Töpferhandwerk der Renaissance

Folgender Artikel “ Töpferhandwerk der Renaissance” wird an Hand von ausgewählten Beispielen einen Einblick in die innere Organisation des Handwerks geben. Des weiteren ist auf die Bedeutung der archäologischen und historischen Quellen für die Forschung des genannten Themas zu verweisen. Mit Hilfe der Beispiele soll veranschaulichend die Produktion eines Gefäßes, die anschließende Veräußerung der Ware und die Bedeutung von Zunftordnungen dargestellt werden. Zusammenfassend werden im Fazit verallgemeinernd die an Hand der Beispiele gewonnenen Erkenntnisse nochmals aufgeführt.

1. Verarbeitung des Tons bis zum Gefäß

1.1. Tongewinnung

Eine Vorraussetzung zur Herstellung von Töpfereiprodukten ist die Gewinnung von Ton. Im folgenden Absatz wird dies am Beispiel Rheinhessen, dem heutigen Rheinland- Pfalz und Coppengrave, gelegen im Kreis Hildesheim, dargestellt.
Für die Anfertigung von irdenem Geschirr benötigten die Häfner zwei verschiedene Sorten Ton.[1] Häufig wurde der Ton für gewöhnliche Gebrauchsware auf töpfereigenen Grundstücken angebaut. Musste das Material aus dem gemeindeeigenen Gebiet bezogen werden, so war dies gegen eine gewisse Gebühr möglich.[2] Der Rohstoff, meist von den Töpfern selbst mit Unterstützung eines Gehilfen, wurde im Tagebau gewonnen.[3] Diesbezüglich ist anzumerken, dass der Ton meist im Frühjahr oder im Spätsommer gestochen worden ist.[4] Anschließend wurde das Material zunächst neben der Entnahmestelle oder in unmittelbarer Nähe der Töpferei gelagert, um eine grobe Lockerung unter atmosphärischen Einwirkungen, im Winter oder Sommer, zu erzielen. In Coppengrave wurde der geschichtete Ton in einer Grube neben der Töpferei deponiert. Um eine homogene Tonmasse zu erhalten, galt es als notwendig, dem Rohmaterial eine gewisse Menge an Wasser zu zuführen. Innerhalb jener Bearbeitungsphasen konnte, wenn nicht natürlich vorhanden, dem Ton eine Magerung zugesetzt werden.[5] Nachdem der Ton abgestochen war, lagerten die Rheinhessischen Töpfer diesen in eigens dafür vorgesehenen Räumlichkeiten feucht und kühl. Ausgelegt auf einer Steinplatte oder auf einem großen schemelartigen Gestell, folgte eine feinere Bearbeitung.[6] Anschließend wurde der Ton ausgewaschen, wobei mit dem überflüssigen Wasser ebenfalls Verunreinigungen oder eingeschlossene Luftblasen ausgespült wurden.[7] Verschnitten wurde der grobgereinigte Ton mit sichelartigen Messern. Um das Rohmaterial anschließend weiterverarbeiten zu können war ausreichendes Durchkneten von Nöten.[8]

1.2. Herstellung der Ware

Von den mittelalterlichen Töpfern wurde zur Formung der Ware eine sich relativ langsam drehende Blockscheibe genutzt.[9] Auf einer Achse befand sich eine frei aufgehängte Holzscheibe, die mittels einer durch Sprossen verbundenen leichteren Scheibe mit den Füßen in Bewegung gehalten wurde. Als Alternative war im 17. Jahrhundert die Spindelscheibe, die sich gleichmäßiger und ohne andauernde Beinarbeit bewegte, in Gebrauch.[10] In Höhe der Fensterbank befanden sich Ablagemöglichkeiten um Farbtöpfe, Werkzeuge und andere Geräte griffbereit abstellen zukönnen. Mit nackten Füßen, auf einer Bank sitzend, hielt der Häfner die Töpferscheibe in Bewegung. Die Eisenwelle der Scheibe lief mit der Spitze auf einem Bleilager. Oben in der Halterung war die Spitze in eine Speckschwarte gepresst, um mit wenig Kraftaufwand einen guten gleichmäßigen Lauf zu erhalten. Neben dem Töpfer stand ein meist viereckiges flaches Wassergefäß. Jenes diente zum Anfeuchten der Hände. Des weiteren konnte damit der schnell trocknende Ton geschmeidig gehalten werden. Formhölzer, die im Mittelalter zur Ausformung von Graten und Rändern genutzt worden sind, sorgten für eine größtmögliche glatte Oberfläche. Abgemessen per Gefühl oder Waage wurde der Ton zentriert auf der Scheibenmitte angepresst.[11]
Den Spuren an den Gefäßböden ist zu entnehmen, dass ein fertiges Produkt mit einem Draht, an dessen Ende jeweils ein hölzender Griff befestigt war, von der Scheibe abgetrennt worden ist.[12] Die Ware wurde auf Bretter in der Werkstatt selbst oder in einem Schuppen, im Sommer auch im Freien zum Trocknen aufgestellt. Um Platz ein sparen zu können, hingen die Gefäße an der Decke oder an der Wand.[13] In dieser Phase musste die Feuchtigkeit, die notwendig war um den Ton verarbeiten zu können, entzogen werden. Der Ton wurde lederhart, da sich die zuvor mit Wasser gefüllten Poren mit Luft füllten. Auf diese Weise konnte die Gefahr einer Rissbildung während des Brandes minimiert werden. Nach 3 bis 4 Tagen Trocknungszeit verringerte sich die Größe der Keramik.[14]
Das Einsetzen der Ware wurde meist von den Töpfermeistern selbst vorgenommen. Bei den liegenden Öfen musste die Abschrägung des Bodens beachtet werden, der ein senkrecht Stapeln im Ofen unmöglich machte. Für das Rheinland sind ab dem 16. Jahrhundert Brennhilfen bekannt, die eine Rissbildung besonders am Gefäßboden verhinderten und ein leichteres Stapeln der Ware ermöglichten. Verschiedene Hitzezonen in den Öfen schlossen eine willkürliche Platzierung der Gefäße im Ofeninnenraum aus. Zu beachten war, dass die Gefäße weder zu weit voneinander, noch zu nah aneinander gestellt werden durften, damit eine gleichmäßige Wärmeleitung gewährleistet war. Besondere Vorrichtungen, sogenannte Ofensäulen, dienten in manchen Ofentypen einer gleichmäßigen Wärmeverteilung und der Stützung des Ofengewölbes.[15] Als nächster Arbeitsschritt ist das Einschmieren der Ofentür mit Lehm zu nennen, um ein Entweichen der Wärme zu verhindern. Das Brenngut wurde erst mit Stroh, dann mit Reisig und schließlich mit Kleinholz vorgeheizt. Anschließend steigerte man langsam die Hitze mit Eichen- oder Buchenholz.[16] Nachdem die Ware gebrannt worden war, konnte diese nicht sogleich aus dem Ofen genommen werden. Mit geschlossenem Feuerloch, aber geöffneten Zuglöchern ruhte der Ofen einen Tag, da Temperaturschwankungen zu einer Rissbildung hätten führen können. Der Meister prüfte während seines “Scherbengerichtes” mit Klopfen an der Keramik, ob sie für den Verkauf geeignet, oder in Folge von Produktionsfehlern unbrauchbar war. Fehlbrände wurden häufig in die Tonentnahmestellen für den Ofenbau oder in die Abbaugruben verbracht.[17] Um das poröse Geschirr zu verdichten und das Aussehen zu verschönern, wurde die Ware mit Glasuren und Engoben überzogen. Die Härte und Farbe der Oberflächen wurde durch Glasuren bestimmt. Grundstoffe der Glasuren wurden in einer Glasurmühle hergestellt, wobei die Stoffe mehrfach gemahlen, anschließend gewässert und getrocknet wurden.[18] Eine Engobe wurde aus besonders hellen und feinen bzw. gefärbten Schichten des Tones gewonnen, welche eine intensive natürliche Färbung aufwiesen. Zuführung von Wasser erfolgte nur bis zu der Entstehung eines dünnflüssigen Breies. Jene angeschlämmte Schicht musste einen Tag trocknen, ehe die Gefäße damit überzogen werden konnte. Um die gebrannten Produkte verzieren zu können, wurden jene auf eine Scheibe gesetzt und mittels eines Malhorns dekoriert. Zum Malhorn ist anzumerken, dass es sich um ein kleines Tongefäß oder ein Kuhhorn handelte, welches an der Spitze durchbohrt und mit einem Gänseferderkiel oder einem Rohrstengel versehen war. Mit Hilfe dieses Rohres konnte der Schlicker, verdünnter Ton mit Farbe vermischt, präzise auf die Keramik aufgetragen werden.[19] Der Federkiel berührte während des Verzierens nur leicht die Oberfläche. Da Verbesserungen durch einen zügigen Trocknungsvorgang nicht möglich waren, musste der Töpfer schnell und sicher arbeiten. An verdickten Stellen der Zeichnungen erkennt man den Ansatzpunkt des Malhorns. Nachweislich wurden für komplizierte Motive gelegentlich Schablonen genutzt.[20] Farben der Verzierungen setzten sich aus Mineralien zusammen, die entweder in verschieden Tonschichten enthalten waren oder künstlich dem Schlicker beigemischt wurden. Hierbei kamen Salze, Oxide, bestimmte Metalle wie Kupfer, Eisen, Mangan und Kobalt zur Verwendung.[21] Im Allgemeinen beruhten die Rezepte für Glasuren auf Familientradition und wurden in der Regel nicht an Dritte weitergegeben.[22] Zu bemerken ist, dass die Organisation innerhalb der Töpferfamilien dem Prinzip der Arbeitsteilung unterlag. Familienväter, Söhne, eventuell auch Schwiegersöhne gruben den Ton, drehten die Gefäße und brannten die Ware. Die nicht erwachsenden Kinder halfen bei der Aufbereitung des Tones sowie beim Aus- und Einsetzen der Ware, sofern dies der Meister zuließ. Henkeln und Verzieren der Produkte zählten zu den Tätigkeitsfeldern der Frauen.[23]

2. Organisation des Töpferhandwerks

2.1. Die Rolle der Zünfte

Bekanntermaßen wurde das Handwerk oft durch Zunftordnungen reglementiert. In diesen Statuten war die Anzahl der Töpfer, die Zahl der Brände, die Größe der Öfen sowie die Qualität der Ware geregelt. Darüber hinaus enthielten sie Regelungen in Bezug auf die Ausbildung eines Töpfers. Im folgenden Absatz wird unter anderem an Hand der Kreuznacher Zunftordnung die innere Organisation des Töpferhandwerks dargestellt. Die Kreuznacher Häfnerzunftordnung war Bestandteil der im Jahre 1614 auf Erlass des Landesherren formulierten Handwerkssatzungen. Es ist darauf aufmerksam zumachen, dass es sich nicht um eine Zunft mehrerer zwangsweise zusammengeschlossener Handwerkszweige handelte. In 21 Artikeln wurden neben der Lehrzeit die Aufnahmebedingungen in die Bruderschaft, der Verkauf des Geschirrs, das Verhältnis zwischen Meistern und Gesinde bestimmt.[24] Ausführt wurde im ersten Artikel wann es einem Meister gestattet war, einen Lehrjungen anzunehmen. Als Lehrlinge konnten meist die eigenen Söhne der Meister oder Söhne anderer Meister in den Dienst des Töpfers treten. Mit Ausnahme des Meistersohnes mussten alle Jungen 30 Gulden Lehrgeld für drei Lehrjahre zahlen. Jeweils zwei Gulden davon kamen der Herrschaft und dem Handwerk zu Gute. Als Aufwandsentschädigung für den Unterhalt und die Ausbildung erhielt der Meister 26 Gulden. Um Kinder sozial schwächerer Familien den Einstieg in das Töpferhandwerk zu ermöglichen verzichtete der Lehrmeister in manchen Fällen auf sein Gehalt. Jeweils zwei Gulden an die Herrschaft und Handwerk waren jedoch weiterhin fällig. Die Lehrzeit wurde bei den betreffenden Jungen auf vier oder fünf Jahre verlängert. Nach abgeschlossener Ausbildung war es dem Töpfer untersagt, in den folgenden drei Jahren wieder einen Lehrjungen aufzunehmen. Wenn in einer Werkstatt entgegen den Verordnungen zeitgleich zwei Lernende arbeiteten mussten vier Gulden Strafe gezahlt werden.[25] Abgesehen von notwendiger Nachfolge im Töpferhandwerk konnte durch diesen Artikel das Auskommen der in Kreuznach ansässigen Töpfer gesichert werden. Da nicht gleichzeitig mehrere Lehrjungen ausgebildet werden konnten und eine Wartezeit von drei Jahren zwischen den Auszubildenden lagen wurde ein Überschuss an Fachkräften verhindert. Erfahrungsgemäß wurde das Angebot auch im Bezug auf die Arbeitskräfte durch die Nachfrage geregelt. Dem nächsten Artikel ist zu entnehmen, dass ein Meisterstück abgegeben werden musste um den Meistertitel tragen zu können. Jenes sollte vorschriftsmäßig von zwei unabhängigen Töpfermeistern bewertet werden. Ortsansässige Töpfer waren im Gegensatz zu Fremden nicht autorisiert sich in die Bruderschaft einzukaufen.[26] Neben dem zweiten Artikel befasste sich auch der Dritte mit dem Vorhaben Meister zu werden. Wie im zuvor genannten Paragraph erwähnt musste sich ein Fremder, der in Kreuznach den Titel des Meisters anstrebte gegen eine Gebühr von vier Gulden in die Bruderschaft einkaufen. Das von allen Anwärtern geforderte Meisterstück war innerhalb einer Monatsfrist fällig. Bei der Arbeit handelte es sich um zwei sogenannten “Elkacheln“ (Eckkacheln) und einen Kachelverband, der rechtwinklig verlegt werden musste. Als weitere Prüfung war die Herstellung von Kreuzkacheln vorgesehen,[27] vier Kacheln, die auf Grund eines sich ergänzenden Ornamentes zusammen gehören. Wurde die Meisterprüfung nicht erfolgreich abgeschlossen, so waren ein Gulden an die Herrschaft, sowie an die Zunft als Strafe fällig.[28]
Im folgenden Abschnitt sollen anhand der Vorgänge beim Untergang des Töpferhandwerks in der Gemeinde Hagen die Vorteile von Zunftordnungen erläutert werden. Tonvorkommen in der näheren Umgebung des Ortes, der nahe liegende Goldbach, der Holzreichtum in den umliegenden Bergen, stellten günstige Faktoren für eine Ansiedlung der Töpfer dar. Das Gebiet um Hagen galt noch bis in das 19. Jahrhundert hinein als ein Zentrum des niederdeutschen Töpfergewerbes. Mittels schriftlicher Quellen konnte die Tradition des Hagener Töpferhandwerkes weit in das 16. Jahrhundert zurück verfolgt werden. Aussagen über die Töpfer, ihre Produktion sowie der Verbreitung ihrer Ware fanden sich in dem umfangreichen Pfarrarchiv der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Hagen, den Stadtarchiven in Osnabrück und Münster, sowie in Steuerregistern und Rechnungsbüchern.[29] Um die Wende der achtziger und neunziger Jahre des 17. Jahrhunderts starb das Handwerk in Hagen aus. Für das 16./17. Jahrhundert ist bislang keine Töpferzunft nachweisbar. Infolge dessen war ein Schutz des einheimischen Handwerks vor der ins Land drängenden auswärtigen Konkurrenz nicht gewährleistet. Ohne eine Zunft war des weiteren die kontinuierliche Förderung des Nachwuchses dem Zufall überlassen. Da für die Ausbildung keine festen Regeln aufgestellt worden sind war das Ausbildungsniveau stark von den individuellen Verhältnissen und Interessen des Meisters abhängig. Anzunehmen ist, dass nicht frühzeitig genug mit der Betreuung geeigneten Nachwuchs begonnen wurde. Diesbezüglich ist anzumerken, dass in diesen Fällen auch jedem Unausgebildeten die Ausübung des Handwerks freigestellt wurde. Nachweislich bestanden unter den Töpferfamilien zum Teil enge verwandtschaftliche Beziehungen, die in einem intensiven Austausch von Kenntnissen der Produktionstechnik mündeten.[30] Zusammenfassend ist zusagen, dass wahrscheinlich der fehlende Schutz vor auswärtiger Konkurrenz, fehlendes Fachpersonal und geringes Interesse an der Weiterführung der Betriebe zu dem Untergang des Hagener Töpferhandwerks Ende des 17. Jahrhunderts führte.

2.2. Vertrieb der Ware

Im folgenden Abschnitt wird der Vertrieb der Ware am Beispiel der Weser- und Werrerware, sowie der Hagener Irdenware behandelt. Letzteres dient in der weiteren Betrachtung als Beispiel für die wirtschaftliche Bedeutung des Töpferhandwerks. Zu dem Verbreitungsgebiet der Werrer- und Weserware ist darauf aufmerksam zu machen, dass entsprechende Karten ausschließlich für die Renaissance vorliegen. Was wiederum die Weserware anbelangt scheint jene einen relativ gleichmäßigen, intensiven Absatz in zahlreiche Haushalte der Gebiete Nordwestdeutschlands mit Einschluss von Schleswig- Holstein gefunden zu haben. Die Werrerware hingegen wurde in Hessen, Nordwestthüringen, Küstennahe Orte der Nordsee und dem holländischen- englischen Seehandelsraum veräußert. Für das Mittelalter ist eine gute Etablierung der Weserware nachgewiesen. Fraglich jedoch scheint, ob in den älteren Epochen Keramik überhaupt als Handelsgegenstand anzusehen ist. Möglicherweise fungierte sie lediglich als Behältnis, wenn überhaupt als Beigabe, zum eigentlichen Handelsgut wie Wein, Bier oder Honig. Erst aus dem Jahr 1595 existiert ein konkreter Handelbeleg. Aus jenem ist zu entnehmen, dass allen Anschein nach Heiligenstädter Töpfer Werraware als Exportartikel direkt an holländischen Kaufleute weitergaben. Auf deren Schiffen mit geringer Tonnage wurden neben Holz und Gefäßen aus Glas ebenfalls Keramik transportiert. Der Handel mit Weser- und Werrerware erfolgte fast ausschließlich stromabwärts, von den südlich gelegenen Produktionsstätten in Richtung Norden.[31]
Als weiteres Beispiel dient die Gemeinde Hagen [32] am Teutoburger Wald, 10 km südlich von Osnabrück.[33] Im beginnenden 16. Jahrhundert lebten in jener Gemeinde ca. 700 bis 800 Einwohner, deren Zahl im Laufe des 17. Jahrhunderts fast konstant blieb. Tätigkeitsfelder der Anwohner erstreckten sich hauptsächlich im Bereich der Landwirtschaft. Nur ein geringer Teil arbeitete haupt- oder nebenberuflich als Handwerker, insbesondere als Töpfer. Erste indirekte Hinweise auf ein Töpferhandwerk in Hagen finden sich in den Steuerregistern Anfang des 16. Jahrhunderts.[34] Aufgeführte Namen wie Poth, Pötter oder Potkamp deuten auf eine Ausübung des Töpferhandwerkes hin. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass der Ausdruck “Pötter” im norddeutschen Raum die übliche Bezeichnung eines Töpfers war.[35]
Die Hagener Bevölkerung setzte sich zum größten Teil aus Bauern beziehungsweise Kleinbauern zusammen, welche hauptberuflich, oder als Nebenerwerb eine Töpferwerkstatt unterhielten. In Zeiten einer geringen Nachfrage nach Töpfereiprodukten konnte die Landwirtschaft zumindest das Existenzminimum sichern. Aus jener Vorgehensweise resultierte die Tatsache, dass sich einige Hagener Töpfereien in kontinuierlicher Folge mehrere Generationen halten konnten. Eine enge Verzahnung der wirtschaftlichen Bedeutung des Handwerks, mit der Anzahl der Töpfer und ihrer Beschäftigten, der konjunkturellen Situation und der Entwicklung innerhalb des Erwerbzweiges, sowie äußerer Faktoren wie Kriege, ist nicht von der Hand zuweisen. Als wichtigster Indikator für die ökonomische Lage der Betreffenden ist die Steuererhebung zu nennen.[36] Auswertungen der Viehsteuerregister der Jahre 1555, 1557, 1561 und 1566 ist zu entnehmen, dass die Höfe, auf denen getöpfert wurde, über einen verhältnismäßig hohen Viehbestand verfügten. In den Steuerregistern Ende des 16. Jahrhunderts zählten die Besitzer jener Höfe fast ausschließlich zu den “ wohlhabenderen”, steuerlich höher veranschlagten Gemeindemitgliedern.[37] Während des 30- jährigen Krieges verstärkte sich diese Tendenz, im Jahr 1626 war ¼ aller Familien der Gemeinde verarmt, jedoch befand sich kein Töpfer unter ihnen. Foglich hob das ausgeübte Töpferhandwerk beziehungsweise der Töpferhandel diese Höfe aus der Masse der im Krieg verarmten Kleinbauern heraus.[38] Allerdings ging Ende des 17. Jahrhunderts das Hagener Töpferhandwerk mit dem Tod der wichtigsten Töpfer zu Grunde.[39]
Das nicht nur für die eigene dörfliche Gemeinschaft produziert wurde begründet die Anzahl der gleichzeitig in Hagen betriebenden Werkstätten. Amtrechnungen der Zeit von 1559 bis 1629 bezeugen Irdenwarelieferungen auf die Iburg, die Tecklennurg, nach Osnabrück und in das 45 km entfernte Wiedenbrück. Im Übrigen muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass eine abschließende Aussage über das Absatzgebiet nicht allein an Hand der Amtsrechnungen getroffen werden kann.[40] In der Regel wurden die Konsumgüter in einem Nahbereich von 20 bis 30 km abgesetzt, jedoch ist bisher nicht geklärt, ob die Hagener Töpfer zur Veräußerung ihrer Produkte umher zogen. Des weiteren steht die Frage offen, ob die Irdenware, ähnlich wie der auswärtigen Importware, auch durch Krämer in den Dörfern verkauft, oder auf den Jahrmärkten der Region angeboten wurde. Da beide Arten des Vertriebes im 18., 19. und 20. Jahrhundert noch geläufig waren, ist an zu nehmen dass jene schon im 16. Jahrhundert praktiziert wurden.[41] Mit Sicherheit steht jedoch fest, dass das Geschirr auf dem, in diesem Jahr erstmalig abgehaltenden, “Hagener Markt” ausgelegt worden ist. Es ist anzunehmen, dass der größte Anteil der Ware durch Topfhändler vertrieben wurde, ohne die ein regionaler Absatz kaum möglich gewesen wäre. Besonderst die bäuerliche Bevölkerung der Umgebung bezog ihr Geschirr, wie auch später im 18. und 19. Jahrhundert, von umherziehenden Topfhändlern. In den Amtsregistern des Jahres 1559/1560 finden sich erste Hinweise für den gelegentlichen Abkauf der Irdenware von den Händlern durch das Schloss Iburg. Dort genannte “Elßkenn vann Hagen“ belieferte 1561/1562 erneut die Iburg. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Höckerin, eine von Haus zu Haus ziehende Kleinhändlerin, von welcher zu vermuten ist, dass sie die Ehefrau eines Töpfers war.[42] Die Topfhändler [43] aus Hagen boten hauptsächlich die Erzeunisse des ihnen benachbarten oder verwandten Töpfers an. Augenscheinlich galt der Hausierhandel mit Irdenware als nicht sonderlich lukrativ, jedoch wurden jene Händler im Gegensatz zu ganz Armen, auch nach dem 30- jährigen Krieg noch steuerlich erfasst. Nach 1649 finden sie in den Hagener Quellen keine Erwähnung mehr, da das Geschirr in den folgenden Jahren größten Teils auf den Jahrmärkten in Osnabrück verkauft worden ist.[44] Für den Transport kleinerer Stückzahlen, maximal 20 bis 22 Teile, galt die Tragekiepe bis in das 19. Jahrhundert hinein als übliches Transportmittel. Größere Lieferungen ab einer Stückzahl von 30 erforderten aufgrund ihres Gewichts eine größere Kraft, als ein erwachsener Mann sie zumindest für eine längere Strecke hätte aufbringen könne. In jenen Situationen wurde das Verkaufsgut mittels einem Pferd und einem strohgepolsterten Wagen ausgeliefert.[45]

3. neuzeitliche Steinzeugtöpfereien des Rheinlandes

3.1. Köln/ Frechen

Die Anfänge der Keramikproduktion in Köln beziehungsweise Frechen sind bislang noch ungeklärt. Überlieferungen zu Folge wurden Anfang des 16. Jahrhundert in den Orten außer Irdenware, noch salzglasiertes Steinzeug hergestellt. Der aus den rechhaltigen Vorkommen der Umgebung Frechens stammende Ton zeichnete sich durch einen dunkelgrauen Scherben aus. Besonderheit des Frechener Tones ist die Braunfärbung der Oberfläche durch eine eisenhaltige Engobe und einem oxidierenden Brand nach dem Salzen.[46]
Ende des 15. Jahrhunderts gewann das Töpferhandwerk langsam an Bedeutung und verdrängte im 16. Jahrhundert für kurze Zeit die führende Stellung Siegburgs. Verziert mit dekorativen Ranken- und Bildauflagen entwickelte sich das Steinzeug von einer reinen Gebrauchskeramik zu ein qualitätsvollen und kostbaren Kunstware. Nachweislich arbeiteten in Köln vier Töpfer, genannt Krugbäcker. Aufgrund der von den Werkstätten ausgehenden Brandgefahr waren jene nicht gern in der Stadt gesehen. Die beim Salzen freiwerdenden giftigen Chlorgase, der enorme Holzverbrauch und der Konkurrenzkampf mit den Düppenbäcker veranlassten den Rat der Stadt immer wieder das Brennen der Öfen zu verbieten oder die Einfuhr des Tones aus Frechen zu verhindern. Bei Missachtungen der Anordnungen wurden bis 1548 Geld- und Leibesstrafen verhängt. In den Jahren 1555 und 1556 ist ein Großteil der Öfen von städtischen Beamten niedergerissen worden. Die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Töpferzünften und dem Rat der Stadt beeinträchtigten die wirtschaftliche Produktivität dieses Handwerkszweiges. Betroffene sahen sich gezwungen nach Frechen, Raeren und Siegburg auszuwandern. Vergleiche der Töpfermeisteranzahl aus den Jahren 1536 bis 1554 verdeutlicht jene Abwanderung. Waren es 1536 noch 11, betrug die Zahl 1554 noch 4. Im Gegensatz zu den Düppenbäcker waren Kannerbäcker in Köln nur noch bis 1564 urkundlich nachweisbar.[47]
Ende des 16. Jahrhunderts und zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatte das Frechener Töpfergewerbe trotz Brandschatzungen im Truchsessischen Krieg ein gutes Auskommen. Einige Handwerker unterhielten neben ihren Töpfereien noch landwirtschaftliche Betriebe, um in schlechten Zeiten nicht Hunger leiden zu müssen. Im Verlauf des 30 jährigen Krieges verschlechterte sich, wie in anderen Töpfereizentren ebenfalls, die Lager der Töpfer in Frechen. Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Depression erschwerte 1626 die Sperrung der Schifffahrt auf dem Rhein den Vertrieb der Ware auf den Märkten.[48] Auch Hexenprozesse, plündernde Banden und Truppen verunsicherten die Umgebung von Frechen. Da modeunabhäniges Gebrauchgeschirr hergestellt wurde, blieb das Töpfergewerbe bis in das 19. Jahrhundert hinein das ökonomische Standbein des Ortes. Im Gegensatz dazu wurde im Westerwald, Raeren, Altenrath überwiegend hochwertiges Tafelgeschirr hergestellt, das nach Aufkommen neuer Trinksitten und Keramikarten aus der Mode kam. Anders wie in Köln, Siegburg und dem Westerwald ist das Handwerk in Frechen nicht durch eine Zunft geregelt worden. Erst 1856 bildete sich eine Töpferinnung, die durch 55 Statuten das Metier bestimmte.[49]

3.2. Siegburg

Ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich Siegburg zu einem Töpfereizentrum, dass über 400 Jahre als Keramikproduktionsstätte das Rheinland dominierte. Die ausgezeichnete Lage an der Sieg, einem Nebenfluss des Rheines, der bis zum 16. Jahrhundert noch schiffbar war, ermöglichte große Mengen an Keramik zu exportieren. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts bildete sich im Norden des mittelalterlichen Stadtkern, vor den Stadttoren in der Aulgasse ein Töpfereizentrum. Deren Entstehung stand in enger Beziehung mit den reichhaltigen Tonvorkommen des Lohmarer Waldes. Der Name “Aul” stammt von dem altdeutschen “ul” beziehungsweise von dem, aus den Lateinischen stammenden, Wort “olla”, dessen Bedeutung Topf war. Bis zum ausgehenden 12. Jahrhundert ist in dieser Gasse neben Keramik der Pingsdorfer Art auch schwarzgebrannte Kugeltöpfe, kleine Kugelbecher ohne Standfuß Paffrather Art und frühe Siegburger Irdenware angefertigt worden. Die Siegburger Keramik trat im 13. Jahrhundert als grob geformte, grau bis rotbrauntonige Gefäßtypen. Anzuführen sind die Beispiele Kugeltöpfe, Krüge und Becher, die bevorzugt mit Drehrillen am Gefäßkörper verziert wurden. Beständiges Steinzeug angefertigt ab Mitte des 14. Jahrhundert wurde durch eine vollständige Versinterung der Tonmasse steinhart und wasser undurchlässig. Da jenes gegenüber großen Temperaturschwankungen empfindlich war eignete es nicht als Kochgeschirr und fand weitgehend als Trinkgeschirr Verwendung. In folge der Entwicklung der Salzglasuren im 16. Jhd., die säure unempfindliche Eigenschaften aufwiesen, eignete sich das Steinzeug des zum Aufbewahren von Lebensmitteln.[50] Die Technik des Salzglasierens basierte auf der Zugabe von Natronsalz während des Brennvorganges in den Ofen. Ab einer Temperatur von 1250 ° C verdampfte dieses und legte sich als farblose, glänzende Glasschicht über die Gefäße. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass keine giftigen Substanzen, wie Bleioxid, und geschmacksverändernde Substanzen, ähnlich der Bleiglasierten Irdenware mehr auftraten. Die anfänglich groben und plumpen Formen des 14. Jahrhunderts sind im Laufe des 15. Jhd. zu schlanken und präzise geformten Gefäßen weiterentwickelt worden. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden diese Gefäße in größerer Stückzahl angefertigt und über ganz Europa verhandelt. Jedoch wirkte sich das Fehlen künstlerischer Impulse nachteilig. Die im 15. Jhd. einfachen Muster wurden am Ende des 16. Jahrhunderts durch komplizierte Bilder oder florale Ornamente mit Anlehnung der zeitgleichen Kupferstiche ersetzt. Um 1430 entstanden erste zunftähnliche Töpferbestimmungen, deren Inhalt die Anzahl der Öfen in Siegburg und die Qualität der hergestellten Ware regelten. Des weiteren wurden in diesen Bestimmungen, die mit wenigen Veränderungen bis zum 18. Jahrhundert gültig waren, die Zulassungskriterien für Anwärter des Siegburger Töpferhandwerks festgelegt.
Erst nachdem die Kölner Töpfer nicht mehr produzieren durften erlangte das Gewerbe in der zweiten Hälfte des 16. Jhd. einen Aufschwung. Zeitgleich wurde in Siegburg begonnen auf den ungebrannten Scherben eine kobaltblaue Smalte zu den Auflagen hinzu zufügen. Da einem im Westerwald lebenden, aus Siegburg stammenden Töpfern als einziger in der Umgebung erlaub war “Blauwerk” herzustellen, ist an zunehmen dass diese Technik des kobaltblauen Färben ihren Ursprung in Siegburg hat. Einer Urkunde des Jahres 1598 zufolge beschwerte sich dieser Töpfer Namens Kneutgen, dass ein anderer Töpfer hingegen der Zunftstatuten von 1591, “Blaugebacken” hat. Als Begründung dieser Beschwerde wurde genannt, dass in Siegburg “von alters her wie auch noch zur Zeit die zugleich weißen und blauen, gesalzenen und glasurten Kannen und Arbeit zu allererst gemacht, erfunden und gebacken worden sind”.[51]
Mitte des 17. Jahrhunderts bricht die Produktion in Siegburg fast vollständig ab. Vermutlich hing dies mit der Zerstörung der Aulgasse während des 30- jährigen Krieges von 1618 bis 1638 zusammen. Es ist darauf hinzuweisen, dass zu dieser Zeit bereits in Siegburg nur noch wenig Ware herstellt worden ist. Bereits 1583 erlitt die Töpferindustrie durch den Wegzug des Töpfers und Vogts Anno Kneutgen in den Westerwald einen schweren Rückschlag.[52] 1646 wurden in dem “Verzeichnis der Oelenenschuldigkeiten wegen der gepachteten erden ahm Weißberg” nur noch sieben Töpferbetriebe genannt. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation, hervorgerufen durch die allgemeine wirtschaftliche Depression, steigende Rohstoffpreise und kriegsbedingten Handelsschwierigkeiten, sank die Zahl der Töpfer im Laufe weniger Jahre auf drei. Aus den Siegburger Gerichts- beziehungsweise Ratsprotokollen von 1631 bis 1654 ist zu entnehmen, dass einige Töpfer nicht mehr ihren Zahlungspflichten nachkommen konnten. Aus diesem Grund mussten jene regelmäßig vor Gericht und dem Rat der Stadt erscheinen. Diese wenigen Dokumente bezeugen eine, ähnlich wie in Frechen, hohe Verschuldung der Töpfer im 17. Jahrhundert. Hierbei ist anzumerken, dass zu dieser Zeit das Verhältnis zwischen den Äbten aus Siegburg und den Zünften geprägt durch konfessionelle Auseinandersetzungen war. Dies mündete in erheblichen Behinderungen für die Töpfer bei der Ausführung ihres Handwerkes endete. Zahlreiche Zünfte wurden auf Befehl des Abtes gesperrt und Werkstätten geschlossen. Um sich gegen diesen kirchlichen Sanktionen ernsthaft wehren zukönnen, schlossen sich die Töpfer 1637 in einem “Monopolitischen Kontrakt” zusammen. Jener richtete sich gegen die, von der Abtei auferlegten, Zunftstatuten richtete.[53] In folgenden Jahren verschwand das Handwerk aus dem Erscheinungsbild der Stadt Siegburg.

3.3. Langerwehe

Das als Steinzeugzentrum bekannte Dorf Langerwehe liegt am Rande der Eifel zwischen Aachen und Düren.[54] Im Laufe des Mittelalters verlagerte sich Besiedlung vom Rymlesberg an die alte Pilger- und Heeresstraße am Fuß des Berges. Im Wester lag der Ortsteil “Uhlhaus”, in dem die Töpfer ansässig waren. Am Wehebach entstand das Dorf “Zur Wehe” was in nachfolgenden Jahren mit dem Ortsteil “ Uhlhaus” zu einer geschlossenen Häuserkette zusammen wuchs. Für diese Gemeinde setzte sich im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Langerwehe durch.[55]
Töpfereiabfälle der Pingsdorfer Art belegen, dass ab dem Hochmittelalter in Landerwehe Keramik hergestellt wurde. Ein Großteil der Funde wurde in die Zeit des 14. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert, in die Blütezeit des Töpfergewerbes, datiert. Exportiert wurden die bräunlichen, zum Teil salzglasierten Steinzeug nach Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Groß Britannien, Norddeutschland und Skandinavien. Niederländische Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts belegen die Verwendung der Produkte in bürgerlichen, bäuerlichen Küchen sowie Schenken. Ende des 16. Jahrhunderts ist mit der Herstellung großer, bis über 1m hohen, braun engobierten Vorratsgefäßen, den sogenannten Baaren [56] worden. Jene dienten zur Aufbewahrung von Lebensmitteln.[57]
Das Straßenpflaster im Bereich der ehemaligen Töpferein bestand nicht aus Steinen, sondern aus gebrannten, faustgroßen Tonbruchstücken [58]. In zusammengesetzter Form ergaben sich ringförmige Gebilde [59]. Jene Steinzeugringe sind nicht nur als Bestandteile des Straßenpflasters sekundär genutzt worden, sondern fanden ebenfalls Verwendung als Leitungsrohre. Im Außendurchmesser variierten die Ringe zwischen 22 und 32 cm, die Ringstärke schwankte zwischen schmalen 2 cm und dicken 9 cm. In diesem Kontext ist anzuführen, dass in Begleitung der Ringe tauchten bei Untersuchungen des Pflasters weitere Objekte der gleichen Farbe, zwischen grau, graubraun bis braun auftauchten. Diesbezüglich handelte es sich um rechteckige Blöcke mit rechteckigen Querschnitt, trapezförmige Blöcke mit rechteckigen Querschnitt. Des weiteren wurden Keile in zwei unterschiedlichen Ausführungen, mit gerader Schmalseite oder abgerundetem Rücken, freigelegt [60]. Sowohl die Steinzeugringe als auch die Blöcke stellen ein Sortiment an Hilfsmitteln für das Einsetzen der Ware in den Ofen dar.[61] Den Forschungen zufolge stehen jene Ringe im Zusammenhang mit den brauen, universell einsetzbaren Vorratsgefäßen, den schon erwähnten Baaren, die in der Neuzeit die Produktion in Langerwehe dominierten. Da die meisten Brennringe ausschließlich Spuren von dem sogenannten Kronenfuß der Baaren auswiesen ist sicher, dass nur dieser Gefäßtyp auf den Ringen stand [62]. Der unterschiedliche Ringdurchmesser steht in Verbindung mit den variierenden Größen der Baaren. In Langerwehe sind liegende Öfen, dessen Brennräume mit einer ansteigenden Sohle versehen waren, gebaut worden. Datiert wurden die Öfen mittels archäologische Funde einmal in das 14. und 15. Jahrhundert und einmal in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.[63] Die unterschiedliche Dicke der Brennhilfen dienten zum Ausgleich des Gefälles der Brennofensohle beim Einsetzen der Ware. Mit vertieften Fingerabdrücken wurde die Seite markiert, auf der das Gefäß stand. Da die Töpfer beim Brand ein erhebliches Temperaturgefälle ausgleichen mussten, wurde die Ware unterschiedlich gemagert. Zu beachten war, dass im trockenen Zustand die Zusammensetzung der Tonmasse nicht sichtbar war. Aus diesem Grund wurden die Brennhilfen mit verschiedenen Kennzeichnungen versehen. Aufgrund des Schwindungskoeffizienten beim Brennen war es Notwendig, die Brennhilfe aus der gleichen Tonmischung zuformen, wie das Gefäß selbst. Demzufolge muss zu jedem Ring ein massenmäßig passender Baarentyp bestanden haben.[64] Jene Vorgehensweise galt im Westerwald, in Speicher und in Adendorf ebenfalls üblich.
Aufgrund des Zusammenbackens der Keramik mit den Brennhilfen wird erkennbar, dass ebenfalls die Blöcke mit unterschiedlichen Formen als Brennhilfen dienten. Zuerst wurden in den Öfen, über den Zügen beziehungsweise auf der Sohle, die trapezförmigen oder rechteckigen Blöcke gelegt. Auf dieser Basis befand sich der Tonring, der wiederum die Unterlage für das erste Gefäß bildete. Um die Ringe oder Blöcke in die richtige, waagerechte Position zubringen, sind Keile untergeschoben worden. Über den ersten Baaren wurden weitere gestapelt. Anführt werden muss, dass der Kronfuß des Aufliegers knapp vor dem inneren Rand der Fahne des Trägers saß. Dank dieser Vorgehensweise ging der Druck der Zehen direkt in die Wandung und gefährdete nicht die Fahne selbst.[65] Aus brenntechnischen und ökonomischen Gründen waren die Töpfer bemüht den Restraum über den Baaren mit kleineren Gefäßen zu nutzen. Mit der mehrstöckigen Baarenpyramide[66] auf dem Steinzeugring hatten die Töpfer ein System gefunden, dass den Einsatz von Brennringen in Zwischenlagen unnötig machte. Durch seine Abstand haltenden Funktion und der Durchlässigkeit gegenüber der Flamme und des Glasurgases machte der charakteristische Kronenfuß den Einsatz von weiteren Brennhilfen überflüssig.[67] Die Entwicklung dieses einmaligen Systems und die außerordentliche Haltbarkeit, bedingt durch den Stoß unempfindlichen Kronenfuß, begründet die Spezialisierung der Langerweher Töpfer auf diesen speziellen Gefäßtyp.[68]
Die Kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhundert brachten auch in Langerwehe den Handel fast zum Erliegen. 1673 von spanischen Truppen belagert, 1690 durch Franzosen teilweise zerstört, schlossen sich 1706 acht Töpfer zu einer Zunft zusammen, um für ein “besserem auffkommen unßeres handwercks”[69] zu sorgen. Am Ende des 18. Jahrhunderts hatte das Handwerk durch die gespannten politischen Verhältnisse der französischen Revolution und steigende Kosten der Rohmaterialien seinen Tiefpunkt erreicht. Erst nach der Befreiung des Rheinlandes von den französischen Truppen erholte es sich langsam.[70]

4. Untersuchungen von Töpfereien mittels historischer und archäologischer Quellen

4.1. Altenrath

Der Ort Altenrath wurde während des mittelalterlichen Landersausbaus zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert gegründet. Es gehörte zunächst dem Auelgau, einer frühmittelalterlichen Gebietseinteilung an der unteren Sieg, an. Begrenzt wurde Altenrath im Westen durch den Rhein, im Norden durch die Linie Much und Lohmar, sowie Niederkassel. Im Osten umgeben von Herchen und Nümbrecht und im Süden durch Königswinter, entwickelte sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts der Ort zu einer großen Lutheranischen Gemeinde.[71]
Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung eines Töpfergewerbes in Altenrath waren die zahlreichen Tonvorkommen in der Umgebung. Das zunftfreie ländliche Gewerbe erleichterte die Eröffnung von einigen Töpfereien, da die Produktion im Gegensatz zu den Städten nicht an die strengen Zunftordnungen gebunden war. Hiezu ist abzumerken, dass der Belgische Landherr Herzog Wolfgang Wilhelm versuchte die Produktion von Luxusgütern gezielt zufördern. Dementsprechend versuchte er Einwanderer zu gewinnen und anzusiedeln, was in den Städten wiederum durch die Zunftordnungen unterbunden wurde.
Nach archäologischen und historischen Quellen konnten zwei Töpfereien lokalisiert werden, die ca. 250 bis 300 m voneinander entfernt liegen. Jene befinden sich an der heutigen Fughafenstraße, der ehemaligen Alt Kölner Straße, die bis ins 20. Jahrhundert noch ein wichtiger Handelsweg von Siegburg nach Köln war.[72] Ein 20 cm mächtiges Pflaster aus großen Grauwackebrocken wurde bis in 1,50 m Tiefe unterhalb der Straßenoberkante beobachtet. Darunter befand sich ein 30 cm dickes Schichtpaket aus Töpfereiabfällen, die im 17. Jhd. zur Fundamentierung oder Ausbesserung der Straße dienten[73]. Dieses Schichtpaket dient als unterstützendes Element der Töpfereinlokalisierung an der Alt Kölner Straße.[74] Des weiteren geben die Flurnamen Hinweise auf die Lager der Töpferwerkstätten, beziehungsweise deren Töpfereiabfällen. Zunennen ist der “Scherfelberg in der Taube”. “Scherfel” stammt von dem hochdeutschen Wort Scherbe ab, das Bruchstück oder irdener Topf bedeutet. Der Zusatz “-berg” deutet auf eine große Menge Scherben hin, wie sie nur von Töpfereiabfällen bekannt sind. Erstmalig wurde “in der Taube” in einem Testament von 1604 erwähnt. Auf einen unfruchtbaren Boden bzw. Staunässe, deutet die Bezeichnung “taub” hin, da der tonig- lehmige Untergrund sehr feucht ist. Hierzu kommt die Volksmündliche Bezeichnung Altenraths als “Üleschhüsje” , welche für die Anwesenheit einiger Töpfer spricht.[75]
Den historischen Quellen zufolge begann die Steinzeugproduktion vermutlich um 1635. Der Westerwälder Töpfer Leonard Mennicken heiratete 1634 in Siegburg die Tochter des Siegburger Töpfers Knütgen. In Siegburg nach dem Hochzeitsjahr nicht mehr nachweisbar, tauchte er in den Kirchenbüchern Altenraths auf. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass diese jedoch erst 1653 beginnen und eine genaue Datierung der Übersiedlung daher nicht zulassen. Anzunehmen ist, dass der Töpfer Matthias Lutz seine Werkstatt in Altenrath zwischen 1642 und 1653 aufgebaut hat und diese bis 1662 existiert haben muss. Zwischen 1651 und 1653 zog dessen Schwiegersohn Heinrich Knütgen nach Altenrath, dort ist er 1653 in den Quellen fassbar.[76] Der Briefwechsel zwischen dem Siegburger Abt Berham von Bellinghausen und Wolfgang Willhelm, Pfalzgraf und Herzog von Jülich, Cleve und Berg, aus den Jahren 1636/37 verdeutlicht die Folgen der Altenrather Zuwanderungspolitik im Bezug auf die Töpfer. Am 12.05.1636 forderte der Abt die ehemaligen Siegburger Bürger auf, wieder zurückzukehren, um ihre zerstörten Häuser aufzubauen und Abgaben zuleisten.[77] In einem Antwortschreiben, erstellt am 06.04.1637 drohte Herzog Wolfgang Willhelm mit Strafaktionen, sofern der Abt alle Bürger Altenraths nicht unbehelligt lasse.[78]
In den Jahren 1635 bis 1683 waren nachweislich 5 Töpfer tätig, jedoch erlosch die Töpfereiproduktion am Ende des 17. Jahrhunderts. Die ärmliche Struktur des Dorfes, die steigende Produktivität der Westerwälder Töpfereien und die in Deutschland herrschende wirtschaftliche Depression durch kriegerische Auseinandersetzungen in Europa führte zum Niedergang des Altenrather Töpfergewerbes.[79]

4.2. Linz in Österreich

Nach dem heutigen Forschungsstand ist der Gebäudestand in Linz[80] hauptsächlich in die frühe Neuzeit zu datieren. Erste Hinweise auf den Ort finden sich in einer Urkunde von 799 mit einer Erwähnung der St. Martin Kirche. Jene Kirche rückte in das Interesse der Archäologien, die von 1976 bis 1979 mit Flächengrabungen inner- und außerhalb der Martins Kirche ihre Untersuchungen begonnen. Da das Linzer Schloss dem Kaiser Friedrich III als Residenz diente, wurden in Linz weiter Untersuchungen vorgenommen. Im Schloss ist das Innere des Torturms auf Vorgängerbauten hin untersucht worden, wobei die Ausgräber auf Bestattungen, datiert in das 8. bis 11. Jahrhundert, stießen. Während der Ausgrabungen am Altstadtplatz konnten Teile von Chormauern der spätmittelalterlichen Dreifaltigkeitskapelle feigelegt werden.[81] Durch baugeschichtliche Forschungen zwischen dem Hauptplatz und der Stadtpfarrkirche wurden Mauerstrukturen an der einstigen östlichen Stadtmauer von Linz festgestellt. Außerhalb jener Mauern sind die Gewerbebetriebe, wie Gerber, Fischer und eines Töpfers zu lokalisieren.
Bei Ausschachtungen eines Kellers im Frühjahr 2001 stieß man auf die Überreste von einer Töpferwerkstatt. Der 7×4 m große Keller lag im Nordosten des 20x15m großen Grundstückes[82]. Gelegen ist das Grundstück im Vorfeld des östlichen, unteren Teil des mittelalterlichen Stadtgrabens. Bis in 16. Jahrhundert hinein war der angesprochene von Überschwemmungen bedroht. Erst in der frühen Neuzeit entwickelte sich die östliche Vorstadt mit der Ansiedlung verschiedener Handwerkszweige. Bevorzug wurde diesen Gebiet aufgrund der Nähe zu Wasser. Bei der Befundbeschreibung der gemauerten Grube B[83] fiel auf, dass diese eine dichte Verfüllung mit Keramik aufwies. Genannte Grube, mit rechteckiger Form, ist mindestens 0,9 m in den Boden eingetieft worden. Ausgemauert wurde jene mit Schotter, versetzten Bruchsteinen und hellgrauem Mörtel. Aus einer 2 bis 5 cm mächtigen, dunkelgrauen, kompakten Lehmschicht, benannt als B1, bestand der Boden. Hierzu wird angenommen, dass sie zur Abdichtung gestampft wurde. Am Ende der Nutzung wurde die Grube mit einer 0,3 bis 0,4 m starken, dunkelbraunen Schicht, benannt als B2, verfüllt. Im unteren Bereich traten zahlreiche hellbraune, feine Kalkmörtelspuren auf. Der Rest der offenstehenden Grube wurde mit Keramikbruch, genannt B3, verfüllt. In jener Schicht waren noch einige hellgelbe, amorphe Lehmeinschüsse nachweislich. Eine Mauer, bezeichnet mit M1, gelegen über der Grube B, konnte in dem Westprofil des Schachtes beobachtet werden. Es handelte sich um eine in Nord- Südrichtung verlaufende, ca. 0,7 bis 0,8 m starke Mauer aus großen Bruchsteinen und gelben, sandigen Mörtel. Erwähnter Keramikbruch der Schicht B3 muss spätestens bei dem Mauerbau in die Grube gelangt sein.[84] Der Grubeninhalt bestand teils aus Klumpen zusammengepressten, verworfenen Gefäßen. Diesbezüglich wird angenommen, dass es sich um Abfälle der Produktion einer Hafnerei handelt. Ein Großteil der gebrannten und zerscherbten Töpfe waren mit Hafnermarken[85] versehen. Im Verlauf nähere Untersuchungen wurde festgestellt, dass der größte Anteil des Fundmaterials aus reduzierend gebrannten Töpfen, Henkeltöpfen und Krügen bestand. Jene wiesen an den Rändern oder Henkeln Töpfermarken auf. Innerhalb eines runden oder ovalen Feldes hat der Stempel ein Kreuz mit drei Querbalken auf einem dreieckigen Fuß oder Sockel. Dieses Kreuz wird in der Literatur als Wiederkreuz bezeichnet. Nachweislich gab es mehrere Varianten des Kreuzes, die sich in Größe, Proportion und Details unterscheiden. Nach der Maßgabe des Platzes wurden kleinere oder größere Abwandlungen des Stempels genutzt. In diesem Kontext ist darauf aufmerksam zu machen, dass neben Kerben und Dellen auch schräge Einschnitte oder vertikale Rillen[86] auf den Henkeln als Töpfermakierungen nachgewiesen sind. Eine weitere Fundgruppe stellen die Ofenkacheln, von denen einige zum Teil vollständig rekonstruierbar waren. Jene sind reduzierend gebrannt worden und zum Teil mit Graphit gemagert. Es handelt sich um einfache Schüsselkacheln mit einer quadratischen Öffnung und Haftrillen oder um Blattkacheln. Sie waren an der quadratischen Seite geschlossen und zu einer Schaufläche gestaltet sind. Mindestens drei Kacheln sind belegt, deren Schauseite mit dem Buchstaben “W”[87] verziert worden ist. Jedoch ist in diesem Fall noch unklar ob es sich dabei um einen Hinweis auf den Namen des Töpfers handelt. Des weiteren wurde eine grünglasierte Blattkachel der Renaissance[88], mit einer Fünfblättrigen Rosette auf der Schauseite verziert, sichergestellt. Genannte diente als Indiz für eine Datierung der Töpferei. Aufgrund der technologischen Übereinstimmungen stammen die Kacheln aller Wahrscheinlichkeit nach, aus der selben Werkstatt wie die gestempelten Töpfe.[89] Der technischen und formalen Einheitlichkeit der Fundmasse zufolge und das zahlreiche Auftreten der selben Hafnerzeichen auf Gefäßen und Kacheln, lassen den Schluss zu das die Funde Produkte der Linzer Hafnerei darstellen. Die ungebrannten, lederharten Gefäßfragmente, die zum Teil ebenfalls vergleichbare Töpfermarken aufwiesen, sind als Abfall einer Töpferwerkstatt zu interpretieren. Nur durch Vergleiche mit historisch oder dendrochronologisch datierten Fundkomplexen konnte die zeitliche Stellung der Linzer Funde erschlossen werden. Für feinchronologische Untersuchen sind die Kacheln und Töpfe nicht am geeignetsten, da nicht bestimmt werden kann inwieweit die einfachen Produkte für den längeren Gebrauch vorgesehen worden sind. Datiert werden die Funde in die zweite Hälfte oder Ende des 16. Jahrhunderts. [90]

5. Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Ansiedlung eines Töpfereibetriebes im Allgemeinen in einem direkten Zusammenhang mit der Häufigkeit des Auftreten der Arbeitsmaterialen stand. Günstige Tonvorkommen sowie Wasser- und Holzreichtum bildeten das Fundament für eine erfolgreiche Errichtung einer Töpferei. Hinweise über die Lage der Wirkungsbereiche finden sich, neben Archäologischen Befunden, in historischen Quellen wie Steuerregister, Rechnungsbücher. Jenen sind Aussagen über die im Ort tätigen Handwerker, im speziellen Töpfer, deren Produktion und die Verbreitung der Ware zu entnehmen. Weitere Aufschlüsse über die Organisation des Berufes, den Absatzmarkt usw. geben Amtsrechnungen, Zunftordnungen oder Klageschriften. Mit Hilfe der Flurnamen können ehemalige Töpfereibetriebe grob lokalisiert werden. Die Flurnamen bezeihen sich meist auf die Veränderung eines Gebietes, des Bodens oder der Oberflächengestaltung durch die Ansiedlung einer Töpferei.
Um in schlechten Zeiten nicht mittellos zu sein, war es mancher Orts üblich, sich Neben- oder Hauptberuflich noch der Landwirtschaft zu widmen. Im 30jährigen Krieg, geprägt von einer wirtschaftlichen Depression, konnte jene Vorgehensweise die Existenz vieler Töpfer sicherstellen. Weitere Informationen über Töpfereien können demzufolge auch Quellen liefern, die nicht direkt mit dem Handwerk in Verbindung stehen. Folgerecht geben zum Beispiel Viehschatzregister Auskunft über die Größe des Hofes, beziehungsweise des Betriebes.
Bekanntermaßen wurden handwerkliche Berufe meist durch Zunftordnungen reglementiert. Auch das Töpferhandwerk wurde zum Teil mit Hilfe einer Zunft organisiert. In den Städten unterlag dieser Erwerbszweig meinst Zunftordnungen, die den unter anderem die Anzahl der Töpfer im Ort, die Qualität und Quantität der Ware und die Ausbildung festlegten. Im Gegensatz dazu waren kleinere Orte oder Dörfer Zunftfrei, das zum Teil zu einer Abwanderung aus den Städten geführt hat. In solchen Fällen sind enge Beziehungen unter den Töpferfamilien nachweislich, die meist durch Hochzeiten untereinander entstanden. Auf diesem Wege konnten Kenntnisse über die Verfahrensweisen beim Brand und bei der Herstellung von Glasuren ausgetauscht, sowie weitergeben werden. Zwar galt in Orten deren Gewerbe keinen Zunftordnungen unterlag, die Zuwanderung anderer Töpfer als einfach und die Organisation des Handwerks war nicht an strenge Regelungen gebunden, jedoch entfiel ebenfalls sie Sorge um geeigneten Nachwuchs. Um ein ortsgebundenes Aussterben des Berufzweiges zu verhindern, mussten die Lehrjungen früh genug mit der Ausbildung beginnen. Doch vieler Orts wurde eine solche Vorsorge ohne eine Zunft nicht ausgeübt und hatte schwerwiegende Folgen für jenes Metier.

6. Abbildungen

zu 3.2.Herstellung der Ware

1

Abb.1. Töpfer bei der Ausübung seines Handwerks an der Blockscheibe, 1564

zu 4. 1. Die Rolle der Zünfte

2

Abb. 2. Meisterstück Kreuzkacheln

zu 4.2. Vertrieb der Ware, wirtschaftliche Bedeutung des Handwerks

3

Abb.3. Lage der Ortschaft Hagen, Verbreitungsgebiet für die Ware der Hagener Töpfereien

4

Abb.4. Topfhändler mit Tragekiepe

zu 5.3. Langerwehe

5

Abb.5. Langerweher Einmachgefäß, genannt Baaren

6

Abb.6. Straßenpflaster bestehend aus ehemaligen Brennhilfen

7

Abb.7. Straßenpflaster in Detailansicht

8

Abb.8. Brennring im Ganzen

9

Abb.9. weitere Brennhilfen in Form von Rechtecken, Trapezen und Keilen

10

Abb.10. Brennring mit Abdrücken des Baarenkronenfuß

11

Abb. 11. Schema der Baarenpyramide

zu 6.1. Altenrath

12

Abb. 12. Ostprofil einer Baugrube - 1. Straßendecke, 2. Kiesaufschüttung, 3. Kanalgraben, 4. Wasserleitungsgraben, 5. aufgeschütteter lehmiger Sandboden, 6. alters Straßenpflaster, 7. Scherbenschicht, 8. heller Sandboden, 9. Ortsteinband

zu 6.2. Linz in Österreich

13

Abb.13. Stadt Linz, Kupferstich von Matthäus Merian 1648, Umrandung markiert untersuchtes Gelände

14

Abb.14. Übersichtsplan des untersuchten Grundstückes (Zeichnung P. Trebsche)

15

Abb.15. Westprofil im Schacht mit Grube B, Mauer M1, Maßstab 1:50 (Zeichnung P. Trebsche)

16

Abb.16. Hafnermarken

17

Abb.17. Abdrücke der Töpferstempel

18

Abb.18. 5. Markierung mit Rillen

19

Abb.19. Kachel mit Buchstaben “W”

20

Abb.20. Blattkachel der Renaissance

Literatur

Francke, Kannenbäcker in Althenrath- Frühneuzeitliche Steinzeugproduktion  in Torisdorf- Althenrath (Siegburg, 1999).

Freckmann, Rheinisches Töpferhandwerk- Eifel, Mosel, Husrück, Nahe, Rheinhessen, (Köln, 1983).

Gerdsen, Alte Tiemann- Eine Töpferei des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen am Teutoburger Wald, Landkreis Osnabrück (Osnabrück, 1991).

Rottmann, Töpfereien des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen am Teutoburger Wald im Lichte archivalischer Quellen. In: Gerdsen Alte Tiemann- Eine Töpferei des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen am Teutoburger Wald, Landkreis Osnabrück (Osnabrück, 1991) 97 – 184.

Ruprechtsberger, Tresche, Eine Töpferwerkstätte in Linz aus der Zeit um 1600, (Linz, 2003).

Sielmann, Die Ringe der Herren: Brennhilfen der Langerweher Töpferei, In: Keramik zwischen Rhein und Maas (Raeren, 2006) 107 – 116.

Stephan, Coppengrave- Studien zur Töpferei  der 13. bis 19. Jahrhunderts in Nordwestdeutschland, (Hildesheim, 1982).

Stephan, Keramik der Renaissance im Oberweserraum und an der unteren Werra, (Köln, 1992).

[1] Freckmann, 1983, 51.
[2] Freckmann, 1983, 52.
[3] Stephan, 1981, 19.
[4] Freckmann, 1983, 52.
[5] Stephan, 1981, 19.
[6] Freckmann, 1983, 52.
[7] Stephan, 1981, 19.
[8] Freckmann, 1983, 52.
[9] siehe Anhang Abbildung 1.
[10] Stephan, 1981, 19.
[11] Freckmann, 1983, 52.
[12] Stephan, 1981, 19.
[13] Freckmann, 1983, 52.
[14] Stephan, 1981, 19.
[15] Stephan, 1981, 20.
[16] Stephan, 1981, 20.
[17] Stephan, 1981, 2 1.
[18] Freckmann, 1983, 53.
[19] Freckmann, 1983, 52. , Stephan, 1981, 22.
[20] Stephan, 1981, 22-23.
[21] Freckmann, 1983, 53.
[22] Stephan, 1981, 22.
[23] Freckmann, 1983, 15 f.
[24] Freckmann, 1983, 44.
[25] Kreuznacher Zunftordnung, Artikel 1, In: Freckmann, 1983, 44.
[26] Kreuznacher Zunftordnung, Artikel 2, In: Freckmann, 1983, 45.
[27] siehe Anhang Abbildung 2, S. 28.
[28] Kreuznacher Zunftordnung, Artikel 3, In: Freckmann, 1983, 45.
[29] Rottmann, 1991, 99 f
[30] Rottmann, 1991, 126.
[31] Stephan, 1992, 120-123.
[32] siehe Anhang Abbildung 3.
[33] Gerdsen, 1991, 5.
[35] Rottmann, 1991, 101.
[36] Rottmann, 1991, 118.
[37] Rottmann, 1991, 119.
[38] Rottmann, 1991, 121-123.
[39] Rottmann, 1991, 124.
[40] Rottmann, 1991, 135.
[41] Rottmann, 1991, 137.
[42] Rottmann, 1991, 138.
[43] siehe Anhang Abbildung 4.
[44] Rottmann, 1991, 139.
[45] Rottmann, 1991, 140 f.
[46] Francke, 1999, 31.
[47] Francke, 1999, 31.
[48] Francke, 1999, 31.
[49] Francke, 1999, 32.
[50] Francke, 1999, 33.
[51] Francke, 1999, 34.
[52] Francke, 1999, 34.
[53] Francke, 1999, 35.
[54] Francke, 1999, 32.
[55] Sielmann, 2006, 107.
[56] siehe Anhang Abbildung 5.
[57] Francke, 1999, 32.
[58] siehe Anhang Abbildung 6. und 7.
[59] siehe Anhang Abbildung 8.
[60] siehe Anhang Abbildung 9.
[61] Sielmann, 2006, 107.
[62] siehe Anhang Abbildung 10.
[63] Sielmann, 2006, 108.
[64] Sielmann, 2006, 109.
[65] Sielmann, 2006, 110.
[66] siehe Anhang Abbildung 11.
[67] Sielmann, 2006, 111.
[68] Sielmann, 2006, 112.
[69] Francke, 1999, 32.
[70] Francke, 1999, 32.
[71] Francke, 1999, 24.
[72] Francke, 1999, 39.
[73] siehe Anhang Abbildung 12.
[74] Francke, 1999, 50.
[75] Francke, 1999, 41.
[76] Francke, 1999, 50.
[77] Francke, 1999, 38.
[78] Francke, 1999, 55.
[79] Francke, 1999, 50.
[80] siehe Anhang Abbildung 13.
[81] Ruprechtsberger, Trebsche, 2003, 5 f.
[82] siehe Anhang Abbildung 14.
[83] siehe Anhang Abbildung 15.
[84] Ruprechtsberger, Trebsche, 2003, 7 f.
[85] siehe Anhang Abbildung 16. und 17.
[86] siehe Anhang Abbildung 18.
[87] siehe Anhang Abbildung 19.
[88] siehe Anhang Abbildung 20.
[89] Ruprechtsberger, Trebsche, 2003, 10.
[90] Ruprechtsberger, Trebsche, 2003, 15.

Abbildungsverzeichnis

Abb.1. Stephan, Keramik der Renaissance im Oberweserram und an der unteren Werra, (Köln, 1992)

Abb.2. Freckmann, Rheinisches Töpferhandwerk – Eifel, Mosel, Husrück, Nahe, Rheinhessen, (Köln, 1983)

Abb.3. Gerdsen, Alte Tiemann – Eine Töpferei des 16. und 17. Jahrhunderts in Hagen am Teutoburger Wald, Landkreis Osnabrück, (Osnabrück, 1991)

Abb.4.Stephan, Keramik der Renaissance im Oberweserram und an der unteren Werra, (Köln, 1992)

Abb.5. bis 11. Sielmann, Die Ringe der Herren: Brennhilfen der Langerweher Töpferei, In: Keramik zwischen Rhein und Maas, (Raeren, 2006)

Abb.12. Francke, Kannenbäcker in Althenrath – Frühneuzeitliche Steinzeugproduktion in Torisdorf- Althenrath, (Siegburg, 1999)

Abb.13. bis 20. Ruprechtsberger, Tresche, Eine Töpferwerkstätte in Linz aus der Zeit um 1600, (Linz, 2003)

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

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