Helfta- Das Zisterzienserkloster

Einleitung

Diese Arbeit bildet den zweiten Teil des Themas „Kloster Helfta – Einst und Heute“. In diesem Teil „ die Geschichte und Gegenwart des wiedererbauten Kloster Helfta“ wird der Weg von dem Beginn der Verhandlungen für den Wiederaufbau bis hin zu dem heutigen Leben der Zisterzienserinnen im Kloster Helfta behandelt. Einer der Schwerpunkte bildet der Wiederaufbau mit den Initiatoren, die diesen ermöglichten und unter anderem die Problematik der Finanzierung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das heutige Leben des Zisterzienserordens, dessen Frauen ein Dasein in der Tradition der drei berühmten Mystikerinnen, Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud von Helfta, führen und getreu nach dem Wahlspruch der Gründerväter des Ordens „Die Tür steht offen, das Herz noch mehr.“[1] handeln. Nicht behandelt wird in diesem Teil das Leben der Mystikerinnen und die Geschichte des Klosters von der Gründung 1229 durch Graf Burchard von Mansfeld bis zu dem Zeitpunk der Säkularisierung des Klosters ab 1542 wird nur kurz in der Hinführung erwähnt, da dies die Grundlage des ersten Teils bildet.

Im Mittelpunkt meiner Recherchen, sowohl bei der Bearbeitung der Literatur, als auch bei dem Gespräch mit Schwester Gratia, stand für mich die Frage, ob und wie sich die katholischen Ordensfrauen im Kontext eines weitgehend nichtchristlichem Land einfügen und verhalten. Auf diese Frage soll auf den folgenden Seiten eine Antwort gegeben werden.

Das Kloster Helfta, am Rande der Stadt Eisleben, hat im wahren Sinne des Wortes eine bewegte Geschichte. Es wurde 1229 von Graf Burchard von Mansfeld und seiner Ehefrau Elisabeth von Schwarzberg unter dem Namen Kloster St. Marien gegründet und beherbergte dort sieben Zisterzienserinnen, die das Kloster St. Jakobs und Burchardi in Halberstadt verlassen haben um in dem neugegründeten Gotteshaus ihrem Gott zu dienen.

Nach unterschiedlichen Orten fand das Kloster St. Marien 1258 in Helfta einen festen Standort und konnte unter der Leitung der Äbtissin Gertrud von Hackeborn zu einem großen Konvent heranwachsen. Die am Ende des 13. Jahrhunderts einsetzenden Plünderungen, durch zum Beispiel Gebhard von Querfurt und später Herzog Albrecht von Braunschweig, hinterließen ihre Spuren und St. Marien wurde Mitte des 14. Jahrhunderts vor die Stadtmauern Eislebens verlegt.[2]

Mit der zunehmenden Säkularisierung und dem Tod des Grafen Hoyer, der Schutzherr des Klosters war, hatte dies bis 1712 mehrere Besitzer und wurde anschließend durch den preußischen König Wilhelm den Ersten[3] zu einer königlichen Domäne. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ging es in das Volkseigene Gut der DDR bis 1989 über. Es hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch seine eigentliche Funktion als Gotteshaus schon längst verloren.

Was am Ende der 80er Jahre mit dem Protest des Lehrers Joachim Herrmann gegen die Sprengung der Ruinen bekann, endete mit der Übertragung aller Grundstücke und Gebäude auf die Stiftung des Klosters Helfta Ende des Jahres 2003.[4]

1. Die Geschichte des Wiederaufbaus

1.1. Die Initiatoren

Joachim Herrmann, ortsansässiger Zeichenlehrer, konnte 1988 eine weitere Sprengung auf dem früheren Klosterareal und den Bau einer Lagerhalle verhindern. Nachdem er die Verantwortlichen von der geschichtlichen, religiösen und kulturellen Bedeutsamkeit der nochstehenden Gebäude und des Geländes, mit Hilfe schriftlicher Quellen und materiellen Hinterlassenschaften, überzeugen konnte, wurde das Areal aus dem Volkseigen Gut herausgelöst und ihm die Verantwortung übertragen. Ab 1988 entwickelte er Ideen um das Gelände kulturell Sinnvoll zu nutzen. Ein Beispiel für seine Pläne ist das noch heute existierende Museum mit einer Sammlung von Funden aus verschiedensten Epochen. Die im Jahre 1990 veröffentlichte Ortgestaltungskonzeption von Helfta beinhaltete die verschiedenen Sektoren des Geländes in unterschiedliche Betreuung zu gegeben. Das Klosterareal sollte in katholische Hände gegeben werden und das Georgsviertel sollte von den evangelischen Christen verwaltet werden. Ebenso wurde geplant das Gebiet der Ottonischen Pfalz in neue Obhut zugeben. Das Kuratorium Kloster St. Marien Helfta, mit dem Vorsitzenden Joachim Herrmann, wurde in dem gleichen Jahr gegründet. Jedoch waren die Streitigkeiten unter den Mitgliedern, die aus den ideologisch unterschiedlichen Meinungen hervor gerufen wurden, das Motiv für die baldige Auflösung des Kuratoriums. 1991 konnte das Kuratorium neu gliedert und als eingetragener Verein legitim genehmigt werden. Auf Gesuch von Joachim Herrmann wurde das Georgsviertel, das Klosterareal und das Gebiet der Burg Helfta als Denkmalschutz erfasst. Zeitgleich wurde mit den ersten Aufräumarbeiten durch ABM-Kräfte[5] begonnen, bei denen der Klosterteich ausgehoben wurde und die Fremdbauten beseitigt wurden. Eine weitere Idee von Herr Herrmann wurde in die Realität umgesetzt als mit der Anlegung des, vom ihm geplanten, Klosterwanderweg begonnen wurde.[6]

Als einer der wichtigsten Personen aus den geistlichen Kreisen der sich stark für den Wiederaufbau einsetzte ist Pfarrer Horst Mittenentzwei aus Hettstedt. Schon seit 1983 hat sich Pfarrer Mittenentzwei mit der Idee des Wiederaufbaus beschäftigt und trug sein Vorhaben bei einer privaten Audienz dem damaligen Papst Johannes Paul dem Zweiten[7] vor.

Bestärkt durch die päpstliche Ermunterung nahm er sich der Sache an und gründete Anfang der 90er Jahre den Verein der Freunde des Klosters Helfta e.V. . Zu den ersten Mitgliedern gehörten ebenfalls Pfarrer Josef Hochenauer und der Bürgermeister aus Vöhringen/Iller Erich Josef Geßner. Pfarrer Josef Hochenauer wurde von Herr Geßner auf Helfta und seine Geschichte aufmerksam gemacht und beide reisten nach der Wende in die Partnerstadt Hettstedt in Sachsen-Anhalt. Nach dem dortigen Treffen mit Pfarrer Mittenentzwei führte dieser die beiden Interessierten nach Eisleben und zeigte ihnen das ehemalige Klostergebiet. Inspiriert von dem Rundgang rief Pfarrer Hochenauer am 24. Februar 1992 den Initiativkreis Kloster Helfta e.V. aus, um dem einstigen Klostergelände wieder seine längst vergangene Bedeutung zurück geben zukönnen, denn nach Hochenauer sei das Gelände ein heiliger Boden.[8] Nach und nach wuchs die Zahl der Vereine, deren Interesse dem einstigen Kloster zukam, auf Vier heran. Diese Vier, erst noch eigenständigen Organisationen, schlossen sich am 17.November 1992 zu dem Verband der Freunde des Kloster Helfta e.V. zusammen. In diesem Verband arbeiteten katholische, evangelische Christen und Nichtchristen Seite an Seite und setzten sich für das gemeinsame Ziel, dem Gelände einen würdigen Nutzen zu kommen zulassen, ein.

Nach den Verhandlungen zwischen Josef Hochenauer und dem Chef der Treuhand, Dr. Theodor Waigel, wurde am 08. August 1994 der Kauf abgeschlossen. Das Gelände wurde für 1,5 Millionen DM an die Diözese Magdeburg übergeben, die es zur Nutzung dem Verband der Freunde des Klosters Helfta e.V. überschrieb[9]. Im Herbst 1995 entstand aus den unterschiedlichen Meinungen über die Nutzung des Geländes und der Gebäude ein Streit. Die verschiedenen Partein forderten entweder ein ökonomisches Gymnasium, ein Bildungshaus oder eine Kirche und ein Klostergebäude. Der Vorstand des Verbandes übertrug dem Architekten Ganderscheldt den Auftrag einen Plan zu entwerfen, der allen Beteiligten gerecht werden und Rücksicht auf die Regeln des Zisterzienserordens nehmen sollte[10]. Der Plan wurde zwar Anfangs angenommen, doch nach unterschiedlichen Auseinandersetzungen mit dem Architekten wurde ihm der Auftrag entzogen und an das Architekturbüro Maas & Partner aus Münster vergeben.

Als das Bistum Magdeburg 1998 die Bauherrschaft übernahm wurde Willi Kraning, der in der Verwaltungsbehörde des Bischofs tätig war, vom Bistum Magdeburg und Bischof Leo Nowak gebeten sich um den Wiederaufbau des Klosters zukümmern. Mit Unterstützung des Siedlungswerk Magdeburg, dem Geschäftsführer Norbert Diehl und dem Bauingenieur Günter Schlief, die mit der Leitung des Projektes betreut waren, konnte noch im September 1998 mit dem Wiederaufbau für die Kirche, das Konvent und dem Kreuzgang begonnen werden.

Im März 2000 beschloss der Verband seine Auflösung, denn mit der Übergabe des Klostergutes an die Zisterzienserinnen und die Diözese Magdeburg war das Ziel erreicht. An die Stelle des Verbandes ist der Förderverein Kloster St. Marien zu Helfta e. V. getreten um eine weitere Unterstützung von Außen zu gewährleisten.[11]

1.2 Die Finanzierung

Als die Pläne des Wiederaufbaus mehr und mehr Form annahmen, standen die Initiatoren vor dem größten Problem, der Finanzierung. In dieser Zeit mussten viele andere Ordensgemeinschaften einige Niederlassungen schließen und anzunehmen ist, dass einige von ihnen aus dem Mangel an finanziellen Mitteln tun mussten. Zwar war das Bistum Magdeburg an dem Projekt des Wiederaufbaus von dem Kloster interessiert, jedoch mussten die Vereine auf eine finanzielle Unterstützung verzichten. Der Verband der Freunde des Klosters Helfta e. V. war somit angewiesen auf die Spenden von Privatpersonen sowie Sponsoren und andere Bistümer. Nur die Summe aus diesen Einnahmequellen bildete die Basis für die Finanzierung des Neuanfanges. Aus diesem Grund legte Pfarrer Horst Mittenentzwei und der Initiativkreis Kloster Helfta den Schwerpunkt seiner Arbeit bei der Finanzierung, er konnte bis 1994 750.000 DM beschaffen.[12]

Nach dem Kostenstand von 2001 beliefen sich die Kosten für das Projekt auf 31,6 Millionen DM. Die Summe setzt sich zusammen aus den Kosten für das Klostergebäude, die Inneneinrichtung und die Gestaltung des Außenbereiches. Der erste Bauabschnitt, der aus der Klosterkirche, dem Konventgebäude, dem Kreuzgang sowie einem kleinem Gästehaus besteht, kostete 15,4 Millionen DM. Für die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes mussten Drei Millionen als Kredit aufgenommen werden, die Differenz von 12,4 Millionen DM konnte durch Spendengelder entrichtet werden. Mit 12 Millionen DM aus dem Spendenfonts wurde die komplette Inneneinrichtung und die neue Orgel bezahlt.

Um den Wiederaufbau realisieren zu können mussten sich die Vereine frühzeitig um die Finanzierung sorgen. Laut Josef Hochenauer standen dem Initiativkreis nur die jährlichen Mitgliedsbeiträge in der Höhe von 24 DM zur Verfügung und der Wiederaufbau rückte in weite Ferne, doch 1992 erhielt er 50.000 DM als Wertpapiere, die für den Wiederaufbau beabsichtigt waren. Hochenauer nutzte jede Möglichkeit um sein Anliegen an die Gemeinden weiter zutragen. Seinen Aussagen zu Folge schrieb er Bittbriefe an staatliche und kirchliche Stellen sowie an Einzelpersonen und Unternehmen, doch vor allem erhoffte er sich die Hilfe seiner Mitbrüder. Zuerst wante sich der Pfarrer an die eigene Diözese und anschließend an alle in der gesamten Bundesrepublik. Als nächstes holte sich Hochenauer die Erlaubnis zu Haussammlungen ein und begann mit den Spendensammlungen im Jahr 1997. Er zog mit der Unterstützung einiger Frauen von Haus zu Haus und bat die Passanten in den Fußgängerzonen Münchens um finanzielle Hilfe, so konnte der Verein bis 1999 insgesamt Drei Millionen DM aufbringen.[13] Die Erwerbskosten, in einer Höhe von 1,5 Millionen DM, für das Klostergebäude konnten von den ca.2,5 Millionen Spendengeldern, die der Verein noch neben den Geldern für den direkten Klosteraufbau sammelte, bestritten werden. Ebenfalls dienten die Gelder zu Herrichtung des Herrenhauses, einer ersten Kapelle auf dem Gelände und für einige Übernachtungsmöglichkeiten. Insgesamt wurde von den Vereinen eine Summe von 4 Millionen DM gesammelt, private Spenden brachten 20,7 Millionen ein und durch die Sponsorentätigkeit des Bistums Magdeburg konnten 16,7 Millionen DM für den Wiederaufbau gesichert werden. Nach dem Finanzstand im Dezember 2001 wurden insgesamt 5 Millionen DM als Kredit aufgenommen, die durch Spendengeldern der Zeit zurückgezahlt werden.[14] Zusammenfassend ist zusagen das die Spenden die Basis der Finanzierung bildeten und noch Heute einige der laufenden Kosten durch Spenden gedeckt werden.

1.3. Architektur und Inneneinrichtung

Im Vordergrund des Wiederaufbaus stand, das sämtlich An- und Zubauten optisch mit den noch erhaltenden Gebäuderesten harmonieren sollten. Eine Symbiose zwischen den historischen Bauten und dem schlichten, jedoch modernen Neubauten wurde von allen Beteiligten angestrebt. Ein weiterer Grundsatz, der die Bauplanung des Architekten beeinflusste, besagt das alle Neubauten nach den Grundregeln des Ordens zurückhaltend gestaltet werden sollten. Folglich bildeten die Ordensregeln den Ansatzpunkt für den Architekten, dem ein Beratungsgremium, mit den Vorsitzenden der Vereine und zwei Ordensfrauen, zur Seite stand.[15] Der Verwirklichung der Baupläne stand das Problem der maroden Bausubstanz gegenüber, deren Erhaltung ein weiterer Schwerpunkt der Planung bildete. Die Ausstrahlung des Klosters zu erhalten hat auch heute noch oberste Priorität. Das Grundprinzip der Zisterzienser spiegelt sich nicht nur in der Architektur wieder, sondern auch in der Inneneinrichtung und der Gestaltung des Kirchenraumes.

Der Innenraum des Kirchengebäudes ist, anders als viele andere katholische Kirchen, geprägt von Zurückhaltung. Entlang der südlichen Kirchenmauer, die aus Teilen des ursprünglichen Gebäude und einen neuen Anbau besteht, wurden 12 rote Kreuze mit jeweils zwei schwarzen Kreisen umrundet, auf das Mauerwerk gezeichnet. Jedes dieser Apostelkreuze steht für jeweils einen von Jesus berufenden Jünger. Sie wurden vor der Weihung der Kirche, aus einer Mischung bestehend aus Weihwasser und verschiedenen Ölen, auf die Wände aufgetragen.

An der Südmauer ist des weiteren eine, meiner Auffassung nach, moderne Darstellung Christus zufinden, die in den 60er Jahren des 20 Jahrhunderst hergestellt wurde. Diese Holzfigur wurde aus Birnbaumholz gefertigt und stammt von einem Baum, der einer mündlichen Überlieferung nach, durch einen Blitzeinschlag gespalten wurde. Eigentlich war die Figur für eine Missionsstation in Japan vorgesehen, doch nach dem Neuanfang des Klosters wurde sie an den Orden als Geschenk übergeben.

Zu den neueren Stücken zählt ebenfalls die neue Orgel, die von einem Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern gefertigt wurde. Die Orgel ist das erste Stück des Künstlers und wurde 2000 eingeweiht. An der Wand über dem Durchgang zu dem ältesten Gebäude, einem Wehrturm aus Ottonischer Zeit, befinden sich 15 Bronzetafeln auf denen das Leiden Christi dargestellt ist.

Im östlichen Teil des Gebäudes befindet sich der Altar, in dessen Mitte sich Fossilien befinden. Diese Fossilien sind drei Fischversteinerungen in Form eines Dreieches, welches das Auge Gottes symbolisiert, mit dem er über die Menschen wacht.[16] Der Altar zeichnet sich durch eine weitere Besonderheit aus, denn im Inneren befindet sich eine Reliquie der heiligen Hedwig.[17] Diese Reliquie stammt aus dem Kloster Trebnitz, nordöstlich von Breslau /Schlesien und besteht aus Knochensplittern ihrer Elle. Durch ein Zertifikat des Erzbischofs von Breslau beglaubigt, wurde sie am 08.09.1999 der Äbtissin M. Assumpta übergeben.[18]

Der Wehrturm aus der Ottonischen Zeit wurde zu DDR-Zeiten als Fluchtraum und als Kartoffelkeller genutzt und dient heute als Gebetsraum mit einem Taufstein aus einer aufgelösten Gemeinde in Münster.

Ein Wahrzeichen für das Kloster und die Geschichte sind die drei berühmten Ostfenster mit den abgebildeten Sonnenstrahlen. Schon vor diesen Fenstern hat Mechthild von Magdeburg[19] gesessen und zu Gott gebetet und angeblich eine Antwort erhalten. Der Mensch solle so durchsichtig sein wie das Fenster, damit Gott durch ihn durch sehen kann. Laut Schwester Gratia symbolisiert das Linke der Fenster die enge Verbundenheit Gottes zu diesem Ort. Man solle die Fenster mit Holzbrettern vernagelt haben, doch an diesem Fenster hätten die Bretter nie gehalten und es war immer zu sehen, im Gegenteil zu den weiteren Fenstern.

2. Das Leben der Zisterzienserinnen in Helfta

2.1. Was sind Zisterzienser?

„Sacer Ordo Cisterciensis“ , so die lateinische Bezeichnung der Zisterzienser, wurde von einer Gruppe Benediktiner 1098 in Frankreich, unter der Leitung von Robert Cîteaux gegründet. Er wollte dort mit den Mönchen nach, den von ihm aufgestellten, Ordensregeln leben. Ein wichtiger Bestandteil dieser Regeln war die Entsagung, strenge Selbstzucht und die Enthaltsamkeit. Der direkte Nachfolger Cîteauxs konnte 1100 die Anerkennung des Ordens durch Papst Paschalis dem Zweiten[20] erlangen. Verfasst wurde die erste Ordnung von, dem aus England stammenden, Stephan Harding, der den Aspekt der Nächstenliebe verankerte. Unter Bernhard von Clairvaux, der Gründerabt des Klosters Clairvaux, konnte sich die Lebensweise des Ordens schnell verbreiten. Ab dem 12 Jahrhundert gab es ebenfalls Frauenklöster die nach den gleichen Ordensregeln lebten. Zu dieser Zeit hatten die Zisterzienser den Ruf einer der einflussreichsten Orden der katholischen Kirche zu sein, nicht zuletzt wegen ihrer vielseitigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Mit einsetzten der Reformation[21] und später der französischen Revolution[22] zerfiel der Orden und es bildeten sich Gruppen heraus, dessen stärkste die Trappisten waren, die sich zu einem eigenständigen Orden entwickelten.[23] Eine besondere Eigenheit der Zisterzienser sind die Regeln, die die Architektur der Klöster bestimmen. Im laufe der Zeit ersetzten sie die, so typisch prunkvoll ausgestattenden, Chöre durch einen einfachgehaltenen Chor mit geradem Abschluss. Die Kirchentürme waren nicht mehr zulässig, bis auf einen kleines Türmchen auf dem Dachfirst. Wie heute in Heflta, fand man auch im Mittelalter weder Bilder noch Farbe an den Wänden, sie waren unverputzt und hatten keine Fassaden.

Die Ordenstracht besteht heute noch aus einer weißen Tunika und zwei schwarzen, über Brust und Rücken bis zu den Füßen hängende, Tuchbahnen mit Kapuze und weißer Flocke.[24]

2.2. Der Einzug der Zisterzienserinnen

Der Wiederaufbau ging in großen Schritten voran und nun mussten sich die Initiatoren Gedanken um die zukünftigen Bewohner des Klosters machen. Josef Hochenauer hatte die Idee sich an die Abtei Seligenthal zuwenden. Äbtissin M. Assumpta Schenkl, die seit Mai 1993 Mitglied des Initiativkreis Kloster Helfta e. V. war, sollte die Ansprechpartnerin von Hochenauer sein. Anfang November 1994 kam es zu einem ersten Treffen der beiden Partein und Hochenauer konnte seine Ideen vortragen. Da die Äbtissin Interesse an dem Kloster in Helfta zeigte wurde sie zum Gertrudfest nach Eisleben eingeladen. Nach der Zustimmung des Konventes für die Reise, wurde sie von dem Initiativkreis nach Eisleben gebracht. In der darauf folgenden Zeit nahm die Zisterzienserin oft an den Vorstandssitzungen teil. In einem Brief vom 07.06.1996 teilte sie ihre Entscheidung, mit zwei Schwestern in das neue Kloster zuziehen, Pfarrer Hochenauer mit.[25]

Mit der Absprache des Seligenthaler Konvent zogen am 13. August 1999 die ersten sieben Schwestern in Helfta ein. Erst wohnten die Schwestern in einer provisorischen Unterkunft, heute befindet sich ihr Wohnhaus in der alten Mühle. Offiziell wurde der Einzug mit der Schlüsselübergabe an Äbtissin Assumpta durch den Architekten Maas während der feierlichen Einweihung am 21.11.1999. Um nicht nur im Rahmen der Kirche tätig zu sein und die Spiritualität des Ordens weiter zutragen, forderten die Schwestern eine Möglichkeit Gäste unterzubringen. Die geplante Klostererweiterung musste realisiert werden und der frühere Kuhstall, der ebenfalls unter Denkmalschutz steht, wurde ausgebaut. Im südlichen Teil wurde das Bildungshaus- und Exerzitienhaus errichtet und Platz geschaffen für 36 Gäste, die somit am klösterlichen Leben teilnehmen können. Das Gertrudenstift, mit 24 Kleinwohnungen, wurde im nördlichen Teil eingerichtet und soll mit den Geldern aus der Vermietung den Lebensunterhalt der Schwestern sichern. Innerhalb der folgenden fünf Jahre wuchs die Zahl der Schwestern auf 16 , die sich zusammensetzt aus 13 Ordensfrauen, zwei Novizinnen, die noch in der Prüfungsphase sind, und einer Kandidatin.[26]

2.3. Wie gestaltet sich der Alltag der Frauen?

In Anlehnung der ersten Zisterzienser aus dem Mittelalter wird das Leben auch heute noch von einem Wechsel zwischen Arbeit und Gebet bestimmt. Aus der Tradition heraus und nach den Benediktinerregeln werden die gemeinsamen Gebete zu den sieben Gebetszeiten abgehalten. Der Tag im Kloster beginnt vor fünf Uhr Morgens und wird mit der Laudes, dem Morgenlob begonnen. Bei der darauf folgenden festgelegten Gebetszeit, um 7.30 Uhr, wird die Eucharistiefeier, die christliche Dankfeier, abgehalten. Ebenfalls werden Gebetszeiten vor der Mittagszeit und danach vorgeschrieben und folglich wird erst die Sext und später die Non gesungen. Eingeleutet wird der Abend mit der Vesper, dem Abendlob und 19.45 Uhr mit dem Komplet, dem Nachtgebet, abgeschlossen. Laut Schwester Gratia ist es nicht das frühe Aufstehen, das den Neuankömmlingen im Kloster Schwierigkeiten bereitet, sondern das Gesprächsverbot bis nach der Eucharistiefeier. Die Gebetszeiten an den Sonn- und Feiertagen unterscheiden sich nicht im wesentlichen von denen an den Werktagen, die Laudes und die Eucharistiefeier finden eine Stunde später als üblich statt. Auf drei Stunden am Morgen und drei Stunden am Nachmittag verteilen sich die Arbeitszeiten. Die Unterschiedlichen Arbeitsbereiche reichen von landwirtschaftlichen Tätigkeiten, bis hin zu Führungen und Einzelgesprächen mit den Gästen. Der Klosterladen und zum Beispiel die Klosterpforte werden von den Schwestern geleitet, doch auch Viehzucht, Fischerei und die Arbeit an den Obst- und Kräutergärten sollen die Kosten des Lebensunterhaltes bestreiten.[27]

Schlusswort

In den folgenden Schlusswort werde ich, wie in der Einleitung erwähnt, resümierend auf die Frage eingehen, wie sich die Ordensfrauen in ihr Umfeld einfügen. Die Bereitschaft der Schwestern, Gäste über das Klostergelände zuführen und sich während Einzelgesprächen den Fragen und Bedürfnissen, derer zu widmen, die sich Hilfesuchend an die Frauen wenden, zeigt die Offenheit gegenüber Jedem. Das gilt für Glaubensfragen, Probleme im alltäglichen Leben und Fragen zur Geschichte des Klosters, wie in meinem Fall, während der Führung und dem anschließenden Gespräch mit Schwester Gratia. In naher Zukunft soll, laut Schwester Gratia, eine neue Kindertagesstätte errichtet werden, in der sowohl Christen, als auch Nichtchristen von den Schwestern betreut werden. Dies zeigt, dass den Ordensfrauen ihr weitgehend nichtchristliches Umfeld bewusst ist und sie sich nicht vor dieser Situation verschließen. Auch das ungewöhnliche Zusammenwirken von neuer und alter Bausubstanz, sowie der modernen Architektur macht deutlich, dass diese Zisterzienserinnen zwar an der Tradition und an den Ordensregeln ihrer Glaubensväter festhalten, sich jedoch nicht vor Neuheiten und der Zukunft verschließen.

Literatur- und Quellenverzeichnis

C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leibzig 2003.

W. Kraning (Hg,), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben / Helfta 2004.

http://www.heiligkeitenlexikon.de/start.html?Orden/Zisterzienser.htm

www.zisterzienserorden.de

Gespräch und Führung mit Schwester Gratia

Fußnoten

[1] Vgl. Willi Kraning, Kloster Helfta, Oase für das Leben, ein Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.36.

[2] Vgl. C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003, S. 39.

[3] deutscher Kaiser (1871 – 1888) und König von Preußen (1861 – 1888)

[4] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.11.

[5] ABM: Abk. für Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

[6] Vgl. C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003, S. 47- 53.

[7] Papst von 1978 bis 2005

[8] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.13.

[9] Vgl.ebd., S. 13

[10] Vgl. C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003, S.69-77.

[11] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.14 – 18.

[12] Vgl. C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003, S.156 – 157.

[13] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.14 – 18.

[14] Vgl. Ebd. S. 156 – 158.

[15] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.20 f.

[16] Vgl.Gespräch mit Schwester Gratia, Schwester des Zisterziensordens im Kloster Helfta

[17] 1174 – 1243, Herzogin von Schlesien, verheiratet mit Herzog Heinrich I. v. Schlesien, gründete Kloster Trebnitz, Pratonin Schlesiens, Tag 16.10

[18] Vgl. C. G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003, S.59 f.

[19] geboren 1207; starb zw. 1282 – 1294; erste bekannte Mystikerin in dt. Sprache; ging 1260 nach Helfta

[20] 1099 – 1118

[21] Setzte 1517 mit der Veröffentlichung Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel ein.

[22] 1789; Ergebnisse: Abschaffung des Feudalismus, Ablehnung der konfessionellen Monarchie, Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte

[23] www.heiligenlexikon. de/start.html?Orden/Zisterzienser.htm

[24] www.zisterzienserorden.de

[25] Vgl. C.G. Fetsch, D. Tautz (Hg.), Ein gemeinsames Werk, der Wiederaufbau von Kloster Helfta, Leipzig 2003,S. 122 – 126.

[26] Vgl. Willi Kraning (Hg.), Kloster Helfta, Oase für das Leben, Blick in die Vergangenheit Das Leben heute, Lutherstadt Eisleben/Helfta 2004, S.14 – 19, S. 24 – 30.

[27] Vgl. Ebd. S. 35 – 40., Gespräch mit Schwester Gratia

Alexandra Südekum, Halle/Saale, 2009.

apostelkreuz1

Apostelkreuz

Ostfenster am Altar

Ostfenster am Altar

Holzfigur Jesus

Holzfigur Jesus

Fische im Altar

Fischabdrücke im Altar

  1. #1 von Klaus Mittenentzwei am 11. Juni 2009 - 10:43

    Als Bruder des Pfarrers Horst Mittenentzwei danke ich zunächst dafür,daß durch Ihre Arbeit die Bedeutung
    von Pfarrer Horst Mittenentzwei mindestens zum Teil gewürdigt wird.Ohne seine Hartnäckigkeit wäre Kloster Helfta nämlich nicht begonnen worden.
    Er hat in unermüdlichem Werben durch Predigten und Veranstaltungen als Einzelperson eine nicht unerhebliche Summe zusammengebracht.
    In der Folgezeit wurde seine Person in den Hintergrund gedrängt.
    Mein Bruder Wolfgang Mittenentzwei aus Halle und ich
    haben in der letzten Zeit intensiv dafür geworben,
    daß unser Bruder in der Geschichte des Klosters Helfta
    wieder mehr Bedeutung erlangt und seine Verdienste
    nicht in Vergessenheit geraten.

    Am kommenden Helfta-Tag wird eine Ehrung seiner
    Person durch den Stiftungsrat vorgenommen werden.

    Nähere Informationen kann Ihnen mein Bruder
    Wolfgang Mittenentzwei in Lieskau-bzw.Praxis
    in der Südstr.1 -geben.

    Mit freundlichen Grüßen Klaus Mittenentzwei

(wird nicht veröffentlicht)