 58.

[37] siehe Abb. 99 bis 104 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[38] siehe Abb. 124 in den Abbildungsnachweisen S. 21.

[39] siehe Abb. 154 und 155 in den Abbildungsnachweisen S. 21

[40] vgl. H. – U. Nuber, Kanne und Griffschale. Ihr Gebrauch im täglichen Leben und die Beigabe in Gräbern der römischen Kaiserzeit. In: Ber. RGK 53, 1972, S. 96 ff.

[41] siehe Abb. 128 in den Abbildungsnachweisen S. 21.

[42] vgl. B. Raev, Die Bronzegefäße der römischen Kaiserzeit in Thrakien und Mösien. In: Ber. RGK 58, 1977, S. 616 f.

  1. #1 von Michael Rechta am 13. Juli 2009 - 18:45

    noch in bearbeitung…literatur und bilder folgen

(wird nicht veröffentlicht)