Fürsorge im Mittelalter

Einleitung

Das Fürsorgewesen im Mittelalter ist ein vielschichtiges System das im Grunde auf der Religiosität, auf dem christlichen Glauben der Bevölkerung basiert. Unterschieden wird unter anderem in der Pflege Kranker und der Speisung der Armen. Ihren Ursprung hat die Versorgung von Kranken und Armen, die nicht unmittelbar der eigenen Familie angehören, in der christlichen caritas[1]. Maßgeblich hat die Kirche seit dem frühen Mittelalter die Pflege der Armen, Kranken, Behinderten im Sinne einer Armenspeisung und Hospitälern vorangetrieben. Im Laufe der Zeit unterstützten ebenso Laien die Sorge um Personen, die nicht ohne fremde Hilfe das Leben in der mittelalterlichen Gemeinde bestreiten konnten. Im Zuge dieser Entwicklung ist ein vielfältiges Almosen- und Stiftungswesen entstanden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass von Beginn an Wohltätigkeit und das Stiftungswesen stets mit Erwartungen und Hoffnungen der Spender und Stifter auf die Sicherung ihres eigenen Seelenheils verknüpft sind. Überdies waren eine Vielzahl der Stifter fortwährend auf eine positive Selbstdarstellung bedacht. So ist es nicht verwunderlich, dass dem Historiker mehr Informationen über den „Wohltäter“ und dessen Motive zur Armen- und Krankensorge zur Verfügung stehen, als über die Empfänger der Almosen.

Von einer institutionalisierten Armen- und Krankenfürsorge, die durchweg mit der Sozialform Stadt verflochten zu sein scheint, kann meist seit dem Aufschwung des Städtewesens im 12. Jahrhundert die Rede sein. Zwar haben die städtische Obrigkeiten und der frühmoderne Staat im Spätmittelalter die kirchliche Funktion im Fürsorgewesen übernommen, was eine Vereinheitlichung der Pflegemaßnamen in einer Stadt verspricht, doch ist auch hier keine Ursachenbekämpfung im Bezug auf die Armutsproblematik vorgenommen worden. Die Errichtung der imposanten Gebäude sind mehr als Monumente staatlicher und städtischer Selbstdarstellung zu deuten.[2]

Armut im Mittelalter

Generell fungiert im Mittelalter die christliche Religion als Bindeglied der Gesellschaft. So enthält die Bibel ein Bild der Welt, der Menschen, der Kirche und des Staates. Ebenso werden Anweisungen für ein „richtiges“ Leben geliefert. Auch die soziale Einstellung zur Armut gingen auf das antike Christentum zurück, dass sich als Religion der Armen verstand. Bereits in den Schriften des heiligen Johannes Chrysostomos[3] und der Gesetzgebung des Codex Instinianus[4] wurde zwischen Arbeitsfähigen und Arbeitsunfähigen unterschieden. Der Mensch war überzeugt, dass ein Leben in Reichtum oder Armut stets von Gottes Gnaden abhängig war, der Mensch sollte demzufolge die ihm von Gott auferlegte Last in Demut ertragen.[5]

Im 11. und 12. Jahrhundert avancierte die Armut zu einem Wahlzustand mit sozialem Wert. Aus diesem Wandel heraus entstehen zahlreiche karitative Institutionen und Bettelorden. Grundstein des gemeinschaftlichen und einsiedlerischen Mönchstum bildet das in den Evangelien enthaltene Ideal der Armut und der Lebensstil der Jerusalemer Urgemeinde. Den Armen kommt in der christlichen Gemeinschaft eine Schlüsselrolle zu, da ihr Vorhandensein die Erfüllung des Heilsplan bedeutet. Almosen dienten nun in diesem Zusammenhang als Mittel zur Abbüßung der Sünden und gibt ebenso eine ideologische Begründung für den Reichtum. Denn ohne den Reichtum der einen, könnten die anderen nicht leben. In diesem Kontext ist zu beachten, dass Armut im frühen Mittelalter nicht allein aus dem Mangel von materiellen Gütern besteht, sondern das Fehlen von Macht, gesellschaftlichen Ansehen und Privilegien ein wesentlicher Bestandteil dessen sind.[6]

Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entwickelt sich, besonders in den Städten, eine regelrechte Warenwirtschaft. Daraus resultieren neue soziale Probleme für die es bis dato keine Lösung zu geben scheint und die wiederum nach einer Begründung in dem Heilsplan verlangen. Reichtum ist nun nicht mehr von Besitz, Macht oder Privilegien abhängig, sondern von Geld. Der Ethos der Armut verändert sich, Reichtum als das Gegenteil von Armut ist durch Geiz abgelöst worden. Mittels der Doktrin der christlichen Barmherzigkeit wird ab dem 12. Jahrhundert in dem theologischen Denken unterschieden in zwei Gruppen von Armen. Zum einen die „Armen mit Petrus“ zum anderen die „Armen mit Lazarus“. In dieser Unterscheidung wird deutlich, dass sich die Kirche der Realität der materiellen Armut bekennt. Die Botschaft des heiligen Johannes Chrysostomos und des heiligen Ambrosius[7] werden in Sinne einer unabdingbaren Unterscheidung zwischen „ehrlichen“ und „betrügerischen“ Bettlern interpretiert. Die Bettlerei galt ab dieser Zeit nicht mehr nur für den Bettler an sich als demütigend, sondern für den kompletten Kreis dem er angehört. Beschränke sich im 12. Jahrhundert die Kritik an der armen Klasse lediglich auf solche, die ihre Lage nicht mit Demut trugen, lässt sich im 13. Jahrhundert in der kirchlichen Literatur einen generelle negative Bewertung der materiellen Not nachweisen. Mit dem Ausgangspunkt in der Kirche, fand die neue Einstellung zur Armut zügig Einzug in dem gesellschaftlichen Bewusstsein des Mittelalters.

Verarmte, die sich gegen ihre persönliche Lage auflehnen und diese nicht annehmen wollten, sind von der Gesellschaft als Bedrohung wahrgenommen worden, da ein Ausbrechen aus den festen gesellschaftlichen Strukturen der Verwirklichung der christlichen Ideale widersprach.[8] Zusammenfassend ist zu sagen, dass bis zum 12. Jahrhundert die Versorgung der Armen und Kranken den geistlichen Einrichtungen oblag. Zu nennen sind die Kirche selbst, Klosterspitäler und die Spitälern der Domherren und Chorherren. Zeitnah sind verschiedene geistliche Ritterorden und Laienorden gegründet worden, die jedoch nur einen Teil der Aufgaben in dem Fürsorgesystem übernehmen konnte. Die Pfleger in dem Spital, in dem „Gotshaus“ mussten dafür Sorge tragen, dass die Einrichtung im Sinne des Stifters geführt wurde. Größe und Aufnahmekapazität sind stets abhängig vom Umfang des gestifteten und erworbenen Grundbesitzes. Als typisches Element prägen sogenannten Ewigbetten das Bild des Spitals. Hierbei handelt es sich um wohlhabende Familien, die das Recht erwarben, ihre gekauften Betten mit Kranken ihrer Wahl zu belegen, die jedoch den Aufnahmebedingungen entsprechen mussten.[9]

Da die kollektive Almosenvergabe regelrecht zu einer Massenerscheinung heran wuchs, ist im 13. Jahrhundert ein Kontrollsystem für den Unterstützungsanspruch entwickelt worden. Die Almosenverteilung wurde demnach nur noch an bestimmten Tagen vollzogen, es entstanden geradezu Marschrouten von Kloster zu Kloster, was es wesentlich erleichterte an Hilfe zu gelangen.[10] Innerhalb der bürgerlichen Elite ist in dieser Zeit ein erheblicher Aufschwung der individuellen Wohltätigkeit zu verzeichnen. Zahlreiche Kaufleute fürchteten um ihr Seelenheil, da sie unter der Anklage des Wuchers standen.[11] Das Abbüßen der Sünde der Macht und des Reichtums avancierte zum institutionalisierten Ritual. Dank dieser Entwickelung mangelt es nicht an finanziellen Mitteln und Sachgütern für die Armen, unter denen bereits eine Art „besoldetes Armentum“ entstand. Es handelt sich um Personen, die Hilfe und Unterhalt auf Dauer bezogen. Als Unterkunft oder Heine dienten gewöhnlich Spitäler.[12] Ende des 14. bis 15. Jahrhunderts ist eine allmähliche Abkehr von dem subjektiven Heilbestreben der Bürgerschaft hin zum Erkennen der spezifischen wirtschaftlichen Notlagen und deren punktueller Linderung nachweislich.[13]

Ab dem 14. Jahrhundert sind zahlreiche Fürsorgeeinrichtungen in Form von Armenhäusern, mit einer Reihe von klar voneinander getrennten Einzelräumen nachweisbar. Somit hatten die ständigen Bewohner eine relativ intime Wohnsphäre. Unabdingbare Voraussetzung für die Aufnahme war Rechtschaffenheit, ein guter Ruf und anständiges Betragen. Durch die bereits weiter oben erwähnte Zweiteilung der Armen ist eben auch das demonstrative Engagement für die richtigen „Armen“ angestiegen, die als Dank ihre Gebete und Fürbitten für das Seelenheil des Spenders zuverlässig ausführen würden. So sind die Armenhäuser nicht zu Letzt eine Konsequenz aus der hohen Wertschätzung des Armengebetes.[14]

Im 15. Jahrhundert ist die Armenfürsorge in städtischen Spitaleinrichtungen zentralisiert worden, doch neigen gerade im Spätmittelalter diese Einrichtungen dazu, sich vor der enormen Zustrom von Bedürftigen zu verschließen. Professionelle Bettler führten ein Wanderleben, dass gänzlich von dem Kalender der kirchlichen Almosenvergabe bestimmt war. Das eigene Gebrechen ist als berufliche Tätigkeit genutzt worden, als Beispiel sei an dieser Stelle auf die Bruderschaft der Bettler verwiesen.[15] Um 1500, spätestens nach der Reformation sind die Prinzipien der christlichen Caritas brüchig geworden. Die Zahl der unterstütztungswürdigen Armen sollten nach Möglichkeit klein gehalten werden. Monarchen und kommunale Führungsgremien erließen im 16. Jahrhundert wesentlich mehr Gesetzte, Statuten und Proklamationen um die Praktiken von Almosen, Betteln und Vagabondage zu reglementieren, also in den Jahrhunderten zuvor.[16]

Nicht nur das Bild der Stadt ist geprägt durch Bedürftigkeit, auch auf dem Land, durch geringe Erträge in der Landwirtschaft, müssen zahlreiche Bauern in Hunger und Elend leben. Ein teil der Landwirte begaben sich freiwillig in die Abhängigkeit, in Hoffnung auf den Schutz des Feudalherren in noch schlechteren Zeiten. Bereits mit dem Übergreifen der Geldwirtschaft im 12. Jahrhundert auf die ländlichen Gemeinden, veränderte sich die Struktur des bäuerlichen Lebens deutlich. Es bildete sich eine materielle Schichtung innerhalb der Bauernschaft heraus und die wirtschaftlich schwächeren Bauern sanken zu einem Landproletariat ab. Durch eine ständige Überbevölkerung fanden die Mehrzahl der Arbeitssuchenden im eigenen Dorf keine Tätigkeit, was wiederum zu Wanderbewegungen des Landproletariats führte.[17] Zahlreiche Bauern mussten sowohl eine Minderung ihres Statuses hinnehmen, also auch ständig oder saisonal als Tagelöhner arbeiten. Unsicherheit bei Arbeitsmöglichkeiten führte zu einer Verschärfung der Hörigkeit, das wiederum lieferte die Bauern uneingeschränkt den Forderungen des Grundherren aus. Gerade auf dem Land ist die sogenannte Plage des Wuchers allgegenwärtig.[18]

Krankenversorgung im Mittelalter

Den Kranken in der christlichen Gesellschaftsordnung soll nach Benedikt von Nursia [19] ebenso gedient werden wie Christus selbst. Kranksein wurde als schicksalhaftes Element der menschlichen Existenz angesehen. Die Erkrankten sind nicht ausgegrenzt worden, sondern verbleiben im Verband der sozialen Systeme. Interpretiert wird die Erkrankung jedoch als ein Defizit, als ein Unterbleiben von Etwas, was Gesunde getan haben müssen, als eine Art Fehlentwicklung.

Indirekte Quellen, wie die Handbücher der öffentlichen Wohlfahrt zeugen davon, dass das öffentliche Gesundheitswesen stets von der christlichen Weltanschauung geprägt worden ist.

Bereits in frühmittelalterlichen Hospitälern wurden ein Teil der Patienten von Ärzten versorgt. Als erste deutsche Ärztin und zugleich Naturforscherin ist Hildegard von Bingen[20] zu nennen, doch konnte sie im akademischen Bereich nie Fuß fassen. Zwar sind Ärzte in den Hospitälern gelegentlich nachweisbar, jedoch ist das nicht die Regel. Meist waren Bader, Barbiere, Wund- oder Schnittärzte allein mit der Krankenversorgung betreut. An dieser Stelle sei darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei sogenannten Behandlungen mehr um Handauflegen auf schmerzende Stellen handelt und um eine Art hygienische Pflege, als um eine medizinische Versorgung.

Mit zunehmender Radikalisierung der Medizin sind die Fachkenntnissen wesentlich vertieft worden, die Kontrollmaßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens führten zu einem gewissen hygienischen Standard in den Einrichtungen.

Die Krankenfürsorge in den Klosterspitälern ist durch die „Regula Benedicti“[21] bestimmt worden.[22] So soll die größte Sorge des Abtes seinen kranken Brüdern zuteil werden, die einen eigenen Raum, einen Pfleger, regelmäßige Bäder und wenn nötig Fleisch erhalten sollen.[23] Jedes Kloster hat einen Krankensaal, eine Krankenküche, Apotheken, Wärmeplätze und einen Speisesaal. In der Bauweise sind sie nach dem System „Licht und Luft“ konzipiert, was zu einer natürlichen Be- und Entlüftung der Räume führte. Die Vielfalt des damals aufkommenden öffentlichen Gesundheitswesen ist in drei gesonderte Bereiche zu unterscheiden. Zu nennen ist die Kultur des Badens, die auf antike und arabische Modelle zurückgreift, die Organisation der Irrenpflege, die in der islamischen Irrenpflege einen ersten Höhepunkt fand und letztlich die Altersfürsorge als öffentlicher Gesundheitsdienst, der allerdings erst gegen Ende des Mittelalters relevant wurde.[24]

Das abendländische Spital dient seit dem 4. Jahrhundert als Unterkunft von Armen, Reisenden und Erkrankten. Im Zuge der Stadtentwicklung ab dem 12. Jahrhundert entstanden neue Typen von Spitälern. Es handelt sich zum einen um Hospitäler für Arme, Alte, Kranke und Pilger und zum anderem um Einrichtungen für Menschen mit ansteckenden Krankheiten. Ab dem 13. Jahrhundert werden bürgerliche Spitäler in großer Zahl errichtet. Gleichermaßen hängt das sowohl mit dem Bedarf, der sich aus der einsetzenden Landflucht ergibt, als auch mit der Almosenerklärung, den sogenannten Seelsgeschäften zusammen. Da die Menschen im Mittelalter sehr Jenseits bezogen lebten und das irdische Dasein nur als Durchgangsstation betrachteten, war ihr Handeln meist durch den Gedanken an das Seelenheil bestimmt. Die Angst um das Seelenheil und die Frömmigkeit sind der Grund für umfangreiche Stiftungen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts standen die meisten Spitäler noch unter kirchlicher Aufsicht. Es ist zu unterscheiden in bruderschaftliche Spitäler, Klosterspitäler, Ritter- und Spitalorden.[25] Die Mehrzahl der Institutionen konnte nur eine geringe Anzahl von Hilfsbedürftigen aufnehmen und war mit dem Ansturm in Notzeiten und der generellen Armut der wachsenden Städte überfordert. Als der Prozess der Kommunalisierung[26] begann, waren heftige Auseinandersetzungen mit den Landherren, bischöflichen Stadtherren und der Kirche die Folge. Da das Bürgerspital eine eigene Rechtskörperschaft bildet, konnten die Vorstände Rechtsgegenstände abschließen und Territorialherren sein. Zwei bis Vier Pfleger sind von der Stadt aus dem Rat, als Kontrollinstrument, in die Einrichtungen eingesetzt worden. Oft sind Mitglieder wohlhabender und mächtiger Familien als Pfleger tätig, das es sich um eine begehrtes Ehrenamt handelt. Das Spital avanciert zu einem Prestigeobjekt.

Gelegen sind die älteren Hospitäler meist an Bischofskirchen oder Klöstern. Größere Bürgerspitäler hingegen befinden sich am Rand der Stadt oder auf größeren freien Flächen in der Stadtmitte, meist in unmittelbarer Nähe zu fließenden Gewässern. Letztes begründet sich aus hygienischen Gründen.

Im Zuge der Spezialisierung der Spitäler übernahm das Bürgerspital die Funktion eines Altersheimes, einige gar als reine Pfründneranstalten. Zu der Anfangsausstattung kamen Zustiftungen wie Immobilien, Pfründen, Geld, Naturalien, Möbel und Bettzeug. Durch die Immobilienstiftungen konnte der Besitz in der Stadt und auf dem Land erheblicher vermehrt werden, so dass große Mietkomplexe entstanden. Bedeutsamer waren jedoch die Recht und Besitztümer auf dem Land. Manchmal erhielten die Hospitäler Rechte auf Abgaben und Frondienste der Bauern. Bei ertragreicher Ernte konnten die Bauern alle Abgaben leisten und die Spitäler einen Vorrat anlegen oder waren in der Lage Getreide zu verkaufen. Des weiteren konnte der steigende Geldbedarf durch z.B. Holzverkäufe aus dem eigenen Wäldern gedeckt werden. Die Spitäler waren mit eigener Bäckerei, Küche, Brauerei und eigenen Weinbergen selbstständig, was der Stadt Ausgaben ersparte. Jedoch funktionierte dieses System nur, wenn die Mentalität der Stifter sich nicht veränderte. Im Zuge der Reformation erlagen, mit dem Aufkommen der Angst vor dem Fegefeuer, die Stiftungen. Nur noch die Öffentlichkeit sei Verantwortlich für die Bedürftigen und nicht mehr Einzelpersonen. Mit der Übernahme der Einrichtungen in städtische Hände konnte die Stadt mit dem Besitz der Spitäler ihr eigenes Territorium und damit den Einfluss indirekt erheblich erweitern. Auch in finanzieller Sicht profitierten die Städte von den Spitälern, da diese hohe Kredite vergaben und sich die Stadt in Notzeiten Geld leihen konnte.

Die Ausführungen zeigen, dass das Fürsorgewesen auf eine Vielzahl von Bereichen des mittelalterlichen Lebens, ob direkt oder indirekt, Einfluss nimmt. Gerade die Spitäler und Armenhäuser galten als ideale Kapitalanlage für die Jenseitsvorsorge der Reichen, ebenso als ideale Bedarfsdeckung der sozial Schwachen. Sie fungieren als Arbeitgeber und haben somit neben ihrer eigentlichen Funktion im sozialen Bereich auch eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für Stadt und Land.[27]

Fußnoten

[1] Prinzip der caritas: Es handelt sich um eine allgemein, christlich motivierte Liebestätigkeit, die nicht nach den Ursachen des Leidens fragt und ohne Rücksicht auf den Status der Person handelt.

[2] Peter Johanek, Städtisches Gesundheits- und Fürsorgewesen vor 1800, Köln, 2000, S. 12.

[3] Johannes von Antiochien, * 349 oder 344 in Antiochia; † 14. September 407 in Comana Pontica, war Erzbischof von Konstantinopel und gilt als einer der größten christlichen Prediger. Im 6. Jahrhundert wurde ihm der Name Chrysostomos beigelegt (griech.: „Goldmund“).

[4] Sammlung von Gesetzen und Verordnungen, die der griechische Kaiser Instinianus im 6. Jh. zusammentrug.

[5] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut, S. 25.

[6] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut, S. 26 f.

[7] Ambrosius von Mailand, (* 339 in Trier; † 4. April 397 in Mailand) wurde als römischer Politiker zum Bischof gewählt und ist einer der vier westlichen Kirchenlehrer. Ab 1298 trägt Ambrosius den Ehrentitel „Kirchenvater“.

[8] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut, 32 ff.

[9] Ulrich Knefelkamp, materielle Kultur und religiöse Stiftungen im Spätmittelalter und der Reformationszeit, 2005, S. 100 ff.

[10] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut,

[11] Harry Kühnel, Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen, 1990, S. 5.

[12] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut, S. 57 f.

[13] Harry Kühnel, Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen, 1990, S. 8.

[14] Frank Rexroth, Armenhäuser-eine neue Institution der sozialen Fürsorge im späten Mittelalter, 2005, S. 10ff.

[15] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut,

[16] Frank Rexroth, Armenhäuser-eine neue Institution der sozialen Fürsorge im späten Mittelalter, 2005, S. 2ff.

[17] Brobislaw Germek, Geschichte der Armut, S. 69 f.

[18] Michel Mollat, Die Armen im Mittelalter, 1987, 215f.

[19] Benedikt von Nursia, * um 480 in Nursia bei Perugia; † 21. März 547 auf dem Monte Cassino bei Cassino, Heiliger und Begründer des christlichen Mönchtums.

[20] Hildegard von Bingen, * um 1098 in Bermersheim vor der Höhe (?); † 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen, war Benediktinerin (ab 1136 Äbtissin) und gilt als erste, jedoch nicht typische Vertreterin der deutschen Mystik. Ihre Werke beinhalten Abhandlungen zur Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie.

[21] Benediktusregel: ist eine von Benedikt von Nursia im 6. Jahrhundert verfasste Mönchsregel, die seit dem Mittelalter die Grundlage des Benediktinerordens (Ordo Sancti Benedicti) ist.

[22] Heinrich Schipperges, Die Kranken Mittelalter, 1990, S. 175.

[23] Die Regel des hl. Benedikts, Kapitel 36., http://www.kloster-ettal.de/regel/.

[24] Heinrich Schipperges, Die Kranken im Mittelalter, 1990, S. 177.

[25] Ulrich Knefelkamp, Stadt und Spital im späten Mittelalter, S. 24.

[26] Ulrich Knefelkamp, Über die Pflege und medizinische Behandlung von Kranken in Spitälern vom 14. bis 16. Jahrhundert, S. 176.

[27] Ulrich Knefelkamp, Stadt und Spital im späten Mittelalter, S. 38 ff.

Literatur

Bronislaw Geremek, Geschichte der Armut, 1988.

Ulrich Knefelkamp, Materielle Kultur und religiöse Stiftung im Spätmittelalter und der Reformationszeit. Das Beispiel des Spitals. In: Heinrich Appelt, Materielle Kultur und religiöse Stiftungen im Spätmittelalter, Wien, 1990.

Ulrich Knefelkamp, Stadt und Spital im späten Mittelalter, In: Peter Johanek, Städtisches Gesundheits- und Fürsorgewesen vor 1800, Köln, 2000.

Ulrich Knefelkamp, Über die Pflege und medizinische Behandlung von Kranken in Spitälern vom 14. bis 16. Jahrhundert, In: Michael Matheus (Hrsg.), Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich, Stuttgart, 2005.

Harry Kühnel, Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen, In: Heinrich Appelt, Materielle Kultur und religiöse Stiftungen im Spätmittelalter, Wien, 1990.

Michel Mollat, Die Armen im Mittelalter, München, 1987.

Frank Rexroth, Armenhäuser – eine neue Institution der sozialen Fürsorge im späten Mittelalter, In: Michael Matheus (Hrsg.), Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen Vergleich, Stuttgart, 2005.

Heinrich Schipperges, Die Kranken im Mittelalter, München, 1990.

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

  1. #1 von Karl Pohl am 30. April 2012 - 04:59

    Hallo, ich bin kein Student, aber seit meinem Rentnerdasein interessiere ich mich für Mittelalter und Archäologie.
    In unserem ehemaligen Dorf suche ich nsach dem Standort eines Klosters, das in Codex Laureshamensis Nr 12 erwähnt ist.
    Über die alten Flurnamen habe ich mich an den möglichen Standort herangestastet.
    FRage: Da gibt es einen Flurnamen „Bettelahl“ . Ich konnte den Namen nicht deuten bis ich ein Buch über den Abtshof in Mühlheim am Main las. Dort wird von einer Urkunde berichtet, die von 2 Männern berichtet, die durch Internas berichten, dass sie beim Abtshof angestellt waren. Sie sprechen vom „Bettlerahl“, eine Ecke unter der Treppe des Hauses, die Bettlern für die Übernachtung angewiesen wurden. Der Abtshof war eine Verwaltungseinheit eines Klosters.
    In der Nähe von meinem Bettelahl wird der Vogtshof als Klostergründer vermutet.
    WISSEN SIE; OB IM MA KLEINE VERWALTUNGSEINHEITEN AUF DEM LANDE BETTLERN EINE ÜBERNACHTUNGSEINHEITEN BOTEN; DENN IM KLOSTER WAR DAS DOCH SCHLECHT MÖGLICH?
    Für Ihre Auskunft wäre ich sehr dankbar.

    Und noch eine grundsätzliche Frage: Wann ist in der Archäologie bzw, in der Geschichtsforschung etwas historische Wahrheit, wann plausibel und wann eine Verm,utung?
    Freundl. Grüße Karl Pohl

  2. #2 von Lujona am 25. Mai 2016 - 09:36

    VIEL ZU VIEL TEXT!!! UNNÖTIG!!!

    Hat uns aber weitergeholfen!! :)

(wird nicht veröffentlicht)