GLUTGEBOREN …

Plakat der "Glutgeboren"- Ausstellung

Plakat der "Glutgeboren"- Ausstellung

Am 6. Dezember ist in Halle die Erweiterung der Dauersausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte eröffnet worden. Bislang markierte die Himmelsscheibe von Nebra, das wohl bekannteste Objekt aus der Ausstellung, den zeitlichen Endpunkt der Dauerausstellung. Das ist jetzt anders – nun kann auch der vierte Abschnitt besucht werden.  Auf etwa 410 m² werden nun jene Epochen präsentiert, die zeitlich auf die Niederlegung des Hortes von Nebra folgen: die mittlere und späte Bronzezeit (ca. 1.550–1.250 v. Chr. bzw. 1.250–750 v. Chr.) sowie die vorrömische Eisenzeit bis etwa 60 v. Chr.

Mit dem Ausstellungstitel „Glutbeboren“ bezieht sich auf das die Zeitspanne von der Spätbronze- und Früheisenzeit dominate Phänomen der Feuernutzung, die wie eine geistige Klammer wirkte. Feuer – mehr als je zuvor hatte es eine zentrale Funktion im religiösen Ritus sowie im technologischen und damit auch ökonomischen Leben inne. Feuer war die transformierende Kraft bei der Salzgewinnung, in der Metallurgie und nun zusätzlich im Bestattungsbrauch, wodurch zahlreiche gesellschaftsrelevante Bereiche betroffen waren, wie etwa der Umgang mit den Ahnen, wirtschaftlicher Erfolg und soziales Ansehen.

Zusammengestellt ist die Ausstellung mit Objekten aus dem „Altbestand“ des Hauses, aber auch mit zahlreichen Objekten, die aktuellen Grabungsprojekten der Jahre stammen. Besonders letztere machen deutlich, in welch bedeutendem Maße großflächige Grabungsprojekte wie beispielsweise die 2010 im Gelände abgeschlossene ICE-Trassengrabung oder die Grabungen im Vorfeld von Straßenbauprojekten den
wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn fördern.

Auch spannend: neben dem diachronen Überblick über die drei genannten Epochen bietet der neue Ausstellungsabschnitt Einblicke in zwei eigenständige, epochenübergreifende Themenblöcke. Die Rede ist von der prähistorische Salzgewinnung und der Nutzung der tierischen Zugkraft, deren ökonomische Folgen sich in der großen Anzahl wertvoller Metallobjekte widerspiegelt.

Die ca. 1.500 Funde -vielfach von überregionaler Bedeutung – des neuen Ausstellungsabschnittes, werden durch die Ideen der Gestalter Juraj Lipták und Karol Schauer in gewohnt eindrucksvoller Weise in Szene gesetzt und lebendig präsentiert. Durch die zahlreichen hervorragend präparierte Blockbergungen werden Befunde kontextualisiert und so bekommt der Besucher einen kleinen Einblick in die Arbeit des „Outdoorarchäologen“ auf dem Feld.

Die erweiterte Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle ist ab Freitag, den 7. Dezember 2012 für die Öffentlichkeit zugänglich. Wie nicht anders zu erwarten wird sie von einem erweiterten museumspädagogischen Programm begleitet. Eines seiner Schwerpunkte bildet eine Veranstaltung rund um das Schwert, das in der späten Bronzezeit zur bedeutendsten Waffe wurde.

Unser Fazit: Abschnitt 4 hält, was 1 bis 3 schon versprochen haben. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, die Ausstellung ist es definitiv wert. Wie gewohnt ist die Ausstellung auch optisch wieder sehr gelungen. Auch die Schulkids haben sicher ihren Spaß.

Alexandra Runschke, Wasserleben, 2012.