1600…

Flyer 4. Archäologentag

Flyer 4. Archäologentag

… Kultureller Umbruch im Schatten des Thera-Ausbruchs?

An diesem Wochenende wurde seitens des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mal wieder zum alljährlichen Archäologentag nach Halle geladen. Wie in den letzten  Jahren auch wurde der interdisziplinäre, wissenschaftliche Diskurs zu einem Thema – diesmal „1600“ – angestrebt.

Im Rahmen der internationalen Tagung fanden sich Forscher verschiedner Länder, Institutionen und Disziplinen zusammen und widmeten sich drei Tage den kulturellen Umbrüchen im ostmediterranen Raum um 1600 v. Chr. Diese Veränderungen werden bereits schon seit längerem in der Forschung mit der epochalen minoischen Eruption des Vulkans auf Thera/Santorini in Zusammenhang gebracht. Ist der kulturelle Wandel eine Folge der vulkanischen Aktivitäten und den daraus bedingten klimatischen Veränderungen? Vulkanologen, Klimatologen und Archäologen diskutierten angeregt.

Für einen Betrag von 30 Euro, ermäßigt z. B. für Studenten 15 Euro, bekam man wie nicht anders zu erwarten einiges geboten. Empfangen wurde man von den Damen und Herren des Tagungsbüros oder von Anna Swieder M.A. selbst, der diesjährigen Organisatorin vor Ort.

 

Im Zuge der Anmeldung im Tagungsbüro bekam man neben weiteren nützlichen Informationen eine Tagungsmappe. Enthalten war unter anderem ein Abstarkt, mit Informationen zu den Vorträgen und das 4. Begleitheft zur Dauerausstellung “Bronzerausch – Spätneolithikum und Frühbronzezeit”.

Start der Tagung war Freitagabend, 18 Uhr. Nach den Grußworten von Prof. Dr. Burkhard Schnepel (Dekan der Phil. Fak. I der MLU), Stephan Dorgerloh (Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt), Prof. Dr. Bertemes (Institut für Prähistorische Archäologie und Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit MLU) sowie Prof. Dr. Harald Meller (Landesarchäologe und Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte) schloss sich das Highlight des Abends an.

Im Mittelpunkt des Festvortrages – gehalten von Prof. Dr. Hans-Ulrich Schmincke aus Kiel – stand die Frage nach dem Einfluss der plinianischen Eruptionen auf das Klima. Anhand der Beispiele des Laacher Sees, Laki, Tambora und Pinatubo konnte er eben diesen Einfluss nachweisen. Klimatische Veränderungen infolge eines Vulkanausbruchs seien nicht – wie gemeinhin angenommen – durch die Aschewolke verursacht worden, vielmehr läge die Ursache in der Injektion großer Mengen von CO2 in die Stratosphäre. Die Ausbrüche in Laki (Island) und Tambora (Insel Sumbawa, Indonesien) können als klassische Beispiele für die Nachhaltigkeit klimarelevanter Eruptionen auf die Gesellschaft angesehen werden. Sinkende Temperaturen und starke Regengüsse verursachten Engpässe der Nahrungsmittelproduktion und letztlich die Instabilität der gesellschaftlichen Ordnung.

Im Anschluss an den Vortrag klang bei Bier, Saft und Snacks der Auftakt des 4. Mitteldeutschen Archäologentages in geselliger Runde aus.

Die weiteren Vorträge wurden in die Sektionen Naturwissenschaft und Archäologie untergliedert. Besonders spannend waren die Vorträge von Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork (Kiel) über die vulkanischen Extremereignisse der Nacheisenzeit und deren Folgen für die Menschen und deren Umwelt und jener von Prof. Dr. Bertemes (Halle) über die Folgen des Thera-Ausbruchs auf die minoischen Kommunikationsnetzwerke anhand von den Grabungsergebnissen von Tavsan Adasi am Samstag.

Weitere Highligths waren die Vorträge von Prof. Dr. Margarita Primas (Zürich) über die Siedlungsentwicklung und Verkehr im zentralen und östlichen Alpenraum, ebenso der Beitrag von Prof. Dr. Louis Nebelsick (Halle/ Warszawa) zur Tradition und Innovation im Süden der Nordischen Welt.

Auch dieses Jahr kam pünktlich zum Archäologentag der Tagungsband vom letzten Jahr zum Thema „Umweltarchäologie“ heraus und konnte am Bücherstand des LDA erworben werden. Üblich wie in den letzten Jahren auch wurden alle Tagungsteilnehmer am Samstagabend in die Räumlichkeiten des Landesmuseums für Vorgeschichte zu Speis, Trank und Besuch der Dauerausstellung eingeladen.

Unser Fazit: Wie wir es aus den letzten Jahren schon gewohnt waren war auch der diesjährige Mitteldeutsche Archäologentag ein voller Erfolg. Tolles Thema, spannende Beiträge und große Persönlichkeiten der Forscherwelt. Wir sind natürlich auch nächstes Jahr wieder dabei.

Alexandra Südekum, Wasserleben, 2011.