Die pure Folter…

So und nicht anders kann man das beschreiben, was sich hinter dem so genannten „Kriminalmuseum des Mittelalters“ in Leipzig verbirgt. Schon allein die Bezeichnung Museum ist eine Schande für alle anderen Museen.
Was steckt hinter der Einrichtung die auf ihrer Internetpräsenz damit wirbt Folterinstrumente auszustellen, die man – welch Wunder- auch noch ausprobieren kann?
Angeblich soll die mittelalterliche Rechtsgeschichte thematisiert werden. Kommt man aber in das „Museum“ heißt der erste Satz des Einführungstextes: „Es liegt nicht in unserer Absicht eine detaillierte Abhandlung über Folter zu liefern…“ Àpropos Einführungstext, das sind sage und schreibe 16 A-4 Seiten in 12pt Blocksatz geschrieben, mit diversen Rechtschreibfehlern und Wortwiederholungen á la copy and paste.
Die Ausstellung lässt kein Konzept erkennen, es sind eben Folterinstrumente ausgestellt, mit schlechten – da unglaublich ungenauen – Objektbeschriftungen wie beispielsweise: „Brustkralle, Europa allgemein, 1300-1700, private Sammlung“.
Die Ausstellungsräume gleichen einem alten Büro, welches nach Umnutzung nicht einmal neu renoviert zu sein scheint, geschweige denn der alte Teppichbelag ausgetauscht oder entfernt wurde. Die Objekte sind auf dunkelrosa Samt präsentiert, was eher an Rotlichtmilieu als an Rechtsgeschichte erinnert. Zudem sind die Ausstellungsstücke teilweise direkt mit Schrauben an den Wänden befestigt, was dem Erhaltungszustand nicht gerade dienlich ist. Ebenso ist es aus konservatorischer Sicht sehr fragwürdig, die Objekte noch verröstet in die Vitrinen zu legen, wie es hier der Fall ist.
Alles nur ein schlechter Scherz? Leider nicht!
Hier noch mal die Kurzfassung: der Internetauftritt ist verwirrend, das „Museum“ fragwürdig, schlecht gemacht, die pure Folter eben! Von Rechtsgeschichte darf keine Rede sein, hier soll einfach nur die Schaulust befriedigt werden.
Da gibt es nur eine Konsequenz: nicht hingehen und das Geld für angenehmere Dinge als für Folter ausgeben!

http://www.kriminalmuseum-leipzig.de/

Marie Breinl (Dipl. Museol., Leipzig)