02. Mai 2013

Die Grenze. Rituell denotierte Grabenstrukturen der späten Bronzezeit im Mittelelbe-Saalegebiet

Prof. Dr. Louis Nebelsick (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Cardinal Stefan Wyszynski University in Warsaw, Institute of Archaeology) unternimmt anhand des Beispiels der so genannten Opfer- bzw. Trichtergrubenkette, einer Grabenstruktur, die den dicht besiedelten Sporn bei Zauschwitz, Lkr. Leipziger Land, durchquert, den Versuch, die Belege für die rituelle Nutzung von jung- und spätbronzezeitlichen Grenzmalen im Mittelelbe-Saale-Gebiet zu deuten.

Der auf einer Länge von 150 m erfasste spätbronzezeitliche Graben, dessen Füllung u. a. Bronzen und Menschenknochen aufwies, zeigt in seinem unteren Bereich eine segmentierte Struktur, was ihn mit den landläufigen Grubenreihen und Landgräben verbindet, die das Flachland im Gebiet der mitteldeutschen Salzlagerstätten am Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends gliedern. In ihrer Rolle als trennende Struktur innerhalb eines Siedlungsareals lässt sich die Zauschwitzer Grubenkette ebenfalls mit einer Reihe von jung- und spätbronzezeitlichen Befunden im Saale-Unstrut-Raum vergleichen, die zum Teil ebenfalls Menschenknochen und Bronzen bargen.Gerade die Deponierung von Menschenknochen und Leichen in Siedlungen und deren Grenzgräben lässt sich als ein gängiger Habitus der jung- und spätbronzezeitlichen Gesellschaft in den salzträchtigen Gebieten Mitteldeutschlands herausstellen.

Zusammenfassend wird die rituelle Betonung der Grenze im Kontext der spezifischen gesellschaftlichen, geographischen und ökologischen Zwänge gedeutet, mit denen die Salz siedenden Gemeinschaften im Mittelelbe-Saale-Gebiet konfrontiert waren. Diese rituelle Denotation des Trennenden wird als Teilaspekt der vielschichtigen, hoch organisierten und zugleich extrem labilen „Kultur des Salzes“ gesehen, die dem materiellen Niederschlag und Landschaftsgestaltungsmuster der Spätbronzezeit im Mittelelbe-Saale-Gebiet ein deutliches Eigengepräge verleiht.

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