ROT – Archäologie bekennt Farbe

Zurück vom 5. Mitteldeutschen Archäologentag  – hier ein paar unserer Eindrücke:

Tagung Rot - Die Archäologie bekennt Farbe

Tagung Rot - Die Archäologie bekennt Farbe

Vom 4. 10 bis 6.10 lud das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – Unterstützt durch die Martin-Luther-Universität -wiedermal zu einer internationalen Fachtagung ein. Das Thema Rot – der Farbstoff und seine vielseitige Verwendung und Bedeutung – stand im Mittelpunkt des interdisziplinären Diskurses.

Was wir lernten: Die Farbe Rot (Eisen(III)-oxid) in Form von Rötel, Ocker oder Hämatit gab es fast immer fast überall. Frühste Funde lassen sich in das Paläolithikum datieren, so z.B. der sogenannte Farbtopf von Bad Frankenhausen. Wir finden Bemalungen von Höhlenwänden (rotes Handnegativ von El Castillion 37.000 v. Chr. und der Schamanin von Bad Dürrenberg (ca. 9000 v. Chr.) konnte die Nutzung einer Art „Rotstift“ nachgewiesen werden. Wir haben bemalte Bandkeramische Idole und natürlich Keramik. Aber auch in Gräbern wie in Göhlitzsch (Bernburger Kultur) oder in Derenburg „Meerenstieg“ wurde der Farbstoff – als Bemalung der Grabkonstruktion oder als Streuung – verwendet. Für die späte Bronzezeit – frühe Eisenzeit konnten in Mitteldeutschland drei bemalte Hauswände (Wennungen, Rottelsdorf, Quedlingburg) dokumentiert werden.

Körperbemalung vs. Farbstreuung – Ein besonders spannender Diskurs entwickelte sich zwischen Dr. Christian-Heinrich Wunderlich (Restaurierungswerkstatt des LDA) und verschiedenen Referenten (so auch mit Dr. Judith M. Grünberg LDA) im Bezug auf die Frage handelt es sich in den Gräbern tatsächlich um Rötelstreuungen oder vielleicht um die Reste einer Körperbemalung. Hier unterstützte Dr. Christine Neugebauer-Maresch (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Prähistorische Kommission) mit ihren Erläuterung die These Wunderlichs.

Aber nicht nur Anwendungsgebiete der Farbe Rot wurden besprochen – auch deren chemische Zusammensetzung, das Verhalten der Farben beim Brandvorgang und die Herstellungsmöglichkeiten wurden „unter die Lupe“ genommen. Wer glaub der rote Farbstoff wird einzig aus Mineralien gewonnen, der irrt. Dr. Wunderlich referierte ausführlich über die Nutzung der Krapp-Pflanze aber auch der Purpurschnecken als Ausgangstoff der symbolträchtigen Farbe.

Posterpräsentationen

Posterpräsentationen

Was haben wir also gelernt: Wahrscheinlich war unsere Vorzeit farbenfroher als uns die heutigen Rekonstruktionen glauben machen wollen. Als Symbolfarbe für Erde, Feuer, Blut und Herrschaft ist Rot bis heute (so auch die Kernaussage des Festvortrages von PD Dr. Daniela Niesta-Kayser LMU München/ University of Rochester Department Psychologie über den Einfluss der Farbe Rot auf Attraktivität und Status) noch von besonderer Bedeutung.

Unser Fazit: Klasse Thema, spannende Vorträge, freundliche Gastgeber (hier herzlichen Dank an die Ansprechpartnerin Anna Swieder M.A. und ans Tagungsbüro). Wie dieses Jahr auch (Thema 1600 vom 4. Mitteldeutschen Archäologentag) werden wir uns im nächsten Jahr sicher den Tagungsband zulegen. Der Besuch hat sich wieder einmal gelohnt. Was wir uns aber auch dieses Jahr wieder gefragt haben – wo waren die Studenten des Fachbereichs???

Für alle die in nächster Zeit einen Besuch im Landesmuseum für Vorgeschichte planen: Anlässlich der Tagung gibt es eine kleine Fundschau zum Thema „Rot“ mit mitteldeutschen Exponaten, organisiert von den Volontären des LDA.

Alexandra Runschke M.A., Wasserleben (2012).

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