Grabungen am „Luthergeburtshaus“ Eisleben

Schwerpunkt der Untersuchungen im Zusammenhang mit Martin Luther in Eisleben bildete die archäologische Erforschung der Langen Gasse. Im Jahre 1872 ist diese in die Lutherstraße umbenannt worden. Lokalisiert wird die Lutherstraße außerhalb des wohlhabenden Marktviertels am südöstlichen Rand der Altstadt von Eisleben. Betreffendes Viertel ist ebenso unter Petrieviertel bekannt, dessen Name sich von der zuständigen Pfarrkirche ableitet.

Im Zuge des verheerenden Brandes 1689, bei dem die gesamte südliche Altstadt abbrannte, wurden das Luhterische Geburtshaus zerstört. Vier Jahre später, 1693, ist auf dem ehemaligen Luthergrundstück durch die Stadt Eisleben ein neues Gebäude errichtet worden. Untergekommen sind ein Erinnerungsraum für Martin Luther, eine Armenschule und eine Bibliothek. Dieses Gebäude galt lange Zeit als das original Luthergeburtshaus1 und wird weiter als Museum genutzt2.

Bei den Grabungen 2005 und 2006 im „Luthergeburtshaus“ und seiner näheren Umgebung konnten die Archäologen lutherzeitliche Baubefunde feststellen. Als Höhepunkt der Ausgrabungen gilt die Freilegung der Überreste des 1689 abgebrannten Gebäudes unter dem Gebäude Lutherstraße 16, das historisch als „Luthersgeburtshaus“ bezeichnet wird.

Schriftlichen Überlieferungen zufolge wurde Martin Luther 1483 in einem Haus, auf dem Grundstück der heutigen Lutherstraße 16 (einst Lange Gasse) geboren. Bereits vor dem großen Brand von 1689 wurde der Bau durch die Stadtbrände 1498, 1601 und 1679 bedroht, konnte jedoch nach Überlieferungen zufolge stets gerettet werden. Am 19. Juli 1689 jedoch brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern ab3. Spätere Legendenbildungen minimierten das tatsächliche Schadensbild, erst im Zuge der Ausgrabungen wurde dies deutlich. Aus archäologischer Sicht können heute keine Aussagen mehr über die westliche Gebäudehälfte gemacht werden. Mangelhafte Sanierungsmaßnahmen und weiter Umbauarbeiten ohne Rücksicht auf die historische Substanz des Gebäudes sind die wesentlichen Gründe.4

Wie bereits erwähnt ist im Jahr 1693 der Nachfolgebau errichtet worden.

Zwischen beiden Bauten lassen sich folgende Unterschiede ausmachen.

Das Geburtshaus war ein kleines Haus mit vorstädtischem Charakter, der Nachfolgebau hingegen glich einem städtischen Repräsentationsbau. Der Nachfolgebau wird nun „Luthergeburtshausmuseum“ genannt5.Funde des Hauses waren verkohlte Balken, Reste eines einphasigen Lehmbodens über der Kellergewölbeabdeckung und Keramikfragmente aus dem 15./16. Jh. Im Zuge der Untersuchungen in der Lutherstraße 18 ist im Hinterhof ein großes technisches Wasserbecken freigelegt worden, dass eine gewerbliche Nutzung des Areals entlang der Bösen Sieben andeutet.

Fußnoten

1 Matthes (2) , 2008, 114.

2 Matthes (2) , 2008, 115.

3 Matthes, 2008, 80.

4 Matthes, 2008, 81.

5 Matthes, 2008, 86.

Literatur:

Christian Matthes, Die Archäologische Entdeckung des Luthergeburtshauses in Eisleben  In: Hrsg. Harald Meller, Fundsache Luther – Archäologen auf den Spuren des Reformators, Begleitband zur Landesausstellung (Halle/Saale, 2008) 114 – 119.

Christian Matthes (2), Ausgrabungen als stadttopografische Untersuchungen innerhalb und im Umfeld des „Luthergeburtshauses“ in Eisleben In: Hrsg. Harald Meller, Stephan Rhein, Hans- Georg Stephan, Luthers Lebenswelten, Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle Band 1 (Halle/Saale, 2008) 79 – 90.

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

  1. Bisher keine Kommentare.
(wird nicht veröffentlicht)