Social Media – Web 2.0 – Museum 2.0

Museen und soziale Netzwerke – passt das?

Wer kennt sie nicht, die neuen Plattformen zur Selbstdarstellung und Kommunikation mit Gleichgesinnten, wie Facebook, MySpace, Studi-bwz. meinVZ und Xing.

User haben hier die Möglichkeit ein persönliches Profil mit diversen Sichtbarkeitseinstellungen für weitere Mitglieder des Netzes oder gesamt des WWW festzulegen. Anhand von Kontaktlisten können Nachrichten, zum einen öffentlich auf Pinnwänden, zum anderen auf dem privaten Pfad – der persönlichen Nachricht – übermittelt werden. Dank Miroblogging kann die Usergemeinschaft über den aktuellen Status des Nutzers informiert werden.

Die Vor- und Nachteile sind hier ganz klar, als User kann man mit wenig Aufwand alte und neue Bekannte treffen und mit ihnen ohne Kosten und Mühen kommunizieren. In sogenannten Gruppen kann man zu verschiedenen Themen Gleichgesinnte finden und sich austauschen. Ist man jedoch allzu offenherzig mit seinen privaten Daten wird man schnell zum „Gläsernen User“. Auch andere Gefahren lauern. Ob nun der Personalchef der die Fotos der letzten Party des aktuellen Bewerbers oder  des neuen Azubis nicht so lustig findet wie die eigenen Freunde oder der Kleinkriminelle von Nebenan, der die Statusinformation „ich bin dann mal im Urlaub“ als Anlass für fragwürdige Aktivitäten nutzt.

Kurz um: Soziale Netzwerke sind von ihrer Struktur her Kleine-Welt-Netzwerke, bei denen die maximale Distanz zwischen Einzelnen ziemlich gering ist. Wie aber können nun Institutionen, insbesondere Museen diesen aktuellen Trend nutzen?

Fakt ist, bei diesen Netzwerken können eine große Anzahl von Nutzern in direkter Interaktion mit einander treten. Eine größere Masse von Usern, mit unterschiedlichsten Background, kann angesprochen werden. Die Museen sind nun in der Situation in der Öffentlichkeit mehr Informationen bieten zu müssen. Regelmäßige Posts sind unerlässlich um bei den gewonnenen „Fans“ oder „Freunden“ die Aufmerksamkeit zu festigen. Ab dem ersten Post jedoch haben die Institutionen keinen direkten Einfluss mehr auf die Kommunikation. Informationen können nun leichter und schneller verbreitet werden, doch muss auch mit Negativreaktionen- bzw. Kommentaren gerechnet werden. Diese Interaktion mit den potentiellen Besuchern bietet jedoch auch Vorteile. So können neue Ideen und Vorschläge der Community nützlich sein (quasi ein digitaler Kummerkasten). Es entsteht ein Dialog.

Dank dieser Onlineplattform kann der Interessierte bereits vor dem Besuch im Museum mit diesem in Kontakt treten. Hier fängt die Betreuung der Gäste quasi schon am Rechner an. Die Museen können auch die Gemeinschaft über aktuelle Veranstaltungen informieren und sie in eventuelle Entwicklungsprozesse von Ausstellungen etc. einbeziehen. Ebenfalls können Meinungsbefragungen leichter gestartet werden. Der User hat so die Chance seine Meinung zu äußern und aktiv mitzugestalten. Es entsteht eine Verbindung zwischen dem „Produzenten“ und „Konsumenten“. Naheliegend ist, dass dadurch das Interesse des Letzteren an der Institution bestehen bleibt.

Ein weiterer Vorteil der sozialen Netzwerke ist, dass sie über Landesgrenzen hinweg genutzt werden können. Der Bekanntheitsgrad, gerade kleinerer Museen, kann gesteigert und so mehr Interessierte in die eigenen Hallen gelockt werden. Eins ist klar, nur das Haus vorstellen reicht hier nicht. Die Seite, das Profil muss gepflegt werden und hierfür benötigt man fähiges Personal und Zeit.

Unser Fazit: Sicher sind mit der Darstellung einer Institution in sozialen Netzwerken auch Schwierigkeiten verbunden. Gerade kleinere Häuser sind meist mangels Personal oder Medienkompetenz durch die neue Informationsflut überfordert. Die Informationen, die durch die Museen über sich und ihre Ausstellungen veröffentlicht werden sind genau zu prüfen, da es nicht das Ziel ist, den Museumsbesuch im „Real Life“ durch einen digitalen zu ersetzen. Die Chance der Museen liegt hier jedoch in der Kommunikation mit der breiten Masse. Man erreicht ein größeres Publikum und kann von deren Denkanstößen profitieren.

Also: Ja, es passt. Allem Zweifel zum Trotz.

Hier mal zur Übersicht das aktuelle Ranking der deutschen Museen bei  Facebook

Alexandra Südekum M.A., Wasserleben, 2011.