Das „Lutherhaus“ in Wittenberg

Grundsätzlich schließen die 40 000 Funde des 16. Jh. aus dem Lutherhaus in Wittenberg zeitlich an die Funde des Elternhauses in Mansfeld an.

Die Funde spiegeln neben den Übergang zur frühen Neuzeit, ebenso die gestiegenen Ansprüche in der Wohnkultur, in Küche und Tafelsitten. Zu Letzt sind ebenso Einflüsse von zunehmender Bildung breiterer Schichten, politische Verhältnisse und Mentalitäten der Reformationszeit, des Humanismus, der Renaissance und der Luthertheologie im Fundmaterial abzuleiten. Vordergründig sind diese Prozesse anhand der Ofenkacheln1 zu erkennen. Die Funde umfassen vielfältige Werkstoff- und Funktionsgruppen. So bezeugen zahlreiche Letter unter den Metallfunden und sonstige Hinterlassenschaften eine Druckerei des 16. Jh.2 am Lutherhaus in Wittenberg. Leider sind umfangreicher Funde und Befunde bislang noch nicht abschließende bearbeitet worden.

Schwerpunkt der Untersuchungen 2004/2005, unter der Leitung von Herrn Rode aus Leipzig, bildet das kleine turmartige Gebäude mit einer Latrine, das an dem Südtrakt des Augustinerkonventes angefügt3 worden ist. Auffällig sind die stark mit Abfällen von Küche und Tafel angereicherten Schichten der 1. Hälfte bis Mitte des 16. Jahrhunderts. An Funden aufgenommen wurden Keramik, Metall, Knochen, im geringeren Umfang Glas, jedoch kaum organische Reste. Als Schatz- oder Verlierfund werden 16 Münzen, aus dem Befund 106, angesprochen. Datiert werden die Münzen in den Zeitraum von den 1530 bis 1560er Jahren.

Es war Möglich den Umbau und die Vergrößerung des Gebäudes nach der Hochzeit mit Katherina von Bora 1525 nachzuweisen.4 Der Höhepunkt der Bautätigkeit wird auf den Zeitraum von 1531 – 1540 festgelegt, wobei 1532 Luther das Kloster als von Steuern befreites Anwesen durch Kurfürst Johann Friedrich den Beständigen erhielt. Genauer wird die Entstehung der „Lutherstube“ datiert auf 1535 – 1538. 1526 wurde ein Brunnen im Küchentrakt angelegt und 1541 neue Badestube mit Wanne5 hergerichtet.

Nach Luthers Tod (1546), der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) und letztlich der Krankheit und des Todes Katherinas konnte die Stellung des Hauses nicht aufrecht gehalten werden. Bereits 1563 wird von dem desolaten Zustand des Anwesens berichtet. Aus ökonomischen Gründen ist das Gebäude samt Grundstück an die Universität im Jahre 1564 veräußert worden. Weitere Umgestaltungsmaßnahmen konnten auf den Zeitraum von 1565 – 15676 begrenz werden.

Fußnoten:

1Stephan, 2008, 111.

2Stephan, 2008, 112.

3 Stephan, 2008, 17.

4 Stephan, 2008, 18.

5 Stephan, 2008, 19.

6 Stephan, 2008, 20.

Literatur:

Reinhard Schmitt, Zur Baugeschichte des Augustiner- Eremitenklosters in Wittenberg, In: Hrsg. Harald Meller, Stefan Rhein, Hans- Georg Stephan, Luthers Lebenswelten, Tagungen des Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Bd. 1 (Halle/Salle, 2008) 177 – 191.

Reinhard Schmitt/Mirko Gutjahr, Das „schwarze Kloster“ in Wittenberg, In: Hrsg. Harald Meller, Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators, Begleitband zur Landesausstellung (Halle/Saale, 2008) 132 – 139.

Hans- Georg Stephan, Archäologie der Reformationszeit. Aufgaben und Perspektiven der Lutherarchäologie in Sachsen- Anhalt, In: Hrsg. Harald Meller, Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators, Begleitband zur Landesausstellung (Halle/Saale, 2008) 108 – 113.

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

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